<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-2653169122922592033</id><updated>2012-02-16T18:36:51.810-08:00</updated><title type='text'>Kaj Munk Online - Deutsch</title><subtitle type='html'>Willkommen auf Kaj Munk Online.
Wir haben ein Blog, in dem Nachrichten über den dänischen aufgelistet werden - Deutsch und Englisch umgeschaltet. Sie können hier noch Dateien, Texte und Veranstaltungen über die Menüs auf der rechten Seite. Der Eingang ist immer noch: 
www.kajmunk.dk</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>TinyZorro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/04141202525068564783</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>5</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2653169122922592033.post-8587385473681874286</id><published>2010-11-22T06:30:00.001-08:00</published><updated>2010-11-22T22:34:29.354-08:00</updated><title type='text'>Der Kardinal und der König</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;Kaj Munk&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-size: large;"&gt;Der Kardinal und der König&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-size: large;"&gt;1929&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;deutsch von Paul Gerhard Schoenborn  ©&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;2008&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;"Kardinalen og Kongen" handelt vom Aufstieg Armand de Richelieu (1585 – 1642), eines Bischofs aus neiderem Adel in einer unbedeutenden Diözese zum mächtigsten Mann Frankreichs, von seinem Kampf um Frankreichs Größe und von Intrigen gegen ihn, die er durchstehen musste, und schließlich von seinem Todeskampf. Seine Gestalt hatte Kaj Munk seit seiner Schulzeit fasziniert. So schuf er 1929-30 ein weitgespanntes Drama, in dem es um das Ineinander von Berufung zu einer großen Aufgabe und Verzicht auf persönliches Lebensglück, um machtpolitische Entscheidungen, politische Intrigen und Attentate, um das Ineinander von Vaterlandsliebe und katholischer Religion, um erotische Anziehung, Liebesbedürfnis und Entsagung geht. Alles das eingebettet in Szenen höfischen Lebens und Treibens in franzöischen Schlössern. Das Schauspiel bietet vielerlei scharfsichtige Beobachtungen menschlicher Stärken, Schwächen und Sehnsüchte. &lt;br /&gt;Kardinal Armand de Richelieu ist für Kaj Munk die idealtypische Verkörperung eines starken Staatenlenkers an der Seite eines absolutistischen, wenngleich schwachen Königs. Richelieus Maxime formuliert der Dichter aus Vedersø im Drama – und das ist zu der Zeit auch seine eigene strukturpolitische Ansicht -  "... dass es nur eine Staatsform gibt, die etwas taugt: ein allein herrschender, absoluter Regent, der die Ideen empfängt, und unter ihm ein allmächtiger Minister, der sie ausführt". Das stellt sich dann freilich in Richelieus Falls so dar: " Ja, aber ... wenn nun der Regent ... dumm ist? In einem solchen Fall ist es umgekehrt: ein allein herrschender, absoluter Minister empfängt die Ideen und der König unter ihm ist dazu da, sie umzusetzen ... " (Dialog zwischen Richelieu und der Königinwitwe im zweiten Akt – hier Seite 22.) Der Kardinal, schließlich nach vielen Auseiandersetzungen und Rückschlägen dieser allmächtige Minister, hat sein ganzes Leben einem einzigen Ziel untergeordnet: Frankreich soll zur führenden europäischen Großmacht  werden. Er – und auch sein an sich schwächlicher König Ludwig XIII - sind beide von der Gewissheit erfüllt, gerade dazu von Gott berufen zu sein. Dieser Berufung opfern beide ihr persönliches Glück – der Kardinal seine Jugendliebe Marie de Rohan. Tief verletzt und enttäucht verliert sich diese in ein oberflächliches, leichtfertig-erotisches und intrigantes Leben, in einer ersten Ehe als Gräfin de Luynes, und in einer späteren als Gräfin de Chevreuse. Auf seinem Totenbett erst erkennt der Kardinal, an diesem sittlichen Verfall der Frau, die er heiß geliebt hat und deren Jugendbild er immer noch liebt, schuld zu sein - und was noch schlimmer ist: das endgültig Vergangene nicht wieder heilen zu können. Er wird dadurch an eine existentielle Grenze geführt, er wird seiner Ohnmacht ohne Wenn und Aber ansichtig. In dieser "Grenzsituation" (Karl Jaspers) kann er sich nur noch der Gnade Gottes anvetrauen und tut es auch. Zugleich aber schwört er den König und alle anderen Würdenträger Frankreichs, die an seinem Sterbebett versammelt sind, auf den aufopferungsvollen Dienst für Frankreichs Größe ein, welcher der Inhalt seines eigenen Leben war.&lt;br /&gt;1930 reichte Kaj Munk dem Königlichen Theater in Kopenhagen das Manuskript eines Schauspiels über Richelieu  ein. Es hatte noch keinen Titel und umfasste acht Akte. Kaj Munk verkürzte sein Stück auf Wunsch der Theaterleitung grundlegend. Dabei fiel der achte Akt fort. Es kam aber danach nicht zu einer Aufführung, weil die Theaterleitung wechselte. Auch das Dagmartheater und das Casino-Theater in Kopenhagen lehnten das Stück ab. Kaj Munk ließ daraufhin das Stück ruhen und verzichtete auch auf den Druck eines Textheftes.. &lt;br /&gt;Im Jahre 1939 sandte er ein Typoskript mit dem Titel "Kardinal og Kongen" dem berühmten, mit ihm befreundeten  Schauspieler Poul Reumert. Das Reumertsche Exemplar befindet sich heute in der Königliche Bibliothek Kopenhagen (Sammlung Poul Reumert). Es enthält wieder acht Akte und ist wohl weitgehend identisch mit dem ursprünglichen Text. Es weist zahlreiche handschriftliche Korrekturen Kaj Munks auf und wird durch folgende Widmung des Dichters an seinen Freund eingeleitet:&lt;br /&gt;Til dig, der af den anden Lampens Aand&lt;br /&gt;faar rakt hans Lyst og Kamp og Graad og Spot&lt;br /&gt;og deraf bygger med din Mesterhaand&lt;br /&gt;den lange Nat igennem Gryets Slot.&lt;br /&gt;Man kann diese Widmung ungefähr so verdeutschen:&lt;br /&gt;Dir, der du von einem anderen begeisterten Genie&lt;br /&gt;auch dessen Lust und Kampf, die Tränen und den Spott bekamst,&lt;br /&gt;womit du dann mit meisterlicher Hand&lt;br /&gt;die lange Nacht im Schloß des Morgengrauens schufst.&lt;br /&gt;April 1930  Kaj Munk&lt;br /&gt;"Kardinalen og Kongen" wurde nie vollständig aufgeführt. Unter der Überschrift "Der brænder en Ild." – Es brennt ein Freuer." führte im Jahre 1942 das Tournee-Theater von Gerda Christophersen den ersten Akt auf. Gleich nach Kriegsende ließ Poul Reumert in szenischen Lesungen Teile des Drama auf Bühnen in Dänemark und Norwegen lebendig werden. Der Text des Dramas wurde erstmalig 1948 in der Kaj Munk Mindeudgave – Band: "Kærlighed og andre Skuespil", Seite 291 – 383, vollständig veröffentlicht. Er folgt, wie es im Vorspann auf Seite 292 heisst, im Großen und Ganzen dem Typoskript aus der Sammlung Poul Reumert.&lt;br /&gt;Meiner Übersetzung liegt der Text der Mindeudgave, Band "Kærlighed og andre Skuespil", Seite 291 – 383, zugrunde. Søren Daugbjgerg, Maribo und Arene Munk, Vedersø, danke ich herzlich für die hilfreiche, kritische Durchsicht meiner Übersetzung.                                                                       PGSch – August 2008&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Personen&lt;br /&gt;Armand de Richelieu&lt;br /&gt;Marcel, ein Diener&lt;br /&gt;Eine alte Hugenottin&lt;br /&gt;Alphonse, ein Karthäusermönch&lt;br /&gt;Pater Josef&lt;br /&gt;Abt&lt;br /&gt;General Birabeau&lt;br /&gt;Marie de Rohan, die spätere Gräfin de Luynes, und noch später Gräfin de Chevreuse&lt;br /&gt;König Ludwig XIII&lt;br /&gt;Die Königin, Anna von Österreich&lt;br /&gt;Albert Luynes&lt;br /&gt;Baron de Vitry&lt;br /&gt;Hofdamen&lt;br /&gt;Herren bei Hofe&lt;br /&gt;Maria de' Medici, Mutter des Königs, Witwe König Heinrichs III&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre&lt;br /&gt;Minister Mangot&lt;br /&gt;Barbin&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency&lt;br /&gt;Jeanne, Herzogin von Montmorency&lt;br /&gt;Gaston d'Orleans, „Monsieur", der Bruder des Königs&lt;br /&gt;Erzbischof von Tour&lt;br /&gt;Bankier Poulard&lt;br /&gt;General Birabeau&lt;br /&gt;Großsiegelbewahrer Chateauneuf&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt&lt;br /&gt;Pierre, Diener im Schloss d'Alemcourt&lt;br /&gt;Annette, Dienerin im Schloss d'Alemcourt&lt;br /&gt;Der junge Herzog von Montmorency&lt;br /&gt;Der Narr Marbout&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort&lt;br /&gt;Mazarin &lt;br /&gt;Marquis, Graf, Exzellenz - Herren am Hof &lt;br /&gt;Nuntius&lt;br /&gt;Ein Gesandter des Kaisers&lt;br /&gt;Der Satan &lt;br /&gt;I&lt;br /&gt;Im heruntergekommenen Bischofssitz von Luçon geht der junge Bischof Richelieu auf und nieder. Auf dem Tisch stapeln sich einige Bücher, darüber flackern ein paar Kerzen. Über den Papieren auf einem anderen Tisch qualmt eine Öllampe. Schnee peitscht gegen die Fensterscheiben. Richelieu bleibt vor einer mächtigen Landkarte stehen, verfolgt mit den Fingern Grenzen und Flüsse, kritzelt Zahlen und Stichworte nieder, liest dieses und jenes, bleibt schließlich vor einem alten Sessel mit hoher Rückenlehne stehen. Er verjagt eine Ratte und nähert sich dem Sessel mit ehrerbietigen, vollendetem Anstand.&lt;br /&gt;Richelieu Hohe Königin, Ihre Wünsche werden ausgeführt, noch bevor die &lt;br /&gt;Sonne untergeht. (Er deutet einen Handkuss an, während er sich so verhält, als würde er vom Sessel her angeredet.) Gnädige Frau? Meine ehrliche Meinung über den Marschall? Nun, was ist er anderes als der großartige Beweis für den treffsicheren Instinkt Ihrer Majestät, Fähigkeiten dort zu finden, wo sie sonst keiner vermuten würde. ... Wer? Ich? Ich sein Nachfolger? Königin Marie von Medici, bis zum letzten Atemzug bin ich der Ihre. ... &lt;br /&gt;Marcel! (Der Diener tritt ein.) Kannst Du die Löcher im Kamin nicht zustopfen? Hier kann man vor Rauch ja kaum noch atmen.&lt;br /&gt;Marcel Wenn ich die Löcher zustopfe, kann selbst der Teufel das Feuer nicht &lt;br /&gt;mehr zum Brennen kriegen. Herr Armand sollte jetzt lieber schlafen gehen.&lt;br /&gt;Richelieu Schlafen?&lt;br /&gt;Marcel Ihr Vater litt auch nachts so verteufelt an Kopfschmerzen, besonders &lt;br /&gt;wenn er mit König Heinrich auf Tour war. Aber wissen Sie, was der alte Chef stets dagegen tat, wenn ...&lt;br /&gt;Richelieu Marcel, hör auf, bitte!&lt;br /&gt;Marcel Es hilft nichts, ob wir Bischof oder was zum Teufel auch sein mögen: &lt;br /&gt;Weiber sind nun einmal für uns Männer geschaffen. Glauben Sie, Erzbischöfe oder Kardinäle, hä ... Gott weiß, selbst der Heilige Vater! Man sagt ja, er wird von den Kardinälen gezeugt.&lt;br /&gt;Richelieu Was für ein Hund winselt draußen so?&lt;br /&gt;Marcel Keiner … Ach ja, das ist die Mutter von dem, der heute Abend das &lt;br /&gt;Halsband kriegen soll. Sie wollte absolut zu ihnen hinein. Aber ich habe ihr gesagt: Nur über meine Leiche!&lt;br /&gt;Richelieu Lass sie 'reinkommen.&lt;br /&gt;Marcel Hier herein? Ein dreckiges, verlaustes Weibsstück? Nein, bei meiner &lt;br /&gt;Seligkeit.&lt;br /&gt;Richelieu Was glaubst Du denn, was Jesus tun würde, wenn er hier stünde und &lt;br /&gt;eine verzweifelte, alte Frau säße draußen im Schnee? ... Ihr da draußen: lasst &lt;br /&gt;die Frau hereinkommen.&lt;br /&gt;Marcel Was Jesus tun würde, weiß ich nicht. Er war Gottes Sohn und konnte sich &lt;br /&gt;allerlei Freiheiten erlauben. Aber ich weiß, was man seiner Stellung schuldig ist, wenn man Bischof geworden ist ... Die Sache nur, Sie sind es zu jung geworden.&lt;br /&gt;Richelieu Schick sofort jemanden zum Abt. (Als er aufsieht, steht die Frau vor ihm.) &lt;br /&gt;Weswegen bist Du hergekommen? Das Gesetz befiehlt: Wer stiehlt, wird aufgehängt. Das Gesetz ist heilig. Was willst du also von mir? Dass ich, der Bischof, das Gesetz entweihen soll, so wie dein Sohn es entweiht hat?&lt;br /&gt;Die Frau Barmherzigkeit! Um Christi willen!&lt;br /&gt;Richelieu Aha, nicht um der Heiligen Jungfrau willen. Eine Ketzerin also bist du.&lt;br /&gt;Die Frau Gestrenger Herr ...&lt;br /&gt;Richelieu Bist du nicht eine Hugenottin?&lt;br /&gt;Die Frau Ja, das bin ich.&lt;br /&gt;Richelieu Sag mir: Würdest Du wieder eine richtige Christin werden, wenn ich &lt;br /&gt;dir das Leben deines Sohnes versprechen würde?&lt;br /&gt;Die Frau (beugt das Haupt bis tief zum Boden) Herr Jesus, hilf mir das Richtige zu &lt;br /&gt;antworten.&lt;br /&gt;Richelieu Mütterchen, hier hast Du zwanzig Taler. Die Mutter Gottes möge sich &lt;br /&gt;Deiner erbarmen.&lt;br /&gt;Die Frau Gestrenger gnädiger Herr, er ist doch mein einziger. &lt;br /&gt;Richelieu Warum lügst du mich an?&lt;br /&gt;Die Frau Es ist wahr, ich habe niemand anders als ihn.&lt;br /&gt;Richelieu So. Dann muss er sterben. Wenn er allein da ist, um sich selbst und &lt;br /&gt;auch Dich zu versorgen, dann hindern wir ihn nur daran, dass er wieder stiehlt. Ja, dann muss er sterben. &lt;br /&gt;Die Frau Ich habe doch noch einen anderen Sohn.&lt;br /&gt;Richelieu Sag jetzt die Wahrheit: Wie viele hast Du wirklich?&lt;br /&gt;Die Frau Acht. Aber diesen hier sehe ich zu Recht so an, als wäre er mein &lt;br /&gt;einzigster. Ach, wir waren einmal reich, Herr Bischof. Aber was ist das für ein Land, in dem wir heute leben müssen. Der Gutsbesitzer nahm uns die Kühe weg und schlug meinen Mann, als der ihm mit dem König drohte. „Womit kommt mir dieser Kindskopf an? Hier bin ich König." Dann kam da ein Trupp Katholiken, wie man sie nannte, durch unsere Gemeinde, die verwüsteten das Korn bis auf die Wurzeln. Und nun neulich war da ein Schwarm, ja, es waren Hugenotten, und wir dachten ja, das wären welche von unserer Seite, die brannten unsern Hof nieder. Gnädiger Herr, Sie glauben mir nicht.&lt;br /&gt;Richelieu Leider Gottes, ich glaube Dir jetzt.&lt;br /&gt;Die Frau Ach, ich weiß das nicht. Ihr reichen Herren, Ihr lebt in Saus und Braus &lt;br /&gt;und könnt Euch selbst zu Eurem Recht verhelfen. Das können wir, die wir am Verhungern sind, auch, aber dafür werden wir dann gehängt. Es ist nicht mehr so wie in der Zeit des guten Königs Heinrich. Ich habe ihn einmal gesehen. Er warf mir einen Handkuss zu, als ... Er hat doch nur etwas genommen, weil wir alle Hunger und Not litten, und im Kloster war genug. Mein armer Junge hat .... (Schreit laut auf und flieht hinaus.)&lt;br /&gt;Alphonse (Fürchterlich herausgeputzt - steht hinter Richelieu.) Schau her, ich bin der &lt;br /&gt;Satan.&lt;br /&gt;Richelieu Nein, das bist du nicht, Alphonse. Du bist mein Bruder und ein ganz &lt;br /&gt;gewöhnlicher Karthäusermönch.&lt;br /&gt;Alphonse Ich habe hier ein Blatt Papier, sieh's an, sieh's an, sieh'an. „Ich, &lt;br /&gt;Armand de Plessis de Richelieu, trete dem Fürst dieser Welt meine unsterbliche Seele ab dafür, dass er mir einen Platz unter den Bösen und Mächtigen der Erde verschafft." Unterschreibst Du das, Bischof von Luçon?&lt;br /&gt;Richelieu Bald geht der Mond auf, kleiner Alphonse. ... Pater Josef! Sind Sie &lt;br /&gt;wieder heimgekommen? Willkommen, willkommen, Lieber! Aber Ihr Bart? Wo sind Sie den losgeworden?&lt;br /&gt;Pater Josef Der Bart ist in Paris geblieben.&lt;br /&gt;Alphonse Schau her, Pater, ich bin der Teufel. &lt;br /&gt;Richelieu Nimm Deinen Krimskrams mit 'raus und begib Dich zur Ruhe. &lt;br /&gt;(Alphonse ab) Marcel, Wein, einen besseren als den besten, den wir im Haus haben! Hatten Sie eine gute Reise, Pater Josef?&lt;br /&gt;Pater Josef Doch, die Reise war ganz gut, ja. Was haben Sie denn hier für einen &lt;br /&gt;Rauch! &lt;br /&gt;Richelieu Willkommen beim Bischof, der Rauch bei seinem Kaminfeuer und &lt;br /&gt;Qualm bei seinem Lampenlicht hat. Wie war es denn so, dort ... in der Stadt aller Sehnsüchte?&lt;br /&gt;Pater Josef Also: Es gab keinen Teufel aus dem Schlund der Hölle, den ich nicht &lt;br /&gt;geschminkt und herausgeputzt auf den Straßen scharwenzeln und sich in den Sälen herumtreiben sah. Ich könnte Geschichten erzählen, wie ... &lt;br /&gt;Richelieu Sollen wir nicht die Masken voreinander ablegen? Es ging also nicht. &lt;br /&gt;Sie haben nicht sprechen können mit ...&lt;br /&gt;Pater Josef Wo haben Sie die Geige? Ich kann mit Ihnen nicht darüber sprechen, &lt;br /&gt;wenn Sie nicht ruhig sind. Hier haben Sie eine der letzten Melodien aus den Weinstuben. (Er spielt.) Durch und durch geil im Ton, nicht wahr? Die Heilige Jungfrau vergebe meinen Ohren, die einen solchen Ton nicht wieder 'rauslassen, wenn er erst einmal in sie hineingeschlüpft ist. ... Hören Sie also dann von Notre Dame .... Gott vergebe meinen Augen, dass sie aus Eis gemacht sind, sie ertragen es nicht, in das Himmelslicht zu sehen ohne zu schmelzen.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, sie werden es gewahr ... sie werden es gewahr ... Wenn man so ein &lt;br /&gt;Geisteswerk geschaffen hat, möchte man dann wohl ein anderes aufgeben?&lt;br /&gt;Pater Josef Paris war so voller Italiener, wie eine polnische Gräfin voller Läuse. &lt;br /&gt;Ich glaubte am Ende, ich hätte mich verlaufen und wäre in Rom gelandet. ... Nun, ich trabte rund zu Erzbischöfen und Adligen, damit sie mir zu einer Audienz verhülfen. Aber alle hatten vor der Königinwitwe soviel Schiss wie Hühner vor dem Hauklotz.&lt;br /&gt;Richelieu Und so gaben Sie auf?&lt;br /&gt;Pater Josef Hören Sie, mein Guter. Wissen Sie nicht, das einzige, dass man mich &lt;br /&gt;in diesem Leben aufzugeben zwingen wird, ist mein Geist. Eines Tages, als sie ein Haus in der Rue des Boulangers besuchte, bestach ich ein paar Diener, damit sie Feuer im Treppenhaus legten, und dann rettete ich sie durch die Flammen hindurch. Das Leben einer Königin ist wohl einen Mönchsbart wert. Und nun sind wir zwei gute Freunde, Marie und ich.&lt;br /&gt;Richelieu Braver, tapferer, bewunderungswürdiger Mann ... und dann, und dann?&lt;br /&gt;Pater Josef Am nächsten Tag, bei einer stundenlangen Audienz, versprach sie &lt;br /&gt;mir dieses und bot mir jenes an. Als ich Sie in Verbindung mit einer Stellung am Hof erwähnte, antwortete sie: „Sprich dem jungen Bischof mein Lob aus. Wie hat seine Tüchtigkeit ihn doch dazu geeignet erwiesen, ein Bistum inne zu haben und es zu leiten."&lt;br /&gt;Richelieu Hm. Und der Marschall?&lt;br /&gt;Pater Josef Am gleichen Tag wurde ich mit ungefähr zwanzig Persönlichkeiten &lt;br /&gt;jeglichen Kalibers zu dem Italiener eingelassen. Hinter denen stand ich und sah auf ihre Ärsche, während sie sich einzeln vor ihm nieder bückten: „Es ist mir eine große Freude und Ehre, Ihre Exzellenz begrüßen zu dürfen." Und der Arsch, auf den ich sah, dachte dabei: „Ich möchte dem Kerl gern auch einen Gruß senden." Der saß auf eine Art Thron, unter sich ein Tigerfell, und Löwen aus Stein an beiden Seiten. Sein Angesicht glich einem fleckigen alten Tuch, seine Augen waren klein und stechend und liefen immerfort herum, seine verwelkten Hände presste er gegen seinen Bauch – später ging mir auf, dass er wahrscheinlich einen Bruch hatte. Und da merkte ich mit einem Mal, dass ich selbst vor ihm stand: „Es ist mir eine große Freude und Ehre .... " während es, wie ich merkte, hinten kribbelte. Puh, ich beeilte mich, schnell hinunter zum Fluss und wieder heraus, obwohl Eisklumpen darin trieben. Und ich bin noch immer nicht sauber.&lt;br /&gt;Richelieu Was sagte er über mich?&lt;br /&gt;Pater Josef Er hörte gar nicht zu. Den Brief, den ich ihm reichte, nahm er &lt;br /&gt;auch nicht entgegen. Ich verbeugte mich schon, um zu gehen. Da krächzte &lt;br /&gt;er plötzlich laut, so dass ich erschauerte: „Wer hat Ihm den Bart abgebrannt?" Ich griff an das noch lebende Büschel: „Rot, Exzellenz, Selbstentzündung!" Da lachte er, als ob ich etwas Unanständiges gesagt hätte, stemmte die Fäuste gegen seinen Schmerbauch und fragte ganz höflich: „Wer war es noch einmal, von dem Sie Grüße überbrachten?" „Richelieu, der Bischof von Luçon" „Wer? Kenn' ich nicht." Ich reichte ihm den Brief. „Ach, Richileuve! Der also! Eine Stellung bei Hofe ... hahaha, ja die kann er kriegen. Wenn ich hier einmal nicht mehr genug Meuchelmörder haben werde, die mich umbringen wollen, dann kann man ihm eine Einladung schicken." &lt;br /&gt;Richelieu Und das ist alles?&lt;br /&gt;Pater Josef Ich habe viele Grüße für Sie vom Erzbischof von ...&lt;br /&gt;Richelieu Das ist alles?&lt;br /&gt;Pater Josef Wir müssen warten, Richelieu.&lt;br /&gt;Richelieu Warten! Als ob ich nicht genug gewartet hätte. Fünf Jahrhunderte in &lt;br /&gt;diesem Winkel gewartet ... eingeklemmt wie ein Falke in einer Iltisfalle ... während aufdringliche Windbeutel, deren einziges Talent darin besteht, dass sie Speichel lecken können, Stellungen erlangen, wo sie Fähigkeiten entfalten müssen, die sie nicht besitzen, die ich aber habe.&lt;br /&gt;Marcel (herein) Der Abt ist gekommen.&lt;br /&gt;Richelieu Welcher Abt? Ach, der (Der Abt tritt ein.) Herr Abt, ich habe nun in der &lt;br /&gt;Angelegenheit das Urteil gefällt. Er soll heute Abend gehenkt werden. Sind Sie zufrieden?&lt;br /&gt;Abt Zufrieden ja. Mehr aber auch nicht.&lt;br /&gt;Richelieu Was meinen Sie damit?&lt;br /&gt;Abt Wenn man verstaubte Wandteppiche lüften will, dann klopft man sie &lt;br /&gt;gewöhnlich vorher aus.&lt;br /&gt;Richelieu Sie haben Recht. Zehn Peitschenhiebe für den Dieb. ... Nun zufrieden?&lt;br /&gt;Abt Vollkommen. Erlauben Sie mir, Herr Bischof, die Gelegenheit zu benützen, &lt;br /&gt;meine Bewunderung für Ihre so umsichtige Verwaltung unseres Bistums auszusprechen?&lt;br /&gt;Richelieu Danke, vielen Dank. Sagen Sie mir, Herr Abt, wie viele Kapaunen &lt;br /&gt;waren da außer den zweien, die er stahl?&lt;br /&gt;Abt Das weiß ich wirklich nicht.&lt;br /&gt;Richelieu Nein?&lt;br /&gt;Pater Josef Meine Studien im Lesesaal hindern mich an Studien in der &lt;br /&gt;Speisekammer.&lt;br /&gt;Richelieu Lobenswert. Leider gehöre ich zu den Zeitgenossen, die beides &lt;br /&gt;tun. Es waren zehn Kapaunen da. Zehn weniger zwei ergibt acht. Diese acht, wo sind die jetzt?&lt;br /&gt;Abt Wahrscheinlich gen Himmel geflogen.&lt;br /&gt;Richelieu Vielleicht. Wahrscheinlich kommen sie dort aber nicht an. Denn sie &lt;br /&gt;sind in Ihrem Magen. ... Ich habe für das Kloster ein ausdrückliches Verbot von üppiger Lebensweise in jeglicher Form erteilt. &lt;br /&gt;Abt Das habe ich nicht gelesen. Und im Übrigen gehören nach meinem &lt;br /&gt;Verständnis Kapaunen nicht zu üppiger Lebensweise.&lt;br /&gt;Richelieu Aber nach meinem. Und das gilt. Meine Anordnung mag ja vielleicht &lt;br /&gt;bei Ihnen irgendwo gelandet sein, weil Ihre eifrigen Studien Sie daran gehindert haben, sie wahrzunehmen. Ich möchte Ihnen nahe legen, diese solange ruhen zu lassen, bis Sie meine Anordnung gefunden und im Lesesaal angebracht haben, wo Sie dann auch die Möglichkeit haben, ihre Bekanntschaft zu machen. ... Herr Abt.&lt;br /&gt;Abt Ja ... Früher machten wir ja hier in Luçon einen Unterschied zwischen einem &lt;br /&gt;Küchenschreiber und einem Bischof. &lt;br /&gt;Richelieu Und Sie persönlich werden in naher Zukunft den Unterscheid noch &lt;br /&gt;genauer kennen lernen. (Schnalzt leicht mit dem Mund.. Der Abt hinaus.) Ein nobler Mann. Bei ihm sind Mund und Hintern eins. &lt;br /&gt;Marcel (herein) Sollen wir den armen Schlucker nicht endlich hängen, Herr &lt;br /&gt;Armand. Er verlangt verteufelt danach.&lt;br /&gt;Richelieu Dann tu es. ... Aber er ist doch auch ein Mensch. Warte noch damit. &lt;br /&gt;Geh!&lt;br /&gt;Marcel Ihr Vater machte nicht so viel Federlesens.&lt;br /&gt;Pater Josef Lieber Richelieu, Sie können mir glauben: Warten ist der Weg zu &lt;br /&gt;allem. Dem, der ...&lt;br /&gt;Richelieu Predigen Sie das doch denen, die genug Zeit im Leib haben und &lt;br /&gt;unterwürfig genug sind, darauf zu hören. Die schwerblütigen und muskelbepackten, dicken Kinder, die können warten, aber ich ... Sehen Sie denn nicht, dass ich, den sie Bischof Eiszapfen nennen, hier herumrenne und vergehe! (Schüttet seinen Wein auf den Boden.) Weg mit dieser Versuchung!&lt;br /&gt;Pater Josef Ich habe dort auch mit dem Erzbischof von Tours gesprochen. Er &lt;br /&gt;hatte Ihre „Regel für Christen" gelesen und ist Ihnen sehr gewogen. Richelieu, verzeihen Sie, aber ich sage es Ihnen nun auch, Sie sind nichts in Paris, aber Sie haben schon einen Namen in Rom.&lt;br /&gt;Alphonse (herein, fantastisch ausstaffiert) Ich bin Gottvater, schaut, ich bin &lt;br /&gt;Gottvater.&lt;br /&gt;Richelieu Nein, Alphonse, das bist Du nicht. Das ist eine zu gewaltsame &lt;br /&gt;Beförderung gegenüber vorher.&lt;br /&gt;Alphonse Aber Du bist der Teufel, denn Weltbrände flammen in Dir. So höre &lt;br /&gt;denn die Strafe, womit ich Dich bestrafe: Du sollst Deinen Willen bekommen. Herrscher über das Reich sollst Du werden. Macht und Huldigung und Prachtsoll sollen Dich umgeben, Nachruhm sollst du haben noch in tausend Jahren. Aber der Brand Deines Blutes soll in Geschwüren ausschlagen, einsam sollst Du sitzen unter dem Volk, die Luft um Dich herum soll Schweigen und Hass sein.&lt;br /&gt;Richelieu Hier ist Wein, Alphonse.&lt;br /&gt;Pater Josef Höre auf ihn.&lt;br /&gt;Alphonse Denn weil Du die Kirche verrätst, der zu dienen ich Dir befahl, und &lt;br /&gt;nach Schatten und Nichtigem greifst ...&lt;br /&gt;Pater Josef Richelieu, Gott spricht durch des Narren Mund.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, und was sagt er mir durch des Narren Mund? Narreteien natürlich. &lt;br /&gt;Denn durch meine eigenen Gedanken, die gesund und klar sind, spricht er gesunde und klare Worte: Setze Deinen Willen auf den Glauben an Deine Berufung, trotz alledem, und siege.&lt;br /&gt;Alphonse Ich bin der Allweise und Allmächtige ... Armand, ist das Wein? Darf &lt;br /&gt;ich davon trinken? Ah, darf ich?&lt;br /&gt;Richelieu Schau den Mond an. Alphonse, er ist dort drüben.&lt;br /&gt;Alphonse Verzeihung … dieser närrische Aufzug … habe ich jetzt wieder? ... &lt;br /&gt;Pater Josef, Sie hier? ... Ach, Sie müssen verzeihen.&lt;br /&gt;Pater Josef Bruder Alphonse, über Gottes Prüfungen braucht man sich nie zu &lt;br /&gt;schämen.&lt;br /&gt;Alphonse Willkommen daheim. So frisch nach der Reise. Wie froh bin ich, dass &lt;br /&gt;sich Sie wieder sehen darf. Gute Nachtr. Armand hat noch Hunderterlei mit Ihnen zu diskutieren. Gute Nacht, Bruder. Du bist so gut zu mir.&lt;br /&gt;Richelieu Alles, was ich von Freundschaft weiß, weiß ich durch Euch zwei hier.&lt;br /&gt;(Alphonse hinaus) Danke, dass Sie auf dieser Reise für mich gekämpft haben, &lt;br /&gt;Josef. Mein Haupt ... ach! Gute Nacht. (Pater Josef hinaus) Hoffnungslos alles! ... Aber ich will, will, will. (In Richtung des Sessels) Euer Gnaden werden sehen. Führt den Marschall herein. ... Alles Narrenstreiche. Hoffnungslos alles. Selbst dorthin reisen. Aber was erreicht man schon in Paris ohne Geld?&lt;br /&gt;Pater Josef (wieder herein) So kann ich nicht von Ihnen gehen. Wenn Sie einst ... &lt;br /&gt;Richelieu Wenn ... ha, wenn! Selbst Sie haben nun den Glauben an mich &lt;br /&gt;verloren. Ja ... es steht schlecht.&lt;br /&gt;Pater Josef Wenn es Gottes Plan ist, dass Sie der überragende Minister &lt;br /&gt;Frankreichs für Jahrhunderte werden sollen ... Das weiß ich gewiss: Nichts und niemand schlägt SEINEN Plan in Stücke. Folgen Sie mir bitte ... ja, stützen Sie sich ruhig auf mich. Sehen Sie ihn an, unseren Meister und unseren Bruder, unseren Gott von unserem vergänglichen Fleische. Nun ist der Premierminister, sitzend zur Rechten des Königs über alle Könige. Aber es galt auch für ihn: warten und nochmals warten ... warten im "Trotz alledem" des Glaubens. &lt;br /&gt;Eine Stimme außen, von unten Zum Teufel, öffnet das Tor für den Mann &lt;br /&gt;der Königin. &lt;br /&gt;Richelieu (sieht zum Fenster hinaus) Gestalten ... zu Pferd ... im Schneegestöber.&lt;br /&gt;Marcel Es sind nur zwei. Wir können mit ihnen fertig werden.&lt;br /&gt;Richelieu Lasst sie 'rein. (Marcel hinaus) Männer der Königin?&lt;br /&gt;Pater Josef Was bedeutet das? Gutes oder Böses? ... Sie reiten durch das Tor, als &lt;br /&gt;ob es ein ganzes Heer wäre.&lt;br /&gt;Richelieu Hilf mir, diese Papiere aus dem Weg zu schaffen. Hier hinein. Ja, &lt;br /&gt;Ratten sind gut für vieles. Und dann ...&lt;br /&gt;Ein gepanzerter, schneebedeckter Mann mit seinem Pagen kommt herein.&lt;br /&gt;Der Fremde  Herr Bischof Richelieu, ich bitte Sie sehr um Verzeihung. Ich sah &lt;br /&gt;Licht und dachte, es sei ein Gasthaus.&lt;br /&gt;Richelieu Der Bischofssitz von Luçon weiß es sehr zu schätzen, dass ein Mann &lt;br /&gt;der Königin mit ihm als Gasthaus vorlieb nehmen will, Herr ... Herr?&lt;br /&gt;Der Fremde Ich bin unterwegs mit einem geheimen Auftrag Ihrer Gnaden. Sie &lt;br /&gt;Gestatten daher, dass ich Ihnen meinen Namen vorenthalte?&lt;br /&gt;Pater Josef Aber das ist ja General Birabeau.&lt;br /&gt;General Birabeau Sie kennen mich?&lt;br /&gt;Richelieu Mein Freund, Pater Josef, war gerade in Paris.&lt;br /&gt;Pater Josef Und komischer Weise sah ich Sie gerade an dem Tag, als Ihre &lt;br /&gt;Majestät Sie beförderte.&lt;br /&gt;General Birabeau So? Ja, sehr merkwürdig, ja.&lt;br /&gt;Richelieu Ist noch Wein da, Marcel? Gut. Und Licht, mehr Kerzen!&lt;br /&gt;Marcel Wir durften doch vor dem Veronikatag keine Kerzen kaufen nach den &lt;br /&gt;Richtlinien, die Sie selbst erlassen haben.&lt;br /&gt;Richelieu Du wirst jetzt aber kindisch, Marcel.&lt;br /&gt;General Birabeau Ich bitte Sie. Der Schnee hat meine Augen heute so &lt;br /&gt;gepeinigt, dass sie kaum mehr Licht vertragen. Und dann rutschte der lahme Klepper mittags auch noch aus.&lt;br /&gt;Pater Josef Haben Sie sich dabei verletzt?&lt;br /&gt;General Birabeau Ein kleiner Scherz in der Hüfte, ein kleines &lt;br /&gt;Sommerspäßchen. Ja, wir hätten heute eigentlich bis Pont de Luc reiten müssen, aber ... dieses skandinavische Wetter ... Au ... Wenn es Ihr Ernst ist, Herr Richelieu, dass wir keine Wirtsmadam mehr zu stören brauchen, wäre es dann ein unverzeihlicher Bauernlümmelrülpser, wenn ich meinem Mund erlaube, um mein Bett zu bitten?&lt;br /&gt;Richelieu Marcel, kümmere Dich um alles. Seien Sie mir willkommen, Herr &lt;br /&gt;General. Ein geruhsame Nacht unter meinem Dach. So, Sie wollten nach Pont du Luc?&lt;br /&gt;General Birabeau Da komme ich nun erst morgen hin. Da, Junge, probier von &lt;br /&gt;meinem Wein.&lt;br /&gt;Page Danke.&lt;br /&gt;Richelieu Wie steht's bei Hofe? Was denkt man über den Marschall?&lt;br /&gt;General Birabeau Über ihn spricht man nur gut. Er ist ja auch eine bedeutende &lt;br /&gt;Persönlichkeit.&lt;br /&gt;Richelieu Und wie steht es sonst in Paris?&lt;br /&gt;General Birabeau Wohl ungefähr so, ungefähr so, kurz gesagt, wie Ihr gerade &lt;br /&gt;heimgekommene Freund Ihnen berichtet hat.&lt;br /&gt;Richelieu Ach ja, ich ermüde Sie nur. Erlauben Sie, dass ich selbst Sie zu Ihren &lt;br /&gt;Zimmern geleite. (Die Drei gehen hinaus.)&lt;br /&gt;Pater Josef (Hat sich niedergesetzt und schreibt für sich, während er dabei murmelt, &lt;br /&gt;einige Worte auf.) Kein Bart ... grimmige Augebbrauen ... ... ... Kommandostimme ... hinkt nach einem Sturz oder Kampf ... will nicht erkannt werden ... Pont de Luc ... Fragezeichen.&lt;br /&gt;Richelieu (herein) Na, Alter. &lt;br /&gt;Pater Josef Ja Alter. Wissen Sie, wie die Pariser den Marschall nennen?&lt;br /&gt;Richelieu Na?&lt;br /&gt;Pater Josef Maria von Medicis Denkfehler!&lt;br /&gt;Richelieu Nicht übel!&lt;br /&gt;Pater Josef Aber hier haben Sie vor sich einen ganz gewöhnlichen Dummkopf. &lt;br /&gt;Ich würde mir gerne meinen ganzen Lebertran dafür abzapfen lassen, wenn ich eben nicht herausgeplatzt wäre mit: "Sie sind General Soundso und so weiter."&lt;br /&gt;Richelieu Was haben Sie da notiert? Ah, ausgezeichnet. Sie haben schnell &lt;br /&gt;meine Gewohnheiten erkannt. „Sturz oder Kampf?" Nein, Sturz ist wahrscheinlicher, es war Erde und Straßendreck auf seinem Mantel. Und der Page an seiner Seite?&lt;br /&gt;Pater Josef Dem habe ich keine Aufmerksamkeit geschenkt. War an ihm etwas &lt;br /&gt;Bemerkenswertes?&lt;br /&gt;Richelieu Ja, natürlich. Zuerst einmal, dass er eine Frau war.&lt;br /&gt;Pater Josef Dann bin ich nicht einmal ein dummer Ochse, sondern ein &lt;br /&gt;armseliger blinder Höhlensalamander.&lt;br /&gt;Richelieu Blutjung … blond … zartgliedrig … große Augen … Ausdruck: &lt;br /&gt;zugleich ängstlich und neugierig ... Hände deuten auf Adel. ... Lasst uns nun sehen, lasst uns sehen. ... Sie ist auf ihr erstes Abenteuer aus. Soll von ihm geleitet werden ... ... Nach einem Plan der Königin? Warum sollte die Königin es denn nötig haben, so geheimnisvoll zu Werke zu gehen? Weswegen wurde er bange, als er hörte, dass Sie gerade aus Paris heimgekommen sind?&lt;br /&gt;Pater Josef Hah, ha, da ist vielleicht etwas dran. Italiens Himmel wechselt rasch &lt;br /&gt;zwischen Schauern und Sonne.&lt;br /&gt;Richelieu Aber was ist mit ihr los? Soll sie in ein Kloster gebracht werden? Oder &lt;br /&gt;außer Landes? Heimlich? Zu ihm? Oder zu einem anderen? Josef, ich habe Hunderte von Büchern über die Liebe durchstudiert, aber verstehe mich noch immer zu wenig darauf. Sag mir, ist sie noch Jungfrau oder nicht?&lt;br /&gt;Pater Josef Ich dachte ja, sie wäre ein Mannsbild. Das erleichtert die Sache auch &lt;br /&gt;nicht.&lt;br /&gt;Richelieu Hätte ich doch nur darauf geachtet, welche Blicke sie gewechselt &lt;br /&gt;haben. Aber einmal sah sie auf seinen Stiernacken mit einem Zug von Ekel. Würde sie das tun, wenn er ihr egal wäre? Nein, höre doch mal zu: Die Königinwitwe wollte ihren Liebling mit der einen oder anderen verheiraten. Er aber hat sich in diese hier verliebt und entführt sie, um mit ihr in Pont de Luc getraut zu werden. Gott aber schickt ein Schneegestöber dazwischen, damit sie sich zu mir verirren, ehe es zu spät ist. Hoho, ab und zu hat man doch Nutzen von der Mathematik, die man auf Herrn Pluvinels Hoher Schule gelernt hat.&lt;br /&gt;Pater Josef Da glaube ich aber eher ...&lt;br /&gt;Der Page (herein) Der General, mein Herr, der General ist wegen seiner Wunde &lt;br /&gt;ohnmächtig geworden.&lt;br /&gt;Richelieu Sie verstehen sich doch auf Erste Hilfe, Pater Josef. Marcel, &lt;br /&gt;Verbandszeug hinauf zu unserem Gast. (Marcel und der Pater hinaus) Page, &lt;br /&gt;bleiben Sie einen Augenblick hier. Bitte, mein Fräulein, nehmen Sie Platz.&lt;br /&gt;Der Page Ach!&lt;br /&gt;Richelieu Halt, bleiben Sie hier, ich bitte Sie. So so, mein kleines verschrecktes &lt;br /&gt;Rehlein, ich bin kein Jäger, seinen Sie nicht bange, so so, wie heißen Sie denn?&lt;br /&gt;Der Page Ich bitte Sie , nein, lassen Sie mich gehen.&lt;br /&gt;Richelieu Waren Sie bei Hofe?&lt;br /&gt;Der Page Ja.&lt;br /&gt;Richelieu Lange? Ein Jahr?&lt;br /&gt;Der Page Ich kam im Herbst dorthin?&lt;br /&gt;Richelieu Hier habe ich eine Liste der neuen Hofdamen. Hier sind die Reichsten. &lt;br /&gt;Da die Schönsten. Also hier irgendwo müssen Sie stehen. Jeanne de la ... Elisabeth de … Marie de …, ha, dann sind Sie Marie de Rohan.&lt;br /&gt;Das Fräulein (senkt das Haupt) &lt;br /&gt;Richelieu Und dann sind Sie und der General …. Und weshalb durften Sie das &lt;br /&gt;nicht?&lt;br /&gt;Das Fräulein Weil Ihre Majestät … Nein, nein, ich will nichts sagen. &lt;br /&gt;Richelieu Fräulein de Rohan, ich könnte Sie Ihr Leben lang in Verruf bringen, &lt;br /&gt;wenn ich das wollte. Ich könnte Sie beide hier auf dem Gebiet der Kirche gefangen nehmen und morgen früh nach Paris bringen lassen. Dort hätten Sie nur die Wahl zwischen Kloster oder Schaffot. Wollen Sie jetzt mein Freund oder mein Feind sein? Ich gebe Ihnen die Erlaubnis zu wählen. Aber Sie müssen jetzt sofort wählen. ... Fräulein Marie, Sie wollen doch mein Freund sein. Sie wollen mir doch Erlaubnis geben, Ihnen aus dem allen herauszuhelfen, worüber Sie nun unglücklich sind, wo man Sie hinein gelockt hat. Sie wollen mir doch erlauben, Sie wieder nachhause zu bringen.&lt;br /&gt;Das Fräulein Ja, wollen Sie das, Herr Bischof, wollen Sie das wirklich? &lt;br /&gt;Richelieu Sagen Sie mir doch ganz leise ... ich bin ja doch Bischof und &lt;br /&gt;Beichtvater ... wie ist es denn zu dem allen gekommen?&lt;br /&gt;Das Fräulein Es war Luynes, der ... er verliebte sich etwas in mich.&lt;br /&gt;Richelieu Luynes? Der Spielkamerad des Königs?&lt;br /&gt;Das Fräulein Ja, und der König, der sonst immer ... er wurde ganz wild und &lt;br /&gt;haute auf den Tisch und verlangte mich wie ein Stück Spielzeug für seinen Freund. Und da sagte die Königin ... aber ich, ach nein, pfui, Luynes!&lt;br /&gt;Richelieu Und deswegen ...&lt;br /&gt;Das Fräulein ... reiste ich zu Weihnachten zu meiner Familie nach Viergy, und &lt;br /&gt;da ...&lt;br /&gt;Richelieu ... Und da?&lt;br /&gt;Das Fräulein Da kam gestern Nacht Herr Birabeau und ... entführte mich &lt;br /&gt;richtig aufregend mit Strickleiter und allem. Denn er kennt den Priester in Pont de Luc. Aber das Wetter ...&lt;br /&gt;Richelieu Wo haben Sie dann die Nacht verbracht?&lt;br /&gt;Das Fräulein Die Nacht? Nun, ja, aber ... es wurde ja schon Morgen, als er kam.&lt;br /&gt;Richelieu Nein.&lt;br /&gt;Das Fräulein Ja, habe ich denn etwas Falsches gesagt?&lt;br /&gt;Richelieu Wo?&lt;br /&gt;Das Fräulein Ich weiß es nicht mehr recht ... wir ritten ja wie wild. Es war ein &lt;br /&gt;altes Wirtshaus in einer kleinen Stadt.&lt;br /&gt;Richelieu Nein.&lt;br /&gt;Das Fräulein Ja, so ein altes Wirtshaus. Aber es war offensichtlich von den &lt;br /&gt;Leuten verlassen.&lt;br /&gt;Richelieu Also eine Scheune.&lt;br /&gt;Das Fräulein (Sieht auf, versucht zu lächeln, lacht auf und beginnt zu weinen.)&lt;br /&gt;Richelieu Kleine Marie de Rohan, davon weiß ich überhaupt nichts. Die &lt;br /&gt;Verwundung des Generals lasse ich pflegen, und Ihnen gebe ich morgen früh sicheres Geleit zurück nach Viergy.&lt;br /&gt;Das Fräulein Wo soll ich aber jetzt die Nacht verbringen?&lt;br /&gt;Richelieu Hier in der Stadt bei einer anständigen Frau, die ich kenne.&lt;br /&gt;Das Fräulein Und was wird aus Birabeau? Sie werden ihn doch nicht nach Paris &lt;br /&gt;zurück schicken?&lt;br /&gt;Richelieu Sie glauben wohl, die Königinwitwe hätte das gerne?&lt;br /&gt;Das Fräulein Sie erlauben ihm doch nach Spanien zu reiten? Nicht wahr?&lt;br /&gt;Richelieu Morgen früh sehen wir zwei uns wieder und können darüber reden. &lt;br /&gt;Und ich freue mich, Sie dann in Ihren Frauenkleidern zu sehen. &lt;br /&gt;Das Fräulein Ich glaube nur, dass ich kaum was Besseres anzuziehen habe als &lt;br /&gt;dieses hier. Ach, Danke, Herr Bischof, Sie sind so voller liebenswürdiger und freundlicher Fürsorge für mich.&lt;br /&gt;Richelieu So so!&lt;br /&gt;Das Fräulein Und Sie haben noch nicht einmal um einen ganz kleinen Kuss als &lt;br /&gt;Zeichen des Dankes gebeten.&lt;br /&gt;Richelieu Ich bin Bischof. Das wissen Sie doch.&lt;br /&gt;Das Fräulein Sie sollen ihn trotzdem bekommen. Danke, Herr Richelieu. Nein, &lt;br /&gt;Ihre beiden Hände. Danke. ... Und Sie werden den armen Birabeau nicht nach Paris schicken? Ja? Denn dann kriegen Sie noch einen. Nein nein, nicht bevor Sie es mir versprochen haben ... versprechen Sie es mir?&lt;br /&gt;Richelieu Meine Pflicht gegenüber der Königin ...&lt;br /&gt;Das Fräulein Dafür noch einen? Und Sie machen mich glücklich.&lt;br /&gt;Richelieu Ich ... ich ver ... verspreche es Ihnen&lt;br /&gt;Pater Josef (herein) Ja also ... na ... ja ... der General hat hohes Fieber und fragt &lt;br /&gt;unablässig nach seinem Pagen.&lt;br /&gt;Richelieu Sein Page ist hier und  möchte gerne von Ihnen zum Haus von Frau &lt;br /&gt;de Lancille geleitet werden. Auf Wiedersehen morgen früh. Hier haben Sie meinen Rosenkranz, Fräulein. Danken Sie der Mutter Gottes für Ihre Rettung. (beide hinaus)&lt;br /&gt;Marcel (herein) Der Page, Herr Marchand!&lt;br /&gt;Richelieu Was ist mit dem?&lt;br /&gt;Marcel Er gehört nicht zu der Sorte, die Ihr Vater an einem Abend, wenn er &lt;br /&gt;Kopfschmerzen hatte, mit einem Kapuziner hätte fortgehen lassen.&lt;br /&gt;Richelieu Gute Augen und gute Ohren bei so einem alten Burschen!&lt;br /&gt;Marcel Und gute Ritzen in der Türe.&lt;br /&gt;Richelieu Hör' gut zu, Marcel. Drei Männer als Wachen bei dem Gast da &lt;br /&gt;drinnen, drei bewaffnete Männer. Wenn er Dummheiten macht, dann noch einen Extraverband. Und hör', ich möchte diese Nacht nicht weiter gestört werden. Ich muss einen Brief aufsetzen an Frau Marie de Medici. ... Ja, noch etwas! Den Dieb könnt Ihr laufen lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Louvre. In einem der langen verwinkelten, mal hellen, mal dunklen Gänge.&lt;br /&gt;Der König (steht neben Luynes vor dem Schlüsselloch einer mächtigen Doppeltür) Lass &lt;br /&gt;mich auch mal, Alberti.&lt;br /&gt;Luynes Pst.&lt;br /&gt;Der König Quatsch, man kann ja doch kein einziges Wort durch die Tür &lt;br /&gt;hören.&lt;br /&gt;Luynes Nein, aber ich kann besser sehen, wenn du still schweigst. Nun droht er &lt;br /&gt;dem Bischof, und der Bischof schielt zu deiner Mutter hinüber und lacht.&lt;br /&gt;Der König Da kommt jemand.&lt;br /&gt;Luynes Lass uns verschwinden.&lt;br /&gt;Der König Es ist nur Vitry. Und ... und mein Gesandter ... Wie können Sie es &lt;br /&gt;wagen, hierher zu kommen, General Birabeau. Wenn meine Mutter Sie sieht, bekommen Sie den Kopf abgeschlagen, weil Sie von der Bastille weggerannt sind.&lt;br /&gt;General Birabeau Zum Teufel auch. Ich habe doch immer noch Gardemaß. &lt;br /&gt;Und diesen Spaß heute lasse ich mir doch nicht entgehen.&lt;br /&gt;Luynes Herr de Virty, ich neige jetzt wohl am meisten dahin, dass wir es noch ein &lt;br /&gt;paar Tage aufschieben.&lt;br /&gt;Vitry Ja doch, Herr Luynes, ja doch. Dann könnten wir zwei uns ja auch sofort &lt;br /&gt;köpfen lassen. Ja, Sie verlören damit ja nicht so viel, aber in meinem Fall wäre es doch eine Sünde und eine Schande. Was meinen Majestät, soll ich nicht den Italiener heute noch in die Bastille werfen?&lt;br /&gt;Der König (am Schlüsselloch) Was meint denn Alberti dazu?&lt;br /&gt;General Birabeau Majestät, Herr Luynes meint, wir sollen.&lt;br /&gt;Vitry Und sind wir uns auch darin einig, dass ich meine Pistolen für den &lt;br /&gt;Fall, dass er Widerstand leistet, geputzt habe.&lt;br /&gt;Luynes Aber kein anderes Blut als seines.&lt;br /&gt;Der König Alle anderen sperren wir nur ein, Mutter und Barbin und den &lt;br /&gt;Bischof, den Bi ... Bischof zu allererst.&lt;br /&gt;Luynes Still! Nicht so laut!&lt;br /&gt;Virtry Niemand hört uns hier. Vater hält ja hier die Wache. Gut, also wären &lt;br /&gt;wir uns soweit einig. Fünfhundert mal Danke. (mit dem General hinaus)&lt;br /&gt;Der König Hast du gehört, die haben zu mir „Majestät" gesagt, alle beide? ... Das &lt;br /&gt;hättest du aber ruhig auch hören sollen. Ach, jetzt langweile ich mich. Alberti, sollten wir nicht nicht ein Schneehuhn laufen lassen? Wir könnten hier so gut Jagd darauf machen. Das ist hier so ein guter Ga ... Gang.&lt;br /&gt;Luynes Ich will jetzt mit diesem Quatsch nichts zu tun haben.&lt;br /&gt;Der König Dann kannst du es auch bleiben lassen, dann mache ich es eben &lt;br /&gt;allein. Denn ich will jetzt auf die Jagd gehen ... dem Schneehuhn geradewegs ins Herz schießen, als ob es der Marschall selbst wäre. Das will ich jetzt (hinaus)&lt;br /&gt;Luynes (am Schlüsselloch) Puha, das kann ja noch stundenlang dauern.&lt;br /&gt;Der König (wieder zurück) Sind wir wieder gute Freunde, Alberti?&lt;br /&gt;Luynes Unser ganzes Leben lang bleiben wir zwei doch Freunde.&lt;br /&gt;Der König Ja, nicht wahr? ... Wer kommt da?&lt;br /&gt;Luynes Die Königin ... ja, deine Gemahlin, du!&lt;br /&gt;Der König Lass uns abhauen.&lt;br /&gt;Luynes Nein, nein.&lt;br /&gt;Königin Anne von Österreich (herein, gefolgt von ihren Hofdamen und ein paar &lt;br /&gt;Herren. Als sie den König sieht, errötet sie und verneigt sich) Guten Tag, mein Herr Gemahl.&lt;br /&gt;Der König (verbeugt sich linkisch) Guten Tag, Madame. (Der Zug entfernt sich &lt;br /&gt;wieder.) Dann hole ich jetzt den Vogel und die Bögen, Du, nicht wahr?&lt;br /&gt;Luynes Dann tu Du das. (Der König geht hinaus. Man hört Mädchenlachen. Luynes &lt;br /&gt;fährt zusammen und drückt sich in die Türfüllung.)&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan (kommt hereingerannt, verfolgt von einen Marquis) So &lt;br /&gt;fang mich doch! Fang mich doch! Aber lass Dir dabei nicht die Puste &lt;br /&gt;ausgehen. Denn ich bin ein Windstoß ... Hui. (Er umfasst sie.)&lt;br /&gt;Luynes (springt vor) Wie wagen Sie eine Dame im Schloss der Königin zu &lt;br /&gt;behandeln?&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Uff. Sie hier?&lt;br /&gt;Der Marquis Herr Luynes so mutig? Sie haben wohl eine Marzipanpistole dabei?&lt;br /&gt;Luynes Haben Sie die Güte mir augenblicklich in der Schlossgarten zu folgen?&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Bei allen Heiligen.&lt;br /&gt;Der Marquis Ich soll Ihnen in den Garten folgen?&lt;br /&gt;Luynes (stampft auf) Sogleich!&lt;br /&gt;Der Marquis Kann das denn nicht auch warten? Gott bewahre! Verzeihung, &lt;br /&gt;mein Fräulein. (beide hinaus) &lt;br /&gt;Eine Stimme (schreit von drinnen, während sich die Türe öffnet) Sie können gehen, &lt;br /&gt;gehen, gehen.&lt;br /&gt;Richelieu (in der Tür) Das tue ich auch. Aber nicht, weil Sie es wünschen. ... Frau &lt;br /&gt;Königin! (schließt die Tür)&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan: Richelieu!&lt;br /&gt;Richelieu Sie hier? Nein, welche Entschädigung nach all den Toten und &lt;br /&gt;Verrückten da drinnen, Sie Licht des Lebens und der Vernunft.&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Vernunft? Ich und Vernunft?&lt;br /&gt;Richelieu Ja gewiss doch! Was haben Sie mich vor einem Jahr gelehrt? Es steckt &lt;br /&gt;mehr Vernunft in dem Kuss eines Mädchens als in den Gedanken von zehn Staatsmännern.&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Armand!&lt;br /&gt;Richelieu Ja, manchmal haben Sie mich glauben gemacht, es sei das einzige, in &lt;br /&gt;dem Sinn steckt. ... Entwischen Sie mir nun schnell, Sie Liebe.&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Komm mit, Armand, folge mir nun.&lt;br /&gt;Richelieu Kleiner Sonnenstrahl, das darf ich jetzt nicht tun. Die drinnen werden &lt;br /&gt;mich schon bald wieder brauchen.&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Wie ging es denn da drinnen?&lt;br /&gt;Richelieu Eigentlich gut. Er rast jeden Tag wie ein Hund, der die Tollwut hat. &lt;br /&gt;Ich habe ihn bald da, wo ich ihn hinhaben will.&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Und dann werden Sie Premierminister. Alles, was &lt;br /&gt;Sie werden wollen, das werden Sie auch. ... Aber nie das einzige, das ich will.&lt;br /&gt;Richelieu Das einzige, das Sie wollen?&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Dass Sie mein Liebhaber werden, Richelieu.&lt;br /&gt;Richelieu Marie!&lt;br /&gt;Der König (herein) Alberti, hier habe ich ... (Er bleibt erschrocken stehen und &lt;br /&gt;versucht, Vogel und Bogen hinter dem Rücken zu verbergen.)&lt;br /&gt;Richelieu Luynes ist nicht hier. Mein Fräulein, sollen wir gehen? Sie wollen doch &lt;br /&gt;wohl nicht etwa hier im Gang schießen, Herr Ludwig?&lt;br /&gt;Der König Schie ... schießen? Wieso denn? Schießen? Nein! (läuft hinaus)&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Sie verhalten sich richtig fahrlässig gegenüber dem, &lt;br /&gt;was gestern ... Richelieu, warum haben Sie mir nichts von Luynes Plan erzählt? Bin ich denn nur das kleine Dummerchen, mit dem Sie nur etwas spielen, wenn Sie dazu Lust haben?&lt;br /&gt;Richelieu Hat das kleine Küken jetzt auch schon Pläne?&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Wissen Sie es etwa schon? Nein, Sie wissen es &lt;br /&gt;nicht? Ist es denn möglich, dass Sie nicht wissen, was schon gestern hätte geschehen sollen?&lt;br /&gt;Richelieu Jungenstreiche. Ein neues Spiel?&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Etwas ganz Aufregendes, sage ich Ihnen. Kommen &lt;br /&gt;Sie mit. Selbst bekam ich es heute Morgen zu wissen. Bevor es Abend ist, weiß es die ganze Welt. Armer Vitry!&lt;br /&gt;Richelieu Vitry?&lt;br /&gt;Fräulein Marie de Rohan Der Baron sollte gestern den Marschall ermorden.&lt;br /&gt;Richelieu Was sagen Sie da? Erzählen Sie mir alles. Kommen Sie, kommen &lt;br /&gt;Sie. (beide hinaus)&lt;br /&gt;Der König kommt vorsichtig vor, späht herum, droht mit den Fäusten. Marschall d'Ancre stößt im gleichen Augenblick die Türen auf und schreit in gebrochenem Französisch. &lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Sehen Sie hier diesen verwinkelten Gang ... Wer ist denn &lt;br /&gt;da? Er? Warum steht Er dort? Ich kann es mir schon denken. ... Lauscht an der Tür.&lt;br /&gt;Der König Mutter, lässt Du zu, dass er so mit mir spricht?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe (sitzt weiter hinten an einem Tisch. Sie sieht von einigen Bildern &lt;br /&gt;auf, in denen sie herumblättert) Geh' schon mal vor in Dein Zimmer, kleiner Ludwig. Dann komme ich zu Dir hinüber, wenn der Staatsrat beendet ist. Wir müssen mit dem Marschall etwas Nachsicht haben. Er ist überanstrengt.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Bekomme ich endlich meine Ruhe vor diesem Jungen?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe So lauf' doch endlich, wenn ich es Dir gesagt habe, Ludwig.&lt;br /&gt;Der König Und ich bin volljährig und der König im Lande.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Sehen Sie hier den Gang. Man hat mir erzählt: In dieser &lt;br /&gt;Nische wurde Graf X nieder gestochen. In jener Ecke fiel Prinzessin Y vergiftet um. Wo ist meine Nische, wo ist meine Ecke? Wer kann Ausländer derart hassen, wie es die Franzosen können? Man soll Kanonen vor mir her fahren lassen auf den Straßen. Ich verlange die Festung Amiens für mich.&lt;br /&gt;Minister Mangot Wir sollten heute noch ein Antwort für Savoyen konzipieren.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Ja ja ja. Die Papiere? Wo sind die Papiere?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ach, dieses armselige Schloss! Rubens soll mir alle Wände &lt;br /&gt;prächtig ausstatten. Herr Barbin, schauen Sie doch hier diesen Stich an.&lt;br /&gt;Barbin Äußerst prachtvoll, Ihre Gnaden.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Nein, das können Sie nicht so beurteilen wie mein &lt;br /&gt;Richelieu.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Wo ist der Außenminister eigentlich abgeblieben? Der &lt;br /&gt;Pfaffe, der mir vor einem Jahr aufgeschwätzt wurde. Er sollte das Ansehen Frankreichs gegenüber dem Ausland erhöhen. Was hat er erhöht? Sein Einkommen auf Kosten der Staatskasse, jawohl.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Und nun Schluss mit dem Herumgerede! An die Arbeit &lt;br /&gt;jetzt! Nehmen wir Verhandlungen mit den Hugenottenbanden auf? Oder schicken wir ein Heer gegen sie los? Abstimmung!&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Ich lasse also mit Höchstgeschwindigkeit abstimmen. Herr &lt;br /&gt;Mangot?&lt;br /&gt;Ein alter Minister Bei namentlicher Abstimmung ist es hier im Staat üblich, &lt;br /&gt;dass dem Alter nach dazu aufgerufen wird.&lt;br /&gt;Barbin Der Großsiegelbewahrer muss zuerst gefragt werden.&lt;br /&gt;Ein anderer Minister Wenn es sich um Heeresangelegenheiten handelt, ist es &lt;br /&gt;doch der Kriegsminister.&lt;br /&gt;Ein dritter Minister Zuerst der Finanzminister. (großes Gezänk)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Macht die Türen zu.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Die Sitzung ist geschlossen. Sie können gehen. Ich gehe ... &lt;br /&gt;nach Italien ... ich komme nie wieder her.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Lieber Marschall, Sie dürfen mich jetzt nicht im Stich lassen. &lt;br /&gt;Ich habe Ihnen doch den Fürstentitel geschenkt ...&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Weshalb haben Sie das getan? Nein. Ha, Fürst über was &lt;br /&gt;denn eigentlich? Über ein Volk von lauter Rücken, von Rücken, die sich krümmen, die herumbuckeln, wohin man auch blickt, um Pensionen und Almosen zu ergattern. Ich habe seit vielen Jahren kein einziges menschliches Angesicht erblickt. &lt;br /&gt;Barbin Dann schauen Sie doch einmal hier herum!&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Das nennen Sie menschliche Gesichter? Das bezeichneten  wir daheim in Italien als Karnevalsmasken. (Er beugt sich zur Königin hinüber, &lt;br /&gt;lacht und sagt etwas auf italienisch. Sie lacht mit.) Ich verachte Ihr Volk, Signor ... Ein Hahn mit Waffen, der kräht und herumprahlt und mit Sporen herumrennt und im Dreck nach Trinkgeld herumscharrt, der schwindelt und vor den Hennen herumscharwenzelt. ...&lt;br /&gt;Ein alter Minister Verzeihen Sie einem alten Mann, dass ich einen gewissen &lt;br /&gt;menschlichen Drang verspüre ... &lt;br /&gt;Marschall d'Ancre ... ng, ng! Sicher auch eine Sprache .... doch sie wird wie &lt;br /&gt;Rotz durch die Nase geschneuzt.&lt;br /&gt;Barbin Meine französische Kollegen, nun haben wir lange genug gegenüber &lt;br /&gt;diesem Herrn Concini geschwiegen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ruhe!&lt;br /&gt;Barbin Nein, wenn ich auch dazu den Mund halten würde. Ich fühle mich mit &lt;br /&gt;Dreck besudelt, weil ich mit diesem Schandmaul zusammen in einem Saal sein muss.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Da haben Sie etwas, worin Sie sich waschen können. &lt;br /&gt;(Spuckt nach ihm.)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe (schreit, während alle aufspringen) Die Sitzung ist für eine &lt;br /&gt;halbe Stunde unterbrochen. Bringt den kranken Marschall zur Ruhe. &lt;br /&gt;Der Marschall ist zusammengesunken. Die Königin geht auf den Gang hinaus. Die Türen werden geschlossen.&lt;br /&gt;Richelieu (naht sich hastig) Erhabene Königin, ich ersuche hiermit um meinen &lt;br /&gt;Abschied. Ich kann mit diesen hirnverbrannten Menschen nicht mehr länger zusammenarbeiten.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Sie auch? Selbst Sie? Wollen auch Sie mich im Stich lassen? &lt;br /&gt;Ach, Gott im Himmel, warum hast Du ein Reich auf meine schwachen Schultern gelegt? König Heinrich, warum musstest Du durch den Dolch eines Mörders sterben?&lt;br /&gt;Richelieu Ihre Majestät sollte sich nicht der Verzweiflung hingeben, die zu allen &lt;br /&gt;Zeiten unfruchtbar ist und in jedem Augenblick gefährlich sein kann, weil sie nur Zeit wegnimmt. Ich war beim Nuntius und habe um ein Amt gebeten, wo ich in Frieden für Kunst und Wissenschaft in Frankreich wirken kann, für das französische Theater, für die Reinigung unserer französischen Sprache.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Warum spielen Sie mir so etwas vor? Ich weiß doch, Sie &lt;br /&gt;können gar nicht von mir weggehen.&lt;br /&gt;Richelieu Nein, das ist wahr. Ich bin der Ihre.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Wie Ihre Wangen glühen, sie könnten einen Wald in Brand &lt;br /&gt;stecken, einen Wald voller Herzen lichterloh entflammen! Nein, wie erhitzt Sie sind! Mein lieber, mein kluger Herr Armand! Ach, könnte die Politik etwas mehr forte besorgt werden.! Ich dachte damals, als Heinrich .... gemeuchelt wurde: „Vielleicht ...."&lt;br /&gt;Richelieu Verzeihen Sie, dass ich Ihre Gnaden unterbreche. Ich habe in diesem &lt;br /&gt;Jahr, in dem ich das Glück hatte, Ihnen dienen zu dürfen, gelernt, dass es nur eine Staatsform gibt, die etwas taugt: ein allein herrschender, absoluter Regent, der die Ideen empfängt, und unter ihm ein allmächtiger Minister, der sie ausführt. Deswegen bitte ich Sie ...&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ja, aber ... wenn nun der Regent ... dumm ist?&lt;br /&gt;Richelieu Ihre Gnaden ... ?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe In einem solchen Fall ist es umgekehrt: ein &lt;br /&gt;allein herrschender, absoluter Minister empfängt die Ideen und der König unter ihm ist dazu da, sie umzusetzen ... Was suchen Sie denn hier, Baron de Vitry?&lt;br /&gt;Baron deVitry Ich bitte fünfhundertmal um Entschuldigung. Können Sie nicht &lt;br /&gt;die Sitzung des Staatsrats beenden? &lt;br /&gt;Die Königinwitwe Wieso denn?&lt;br /&gt;Baron deVitry Weil ich heute die Wache habe, Euer Gnaden. Und weil ich mich &lt;br /&gt;langweile..&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Sie haben doch Ihre Narrenfreiheit, Vitry.&lt;br /&gt;Baron deVitry Die habe ich allerdings. Und zweitausend Dukaten zu wenig &lt;br /&gt;Gehalt im Jahr. Und damit ist alles gesagt, was ich habe.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Noch eine halbe Stunde. Können Sie die noch aushalten?&lt;br /&gt;Baron deVitry Bequem. Verzeihen Sie, dass ich gefragt habe. Fünfhundert mal &lt;br /&gt;Dank. (hinaus)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ein biederer, schlichter Soldat, ohne gefährliche große &lt;br /&gt;Rosinen im Kopf. Er soll seine zweitausend mehr bekommen, mein braver Vitry. ... Nein, mein großer Armand, wir können Sie nicht entbehren, selbst wenn Sie glauben, Sie könnten uns entbehren.&lt;br /&gt;Richelieu Dann müssen wir den anderen entlassen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Den Marschall? Nein, ich bin mit ihm und seiner Frau &lt;br /&gt;freundschaftlich verbunden, seit ich meinen Fuß auf Frankreichs Erde gesetzt habe.&lt;br /&gt;Richelieu Sie haben es doch selbst vor einem Monat mir gegenüber angedeutet.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ich? Unmöglich!&lt;br /&gt;Richelieu Sie selbst sind es, von der ich diese Idee habe. Ich selbst wäre gar nicht &lt;br /&gt;auf so etwas gekommen. Und deshalb ist es notwendig, meine Königin, dass Ihr Plan jetzt auch schnellstens Wirklichkeit wird. Wir müssen Concini verabschieden. Und mit Luynes Verbindung suchen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Was? Mit wem?&lt;br /&gt;Richelieu Mit dem König und mit Luynes.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Niemals.&lt;br /&gt;Richelieu Ihre Majestät, ich gehe bestimmt nicht darin fehl, dass Gedanken &lt;br /&gt;durch Ihr Mutterherz gegangen sind, dass Sie sich danach sehnen, Ihren Sohn mehr an der Regierung beteiligt zu sehen, als es bisher geschah. Das sind alte Gedanken, die Sie selbst hatten. ... Und glauben Sie mir, es würde ein denkwürdiger Festtag in der Geschichte des Reiches werden, der Tag, an dem ich Sie und den König auf den Balkon vor das jubelnde Volk führte. ... Beide sollten sie Hermelinmäntel tragen. Und Sie sollten das sternenübersäte blaue Kleid unter der schneeweißen Verbrämung des Mantels tragen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Warum denn gerade das blaue?&lt;br /&gt;Richelieu Weil es so betörend stolz das jugendliche Weiß des Halses und die &lt;br /&gt;italienische Leidenschaftlichkeit und Ruhe des Busens hervorhebt.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Mein Fürst unter den Bischöfen, und Sie sollten dabei den &lt;br /&gt;Purpur einer Eminence tragen. Könnten wir es doch schaffen, Sie zu diesem Zeitpunkt zum Kardinal zu machen. Ja ja, ich will über all dieses weiter nachdenken.&lt;br /&gt;Richelieu Majestät, es ist unbedingt notwendig, dass wir heute noch handeln.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Heute noch? Wieso stehen Sie da und zittern vor Ungeduld? &lt;br /&gt;Wozu wollen Sie mich veranlassen? Unumgänglich? Notwendig? Für mich? ... Was ist das für eine Sprache, die Sie sich mir gegenüber erlauben? Ich gehe jetzt wieder in die Ratssitzung, Herr Minister. (Geht und schlägt die Tür hinter sich zu.) &lt;br /&gt;Pater Josef (kommt aus einer Nische) Richelieu, wissen Sie, dass der &lt;br /&gt;Marschall ...&lt;br /&gt;Richelieu Warum melden Sie mir das erst jetzt, wo es zu spät ist, Sie Klotz? &lt;br /&gt;(schlägt nach ihm) Wenn schon alle kleinen Plappermäuler im Schloss davon tratschen, dann kommen auch Sie damit an und wollen es mir als Neuigkeit melden!&lt;br /&gt;Pater Josef Ich kann nicht alles voraussehen und nicht alles wissen. Ich bin leider &lt;br /&gt;nicht Gottvater.&lt;br /&gt;Richelieu Das sollten Sie aber sein, wenn Sie mir dienen wollen. ... Schnell zur &lt;br /&gt;Seite, Mensch, in die Nische dort. ... Ah, Herr Luynes!&lt;br /&gt;Luynes (will vorbeigehen) Guten Tag.&lt;br /&gt;Richelieu Zwei Worte, Herr Kapitän.&lt;br /&gt;Luynes Mit mir? Sie wollen mit mir sprechen?&lt;br /&gt;Richelieu Nur zwei Worte.&lt;br /&gt;Luynes Hab' keine Zeit. Kommen Sie am Abend.&lt;br /&gt;Richelieu Dann habe ich keine Zeit.&lt;br /&gt;Luynes Was wollen Sie denn, Herr Bischof?&lt;br /&gt;Richelieu Sie sind verwundet? Was? Na ja, nur eine Schramme.&lt;br /&gt;Luynes Ah, das ist doch ein Schnitt.&lt;br /&gt;Richelieu Erlauben Sie mir, ich habe hier ein Tuch. ... War es ein Nagel, der ...&lt;br /&gt;Luynes Ein Nagel? Was meinen Sie damit? Ich habe einen Marquis im Duell &lt;br /&gt;getötet.&lt;br /&gt;Richelieu Getötet?&lt;br /&gt;Luynes Ja. Erheblich verletzt. Er wird sicher daran sterben.&lt;br /&gt;Richelieu Sie haben ihm in den Unterleib getroffen ?&lt;br /&gt;Luynes Ja, ungefähr dort … ein wenig tiefer. Ja, in's Bein. ...Auf jeden Fall ist er &lt;br /&gt;hingefallen. ... Es scheint mir, Sie möchten mit mir sprechen?&lt;br /&gt;Richelieu Ja, Kapitän Luynes, es kann nicht mehr länger so weitergehen.&lt;br /&gt;Luynes (greift zu seinem Degen) Was?&lt;br /&gt;Richelieu Alles. Der Marschall ist krank ... leider nicht so, dass es zum Tode &lt;br /&gt;führt, sondern zum Wahnsinn. Ich habe mit der Königin gesprochen, damit er schnellstens außer Landes geschafft wird.&lt;br /&gt;Luynes Tatsächlich?&lt;br /&gt;Richelieu Was den Platz angeht, der dann im Kronrat unbesetzt sein wird, habe &lt;br /&gt;ich - was jeder als angemessen betrachten wird - ihre Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet.&lt;br /&gt;Luynes Auf mich? Sie? Auf mich, mit dem Sie so gut wie kein Wort gesprochen &lt;br /&gt;haben?&lt;br /&gt;Richelieu Ich habe Ihre Fähigkeiten im Stillen erwogen. Und dann noch etwas &lt;br /&gt;anderes: wir zwei sind uns doch darin einig, dass es höchste Zeit ist, den König in die Regierung des Staates einzubeziehen.&lt;br /&gt;Barbin (kommt) Man bittet Sie, am Schluß der Ratssitzung teilzunehmen.&lt;br /&gt;Richelieu Ich komme schon. (Barbin hinaus) Ich wollte Ihnen nur als Erstem und &lt;br /&gt;vertraulich mitteilen, was Ihnen an einem der nächsten Tagen offiziell vom Staatsrat mitgeteilt wird.&lt;br /&gt;Luynes Ich danke Ihnen sehr, Herr Richelieu.&lt;br /&gt;Richelieu Auf gute Zusammenarbeit. Empfehlen Sie mich bitte dem König, Herr &lt;br /&gt;Kapitän.&lt;br /&gt;Luynes Sehr gerne, Herr Bischof. (Richelieu ab) Ja, was nun? ... Ist er wirklich so? &lt;br /&gt;Oder weiß er etwas? Ja, warum eigentlich nicht? (Sieht auf seine &lt;br /&gt;Handgelenke, als ob er die Handschellen daran vermisste.) Was soll ich jetzt nur machen? Ihn allein verschonen? So könnte ich mich absichern ... Heiliger Andreas, hilf mir, wie du allezeit meinem Geschlecht beigestanden hast. .... Ach, scheiß' was drauf! Wer sein erstes Duell gewinnen konnte, kann auch ein Reich regieren. ... Oder ... Nein, das darf nicht geschehen. Nieder mit Vitry! (Die Tür geht auf.) Zu spät, ach Gott, zu spät. (hinaus)&lt;br /&gt;Zwei ältere Minister kommen, miteinander sprechend, heraus und verschwinden. Danach kommt der Marschall, gestützt auf Richelieus Arm, die Königinwitwe folgt ein wenig später. &lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Wer wird noch mit mir rechnen, Signor? Wer bin ich denn &lt;br /&gt;noch? Ein Wrack, ein elendiges, verlorenes Wrack. Ich habe mich für Frankreichs Wohl verschlissen. Verschlissen, so dass es in meinem Gehirn drunter und drüber geht, verschlissen, so dass meine Därme bis auf meine Schenkel herunterhängen. Zum Dank hassen mich alle, von den Gassenjungen, die meine Leiche durch den Rinnstein schleifen möchten, bis zu Gott selbst, der meine Tochter tötete. Gibt es ein Wiedersehen? Sie müssen es doch wissen. Siebzehn Jahre nur war sie alt, die einzige Blume in meinem Herzen. &lt;br /&gt;Richelieu Als gute Christen dürfen wir nicht an einem Leben nach dem Tode &lt;br /&gt;zweifeln, Herr Marschall.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Ich will gerne sterben, gerne sterben. Aber nicht ermordet &lt;br /&gt;werden, nein, nein, nein, nicht diese Stiche in mein Fleisch. Und dann habe ich einen Splitter in den Finger gekriegt. Man kann Wundstarrkrampf davon bekommen. Ich habe hier eine Nadel ...&lt;br /&gt;Richelieu Ich will es versuchen.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Ihnen zittern ja die Hände.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Lassen Sie mich mal.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Ja, danke, Frau Marie. Ist meine Wache dort unten?&lt;br /&gt;Richelieu Wer führt sie heute an?&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Das macht ... Ich kann mich nicht daran erinnern. Ja, doch, &lt;br /&gt;Herr de St. Georges.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, er steht da und unterhält sich mit Baron de Vitry.&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre Au, stechen Sie nicht zu tief, Frau Marie. Oh, das ist gut. Sie &lt;br /&gt;haben mich vom Nichts zu Hoheit und Glanz emporgehoben. Und was sollte ich da? Die unselige Jagd nach Macht. Mein Vater fiel in Toskana in Ungnade; da hatte ich nur zwei Hemden. Ein Dieb stahl mir das eine, da brauchte ich sie nicht mehr zu wechseln. Jetzt kann ich Hemden wechseln, jede Minute, wenn ich es wollte. Aber damals konnte ich singen, und nun ... Verbergen Sie meine Kündigung in Ihrer Brust, meine Königin? Stehst du da und spielst mit dem Dolch im Ärmel, mein Kollege und Freund? Wir sollten wieder dahin kommen, nur noch ein einziges Hemd zu besitzen. Beten Sie zur Heiligen Jungfrau für meine Seele, Herr Bischof. Auf Wiedersehen morgen. &lt;br /&gt;Er geht. Die Königinwitwe und Richelieu sehen sich unsicher an. Dann geht sie wieder hinein und schließt die Tür hinter sich.&lt;br /&gt;Luynes (herein) Herr Bischof, stützen Sie mich oder gehen Sie gegen mich vor?&lt;br /&gt;Richelieu Was soll diese Frage?&lt;br /&gt;Luynes Antworten Sie mit drei Worten. Antworten Sie jetzt.&lt;br /&gt;Richelieu Ach. Ich … ich stütze Sie. &lt;br /&gt;Luynes Aber jetzt hören Sie weiter … Sie haben über mancherlei Dinge Macht. &lt;br /&gt;Da gibt es eine Frau ....&lt;br /&gt;Richelieu (Schiebt etwas abwehrend mit beiden Händen fort.) Nein.&lt;br /&gt;Luynes Ich habe es hier hingekritzelt … Sie versprechen, meinen Plan zu &lt;br /&gt;unterstützen, sie zu heiraten. Unterschreiben Sie?&lt;br /&gt;Richelieu Nein, ich will nicht.&lt;br /&gt;Luynes Sehen Sie sich vor … Ach, tun Sie es doch, ich kann Sie nicht entbehren.&lt;br /&gt;Richelieu Ich kann nicht. Ich kann nicht. (Geschrei von unten)&lt;br /&gt;Der König (kommt herbei gesprungen) Alberti, jetzt ist es geschehen. Ich sah, wie &lt;br /&gt;er hinknallte. Wie ein Kaninchen.&lt;br /&gt;Luynes Dann sind Sie verloren.&lt;br /&gt;Richelieu Ich unterschreibe.&lt;br /&gt;Luynes Hier. Schnell!&lt;br /&gt;Die Königinwitwe (kommt mit den Ministern) Wer wagt es, hier so herum zu &lt;br /&gt;schreien.&lt;br /&gt;General Birabeau Der Marschall ist tot.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Heinrich!&lt;br /&gt;Der König (springt vor) So bin ich jetzt endlich Ihrer Tyrannei entronnen, &lt;br /&gt;Mann aus Luçon, Sehen Sie zu, dass Sie verschwinden.&lt;br /&gt;Luynes Nicht doch, Ludwig. Der Bischof wird uns gut beraten.&lt;br /&gt;Der Gang füllt sich mit Hinzuströmenden.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Mein Junge, mein lieber Junge!&lt;br /&gt;Der König Bist du endlich gefangen, Mutter?&lt;br /&gt;Vitry (herein) Er leistete Widerstand. &lt;br /&gt;Luynes Das ist gut, das ist gut. &lt;br /&gt;Die Königinwitwe Was machen wir nun, mein lieber, guter Richelieu?&lt;br /&gt;Richelieu Die besitzen weder Mut noch Verstand, uns umzubringen. Und daher &lt;br /&gt;werden wir wiederkommen.&lt;br /&gt;General Birabeau Im Namen des Königs, ich arrestiere Sie, Frau Königin.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Dann ist es also aus. Nur vom Himmel darf ich jetzt noch &lt;br /&gt;eine Krone erwarten.&lt;br /&gt;Richelieu (leise zu ihr, während man sie hinausführt) Vertrauen Sie auf mich.&lt;br /&gt;General Birabeau (Hebt den König in die Höhe. ... Jubelrufe) Es lebe König Ludwig &lt;br /&gt;der Dreizehnte.&lt;br /&gt;Der König (schluchzend) Bin ich jetzt wirklich König? Danke! Danke! Es lebe &lt;br /&gt;mein Volk!&lt;br /&gt;Richelieu Es lebe der König!&lt;br /&gt;Vitry Im Namen des Königs: Ich arrestiere Sie.&lt;br /&gt;Richelieu Mich?&lt;br /&gt;Vitry Tja.&lt;br /&gt;Richelieu Mich? Darf ich Ihre Vollmacht sehen?&lt;br /&gt;Vitry Sehr gerne. Bitte sehr.&lt;br /&gt;Richelieu Ein Missverständnis. Folgen Sie mir zum König.&lt;br /&gt;Vitry Auf der Stelle.&lt;br /&gt;Richelieu Ach, Herr Luynes! Hier liegt ein Missverständnis vor. Eine neue und &lt;br /&gt;schwache Regierung wünscht doch als Glückwunsch von Rom weder Bann noch Interdikt. ... Sie werden doch nicht am Anfang gleich einen Bischof ins Gefängnis werfen? ... Das hier zerreißen wir. Nicht wahr, Herr Minister? ... Bitte sehr, Herr Vitry. &lt;br /&gt;Vitry Fünfhundertmal Dank! (Richelieu entfernt sich.) Soll ich ...&lt;br /&gt;Luynes Nichts sollen Sie. Fragen Sie sich lieber selbst, was Sie tun sollen.&lt;br /&gt;Richelieu Josef! Mein Wagen soll vorfahren. Schnell, ganz schnell. (Pater Josef &lt;br /&gt;hinaus)&lt;br /&gt;General Birabeau Warum sind Sie nicht auch in Arrest genommen, Herr &lt;br /&gt;Bischof?&lt;br /&gt;Richelieu Fragen Sie meinen Freund, den Herrn Luynes.&lt;br /&gt;General Birabeau Die Prinzessin sind Sie aber in jedem Fall los.&lt;br /&gt;Richelieu Genau wie Sie. (Baron de Vitry nähert sich.) Es lebe der König ... und die &lt;br /&gt;Mutter des Königs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;III&lt;br /&gt;Im Schloss Luxemburg bei der Königinwitwe. Toskanische Pracht.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Hör zu, Anna, das Leben kann so vergnüglich sein, &lt;br /&gt;wenn man nur darüber lacht. Ja, eine andere würde sagen, sie sei Witwe. Schau Dir lieber den Rubens da oben an. Was gibst Du mir für die armen Äbte und Bischöfe, die hier herein kommen und die entblätterte Schöne dort ansehen müssen und sich nichts anmerken lassen dürfen? &lt;br /&gt;Königin Anna Na na na, Marie.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Herr Herzog, Herr Herzog, soll ich Ihre kleine &lt;br /&gt;Herzogin einmal vor Eifersucht fauchen lassen? Was halten Sie von dem Knie dort?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency (herein mit der Herzogin) Die ganze Gestalt erstrahlt &lt;br /&gt;durch die Kunst des Meisters, ebenso wie die meiner Gattin durch die des Meisters aller Meister.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Wie er das nur sagen kann, der Herzog! Und mit &lt;br /&gt;welchem Blick er dafür belohnt wird. Komm Anna, ich will Dir hier drinnen etwas zeigen. (Plötzlich ganz nah beim Herzog, flüsternd) Stehen irgendwelche Namen im Medallion?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency (leise wie sie) Nur die Eidesformel.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Gut … Anna, komm. (beide hinaus)&lt;br /&gt;Herzogin Worüber hast Du mit dem Flittchen geflüstert? &lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Jeanne, gibt es einen Funken in Deiner Seele, der &lt;br /&gt;an meiner Liebe zweifelt?&lt;br /&gt;Herzogin Nein, meine Seele ist ja erst durch sie entstanden. Ich wusste ja kaum, &lt;br /&gt;das ich am Leben war, bevor Deine Liebe mich gefunden hat. Erst als sie auf mich schien, erwachte ich, wuchs, erblühte, duftete und entfaltete mich.&lt;br /&gt;Die Herzog von Montmorency Mein kleines Maiglöckchen.&lt;br /&gt;Herzogin Aber sie ist wie eine dunkle Wolke, die mich bange macht. Alle &lt;br /&gt;Wolken machen mich bange. Nun sprechen alle von Krieg. Und es gibt Intrigen ... und so viel. Und wenn meine Sonne nun weggeht, dann möchte ich am liebsten nie aus meinem Schlaf in der kalten Erde erwacht sein. Dann gehe ich ins Kloster, dann ...&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Kleine Jeanne, wir zwei werden doch noch viele, &lt;br /&gt;viele Jahre im Lichte unseres Glücks zusammen leben.&lt;br /&gt;Herzogin Ja, das wollen wir. Du musst mir aber versprechen, Dich von allem &lt;br /&gt;fernzuhalten, was gefährlich sein könnte. Wegen der dummen Angst und großen Liebe Deiner kleinen hilflosen Jeanne.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Ich will mich von allem fernhalten, was für meine &lt;br /&gt;Ehre gefährlich ist. Das verspreche ich Dir.&lt;br /&gt;Herzogin Das ist nicht genug. ... Oh, da ist sie wieder. Lass uns gehen. &lt;br /&gt;(beide hinaus)&lt;br /&gt;Königin Anna Danke, dass du mir Dein Buch geliehen hast. Du kannst es &lt;br /&gt;morgen wieder zurück haben.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Was hältst Du von der Stelle, wo der Bischof in der &lt;br /&gt;Nacht seinen Kutscher und sein Reitpferd verwechselt?&lt;br /&gt;Königin Anna Ich will nicht mehr darin lesen. Es ist einfach hässlich. Und die &lt;br /&gt;Menschen sind nicht so.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Du süßes Vögelchen in deinem Bauer. Du willst die &lt;br /&gt;Menschen kennen? Was wurde aus der Sache mit Buckingham, obwohl ich tat, was ich konnte? Man sagt, er habe nur Deine Spitzen gesehen? &lt;br /&gt;Königin Anna Ss ss.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Der arme Bursche! Na, er konnte sich ja woanders &lt;br /&gt;genug schadlos halten.&lt;br /&gt;Königin Anna So schweige doch, Marie. Pfui doch. Ich verstehe nicht, dass man &lt;br /&gt;sich mit mehreren abgeben kann.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Das hängt davon ab, wie musikalisch jemand ist, und &lt;br /&gt;wie gut man unterwiesen wird. Du, die Instrumente sind so verschieden. Und es kann auch so aufregend sein, wenn man davor steht, ein neues ausprobieren zu können.&lt;br /&gt;Königin Anna Nein, weißt Du nun was? Jetzt werde ich böse. (Lacht und küsst &lt;br /&gt;sie.)&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Hast Du, hast Du wirklich niemals eine andere Flöte &lt;br /&gt;als die des Königs ausprobiert?&lt;br /&gt;Königin Anna Du sollst nun still sein. (in Tränen) Warum liebt er mich nicht? Ich &lt;br /&gt;habe ihm doch einmal ein Kind geboren.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Weine doch nicht, Kleines. Sonst weine ich mit.&lt;br /&gt;Königin Anna Ich habe ihm doch einmal ein Kind geboren.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Ein Kind ist nun vielleicht etwas zu viel gesagt. Es &lt;br /&gt;kam ja mindestens drei Monate zu früh.&lt;br /&gt;Königin Anna Weil Du Dich mit mir auf dem Boden herumgewälzt hast &lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes (lacht) Dass wir miteinander Fangen gespielt haben, &lt;br /&gt;hat mich ein halbes Jahr Verbannung gekostet.&lt;br /&gt;Königin Anna Herr Gott noch einmal. Deswegen hätte er es doch gut wieder &lt;br /&gt;probieren können.&lt;br /&gt;Monsieur, des Königs einziger Bruder, kommt herein.&lt;br /&gt;Monsieur (deklamierend) &lt;br /&gt;Eine Kontrast offenbart sich meinem Blick, &lt;br /&gt;eine Liebe, die weint, und eine Liebe, die lacht. &lt;br /&gt;Mein Herz, das so manches entbehrt, &lt;br /&gt;was begehrst du noch mehr? &lt;br /&gt;Ach, diese Finger! Jedes Glied ein geschmeidiges Wunder des Lebens.&lt;br /&gt;Königin Anna Lass endlich meine Hand los!&lt;br /&gt;Monsieur Was höre ich, Madame? Dass Sie sich mit dem vorsintflutlichen &lt;br /&gt;Grafen von Chevreuse vermählen wollen? Und da bin ich immer hierher gekommen und habe mir Hoffnungen gemacht!&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Sie wissen ganz gut, es ist mein hochpolitischer Plan, &lt;br /&gt;dass Sie die Königin haben sollen, wenn der König stirbt.&lt;br /&gt;Monsieur Ist das auch im Sinne der Königin?&lt;br /&gt;Königin Anna Ich glaube, es wäre für mich eine zu geringe Beute.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Nein, wieso? Warum solltest Du nicht einen Sohn &lt;br /&gt;haben, der später den Thron besteigt? &lt;br /&gt;Monsieur Genau, unvergleichlich richtig. Und warum sollte ich ihn nicht auch &lt;br /&gt;haben? Aber könnte man das nicht auf einem weniger unästhetischen Umweg wie einem Todesfall regeln? &lt;br /&gt;Die Königin schluchzt laut auf und geht hinaus.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Damit haben Sie kein Glück gehabt, Prinz Gaston.&lt;br /&gt;Monsieur Das arme Kind. Sie ist bange vor mir. Wie sie da stand und wegging! &lt;br /&gt;Spitzen Sie nun nicht so spöttisch den schönen Mund! Hm. Sie hat Hände, aber Sie haben einen Mund, einen Mund, einen Mund, einen Mund, Marie des Rohan.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Puh, nein, ah, nun brauche ich aber eine Pause. ... &lt;br /&gt;Wissen Sie, dass ich einen Brief vom Privatsekretär des Papstes höchstpersönlich erhalten habe. Er schreibt, dass die Verschwörung ... Pst, Marie, halte jetzt deinen Mund.&lt;br /&gt;General Birabeau (tritt zusammen mit dem Erzbischof von Tours ein) Hier ist das &lt;br /&gt;Arbeitszimmer der Königinwitwe, Herr Erzbischof. &lt;br /&gt;Erzbischof von Tour Hier ist ja auch nicht. Ah, Monsieur, Herr Richelieu ist &lt;br /&gt;wohl gar nicht auf dem Fest der Königinwitwe?&lt;br /&gt;Monsieur Er wurde eingeladen. Aber konnte nicht absehen, wann er zu einer &lt;br /&gt;Privataudienz hierher kommen würde.&lt;br /&gt;Erzbischof von Tour Ich weiß das.&lt;br /&gt;General Birabeau (leise) Nicht einen einzigen Tanz haben Sie mir heute Abend &lt;br /&gt;gewährt, Madame de Luynes.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes (gibt sich gleichgültig) Da sind doch so viele andere, &lt;br /&gt;die auch gerne mit mir tanzen möchten.&lt;br /&gt;Erzbischof von Tour Sie hier, Madame! Ich lege keinen Arm lieber in meinen. &lt;br /&gt;(Der General geht hinaus.) Glauben Sie, dass der Krieg gegen Deutschland und Schweden heute Nacht beschlossen wird?&lt;br /&gt;Monsieur Interessiert mich wenig. Das ganze Land glaubt es ja. Warum auch &lt;br /&gt;nicht?&lt;br /&gt;Erzbischof von Tour Hm. Hm. Könnte ich dann vielleicht mit dem Minister &lt;br /&gt;drinnen sprechen. (mit der Gräfin hinaus)&lt;br /&gt;Monsieur Jetzt stehe ich hier und habe keine Dame. Das ist mir seit meinem &lt;br /&gt;elften Lebensjahr nicht passiert. (besieht die Malereien und summt dabei fast &lt;br /&gt;unhörbar:)&lt;br /&gt;Und er küsste mit Begeist'rung ihre Höfte,&lt;br /&gt;und tat's mit Wonne immer öfte,&lt;br /&gt;so dass sie immer dünner wurd'.&lt;br /&gt;Aber was ihr hm hm hm dabei verlor,&lt;br /&gt;kam dann beim hm hm hm hervor. (hinaus)&lt;br /&gt;Königin Anna, noch immer mit Tränen in den Augen, will schnell vorbeieilen, aber weicht dann wieder zurück.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency (herein mit der Herzogin, gefolgt von seinem Sekretär &lt;br /&gt;Chateauneuf) Sie können die Papiere hierhin legen, Herr Chateauneuf.&lt;br /&gt;Die Herzogin Versprichst Du mir also, dass du heim kommst, so schnell es nur &lt;br /&gt;geht?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Muß ich Dir das denn versprechen, Liebste. Ich &lt;br /&gt;komme nach zum Wagen. (die Herzogin hinaus) Sie können die Papiere hierhin &lt;br /&gt;legen, sagte ich, Herr Chateauneuf. ... Wie lange sind Sie jetzt schon bei mir im Dienst.&lt;br /&gt;Chateauneuf Acht Jahre, Herr Herzog.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen gewesen in den &lt;br /&gt;acht Jahren. Aber ... kommt das noch öfter vor, dass Sie den Busen meiner Frau anstarren, , wenn Sie in der Tür stehen, kriegen Sie meine Reitpeitsche zu schmecken. ... Und jetzt warten Sie bitte in der Vorhalle, mein lieber Sekretär. (hinaus)&lt;br /&gt;Chateauneuf Die Reitpeitsche schmecken? Ja, vielleicht. Oder vielleicht doch&lt;br /&gt;den Busen, mein lieber Herzog. (hinaus)&lt;br /&gt;Königin Anna will wieder vorbei gehen, als Richelieu aus der Vorhalle hereintritt.&lt;br /&gt;Richelieu Majestät, Sie im Arbeitszimmer der Königinwitwe zu treffen habe ich &lt;br /&gt;am allerwenigsten erwartet.&lt;br /&gt;Königin Anna Ich habe auch nicht erwartet, Sie hier zu treffen. Ich wäre dann &lt;br /&gt;nämlich nicht hierher gekommen.&lt;br /&gt;Richelieu Frau Königin, hören Sie mich bitte an.&lt;br /&gt;Königin Anna Wenn ich dafür Zeit habe. (will hinaus gehen)&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes (tritt mit Monsieur ein) Anna, was haben wir gelacht ... &lt;br /&gt;Herr Bischof, hatten Sie Glück bei einem Tête à Tête mit einer der Damen von Rang?&lt;br /&gt;Monsieur Es tut mir sehr Leid, Herr Bischof. Puyzieux wurde zum Kardinal &lt;br /&gt;ernannt.&lt;br /&gt;Richelieu Ist er schon ernannt?&lt;br /&gt;Monsieur Es ist alles klar.&lt;br /&gt;Richelieu Das freut mich. Er ist ein frommer Mann, der in dieser Position kein &lt;br /&gt;Unglück anrichtet.&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Luynes Uns ist es eine schmerzliche Enttäuschung, nicht &lt;br /&gt;sehen zu dürfen, wie Ihr schmales Angesicht sich unter dem Kardinalshut breit macht.&lt;br /&gt;Monsieur Lassen Sie uns den Bischof nicht länger bei seinen frohen &lt;br /&gt;Betrachtungen über den neuen Kardinal stören. (Beide hinaus. Ein paar Diener kommen herein und schließen die Tür.)&lt;br /&gt;Pater Josef (herein mit Papieren) Mein lieber, matter, kranker, banger Herr Bischof! &lt;br /&gt;Ich habe jetzt einen stärkenden Trunk für Sie, jetzt, bevor die Glocke schlägt. Ich war beim Nuntius und habe die Unterschrift des Papstes gesehen. Sie sind zum Kardinal ernannt worden.&lt;br /&gt;Richelieu Ich? Ernannt? Ich? .... Heilige Jungfrau, habe Dank! Jetzt ist &lt;br /&gt;geschehen, jetzt ich habe es endlich erreicht, ich bin Kardinal. (Springt in die Höhe und tanzt um den Pater herum. Da tritt der Herzog von Montmorency wieder ein.) Ach, Herr Herzog. Sie überraschen mich. Die Sache ist nämlich die ... es verhält sich so, dass ich ... dass es in meinem Kopf manchmal so zugeht wie in einem Harem, wo gerade eine Schlägerei ausgebrochen ist. Die Ärzte haben zu Bewegung als Abhilfe gegen die Schmerzen geraten. So hilft es manchmal, wenn man mich herumwirbelt.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Machen Sie ruhig damit weiter.&lt;br /&gt;Richelieu Auf gar keinen Fall. Es ist schon viel besser geworden. Und jetzt freue &lt;br /&gt;ich mich ja auf eine Nacht zusammen mit Ihnen.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Glauben Sie denn, dass es bis morgen früh &lt;br /&gt;dauert?&lt;br /&gt;Richelieu Frankreich ist doch bestimmt drei Stunden von des Herzogs Nacht &lt;br /&gt;wert. Nein, Sie brauchen nicht rot zu werden. Ich beneide Sie. Bei mir daheim sitzt kein mondstrahlsanftes Märchen und wartet auf mich. ... Herr Herzog, da mich Ihre Majestät in ihrem und in des Königs Namen gebeten hat, bei einem Treffen mit ihnen meine Pläne darzulegen für den Fall, dass ich einmal Premierminister werden sollte, habe ich mir ausbedungen, dass Sie und nur Sie alleine dabei anwesend sein sollen. Nicht weil Sie der erste und wichtigste Baron des Reiches sind, sondern weil Sie mit Ihrer Gedankenschärfe wie in Ihrer Führung jemand sind, der Männer anderer Nationen vor Neid erbleichen lässt, weil sie sich nicht französisch nennen können. &lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Sie reden zu mir als ein Mann, der noch ein Amt &lt;br /&gt;sucht, und mit einer Stimme wie jemand, der eins vergibt.&lt;br /&gt;Richelieu Vielleicht gilt beides von mir.  Aber sagen Sie mir jetzt: dieser unselige &lt;br /&gt;Religionsaufruhr in Deutschland ... wir sollten uns jetzt wohl darin einmischen. Nicht um unseres guten katholischen Glaubens willen, denn der wird sich auch ohne uns am Ende der Zeiten durchsetzen, selbst wenn wir ja schuldig sind, seine Verteidiger zu sein. Sondern weil ... ja, weil ... ja ich weiß eigentlich nicht, weswegen ...&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Weil unsere Ehre uns als ein christliches Volk &lt;br /&gt;gebietet, mit Österreich und Spanien gegen die Ketzer zusammen zu stehen.&lt;br /&gt;Richelieu Vielleicht. Aber was gewinnt unser Land dadurch, dass es die Mächte &lt;br /&gt;stützt, die es umklammern und es von der Vormachtstellung fernhalten, die sein ureigenstes und verbrieftes Recht ist? Viel lieber sollten wir .... beim heiligen Blut Gottes! (Beginnt, am ganzen Körper zu zittern.)&lt;br /&gt;Pater Josef Herr Kardinal, ist Ihnen nicht gut?&lt;br /&gt;Richelieu Nein, aber ... Herr Herzog, suchen Sie bitte den König auf, machen Sie &lt;br /&gt;schnell. Sagen Sie ihm, dass ich zuerst mit ihm alleine sprechen muss. Ich danke Ihnen. (der Herzog hinaus)&lt;br /&gt;Pater Josef Lauert hier jemand. Ich habe meinen Säbel hier.&lt;br /&gt;Richelieu Josef, da fällt mir ein Gedanke ein, so simpel, und doch habe ich &lt;br /&gt;niemals …. Nein, nein, selbstverständlich, nein, Frankreich darf nie Österreich unterstützen, das sah König Heinrich richtig gesehen. Lass Schweden gewinnen. Diese Eisbärenfresser wohnen außerhalb der zivilisierten Welt und können nie für uns gefährlich werden. Lass auch die Deutschländer gewinnen. Es gibt so viele, die sich den Sieg teilen müssen, dass für jeden nur ein schäbiger Rest übrig bleibt.&lt;br /&gt;Pater Josef Wollen Sie … wollen Sie ein Bündnis mit den Feinden des HERREN &lt;br /&gt;eingehen?&lt;br /&gt;Richelieu Genau so ist es. Wenn Frankreich jemandem den Krieg erklärt, dann &lt;br /&gt;soll es Österreich oder Spanien sein.&lt;br /&gt;Pater Josef Wollen Sie denn gegen Christi Stellvertreter einen Aufruhr machen,&lt;br /&gt;Herr Kardinal? Jetzt verstehe ich den Plan des ALLERHÖCHSTEN. Denn Sie sollen wissen: Ihren verwerflichen Plänen ist ER zuvorgekommen, noch ehe Sie damit begonnen haben.&lt;br /&gt;Richelieu Was bedeutet dieser Quatsch?&lt;br /&gt;Pater Josef Marie von Medici hat Sie heute Abend als Minister abgesetzt. Ich &lt;br /&gt;habe es Ihnen eben nicht auch sagen können. Sie sind zum Kardinal ernannt, ja, aber unter der Bedingung, dass Sie ihren Aufenthalt in der Kurie haben.&lt;br /&gt;Richelieu Ich in Rom? Ich, den Gott in Frankreich hat geboren werden lassen, &lt;br /&gt;ich, der ich gelernt habe, französisch zu sprechen, zu denken, zu fühlen, zu verstehen? Niemals. Und wenn man mich zum Papst machen würde, ich würde meinen Aufenthalt nicht in Rom nehmen.&lt;br /&gt;Pater Josef Es ist Gottes Wille. Um Ihrer Seele willen. ...&lt;br /&gt;Richelieu Aber der König!&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours (herein) Herr Minister, die Königin hat mir drei Minuten &lt;br /&gt;Zeit vor dem Staatsrat geschenkt.. &lt;br /&gt;Richelieu Mein lieber Erzbischof, mein getreuer Fürsprecher in der Zeit, als ich &lt;br /&gt;klein und gering war, womit habe ich die Freude, Ihnen dienen zu können? ... Nein, Pater Josef hier ist mein Ohr. Ich höre schlecht ohne ihn. Und das Ohr hat keinen Mund.&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours Nun gut. Ich komme, um .... Sie werden noch heute &lt;br /&gt;Nacht Premierminister, ich biete Ihnen meine Unterstützung an. Ich bin alt, aber noch nicht vergreist. Siebzig Jahre ist noch ein gutes Mannesalter für einen Kämpfer. Und jetzt, Richelieu, jetzt ist unsere Zeit gekommen. Ihre und meine.&lt;br /&gt;Richelieu Wie meinen Sie das?&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours Unsere Zeit. Meine Zeit. Wer hat Ihnen etwas von den &lt;br /&gt;Schreien im Weinkeller des Bischofhofes in Tours erzählt? Ich war es nicht, der da schrie, es waren die Träume in mir, der Wille zur Macht, der nach Leben verlangte. Nein, suchen Sie nicht nach Anzeichen für Hinfälligkeit in meinem Angesicht, da sind keine. Sind da Runzeln, so sind das Narben der Gedanken, nicht der Jahre. Ja, meine Zähne sind locker geworden. ... Aber der Biss eines alten, zahnlosen Wolfes, der von Hunger gepeinigt ist, ist schärfer als der von jungen und satten Wölfen.&lt;br /&gt;Richelieu Zwei Minuten sind nun schon um.&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours Herr Richelieu, Sie und ich werden das neue Frankreich &lt;br /&gt;schaffen. Sie nach innen, ich nach außen. Sie werden ihre langen, sehnigen Arme um das Land schlagen und es so umfassen, dass es zu einer Einheit mit Ihnen zusammengepresst wird. Und ich, der ich so viele schöne Frauen mit meinen Armen emporgehoben habe, ich will dich emporheben, Frankreich, mein Püppchen, meine Herzenskönigin, so hoch, dass ganz Europa sich wundern soll über die Kraft des alten Mannes.&lt;br /&gt;Richelieu Und mit welchen politischen und ökonomischen Mitteln haben Sie &lt;br /&gt;gedacht, dieses Ziel zu erreichen?&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours Ich habe einen Plan. Einen Plan, den sonst kein&lt;br /&gt;anderes Hirn als das Ihre sich sonst ausdenken könnte.&lt;br /&gt;Richelieu Einen Plan?&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours Frankreich muss so schnell wie möglich ein Heer &lt;br /&gt;aufstellen und Krieg erklären. Wem? Deutschland und Schweden? Nein. Habsburg, Herr Richelieu. Habsburg, Spanien und Österreich ... Frankreich muss alle Feinde Habsburg hinter sich versammeln und vorwärts stürmen auf Europas Herrscherstuhl.&lt;br /&gt;Richelieu Das ist eine alte Idee von mir, die wenigstens die eine Eigenschaft an &lt;br /&gt;sich hat, dass sie paradox ist. Dass dieses katholische Königreich von einem Kardinal mithilfe von Ketzern und Aufrührern gegen katholische Völker gesteuert wird. Ob das überhaupt durchführbar ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist es gefährlich und vorläufig nicht von Interesse. Ich danke Ihnen, Herr Erzbischof, dass Sie meine Aufmerksamkeit auf eine Möglichkeit hinweisen wollten, den meine Gedanken auch schon gestreift hatten.&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihre Zeit in Anspruch &lt;br /&gt;genommen habe. Ich hoffe, dass ich ein anderes Mal mehr Glück bei Ihnen mit meinen Vorschlägen habe, mein lieber Bischof. (ab)&lt;br /&gt;Richelieu Das wird man sehen.&lt;br /&gt;Pater Josef Alle Teufel sind heute zur selben Zeit in die Geistlichkeit dieses &lt;br /&gt;Landes gefahren. &lt;br /&gt;Richelieu Brunst von Impotenz ist doch die hässlichste von allen. ... Was will &lt;br /&gt;denn der Mann?&lt;br /&gt;Chateauneuf (tritt auf) Sie werden selbstverständlich so einen einfachen &lt;br /&gt;Mann wie mich nicht kennen.&lt;br /&gt;Richelieu Ich kenne jeden, den ich auch nur einmal gegrüßt habe. Was wünschen &lt;br /&gt;Sie, Herr Chateauneuf?&lt;br /&gt;Chateauneuf Ich vertraue auf Sie, Herr Bischof. Sie werden ein mächtiger Mann &lt;br /&gt;in ...&lt;br /&gt;Richelieu Schaff ihn 'raus.&lt;br /&gt;Chateauneuf Und deshalb möchte ich ...&lt;br /&gt;Pater Josef (krempelt die Ärmel seiner Kutte auf) … gerne die Erlaubnis haben zu &lt;br /&gt;gehen.&lt;br /&gt;Chateauneuf … Sie bitten, Ihre Aufmerksamkeit auf ein Medaillon zu richten, &lt;br /&gt;auf ein Goldmedaillon ...&lt;br /&gt;Richelieu (bleibt mit einem Ruck stehen) Wo?&lt;br /&gt;Chateauneuf Am Halse meines Herren, des Herzogs von Montmorency. &lt;br /&gt;Richelieu geht auf ihn zu Er weicht zurück und bleibt dann stehen. Richelieu stützt seine Hände auf seine Schultern, bis sie weiß werden, und schaut ihm in die Augen. Chateauneuf zwinkert damit, aber schlägt sie nicht nieder.&lt;br /&gt;Richelieu Das ist gut, mein Freund: Das werde ich dir nicht vergessen.&lt;br /&gt;Chateauneuf Mein neuer Herr, ich danke Ihnen von ganzem Herzen. (hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu Hm. Auch das wird man sehen. Es bleiben noch genug übrig, die man &lt;br /&gt;verbannen oder köpfen muss, bevor eine Regierung dazu kommen kann, dieses Land zu regieren. Ja.&lt;br /&gt;Der König (kommt mit dem Herzog herein) Willkommen, Herr Minister. Dass Sie &lt;br /&gt;mit mir sprechen, bevor Mutter kommt, kann ich Ihnen nicht gut gewähren.&lt;br /&gt;Richelieu Ihre Majestät sind heute Abend nicht gut in Schuß. Ist es wieder der &lt;br /&gt;Magen?&lt;br /&gt;Der König Über Krankheiten soll man besser nicht sprechen. Sonst hat man &lt;br /&gt;zuviel Gesprächsstoff.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Als ich einmal Zahnweh hatte, habe ich drei Tage &lt;br /&gt;von nichts anderem gesprochen.&lt;br /&gt;Der König Schmerzen sind gesund. Sie sprechen zu einem. Über Vergänglichkeit, &lt;br /&gt;über Beharrlichkeit, über ... über so vieles. Das kennen Sie doch auch, Herr Minister &lt;br /&gt;Richelieu Ja, gut.&lt;br /&gt;Der König Ich war ein alberner und unleidlicher Bursche. Dann kamen meine &lt;br /&gt;Krankheiten. Meine Jugend war futsch. Sehen Sie, ich habe bereits graue Strähnen im Haar. Doch ich danke für meine Schmerzen. Sie haben mich zu dem bisschen König gemacht, der ich nun bin, sie werden mich noch mehr dazu machen. Aber ... wie geht es mir doch so schlecht.&lt;br /&gt;Richelieu Ganz anders steht's mit unserem lieben Herzog, der platzt vor lauter &lt;br /&gt;Gesundheit. Sieh mal an, wie fesch sein Bart ist.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Was soll das ... Wenn Sie eine Frau sind, die &lt;br /&gt;einen Liebhaber sucht, gehen Sie doch wo anders hin.&lt;br /&gt;Richelieu Und wie ein Kaiser gekleidet. Goldspangen am Knie, Goldketten auf &lt;br /&gt;der Brust.&lt;br /&gt;Der König Das ist nicht besonders witzig. Hören Sie doch damit auf.&lt;br /&gt;Richelieu Und auch Gold um den Hals. (Reißt das Medaillon an sich.)&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Was erlauben Sie sich? (tritt einen Schritt vor, ebenso &lt;br /&gt;Pater Josef)&lt;br /&gt;Der König Was soll das?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Ich bin ein Mann von Adel. Da Sie die &lt;br /&gt;Zusammenhänge offenbar kennen, hätten Sie mich im Namen des Königs verhaften können. Das wäre Ihr Recht. Und meines. Aber mich anspringen und mich wie ein Taschendieb auf dem Markt zu berauben, ist unanständig dem König gegenüber ebenso wie Ihnen und mir gegenüber. &lt;br /&gt;Richelieu Ich habe mich fortreißen lassen. Ich schäme mich sehr, Herr Herzog. &lt;br /&gt;Möchten Sie das Medaillon wiederhaben?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Geben Sie es dem König.&lt;br /&gt;Richelieu Das mögen Sie selber tun. (Der Herzog öffnet das Medaillon und reicht es &lt;br /&gt;dem König.)&lt;br /&gt;Der König (liest darin) Wo sind die Namen.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Aufbewahrt in meinem Schweigen.&lt;br /&gt;Der König Hm. Verschwörung gegen einen Minister des Königs ist Hochverrat. &lt;br /&gt;Was sollen wir machen, Herr Richelieu?&lt;br /&gt;Richelieu Dem Gesetz folgen.&lt;br /&gt;Der König Das grämt mich mächtig.&lt;br /&gt;Richelieu Herr Herzog, warum wollten Sie meinen Tod?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Den wollte und will ich, weil ich sehe, was auch &lt;br /&gt;der Beschränkteste erkennen kann: Sie sind eine Gefahr für mein Vaterland. Als Luynes die Macht an sich zog, lachte der Herzog von Bouillon nur und sagte: Das Aushängeschild hat sich verändert, aber das Wirtshaus ist das selbe.&lt;br /&gt;Richelieu Und nun glauben Sie, dass ich ...&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Ja, Sie wollen ein Volk von Gleichen, das einem &lt;br /&gt;einzigen Mann gehorcht, während ich ... ach, dass da Gebirge und Ebenen sind, Hohe, weniger Hohe und Niedrige, Wechsel der Schicksale, Kampf und Unruhe, Freiheit ... kurz gesagt: Ich liebe den Unterschied, Herr Richelieu. ... Als ich sechs Jahre alt war, setzte mein Vater mich auf seine Kniee und lehrte mich: Gott schuf den Sklaven für den Befehl, und die Tiere für die Leine, die Menschen aber für die Freiheit und die Verantwortung ... Gerne trage ich jetzt die Ketten für diese adlige Überzeugung, die französisch ist.&lt;br /&gt;Der König Das grämt mich mächtig. Wache! Wache! (Die Wache erscheint.)&lt;br /&gt;Richelieu Der König hat gerufen.&lt;br /&gt;Der König Ja.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Führt mich ab in die Bastille. Im Namen des &lt;br /&gt;Königs.&lt;br /&gt;Der König Tut, was er sagt.&lt;br /&gt;Richelieu Herr Herzog, möchten Sie noch einmal Ihre Gattin besuchen?&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Ob ich was will? Jetzt? Besuchen? Weshalb? Herr &lt;br /&gt;Minister, sehe ich sie danach nie mehr wieder?&lt;br /&gt;Der König Sie wissen gut, dass wir einen so mächtigen und liebenswürdigen &lt;br /&gt;Mann nicht hinrichten werden.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Haben Sie Dank.&lt;br /&gt;Richelieu Und wenn nun dennoch ...&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Wenn ... wenn dennoch ... ... Meine arme Gattin! &lt;br /&gt;Jeanne! &lt;br /&gt;Der Herzog wankt, richtet sich wieder auf, wankt erneut, so dass Pater Josef ihn stützen will. Er will ihn wegschieben, aber er klammert sich im Gegenteil an ihn. Richelieu setzt sich plötzlich hin, obwohl der König weiter stehen bleibt. Aber niemand beachtet das.&lt;br /&gt;Richelieu Geben Sie dem König Ihr Wort, dass Sie sich morgen früh in der &lt;br /&gt;Bastille einfinden.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Ludwig von Bourbon, auf meine Ehre als Ihr &lt;br /&gt;Ritter.&lt;br /&gt;Der König Amen. In Christi, meines und deines Lehnsherren Namen.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Herr Minister, dass ich in dieser Nacht noch ein &lt;br /&gt;freier Mann bin, verdanke ich Ihnen. Jenes Gemälde, das Sie so oft bei mir daheim bewundert haben, bitte ich Sie als Zeichen meines Dankes anzunehmen.&lt;br /&gt;Richelieu (will aufstehen, aber es geht nicht) Ich danke Ihnen.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency In Chateauneuf werden Sie einen willigen und &lt;br /&gt;gehorsamen Diener finden. Er hat bis jetzt niemals Untreue gezeigt. Meinem Land wünsche ich sodann, dass Sie Ihre gewaltigen Fähigkeiten im Dienst der Kirche einsetzen. Ihnen, mein König, wünsche ich ein langes Leben und die Hand Ihres Vaters zum Regieren.&lt;br /&gt;Pater Josef Gott ist Edelmut und Liebe. Er erhöht das Edle zum ewigen Leben, &lt;br /&gt;das mit dem Liebenden vereinigt ist.&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency Danke. (hinaus)&lt;br /&gt;Der König Es gibt doch noch Männer, die ihre Gattinnen lieben.&lt;br /&gt;Richelieu Jeder so, wie Gott es ihm gegeben hat.&lt;br /&gt;Der König Und Gattinnen, die der Liebe wert sind. ... Um der Krone willen ... &lt;br /&gt;früher als in zwei Jahren können wir ihn doch nicht wieder frei lassen. ... Arme kleine Frau Jeanne. ... Na, da ist Mutter. (Pater Josef hinaus)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe (herein) Unser heißgeliebter Bischof! ... Ist der Herzog noch &lt;br /&gt;nicht gekommen? Diese frisch gebackenen Ehemänner sind wie Hasen. Man kann sie nur treffen, wenn sie beim Rammeln sind, sonst aber nie. ... Jetzt muss er lachen, weil es ein Bild von der Jagd ist. Innerlich aber ist er jedoch stark verärgert über die leichtfertige Rede seiner Mutter.&lt;br /&gt;Der König (kann wie Leute, die selten lachen, nicht damit aufhören) Dein Vergleich ist &lt;br /&gt;völlig daneben, deswegen muss ich so lachen. Hasen schießt man nicht beim Rammeln. (trocknet seine Augen)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Sollen wir schon beginnen ohne den Herzog von &lt;br /&gt;Buckingham ... von ... von ... von Montmorency (Der König muss dabei so lachen, dass er erst rot, dann weiß wird.) denn sonst ... sonst ... meine ich .... sonst wird es zu lange dauern. Herrgott noch einmal. Ludwig, gib doch endlich wieder Ruhe. Man stirbt nicht an einem Versprecher.&lt;br /&gt;Der König Ist es denn auch notwendig, solch einen Quatsch mit seinem Mund&lt;br /&gt;daherzuplappern?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Du kannst nun nicht einmal nicht vertragen, ein Wort aus &lt;br /&gt;dem Gebiet des Gottes Amor zu hören. Man sollte kaum glauben, dass Du Heinrichs Sohn bist.&lt;br /&gt;Der König Ich achte meinen Vater sehr hoch und hoffe, dass ich von ihm einige &lt;br /&gt;seiner Eigenschaften geerbt habe. Es ist möglich, dass Gaston andere geerbt hat. Ich bin auf jeden Fall zufrieden damit, wie sie verteilt worden sind.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Nun, mein lieber Bischof, jetzt sind wir ja da. Setzen Sie &lt;br /&gt;sich bitte, wir nehmen alle Platz Ein Glück für das Land, dass Bischöfe und alte Königinwitwen nicht derartigen Versuchungen ausgesetzt sind wie Montmorency. ... Nun, was haben Sie uns zu sagen?&lt;br /&gt;Richelieu Majestäten! Sie wissen, dass die stolzeste Stunde in meinem Leben die &lt;br /&gt;war, als es mir glückte, Mutter und Sohn auszusöhnen. &lt;br /&gt;Die Königinwitwe Es glückte zum einen, weil Ihr Verhandlungsgeschick so &lt;br /&gt;über die Maßen groß ist, aber zum anderen auch ein wenig, weil halb Frankreich kampfbereit hinter mir stand.&lt;br /&gt;Richelieu Ein Bürgerkrieg, der nicht ausbrach, weil ich ihn verhütet habe. Er &lt;br /&gt;hätte unzählige Opfer gekostet, vielleicht auch das Leben von Ihnen beiden.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Dann war es auch ein Glück für das Land, dass ein &lt;br /&gt;Thronfolger in Gestalt meines jüngsten Sohns vorhanden war.&lt;br /&gt;Richelieu Ich weiß nicht, ob das für das Land ein Glück darstellt.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Wir haben uns getroffen, um die Zukunft zu beraten. Wir &lt;br /&gt;wollen Ihre Gedanken über den Zustand des Staates hören.&lt;br /&gt;Richelieu Ich habe keine Gedanken, sondern nur einen einzigen. Und der lautet: &lt;br /&gt;Frankreich und der König. Diese zwei sind eins. Darin eingeschlossen dieses: Zur Zeit haben wir hier im Lande tausend verschiedene Willen, davon will ich neunhundertneunundneunzig abziehen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Meister der kurzen und bündigen Klarheit, sagen Sie uns &lt;br /&gt;auch genau so kurz: Was ist Ihre Aussenpolitik?&lt;br /&gt;Richelieu Noch kürzer: Ich habe keine. Frankreich darf überhaupt nicht an so &lt;br /&gt;etwas denken, bevor es nicht im Inneren geeinigt und erstarkt ist. So lange verhandeln wir nach rechts und nach links und halten alle hin mit Gerede.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe In Ordnung. Daraus folgt auch: Der Staatsrat tritt nur &lt;br /&gt;zusammen, wenn man befürchtet, sich zu langweilen. &lt;br /&gt;Der König Das mit den vielen Willen im Inneren? ... Wie wollen Sie die einigen &lt;br /&gt;und stärken?&lt;br /&gt;Richelieu König Heinrich war groß. Er konnte lachen und scherzen, wie es sich &lt;br /&gt;gehört. Das können Sie nicht und ich nicht. Was man nicht kann, soll man auch nicht versuchen. Aber mit Härte kann ich Sie größer machen als König Heinrich je war. Zuerst die Hugenotten. Dass sie es an Gehorsam gegen Gott fehlen lassen, dagegen müssen wir Priester mit Waffen des Geistes angehen. Aber wenn sie den Gehorsam gegen den König vergessen, dann haben wir Soldaten mit Hunger und Schwert.&lt;br /&gt;Der König Hunger?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Sie vergessen, dass La Rochelle am Wasser liegt ... Wo ist &lt;br /&gt;es? Ja, da, tief in einer Bucht ... dass England seinen Glaubensbrüdern Schiffsflotten mit Nahrung schickt, und dass wir überhaupt keine Schiffe haben, mit denen wir was gegen sie unternehmen können. Alles das vergessen Sie, mein Lieber.&lt;br /&gt;Richelieu Mein Erinnerungsvermögen ist aussergewöhnlich scharf, Euer &lt;br /&gt;Gnaden. Haben wir keine Flotte, dann bauen wir ab sofort eine auf. Hier liegen die Berechnungen dafür. .... Das ist vor allem auch lebensnotwendig, weil wir bis heute versäumt haben, uns Kolonien zu verschaffen. Und dazu braucht man eine Flotte. Aber für La Rochelle braucht man die nicht. Wir bauen einen Dann quer über die Bucht und setzen unsere Kanonen darauf.&lt;br /&gt;Der König Das ist ein-ein-einleuchtend genial. Ich führe in dem Feldzug selbst &lt;br /&gt;das Kommando. Die Stadt ist mein.. &lt;br /&gt;Die Königinwitwe Nur noch eins, mein kluger, großer Minister: Das Geld?&lt;br /&gt;Der König Ja, das Geld, wissen Sie auch eine Lösung dafür?&lt;br /&gt;Richelieu Nein, das gebe ich zu. Das Geld kann ich nicht beschaffen. Ich weiß &lt;br /&gt;nur den Ausweg: Steuern.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ja, das ja nicht gerade eine neue Erfindung.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, aber jeder Tag, an dem wir nicht Krieg führen müssen, bedeutet &lt;br /&gt;Einsparungen. Und die Güter der hohen Herrschaften, die sich dem König widersetzen, werden uns doch zufallen. Und unsere Schiffe werden uns großen Reichtum über das Meer herbeisegeln. Ruhe und Ordnung bedeuten in sich selbst Einkommen, das ...&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Danke für diese interessanten Minuten. Jetzt werden wir &lt;br /&gt;darüber nachdenken, mein Sohn und ich.&lt;br /&gt;Richelieu Soll ich gehen? Jetzt? Ja aber ...&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Morgen früh werden Sie von uns wieder hören. Gute &lt;br /&gt;Nacht. Gute Nacht.&lt;br /&gt;Richelieu Gute ... gute Nacht. (ab)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe (schließt selbst die beiden Türen) Wache! Passt scharf auf! &lt;br /&gt;Lasst niemanden herein, und wenn es der Apostel Petrus selbst wäre! ... Wann werden wir ihn zum König ausrufen? Denk doch, er setzte sich hin, als ich eintrat. Der Mensch setzte sich einfach hin; und er saß, obwohl Du noch standst. ... Hahaha, und hast Du auch gehört: „ ... ihre Güter fallen uns zu ... unsere Schiffe!" Er glaubt wohl, er sei bereits in unsere Familie aufgenommen. Hast Du auch seinen Ton dabei gehört, Ludwig?&lt;br /&gt;Der König Ich habe seine Worte gehört.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Und hast Du da nicht auch gehört ... &lt;br /&gt;Der König Ja, auch seinen Ton dabei. Aber ich habe keinen so geringen Glauben &lt;br /&gt;an meine Fähigkeiten als König, als dass ich mir nicht zutraue, ihn dirigieren zu können. Und da ich das kann, sieh doch, zu welchem Ziel er Frankreichs Wagen für mich steuern wird.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Unterschreibe seine Entlassung. Du hast mir dein Sohnes- &lt;br /&gt;und Königswort darauf gegeben, dass Du das tun willst.&lt;br /&gt;Der König Ich lag damals mit hohem Fieber danieder und auf den Tod krank. &lt;br /&gt;Du hast mich liebevoll gepflegt, ja das hast Du, Mutter. (küsst ihre Hand) Aber das verletzt mich sehr, dass Du heute den damaligen Zustand Deines Sohnes ausnützen willst. Du verlangst, ich soll heute Abend nicht ausschließlich nach Recht und Pflicht fragen, sondern soll mein Handeln bestimmt sein lassen von einem fieberkranken und mir abgeluchsten Wort. (Trocknet seine Stirn, nachdem er so viel gesprochen hat.)&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Dieses Wort willst du doch nicht etwa brechen?&lt;br /&gt;Der König Man soll sein Wort niemals brechen. &lt;br /&gt;Unterschreibt das Papier. Die Königinwitwe greift danach und winkt damit aus dem Fenster. &lt;br /&gt;Rufe von unten Nieder mit Richelieu! In die Bastille mit ihm! An den Galgen &lt;br /&gt;mit ihm! Es lebe Königin Marie! Es lebe der König!&lt;br /&gt;Der König Das grämt mich mächtig. Was wollten wir eigentlich mit dem Treffen &lt;br /&gt;Hier bezwecken?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Er hat uns doch den einen oder anderen guten Rat gegeben.&lt;br /&gt;Der König Das ist ge-ge-gemein. Das ist noch mehr. Das ist italienisch.&lt;br /&gt;Richelieu (tritt durch eine schmale Tapetentür ein, lacht) Ich möchte wetten, die &lt;br /&gt;Majestäten haben über mich gesprochen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Die Kapelle. Ich habe die Tür zur Kapelle vergessen.&lt;br /&gt;Der König Was wollen Sie hier, Sie frecher, aufdringlicher Mensch?&lt;br /&gt;Richelieu Meine Königin, was habe ich Ihnen getan? Ich bitte um Verzeihung, &lt;br /&gt;aber ich bin mir keiner Schuld bewusst. Meine hohe Herrscherin, nehmen Sie mir nicht mein Lebenswerk, nennen Sie es Hochmut von mir, wahnsinnigen Ehrgeiz. Ich selbst weiß nicht, ich kann nicht unterscheiden, wie viel ich es Frankreichs wegen, wie viel ich esmeinetwegen will. Ich weiß nur, es bedeutet Leben meines Geistes. Begehen Sie keinen Mord an diesem Geist. Erweisen Sie Gnade dem, der um mehr als sein Leben bittet.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Darf ich Sie jetzt einmal so klein erleben, Herr Bischof? &lt;br /&gt;Hahaha! Jetzt noch kleiner als ...&lt;br /&gt;Der König Mutter, du erniedrigst Dich. Stehen Sie auf, Herr Richelieu, und &lt;br /&gt;verschwinden Sie.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Ja, ich erniedrige mich und habe das Jahr um Jahr getan, als &lt;br /&gt;ich mich als Treppe zur Macht und Hoheit habe missbrauchen lassen von diesem ... Kriecher da. Stehen Sie auf, sonst kriegen Sie noch einen Tritt von mir. Ich habe Sie aus Luçon hierher geholt, ich habe Sie in meinen Rat berufen. Und Sie haben Dummheit auf Dummheit begangen, mich von meinem einzigen Freund getrennt, mich von meinem lieben Sohn entfremdet, bis es damit endete, dass ich ins Gefängnis geworfen wurde, während Sie auftrumpften. &lt;br /&gt;Richelieu Glauben Sie das wirklich alles?&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Als ich mich aus eigener Kraft befreit hatte ... aus dem &lt;br /&gt;Schlamassel des Still-sitzen-müssens, nicht mehr ganz jung und nicht unbeschwert von meinem Körper ... als ich aus dem Fenster gekrochen und an einer Strickleiter herabgestiegen bin, die hin und her schwankte .... als halb Frankreich kam und sich hinter mich gestellt hat, da kamen auch Sie an. Ja, da kamen Sie dann an, wahrscheinlich von meinen Feinden bezahlt, und haben mich zu einem Vergleich beschwatzt, obwohl ich hätte siegen können, und Gaston wäre nun ... ach, lassen wir das alles sein. Aber heute habe ich endlich gemerkt, dass Sie der König sind und ich wie ein Lakei hinter Ihrem Stuhl stehen soll.&lt;br /&gt;Richelieu König Ludwig, wollen Sie nicht einen Wehrlosen verteidigen?&lt;br /&gt;Der König Ihr Schicksal ist entschieden. Darüber gibt es nichts mehr zu reden.&lt;br /&gt;Richelieu König Ludwig! Dass ER Ihnen Ihre Berufung gegeben hat ... Wissen &lt;br /&gt;Sie nicht mehr, was ich Ihnen an jenem Abend gesagt habe ... das bedeutet, dass ER etwas von Ihnen für Frankreich fordert. Können Sie das ohne mich schaffen? Verstehen Sie nicht, dass ER es ist, der Sie in diesem Augenblick vor die Wahl stellt zwischen ihr und mir.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Was erdreistet sich dieser Unverschämte?&lt;br /&gt;Richelieu Noch mehr. Ich war jahrelang eingespannt in eine Tretmühle, in der &lt;br /&gt;ich mich abmatten musste, und dann in das Netz der Intrigen. Deswegen verlange ich nun eins von den beiden. Entweder machen Sie mich noch heute Nacht zum Premierminister des Reiches, oder Sie lassen dieses Haupt abschlagen, für das ich dann weiter keinen Gebrauch mehr habe und das mich nur mit Schmerzen peinigt.&lt;br /&gt;Der König Was soll ich jetzt nur tun? Ich bin in großer Not. Lass mich in &lt;br /&gt;Frieden, Mutter. Gehen Sie, Herr Richelieu.&lt;br /&gt;Richelieu Ich gehe hier nicht weg.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Dann wird die Wache Sie wegtragen.&lt;br /&gt;Richelieu Gott hat mich dazu berufen, an der Seite des Königs zu stehen. Aber &lt;br /&gt;Sie, Königin Marie, Sie können gehen. Soll ich Ihnen das Verbrechen nennen, das Sie mir nicht vergeben können? Oder wissen Sie es selbst? Ich weiß es. Der Italiener im Kronrat war Ihr Geliebter. Ich wollte es nie sein. Ha, da habe ich ins Schwarze getroffen.&lt;br /&gt;Die Königinwitwe Haust du ihm denn keine 'runter? Du bist mein Sohn  und &lt;br /&gt;haust ... Ach, Fluch über euch beide. Ich will hier 'raus, ... nichts wie weg. &lt;br /&gt;(Aber die Türen sind ja abgeschlossen) Aufschließen, aufschließen, aufschließen, zum Teufel, lasst mich hier 'raus, aufschließen! (hinaus) &lt;br /&gt;Richelieu (Wendet sich zum König. Dessen Gesicht ist schmerzverzerrt.) Mein König, &lt;br /&gt;vergeben Sie mir, dass ich Worte gesagt habe... Worte, die niemals gesagt werden durften, die niemand hören durfte ... &lt;br /&gt;Der König Die deshalb vergessen sind ... die nie gesagt wurden. ... Wenn ich ... &lt;br /&gt;wenn ich Sie nun ernennen würde zu ... zu dem, was Sie sich gewünscht haben, würden Sie sich dann freuen?&lt;br /&gt;Richelieu Nein, jetzt nicht.&lt;br /&gt;Der König Vielleicht aber später. Ja. ... Nein. ... Nie. ... Doch jetzt will ich Ihnen &lt;br /&gt;ein Geheimnis verraten: Wir, die wir davon überzeugt sind, dass wir eine Berufung erhalten haben, wir wissen, dass wir damit etwas viel Kostbareres als nur Glück erhalten haben. Glück wünschen wir uns deshalb niema ... nur selten. Sollen es doch die anderen haben.&lt;br /&gt;Richelieu Aber es mag doch Glück bedeuten, seiner Berufung zu dienen?&lt;br /&gt;Der König Nein! ... Nein! ... Nein! ... Wollen Sie mein Premierminister sein?&lt;br /&gt;Richelieu Nur unter gewissen Bedingungen.&lt;br /&gt;Der König Nennen Sie sie mir.&lt;br /&gt;Richelieu Dass ... dass ... Ihre Mutter ...&lt;br /&gt;Der König ... verbannt wird. Das geschieht.&lt;br /&gt;Richelieu Dass Sie mir eine umfassende Vollmacht geben, so dass ich ohne Sie &lt;br /&gt;nichts bin, aber mit Ihnen so wie Sie selbst. &lt;br /&gt;Der König Ja.&lt;br /&gt;Richelieu Dass wir ohne auf landläufige Vorstellungen Rücksicht zu nehmen und &lt;br /&gt;ohne auf menschliche Gefühle: Mitleid, Billigkeit, Furcht, Ehre zu schielen... dass wir ohne irgend andere Rücksichtnahmen oder sonstige kluge Erwägungen einzig und allein auf das Ziel zugehen, in dem wir uns einig sind.&lt;br /&gt;Der König Mein königliches Gewissen kann ich Ihnen nicht opfern. Mein &lt;br /&gt;menschliches ... vielleicht.&lt;br /&gt;Richelieu Das genügt. ... Aber da gibt es noch eins, Majestät. Wenn ich jetzt &lt;br /&gt;Anteil an der Macht bekomme, ist es sehr wichtig, dass die Anderen auch wirklich glauben, dass ich die Macht besitze, und dass sie sich fürchten. Und wenn für alle sichtbar und spürbar werden soll, dass eine Neugeburt stattgefunden hat, ist es notwendig, dass wir uns selbst und Frankreich Blut vorweisen.&lt;br /&gt;Der König Was wollen Sie? Ein Heer?&lt;br /&gt;Richelieu Das Leben des Herzogs von Montmorency.&lt;br /&gt;Der König (zuckt zusammen) Das tut mir gewaltig leid. Und sie werden mich vom &lt;br /&gt;Thron jagen, wenn wir das tun.&lt;br /&gt;Richelieu Hält Sie das davon ab?&lt;br /&gt;Der König Nicht im Geringsten.&lt;br /&gt;Richelieu Diese Antwort war des Herren würdig, den ich über mir haben will.&lt;br /&gt;Der König So beginnen wir zwei das schwere Tagewerk, Glück zu opfern ... &lt;br /&gt;unseres und das von anderen ... um unserer Berufung treu zu sein. &lt;br /&gt;Und er reicht dem Minister die Hand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;IV&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kardinal Richelieus Schloßpark in Poitou. Königin Anna von Österreich kniet vor Gräfin Marie de Chevreuse. &lt;br /&gt;Gräfin Marie de Chevreuse Nein. So hör' doch, Anna. Wenn ...&lt;br /&gt;Königin Anna Ich will überhaupt nichts hören. (springt auf und macht einige &lt;br /&gt;Tanzschritte)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als mächtige Baumkronen im Wald&lt;br /&gt;sich zu einem wundersamen Dome wölbten&lt;br /&gt;und alle Knospen aufsprangen &lt;br /&gt;wurde der Bach zu einem kleinen Fluss,&lt;br /&gt;der sich hier und da im Spiel verbarg&lt;br /&gt;und über Stock und Stein sprang.   &lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Hör zu, Anna, nun musst Du beichten. Du hast einen &lt;br /&gt;Schmetterling aufgespießt. Was für einer ist es denn? Wenn Du es mir nicht sagst, wer es ist, verpetze ich Dich beim König.&lt;br /&gt;Königin Anna Nein, Marie, das darfst Du nicht. Nein, das wirst Du auch nicht. &lt;br /&gt;Versprich mir, dass Du es nicht tun wirst. Heissa, da ist einer Deiner Schmetterlinge. Bitteschön! Auf Wiedersehen. (ab)&lt;br /&gt;Der Erzbischof von Tours (herein) Hier im Schatten die schönste Blume des &lt;br /&gt;Gartens!&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Verhandelt der Kardinal mit Bankier Poulard jetzt über &lt;br /&gt;die Staatsanleihe?&lt;br /&gt;Erzbischof Ha, er ist auf alle unverschämten Forderungen des Köters &lt;br /&gt;eingegangen, er schickte nicht wieder Pater Josef mit dem Granitblock hin.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Und das Gesicht des Köters? Nein? Unersättliche &lt;br /&gt;Geldgier, Begehrlichkeit, Gewissenlosigkeit, alle diese vorzüglichen Eigenschaften, die sich bei uns versammeln. Er sollte zu uns gehören.   &lt;br /&gt;Erzbischof Es lindert meinen Durst nach Rache, dass ich jetzt Hilfe bekomme: &lt;br /&gt;Ich komme mir vor, als sollte ich die Hostie in eine Kneipe tragen.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Was ist es denn … sagen Sie es mir doch nun … was &lt;br /&gt;zwischen Ihnen und ihm ist.&lt;br /&gt;Erzbischof Überhaupt nichts. Er ist mein Freund. ... Aber ich besaß einmal eine &lt;br /&gt;Frau, der ich treu war, treu, seit sie sich zum ersten Mal an mich warf mit ihrer blutjungen, strahlenden Schönheit und seit den vielen, vielen Nächten, in denen sie ausgelassen und sorglos im Schoß meiner Gedanken lag. Ich führte sie zu ihm, um sie unter seinen Schutz zu stellen, und er riss sie an sich, jagte mich weg und lachte: "Sie ist mein, und sie war mein, bevor sie Dein war."&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Sie lügen. Sie erinnern sich falsch. Sie verwechseln etwas. &lt;br /&gt;Er ... hat niemals etwas mit ... Frauen zu tun gehabt.&lt;br /&gt;Erzbischof Deswegen, ach, könnte man es doch nur selbst! Könnte man doch in &lt;br /&gt;einer mondhellen Nacht über ihn gebeugt stehen, den Dolch an seine Kehle setzen und ihn aufwecken, ihn anlächeln und freundlich mit ihm reden, ehe man damit beginnt ... Hm, das würde mir wie die Frühmesse am Ostermorgen im Dom von Tours sein.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Drohende, kämpfende, unversöhnliche Hände! Sind das &lt;br /&gt;wirklich noch Ihre, die weich wie der Samt der Mitternacht sind?&lt;br /&gt;General Birabeau (hat sie lange aus der Entfernung betrachtet) Schönes Wetter &lt;br /&gt;heute.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Uh! So, Birabeau. Haben Sie gut aufgepasst?&lt;br /&gt;General Birabeau Ja, ich habe aufgepasst. Gräfin d'Alemcourt ist heute früh &lt;br /&gt;angekommen.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse  Soso. Als ich mit ihr vor zehn Tagen sprach … &lt;br /&gt;General Birabeau Und der König hat ihr bereits versprochen, im Herbst auf &lt;br /&gt;die Jagd nach d'Alemcourt zu kommen.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Ausgezeichnet, ausgezeichnet, mein Birabeau. Dann &lt;br /&gt;werde ich den Kardinal veranlassen, ihm zu folgen.&lt;br /&gt;Erzbischof Ratten sind sehr kluge Tiere, Frau Gräfin.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Wenn aber die Falle gut versteckt, wenn das Stück&lt;br /&gt;Fleisch lockend riecht, wenn der Hunger groß ist ... &lt;br /&gt;Erzbischof Der Köter kommt!&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Ja ja, wenn man von der Sonne spricht, blitzt sie auf wie &lt;br /&gt;ein blank geputzter Dukaten.&lt;br /&gt;Bankier Poulard (herein) Dukaten! Dukaten! Dann haben Sie also über mich &lt;br /&gt;gesprochen.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Freilich. Wir haben darüber gesprochen, dass Ihre &lt;br /&gt;Eminenz ein Mann ist, der voriges Jahr an Steuern ...&lt;br /&gt;Bankier Poulard Siebenhundertzweiundneunzigtausend Livre, meine &lt;br /&gt;Gnädigste.&lt;br /&gt;General Birabeau Siebenhundertzweiundneunzig?&lt;br /&gt;Bankier Poulard Tausend.&lt;br /&gt;General Birabeau Tausend?&lt;br /&gt;Bankier Poulard Livres.&lt;br /&gt;General Birabeau Ja, das ist ein Einkommen, das man gern haben möchte.&lt;br /&gt;Bankier Poulard Ich beklage mich nicht. Ich fing an mit dem einen dort und &lt;br /&gt;sah seinen Zwillingsbruder hier, beide nur als so etwas wie Kindersalbe. Aber Steuern sind verdammt noch mal etwas Unerfreuliches. Ja, das ist nun einmal meine Religion. Was bekommt man dafür? Beamte, die einen aussaugen. Man zahlt also Steuern, damit man ausgesaugt wird. Was ist das für eine Mathematik?&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Dann kann Seine Eminenz es schnell als billiges Darlehn &lt;br /&gt;vom Juden Nachemson bekommen.&lt;br /&gt;Bankier Poulard Was soll ich bei dieser ekeligen Seuche?&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Man meint, dass er bloß mit Ihnen verhandelt, um auf &lt;br /&gt;den anderen Druck ausüben zu können.&lt;br /&gt;General Birabeau Der König!&lt;br /&gt;Der König geht vorbei, ohne sie anzusehen.&lt;br /&gt;Bankier Poulard Er grüßte nicht.&lt;br /&gt;Erzbischof Er ging vorbei und lachte.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Dann kommt er direkt vom Kardinal.&lt;br /&gt;Erzbischof Kommen Sie, General, … Weg mit achthunderttausend im Jahr für &lt;br /&gt;ihn und auch noch für seinen Hanswurst. (beide ab)&lt;br /&gt;Bankier Poulard Morgigen Tags schlage ich auf den Tisch und verlange eine &lt;br /&gt;Entscheidung.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Das machen Sie, wenn Sie der Mann sind, für den ich Sie &lt;br /&gt;ansehe. Und Sie belohnen mein Interesse für Sie mit absoluter Verschwiegenheit über unsere Unterhaltung hier.&lt;br /&gt;Bankier Poulard Was Sie angeht, gnädige Frau, ist mein Mund stumm wie der &lt;br /&gt;eines Fisches. (nach einer Pause) Ja, Ihr Hohn … fein … Nägel sind niedlich, weiß Gott, sie sind es.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Es ist mir nicht bewusst, dass sie niedlicher sind als &lt;br /&gt;irgendetwas anders an meiner Person.&lt;br /&gt;Bankier Poulard Verzeihung, ich meinte … freilich auch …hähähä … Ihre &lt;br /&gt;ganze Person. Man hat ja sowohl oben wie unten Nägel … also: niedlich von Kopf bis zu den Zehen.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Wofür halten Sie mich? Äusserungen dieser Art erlaubt &lt;br /&gt;man sich nicht in den Kreisen, in denen ich verkehre. Ich erwarte Ihre Entschuldigung, Herr Bankier. (hinaus)&lt;br /&gt;Bankier Poulard Die will ich haben, die muss ich haben, der Teufel hole mich, &lt;br /&gt;und wenn sie mich eine ganze Million kostet. (hinaus)&lt;br /&gt;Die Bühne ist leer – leise Musik aus der Ferne.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse (herein mit der Königin) Weswegen?&lt;br /&gt;Königin Ja, weswegen ist man froh gestimmt? Weil … weil Menschen einem so &lt;br /&gt;viele schöne Dinge sagen, weil der Himmel blau ist und die Sonne scheint, und der milde Hauch des Windes wie die Hand eines Liebhabers ist, der einem das Haar aus der Stirn streicht, um sie zu küssen.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Über alles das freut man sich nicht, ausser wenn man &lt;br /&gt;froh gestimmt ist, aber …&lt;br /&gt;Königin Küss' mich und lauf' dann. Nein, nicht küssen, nur laufen. Und nicht &lt;br /&gt;lauern, nicht wahr? Versprichst Du mir das?&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Das versprech' ich Dir. Grüß' ihn von mir, den &lt;br /&gt;Glückspilz. Aber nur, wenn er nicht einer von meinen ist.&lt;br /&gt;Die Königin wartet voller Ungeduld, versteckt sich, gibt das wieder auf und kommt hervor. Und endlich naht er, der Geliebte, der Glückspilz, König Ludwig XIII. Er kommt  linkisch auf die Bühne, kommt mit Bauchschmerzen und wird, noch ehe er sich versieht, mit einem Hagel von Küssen eingedeckt. Und er wehrt sich dagegen und will sich dem entziehen. Und er vergisst seine Bauchschmerzen und vergisst seine Steifheit und fasst sie um die Mitte und hebt sie in die Höhe, als ob er sie Gott zeigen wollte. Dann lässt er sie nieder auf das Gras und küsst er sie zart und legt sein Haupt in ihren Schoß.&lt;br /&gt;König A-A-Anne, na-na-nachts …  an Deinem wei-wei-weichen … (Er stockt und &lt;br /&gt;linkische Schüchternheit erscheint wieder auf seinem Angesicht. Und wieder und wieder küsst sie ihn, und er lächelt und liegt da mit geschlossenen Augen.) Liebe Anne, nachts an Deiner Brust …  so weich …  so gut, liebe, liebe Anne, nachts an Deiner guten Brust … Gott meint es so gut. Selbst ich darf einmal teilhaben an einem so großen Glück … er meint es so überaus gut.&lt;br /&gt;Königin Ludwig, ich liebe Dich.&lt;br /&gt;König Es kam mir vor, als wäre es die selige Ruhe nach dem Tod … Die &lt;br /&gt;schwere Krone wäre mir von der Stirn genommen und sie würde befreit im Schoß der Ewigkeit ruhen.&lt;br /&gt;Königin Ich liebe Dich, Ludwig.&lt;br /&gt;König Deine Liebkosungen umgaben mich wie Engel, Deine Küsse waren wie &lt;br /&gt;Worte aus Gottes Mund, Vergebung für den Sünder, Entrückung, Gesundung, Reinigung, Erhebung, Kuss um Kuss … und mein müdes Haupt ruhte am Busen des Lebens.&lt;br /&gt;Königin Geliebter, Du!&lt;br /&gt;König Nun ist die Nacht schon längst vorbei. Aber Du bist noch immer hier und &lt;br /&gt;mit Dir auch das alles. Alles ist hier. Ah, Du Quelle des Segens, meine Gemahlin, meine Gemahlin. Dein Mund, ach, reiche mir ihn wieder, den kostbaren Kelch, mir, der nie von einem anderen gekostet hat. Dein Mund, kein anderer schenkt mir  … harrh …Reinigung und Vergessen, ja am meisten Vergessen.&lt;br /&gt;Königin Höre die Drossel, sie singt Deinen Namen: Ludwig, Ludwig.&lt;br /&gt;König Ja, Anne, sprich mit mir. In der Nacht warst Du stumm. Da gabst Du mir &lt;br /&gt;Leben durch Küsse und Liebkosungen, gib es mir nun in Deinem Wort.&lt;br /&gt;Königin Ludwig, Ludwig! Es gibt nichts anderes. Hör', wieder die Drossel. Und &lt;br /&gt;der Wind, lau und lind vor lauter Glück, wispert von dem Wunder, das &lt;br /&gt;geschieht, wenn das Herz schon aufgehört hat zu hoffen. Hör', wie die Quelle in leisen Schlägen springt. Das ist mein Blut, das in kleinen warmen Tropfen hinüberhüpft zu Dir in meinen Küssen. &lt;br /&gt;König Anne, komm, wir gehen hier im Garten vor aller Augen Arm in Arm eine &lt;br /&gt;Runde. &lt;br /&gt;Königin Traust Du Dich, Ludwig? Ach ja, lass' uns, Geliebter. Denn ich bin die &lt;br /&gt;Prinzessin aus dem Wunderland. (beide hinaus)&lt;br /&gt;Chateauneuf (kommt hinter einem Busch hervor) Bei allen Heiligen!&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse (kommt hinter einem anderen hervor) Herr &lt;br /&gt;Großsiegelbewahrer, hocken Sie hier?&lt;br /&gt;Chateauneuf Diese Sommerhitze. Ich bin im weichen Gras eingeschlummert.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Das hätte ich wissen müssen. Dann hätten wir doch &lt;br /&gt;hier beisammen sitzen können. Diana! (Pfeift kurz mit einer kleinen Flöte.) Wo ist mein kleiner Hund nur hin gelaufen? Sollen Sie auf's Neue loslaufen, Herr Chateauneuf? Pfeift der Kardinal nach Ihnen? Damit Sie sich einfinden in der Reihe seiner Hunde, Sie, ein hervorragender Mann, in den französischen Adel erhoben. …&lt;br /&gt;Chateauneuf Von ihm.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Teuer bezahlt.&lt;br /&gt;Chateauneuf Da kommt der Hund, nach dem Sie gepfiffen haben. Aber wenn &lt;br /&gt;Sie auch nach allen Geistern des Abgrunds pfeifen, um zu schleimen oder zu drohen, so tue ich es nicht. Ich siege auf der Flucht. (ab)&lt;br /&gt;Erzbischof Ist er vor mir weggelaufen? Er kommt wieder.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Da ist etwas Komisches und verteufelt Verwirrendes &lt;br /&gt;geschehen. Die große Liebe ist über den König gekommen.&lt;br /&gt;Erbischof Ist das seine innige Schwärmerei für Mademoiselle de Hautfort oder &lt;br /&gt;seine vergeistigte für Mademoiselle de La Fayette, die plötzlich handfestere Formen annimmt?&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Es ist seine Aversion gegen die Königin, die sich &lt;br /&gt;letzte Nacht in ihr Gegenteil verkehrt hat.&lt;br /&gt;Erbischof Haha. Dann benützen wir sie bei ihm gegen den Kardinal.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Oder der Kardinal benützt sie bei ihm gegen uns.&lt;br /&gt;Erzbischof Dann bringen wir sie wieder auseinander. Ich werde heute Abend &lt;br /&gt;über den Tisch hinweg fragen: "Hat jemand das Gerücht gehört, Sir Buckingham, der alte Gesandte Englands bei uns, sei tot? So, nicht. Dann passt das vielleicht."&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Das ist im Übrigen ein böser alter Mann. Aber Sie sind &lt;br /&gt;auch etwas beschränkt. Der König schneidet Ihnen eine Fratze und …&lt;br /&gt;Chateauneuf (herein) Verzeihung, ich … Aber sehen Sie, ich leide Seelenqualen.&lt;br /&gt;Erzbischof Beichten Sie. Ich werde Ihnen alles vergeben.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Kommen Sie auf unsere Seite, Chateauneuf. Auch Sie &lt;br /&gt;haben doch Nutzen von seinem Tod. Damals, als Pater Josef Ihre Schwindeleien in der Staatskasse entdeckte …&lt;br /&gt;Chateauneuf Still, still. … Ich darf nicht mehr verraten. … Immer nachts… Es &lt;br /&gt;war doch das edelste Haupt in Frankreich … und es erscheint in der Dunkelheit … ohne den Leib unter sich … während das Blut aus seinem Hals …  tropf, tropf … Es ist nicht zum Aushalten.&lt;br /&gt;Erzbischof Ich habe einen guten Rat für Sie. … Hängen Sie sich am besten auf. &lt;br /&gt;Wer damit anfängt, Verrat zu üben, sollte sich aufhängen, wie Seine Hochwürden, der Bischof von Keriot, oder er sollte sich verhärten, indem er weitermacht, so wie Hochwürden Ichselbst. Ich war kaum siebzehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal eine teure Person verriet.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse War es eine Frau, die Sie als junger Mensch verraten &lt;br /&gt;haben?&lt;br /&gt;Erzbischof Ja&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Eine Frau von Rang?&lt;br /&gt;Erzbischof Ganz wie Sie wollen – von allerhöchstem Rang oder von &lt;br /&gt;niedrigstem. Es war die Heilige Jungfrau, Madame.&lt;br /&gt;Chateauneuf Und die Nächte, die Nächte?&lt;br /&gt;Erzbischof Wein, Wein, Wein, Mann, Blut von Trauben und Weibern. Wozu hat &lt;br /&gt;Gott den Weinstock geschaffen und der Teufel die Frau, wenn nicht nicht für die nagende Nacht? &lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Bemerkenswert. Diese prachtvolle Blume, riechen Sie &lt;br /&gt;doch mal daran – ganz ohne Duft.&lt;br /&gt;Kardinal Richelieu kommt mit einem Gefolge von Damen und Herren, dicht bei ihm Pater Josef, an seiner Seite Gräfin d'Alemcourt. Er sieht die Gruppe und steuert auf sie zu. Alle weichen ehrerbietig zur Seite. Der Erzbischof geht ihm lächelnd entgegen und schließt sich der Gesellschaft an. &lt;br /&gt;Richelieu Herr Großsiegelbewahrer, wollen Sie bitte hier auf mich warten? … &lt;br /&gt;Frau Gräfin Marie de Chevreuse, Sie kennen noch nicht …&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Ich habe Ihren neuen Gast nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;Richelieu Gräfin d'Alemcourt, die beste Freundin meiner lieben verstorbenen &lt;br /&gt;Mutter erweist mir die Freundlichkeit, mich zum ersten Mal mit ihrem Besuch zu beehren.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Zum ersten Mal?&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Susannes Sohn wurde ja ein so pflichteifriger Katholik, &lt;br /&gt;und ich bin eine gebürtige Hugenottin.&lt;br /&gt;Richelieu (ergreift die Gelegenheit, etwas zur Sprache zu bringen, was er den ganzen &lt;br /&gt;Vormittag umgangen hat) Es schmerzt mich tief, dass der einzige Sohn von Gräfin d'Alemcourt bei der Belagerung von La Rochelle gefallen ist.&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Nun, er ist nicht gefallen. Er starb vor Hunger, als es in &lt;br /&gt;der Stadt keine Ratten mehr zu essen gab.&lt;br /&gt;Richelieu Und gleichsam als ein Zeichen, dass das in der Vergangenheit &lt;br /&gt;Verhüllte nun auch das Vergessene sein soll, erscheint mir , dass der Tag mir heute einen so teuren Besuch beschert. … Gestatten Sie, Frau Gräfin d'Alemcourt, dass ich diesem schönen Mund die weitere Unterhaltung mit Ihnen übertrage? &lt;br /&gt;Verbeugt sich und geht, gefolgt von Pater Josef, zu Chateauneuf. Die Gesellschaft geht umher und bewundert Bäume und Statuen.&lt;br /&gt;Richelieu Sehen Sie, Pater Josef, dieser Besuch von einer der eifrigsten &lt;br /&gt;Hugenottinnen, was will er uns sagen? &lt;br /&gt;Pater Josef Dass der Widerstand so gründlich gebrochen ist, dass sie jetzt endlich&lt;br /&gt;unsere Freundschaft suchen.&lt;br /&gt;Richelieu Ja. Aber außerdem war die Gräfin ja auch Mutters enge Freundin, und &lt;br /&gt;ihr Besuch und ihre Einladung rührt mich tief.  ... Und hier in diesem prächtigen Schloss, ein Gunsterweis des Königs, lustwandeln nun meine Gäste und sonnen sich in meiner Gunst, die den Trotz von ganz Frankreich bricht. ... Meine Macht hatte Erfolg, und meine List hatte Erfolg: Als gestern Abend die Geigen ihre Liebesklagen durch die Säle des Schlosses schluchzten und die Nachtigallen in den Alleen des Parkes flöteten, sah ich mit eigenen Augen vom Balkon aus, wie in dem hellen Mondlicht der Schatten des Königs sich zum Mund der Königin neigte. ... So allmächtig bin ich. So wahnsinnig mächtig bin ich, dass ich jetzt gleich zu einer neuen Schandtat aufbrechen möchte.&lt;br /&gt;Pater Josef Was wollen Sie denn nun noch? Herr Kardinal Richelieu, ich bitte &lt;br /&gt;Sie, unterlassen Sie das.&lt;br /&gt;Richelieu Was denn?&lt;br /&gt;Pater Josef Krieg gegen Spanien … das hieße Gottes Kirche auf Erden im&lt;br /&gt;Zeichen der Selbstzerstörung.  Sie waren mein Freund, und jetzt sind Sie &lt;br /&gt;mein Herr und mein Gott. Aber wenn Sie das tun – ich verehre keine Abgötter. Wenn Sie mich vor eine Wahl stellen: ich wähle Christus und nicht Sie.&lt;br /&gt;Richelieu Wer denkt denn jetzt an Spanien? Dieser Krieg ist beschlossene Sache &lt;br /&gt;und wird erklärt werden, wenn die Stunde dafür günstig ist. … Herr Großsiegelbewahrer! … Pater Josef, warum warum kann ich nicht … alles kann ich, nur nicht ein Herz gewinnen, zumindest nicht ihres, das … Nun, Herr Großsiegelbewahrer, wollen Sie bitte ein Schreiben folgenden Inhalts an das Parlament aufsetzen lassen, dass der König dessen Recht aufhebt, Gesetze zu beschließen, aber dessen Vollmacht als oberstes Gericht in jeder unpolitischen Sache bestätigt.&lt;br /&gt;Chateauneuf Es soll ganz so geschehen, wie es Ihre Eminenz wünscht.&lt;br /&gt;Richelieu Aber da ist da noch etwas anderes. Hm. Wenn ... wenn  Sie gleich &lt;br /&gt;mitten in der Gesellschaft zufällig vor mir stehen, wollen Sie dann bitte laut, aber eben nur beiläufig diese Worte sagen wollen: "Ich habe einen Brief vom Herzog von Cunningham erhalten."&lt;br /&gt;Pater Josef Was wollen Sie?&lt;br /&gt;Chateauneuf Den kenne ich nicht. Soll ich nicht sagen … sagen: &lt;br /&gt;"Buckingham"?&lt;br /&gt;Richelieu Sind Sie verrückt. Der Mann, den Sie da nennen, ist tot ... und hier am &lt;br /&gt;Hof mehr als tot. Wozu sollten Sie Briefe erhalten von einem, der tot und mehr als geächtet ist? &lt;br /&gt;Chateauneuf Warum soll ich dann sagen …&lt;br /&gt;Richelieu Weil ich das so will, Herr Marquis. Ich habe Sie Stufe um Stufe &lt;br /&gt;befördert, das sollte Ihnen hierfür Begründung genug sein. &lt;br /&gt;Chateauneuf verbeugt sich und entfernt sich ein wenig.&lt;br /&gt;Pater Josef  st das nun notwendig? Wo sie heute früh so vor Glück glänzte. Jetzt &lt;br /&gt;verstehe ich, warum. &lt;br /&gt;Richelieu Was ist notwendig? Nichts. Nicht einmal, dass Frankreich existiert. Mit &lt;br /&gt;diesem Rätsel habe ich ein für alle Mal abgeschlossen, um nicht meinen Verstand zu verlieren. Warum spielt ein Kind.? Weil es ein Kind ist. Warum liegt eine Leiche ruhig? Weil es eine Leiche ist. Warum lebe ich und setze mein ganzes Leben für mein Land ein? Weil ich Richelieu bin. Ich will Frankreich zum Himmel emporheben, auch wenn ich selbst dabei zur Hölle fahre.&lt;br /&gt;Pater Josef  (mit einem Seufzer) Und Gott passt sich Ihnen an – dabei wie in allen &lt;br /&gt;anderen Angelegenheiten. Warum tut er das eigentlich?&lt;br /&gt;Richelieu Weil ich selbst Gott bin. Ein Wille, der von Klugheit durchstrahlt ist, &lt;br /&gt;das ist Gott. Auch das musste geschehen, Pater Josef. So inbrünstig habe ich darum gebeten, dass die Königin die Gewalt über den Körper des Königs erhält. Ja, aber nie Verfügung über seine Gedanken. Die besitze und behalte ich selbst. Völlig. Die Schlange de Chevreuse, die der Königin in den Ohren liegt, hat nur einen Wunsch: dass sie sich mit ihrem Gift mir nähert. Gut, das verhindere ich. (Die Gesellschaft kehrt wieder um.) Ei, meine lieben Gäste, man ruft nun zum Diner.&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Wann erhalte ich die Ehre, zur Rechten der Allmacht &lt;br /&gt;sitzen zu dürfen? Ja, neben Ihnen?&lt;br /&gt;Richelieu Ich? Sie? Ich?&lt;br /&gt;Gräfin de Chevreuse Wann werden wir zwei so klug sein, dass wir wieder &lt;br /&gt;zueinander finden? &lt;br /&gt;König und Königin nähern sich.&lt;br /&gt;Richelieu Es wird ein Tag voller Glück sein, wenn Sie das wirklich wollen, Marie &lt;br /&gt;... de Chevreuse. Darf ich die Majestäten hinaufführen?&lt;br /&gt;König Danke. Ich behalte den Arm der Königin.&lt;br /&gt;Richelieu Welch herrliches Wetter, Frau Gräfin d'Alemcourt. Ihr Gemahl sollte &lt;br /&gt;doch auch hier sein?&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Der Graf hatte gerade einige chinesische Hähne für seinen &lt;br /&gt;Hühnerhof bekommen, sodass er meinte, sich nicht freimachen zu können.&lt;br /&gt;Richelieu Na, Herr Großsiegelbewahrer, haben Sie heute Post erhalten.&lt;br /&gt;Chateauneuf Nichts Besonderes. Nur einen  Brief vom …  vom Herzog von &lt;br /&gt;Cunningham.&lt;br /&gt;Richelieu Aha, aus England. Vom Herzog von Cunningham. Will seine &lt;br /&gt;Herrlichkeit die Juwelen verkaufen?&lt;br /&gt;Chateauneuf Ja, gerne zu … zu dem Preis Ihrer Eminenz.&lt;br /&gt;Richelieu Gut. ... Wir sollten jetzt aber gehen.&lt;br /&gt;König (Ist bleich geworden und hat den Arm der Königin losgelassen; er will ihn wieder &lt;br /&gt;nehmen, kann es aber nicht.) Herr Ka-Kardinal, wollen Sie bitte die Königin führen.&lt;br /&gt;Königin Aber Ludwig ...&lt;br /&gt;König (zur Gräfin d'Alemcourt) Frau Gräfin, darf ich Sie führen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;V&lt;br /&gt;Im Schloss von d'Alemcourt. In einem der Kardinal Richelieu zur Verfügung gestellten Zimmer. Pater Josef kniet vor einem Kruzifix. Von unten hört man Tanzmusik. Sie ist zunächst schelmisch spielerisch, dann überschäumend und bricht dann plötzlich ab. Beifall, Lachen, laute Rufe. Der Pater erhebt sich und geht in das anstoßende Zimmer.&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt (herein mit dem Diener Pierre, der Zweige und Blumen trägt) Gut, &lt;br /&gt;Pierre. Ich vertraue darauf, dass Ihr alles schön dekoriert. Ja, Pierre, Du weißt selbst am besten, wie sehr ich auf Dich heute Nacht vertraue. &lt;br /&gt;Pierre Da kann Frau Gräfin ganz beruhigt sein. Und morgen früh ... ?&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt ... wenn alles gut gegangen ist, gehört das &lt;br /&gt;kleine Haus an der Allee Dir und Annette.&lt;br /&gt;Pierre Dafür sind wir beide jetzt schon sehr dankbar. &lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt (herein) Liebe Freundin, sie erwarten Dich unten im Saal. Der &lt;br /&gt;König ist müde, liebe Freundin.&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Ich komme sofort. (beide hinaus)&lt;br /&gt;Annette (herein) Ich helfe Dir jetzt, Pierre. Heb' mich doch mal hoch. Aua, nicht &lt;br /&gt;so drücken. So verrenkst Du mich. … Dummkopf, ein Zweig auf einmal. … Ach, welch kräftige Farben doch der Herbst hat&lt;br /&gt;Pierre Das ist genau wie bei einer Leiche.&lt;br /&gt;Annette Pfui doch, was ist das für ein blöder Schnack. Ih, wie die da unten &lt;br /&gt;tanzen. Meinst Du nicht auch, diese Gräfin sei wunderschön, diese Sevreuse?&lt;br /&gt;Pierre Du brauchst keine Angst zu haben, Annette. Die können alle noch so &lt;br /&gt;schöne Augen machen für Deinen Pierre, wie sie wollen, er vergisst doch niemals, wessen Pierre er ist.&lt;br /&gt;Annette Macht so eine wie die denn auch schöne Augen für jemanden wie Dich?&lt;br /&gt;Pierre Brr, hm, hm! Gib niemals viel darum!. Ich sage Dir, die anderen sind für &lt;br /&gt;mich nur, was wir Erlebnisse im Vorübergehen zu nennen pflegen. Aber Dir bin ich mein ganzes Leben lang treu.&lt;br /&gt;Annette Ph! Was für ein blöder Schnack! … Warum ist der König nicht heute &lt;br /&gt;Mittag abgereist? Das wollte er doch.&lt;br /&gt;Pierre Nein, denn er verfehlte einen Adler.&lt;br /&gt;Annette Worüber lachst Du?&lt;br /&gt;Pierre Ach, nichts. &lt;br /&gt;Annette Denk nur, die Sevreuse tanzt mit so wenig an! Pfui! Aber natürlich ist es &lt;br /&gt;ein sehr teurer Stoff … Ja, so ein Kleid bekommt eine andere ja nie.&lt;br /&gt;Pierre Hier sind zu wenig Kerzen, glaube ich.&lt;br /&gt;Annette Aber sonst ist es hier jetzt sehr schön. So werde ich auch für Dich alles&lt;br /&gt;schön machen, wenn wir heiraten. Lauf jetzt los nach Kerzen. (Pierre hinaus)&lt;br /&gt;Man hört draußen Madame de Chevreuses Stimme Verrückter Mensch, &lt;br /&gt;machen Sie, dass Sie weiter kommen. (Handgemenge vor der Tür, die ihr und General Birabeau nachgibt.&lt;br /&gt;General Birabeau Du hast Deine Rolle nur zu gut gespielt Ist da nichts &lt;br /&gt;zurückgeblieben, nachdem seine Augen nur so Deine Brüste verschlangen? Du warst mein, als Du die blutjunge Marie de Rohan warst. Da warst Du ein Engel von Liebreiz, nun bist Du eine Hölle von Schönheit. Du sollst …&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Und jetzt lassen Sie mich los. Ha. Hysterie  kann eine &lt;br /&gt;Frau bezaubernd kleiden. Aber sie ist lächerlich bei einem Manne. (hinaus)&lt;br /&gt;General Birabeau Teufel noch eins! Teufel noch eins! (Streicht sich über seine&lt;br /&gt;blutunterlaufenen Augen und die zerquälten Falten seiner Stirn.) Kind? Bist Du hier? Nein, bleibe doch! Ha, Du Milchkälbchen …&lt;br /&gt;Annette Jesus, Maria, helft mir!&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt (herein) Was geht hier eigentlich vor? (Annette huscht hinaus.)&lt;br /&gt;General Birabeau Herr Graf, dieses kleine Mädchen da!&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt  HerrBirabeau, entschuldigen Sie, meinen Sie nicht, es sei &lt;br /&gt;jetzt soweit, um ...&lt;br /&gt;General Birabeau Wenn es soweit ist, werde ich auf meinem Posten sein und &lt;br /&gt;mein Handwerk so gut wie irgendeiner verrichten. Bis dahin aber … verstehen Sie mich? &lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Nein, Herr General&lt;br /&gt;General Birabeau Herr Graf, wissen Sie, was meine "Berufung" ist, um mich &lt;br /&gt;auf königliche Weise auszudrücken? Ich, der General, muss lächerlicherweise mein ganzes Leben Limonade trinken, um meinen ewigen Durst nach den Trauben zu stillen, die ich in meiner Jugend genossen habe. Nun also, so gönnen Sie mir doch diese Limonade. Verstehen Sie mich jetzt? Das Mädchen von hier eben ist binnen einer  Sunde auf meinem Zimmer und der Schlüssel wieder bei mir. Wenn nicht, schlage ich das ganze Schloss kurz und klein und verrate dem Kardinal das he ...&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt  Still, still. Es geschieht alles so, wie Sie es wünschen. Sofort. &lt;br /&gt;Aber seien Sie bloß still.&lt;br /&gt;General Birabeau Dann ist es gut, mein Freund, gut. (hinaus)&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Ich würde dem Kloster meinen Hühnerhof stiften, wenn es &lt;br /&gt;schon fünf Uhr wäre. (hinaus)&lt;br /&gt;Pater Josef ist unterdessen unbemerkt hereingekommen und hat ihnen zugesehen, aber mit einem Gesicht wie einer, in dessen Augen alles keinen Sinn macht. Nun schaut er zum Kruzifix hinüber und ist weiter in Gedanken versunken.&lt;br /&gt;Richelieu (herein) Meine graue Eminenz, heute Abend fühle ich mich wie ein &lt;br /&gt;Gott. Sie hat mir ihr Lächeln geschenkt. Mensch, Mensch, alter Kriegskamerad, ich habe ihren Mund gekostet. &lt;br /&gt;Pater Josef Herr Kardinal, ich ...&lt;br /&gt;Richelieu Der brave, einmalige, herrliche Freund, dem habe ich es zu verdanken. &lt;br /&gt;Er holte mich aus dem dummen, viereckigen Haus in der Rue St. Honoré hierhin, damit ich erlebe, dass der Herbst Schönheit und Süße besitzt, die der Frühling nie besaß. (schlägt sich vor den Kopf) Alle Ratten, die hier unter den Dielen nagen, halten sich mucksmäuschen still, selbst die Haie hier in der Tiefe blähen sich in dieser Nacht nicht auf. Noch etwas:  alter böser Ezechiel, er ritt kurz nach dem General heim nach einem gewaltigen Fressgelage. Schauen Sie doch nicht so verbiestert drein.&lt;br /&gt;Pater Josef Gustav Adolf ist gefallen.&lt;br /&gt;Richelieu Gefallen? Und die Schlacht?&lt;br /&gt;Pater Josef Die hat er gewonnen. Und ist gefallen.&lt;br /&gt;Richelieu Ein einziger Bote? &lt;br /&gt;Pater Josef Zwei Boten.&lt;br /&gt;Richelieu Edler, tapferer König, Du bist genau zu dem Zeitpunkt gefallen, als &lt;br /&gt;Du es solltest. Es macht die Erde arm, wenn ein solcher Stern niederfällt. Aber ich ... Dein Werk soll völlig ausgenutzt werden. Das gelobe ich Dir angesichts deines Todes. Morgen früh erkläre ich Spanien den Krieg und ...&lt;br /&gt;Pater Josef Der andere Bote meldete, der Marschall von Rostand habe den &lt;br /&gt;Dichter Francois Abbé in einem Duell getötet.&lt;br /&gt;Richelieu Ein Dichter weniger ist immer ein Gewinn. Und der Marschall ist &lt;br /&gt;hoffentlich festgenommen worden?&lt;br /&gt;Pater Josef Er ist doch ein Marschall, Herr Kardinal.&lt;br /&gt;Richelieu Das ist wahr. Er ist kein einfacher Bauer. Desto besser müsste er das &lt;br /&gt;Gesetz kennen. Und desto mehr müssen wir ihn enthaupten. Was haben Sie sonst noch angestellt, alter Brummbass? Schöne Damen im Tanz herumzuschwingen, davon halten Sie sich ja fern.&lt;br /&gt;Pater Josef Ich habe mich hingesetzt und mein Testament geschrieben.&lt;br /&gt;Richelieu An einem Abend, an dem das Haus vom Tanzen erbebt?&lt;br /&gt;Pater Josef Tanzen ist kein Bollwerk gegen den Tod. Wäre ich ein Christ, wenn &lt;br /&gt;ich nicht täglich das einzig Gewisse bedächte: meinen Tod?&lt;br /&gt;Richelieu Der Tod ist das Letzte, was man erlebt. Es reicht doch, daran erst ganz &lt;br /&gt;zuletzt zu denken. &lt;br /&gt;"Die Jungfrau schlug die Augen nieder auf  seine Schuh,&lt;br /&gt;der Ritter sah es und lachte listig dazu."&lt;br /&gt;Pater Josef Mein Herz schlägt so wunderlich, meine Gedanken sind so &lt;br /&gt;merkwürdig. Ich bitte Sie, lassen Sie uns das Sakrament des Altars miteinander teilen.&lt;br /&gt;Richelieu Nein, nun hören Sie mal, alter Ezechiel! Sollen wir beide mitten bei der &lt;br /&gt;letzten Ölung sein, wenn hier gleich Marie de Chevreuse hereingetanzt kommt?&lt;br /&gt;Pater Josef Und ich habe heute Abend in der Heiligen Schrift gelesen. Welche &lt;br /&gt;Gedanken, glauben Sie, kreisten in Abrahams Kopf, als er sich mit seinem Sohn den Berg Moria hinaufschleppte?&lt;br /&gt;Richelieu Ich bin jetzt überhaupt wenig dazu aufgelegt, über Abraham &lt;br /&gt;nachzudenken.&lt;br /&gt;Pater Josef Und ich habe von Judas mit dem Beinamen "der, welcher  ihn &lt;br /&gt;verriet" gelesen. Herr Kardinal, wenn Sie seine Mutter gewesen wären, und ein Engel hätte Ihnen vorhergesagt, welche Tat er einmal verüben und welches Ende er nehmen würde, nämlich Strick und Hölle, hätten Sie nicht Ihre mütterlichen Hände um seine kleine Gurgel gelegt? Hätte Ihnen Ihre Liebe zu Gott und der Welt nicht geboten, sich seiner künftigen Untat in den Weg zu stellen und das Leben des Kindes rechtzeitig zu beenden, um sein ewiges Leben zu sichern?&lt;br /&gt;Richelieu Aber Pater Josef, nun sehe ich erst, Sie sind ja bleich,  und Ihre &lt;br /&gt;Hände ...&lt;br /&gt;Pater Josef Lassen Sie mich los! Lassen Sie meine Hände los!&lt;br /&gt;Richelieu Sie sind ja krank, Sie Ärmster, Sie Guter. Sehr ärgerlich, dass das &lt;br /&gt;gerade jetzt passiert, wo ich meinen Gast erwarte. &lt;br /&gt;Pater Josef Empfangen Sie sie nicht. Wie kann denn plötzlich diese Hure ...&lt;br /&gt;Richelieu Passen Sie auf, was Sie da sagen! Sie sprechen zu mir, ihrem Lieb ...., &lt;br /&gt;ihrem Verehrer. Was sie auch sein oder was sie nicht sein mag – sie ist eine Frau, das Ziel der Begierde und Huldigung eines Mannes, mit dem Leib einer griechischen Göttin und einem Geist, der vor überlegenem Witz sprüht ... Pater Josef, meine Jugend ist dahin gegangen. Ich hatte weniger als wenig mit Frauen zu tun, größere Dinge erforderten meine Kraft. Nun habe ich meine Ziele erreicht. In Ruhe und Sicherheit sitze ich auf meinem Ehrenplatz inmitten des Landes, das ich geschaffen habe. Man ist der ständigen Attentate auf mich müde geworden und auch, dass ich sie regelmäßig blutig niedergeschlagen ließ. Aber so will ich nicht ewig da sitzen in Härte und Strenge mit einem Graben voller Blut zwischen der übrigen Welt und mir. Habe ich mein Land zur Größe erhoben, so will ich jetzt auch seinen Dank entgegennehmen: die Zuneigung meines Königs, die furchtsame Huldigung der Männer, das kecke Lächeln der Damen.&lt;br /&gt;Pater Josef Ihre Worte klingen mir äußerst übel.&lt;br /&gt;Richelieu Erstickt die graue Mönchskutte, die Sie einhüllt, bei Ihnen alle &lt;br /&gt;Flammen? Der Purpur der Kardinalstracht bedeutet Blut und Brand. Blut brauche ich nicht länger. Also Feuer, je mehr, desto besser. Das Licht, das in aller Augen lacht, soll auch in meinen entzündet werden. ...  Ach, Pater Josef, wer nicht in seiner Jugend begriffen hat, was Liebe ist, begreift es schwer. Und das will ich Ihnen anvertrauen: Der stählern höhnische Blick der Frauen, wenn ich mich näherte, hat mir mehr Pein bereitet als Gedanken an Dolche, die die Herren unter ihren Mänteln tragen könnten, wenn ich vorbei ging ... Verstehen Sie jetzt meinen Jubel heute Abend, Sie liebenswürdiger, mürrischer, abweisender Ochse? ... Die blassen Streiche meiner Jugend in der Morgenröte...&lt;br /&gt;Pater Josef Wie Sie wollen. Wie Gott will. Christus und die Gottesmutter &lt;br /&gt;schenke Ihnen heute Nacht das höchste Glück.&lt;br /&gt;Richelieu Schlafen Sie sich gesund. Treffen Sie mich dann ausgeruht und frisch &lt;br /&gt;morgen früh. Ich brauche heute Nacht weder Christus noch die Heilige Mutter Gottes. Denn ich selber bin ein Gott heute Abend, ich bin selbst ein Gott. &lt;br /&gt;Der Pater geht hinaus. Der Kardinal entfernt einige Stäubchen von seiner Kleidung, bürstet sein Haar, streicht über seinen Bart.  &lt;br /&gt;Madame de Chevreuse (herein) Hier haben Sie mich. Verzeihen Sie die &lt;br /&gt;Unruhe meiner Brust. Diese Treppen haben mich ein wenig mehr außer Atem gebracht, als es streng genommen schön ist. Dass Sie hier im Schloss so hoch wohnen ... &lt;br /&gt;Richelieu Den Sternen nah, wie es sich dem geziemt, der von Marie de&lt;br /&gt;Chevreuse besucht wird. (Pause)&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Ich habe Durst.&lt;br /&gt;Richelieu Entschuldigung, Frau Gräfin, ich begrüße Sie und wünsche Ihnen  … &lt;br /&gt;alles Gute.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Danke. (Pause) Sie sind ein Langweiler, Herr &lt;br /&gt;Kardinal.&lt;br /&gt;Richelieu Ich bitte nochmals um Entschuldigung. Ich kann nicht … Dort unten &lt;br /&gt;trägt mich das Fest. Hier … alleine mit einer Göttin …&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Wissen Sie, warum Sie die Gunst einer Frau nicht&lt;br /&gt;gewinnen können, Herr Kardinal?&lt;br /&gt;Richelieu Madame de Chevreuse, warum haben Sie mich während all dieser &lt;br /&gt;Jahre gehasst?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Sie können es nicht, weil Sie nicht lieben können, &lt;br /&gt;niemand anderen als sich selbst. Sie und mich lieben? Sie wollen mich nur erobern, so wie Sie La Rochelle erobert haben. Ein neuer Triumpf. Der ganzen Welt beweisen, dass …&lt;br /&gt;Richelieu Ich liebe Sie. Fordern Sie , welchen Schwur, welchen Beweis Sie dafür &lt;br /&gt;auch immer haben wollen.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Hüten Sie sich. Angenommen, ich nähme Sie beim &lt;br /&gt;Wort. Angenommen, ich sagte: Gaston gehört mir, wenn ich will. Verraten Sie Ihren König, und … die Königin dieses Landes wird Ihre Geliebte. Was würden Sie schwören? &lt;br /&gt;Richelieu Meine Geliebte würde die Königin des Landes? Meinten Sie das?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Einen Beweis dafür! Können Sie mir den geben?&lt;br /&gt;Richelieu Wenn ich damit Ihre Liebe erkaufen würde, hätte das für mich nicht &lt;br /&gt;mehr Wert als irgendetwas anderes, was ich mir kaufe.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Als ob Sie nicht wüssten, dass Sie alles andere schon &lt;br /&gt;haben. &lt;br /&gt;Richelieu Jetzt bin ich an der Reihe, um den Beweis zu bitten.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse So eine dumme Gans bin ich nun doch nicht, dass ich &lt;br /&gt;geradewegs in eine Falle hineintappe. Ja, gewiss, Sie würden dann morgen früh dastehen und mit einem Lächeln, das Sie immer den Leuten zeigen, wenn Sie etwas zu verbergen  suchen, an Ihrem Bart zupfen: "Sehen Sie, mit puren Bekakassinendaunen sind die Kissen gestopft, die die Gräfin d'Alemcourt der Madame de Chevreuse überlassen hat!"&lt;br /&gt;Pierre (herein) Herr Kardinal!&lt;br /&gt;Richelieu Verwegener Mensch, 'raus mit Dir!&lt;br /&gt;Pierre Herr Kardinal!&lt;br /&gt;Richelieu 'Raus! (Pierre hinaus)&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse So königlich im Zorn. Ach, warum können Sie nicht &lt;br /&gt;lieben, Herr Kardinal. Ja, ich kriege Sie wohl nicht dazu, auf meinen kleinen, munteren Scherz einzugehen?&lt;br /&gt;Richelieu Und ich kriege Sie wohl nicht dazu, auf meinen einzugehen?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Also dann … Leben Sie wohl.&lt;br /&gt;Richelieu Marie, warum hast Du mich die ganzen zwanzig Jahre gehasst?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Bist Du so dumm, Armand? Hast Du vergessen, dass &lt;br /&gt;Du es warst, der mich im Stich gelassen hat? Meinst Du, ich hätte nicht bei jeder Umarmung an Dich gedacht?&lt;br /&gt;Richelieu Marie, Du bist mein, endlich, endlich mein.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Nein … nicht hier … später bei mir, die ganze Nacht, &lt;br /&gt;wenn alles still geworden ist … mein … Armand. &lt;br /&gt;Richelieu Sage das noch einmal. Deine Stimme klang so wie die meiner Mutter, &lt;br /&gt;als Du "Armand" sagtest.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Lieber Armand! … Und jetzt werden wir wieder &lt;br /&gt;voneinander getrennt. Aber wenn die vier Schläge der Turmuhr durch die Nacht zittern, wird eine kleine, genau so zitternde Gräfin auf bloßen, rosaroten Füßen zur Tür trippeln und einen Schlüssel umdrehen.&lt;br /&gt;Richelieu Und dann wird …&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse … dann wird Frankreichs stolzer Gebieter allein und &lt;br /&gt;aufrecht durch den Billardsaal und weiter durch den breiten Gang dahinter geschritten kommen bis zu der allerletzten Tür, und dann … &lt;br /&gt;Richelieu Dann dreht sich die Pforte der Zeit in seinen schweren Angeln, aber &lt;br /&gt;tatsächlich um zwanzig Jahre zurück, und zwei junge Menschen preisen in einem Meer von Glück Gott dafür, dass das Leben zu ihnen gekommen ist, bevor es zu spät dafür ist.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Auf Wiedersehen, Armand.&lt;br /&gt;Richelieu Tausend mal Auf Wiedersehen, Geliebte. &lt;br /&gt;Madame de Chevreuse geht hinaus. Der Kardinal blickt wieder hinaus zu den Sternen. Betet er? Jemand kommt.&lt;br /&gt;Richelieu Pater Josef, in dieser Nacht bin ich ein Gott.&lt;br /&gt;Pierre Herr Kardinal, helfen Sie mir. Der General …&lt;br /&gt;Richelieu Ja was will der Kerl denn nun wieder?&lt;br /&gt;Pierre Die Gräfin ist beim König, sie will mich nicht hereinlassen, daher müssen &lt;br /&gt;Sie mir helfen. Der General hat meine Liebste … in seinem Gemach eingeschlossen.&lt;br /&gt;Richelieu Was für ein Unfug? Und was geht mich das an, wo sich Deine Liebste &lt;br /&gt;Aufhält?&lt;br /&gt;Pierre Ach, helfen Sie mir, dass sie wieder frei kommt. Dann werden Sie mir am &lt;br /&gt;Ende dafür Dank sagen.&lt;br /&gt;Richelieu Bursche, Du hast wohl die Reste aus den Bechern getrunken? Mach', &lt;br /&gt;dass Du 'raus kommst? Nichts mehr von diesem Unsinn!&lt;br /&gt;Pierre Lachen Sie nicht. Herr Christus, was soll ich doch noch machen? Sie &lt;br /&gt;müssen mir helfen, Herr Kardinal. Sie dürfen mich nicht wegjagen. Sie sind selbst in großer Gefahr. Alle hier im Schloss haben sich gegen Sie verschworen. Es geht um Ihr Leben.&lt;br /&gt;Richelieu (wirft den Tisch um und springt dahinter) Rühr' Dich nicht. Ich bin &lt;br /&gt;bewaffnet. 'Raus mit Dir! (schreit) Josef, Josef!&lt;br /&gt;Pierre Das wird nichts nützen, Herr Kardinal. Er gehört auch dazu.&lt;br /&gt;Richelieu (Zittert am ganzen Körper gezittert,  erstarrt plötzlich, und mit einem Mal &lt;br /&gt;beginnt er zu flüstern:) Er lügt doch. Er lügt doch.&lt;br /&gt;Pierre Herr Kardinal, wenn Sie meine kleine Annette befreien können …&lt;br /&gt;Richelieu Alle dabei, alle dabei, alle, sagte er. Pater Josef, Marie, die Gräfin, der &lt;br /&gt;König!&lt;br /&gt;Pierre Ob auch der König, weiß ich nicht. Aber die anderen alle … Ja aber, ich &lt;br /&gt;will Ihnen helfen, wenn …&lt;br /&gt;Richelieu Gut. Nimm den Säbel dort. Einfach in mich hinein &lt;br /&gt;stechen, haha, es geht noch immer. Schmeiß' den Säbel zur Hölle. Nimm Dich in Acht. (Er verliert sein Wasser. Blasenschmerzen überfallen ihn, so dass er laut aufschreit.) Ah, sie tun mir so gut, diese Schmerzen, sie beruhigen mein Gehirn. Komm nur her, her zu mir, mein Freund, und hilf mir wieder auf. … Wie heisst Du? &lt;br /&gt;Pierre Pierre&lt;br /&gt;Richelieu Gut, Pierre. Danke! Du, wie kommen wir hier 'raus?&lt;br /&gt;Pierre An allen Ausgängen stehen jetzt Wachen. Und niemand kommt hinaus &lt;br /&gt;ohne einen Pass der Gräfin.&lt;br /&gt;Richelieu Auch nicht durch einen Geheimgang?&lt;br /&gt;Pierre Davor  stehen doppelte Wachen. Aber ich könnte mir denken … die Tür &lt;br /&gt;hier ist ja schmal. Wenn wir nun jeder seinen Säbel nehmen? &lt;br /&gt;Richelieu Das wird nichts bringen. Wollen sie hierher kommen?&lt;br /&gt;Pierre Einige wollten das. Die meisten haben sich aber darauf eingestellt, auf Sie &lt;br /&gt;im Billardsaal zu warten. Sie meinten, Sie würden dort durchkommen.&lt;br /&gt;Richelieu Durch den Billardsaal, ja.&lt;br /&gt;Pierre Aber meine Annette, Herr Kardinal. Ich fürchte, dass es dringend ist.&lt;br /&gt;Richelieu Deine Annette? Wenn nun …. oder … wir könnten ja …Ja, wenn der &lt;br /&gt;General in sein Gemach gehen will … dann lauf' schnell zu ihm und richte ihm von mir aus, ich möchte ihn auf der Stelle sprechen.&lt;br /&gt;Pierre Und wenn er nicht kommen will?&lt;br /&gt;Richelieu Wir wollen bei allen Heiligen hoffen, dass er will. Hol' mir Pater &lt;br /&gt;Josef.&lt;br /&gt;Pierre Ja aber. Gut! (hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu Herr Jesus, erbarme Dich meiner. Heilige Mutter Gottes, bitte für &lt;br /&gt;mich.&lt;br /&gt;Pierre (herein) Pater Josef hatte sich hingelegt. Er kommt sofort.&lt;br /&gt;Richelieu Gut, Pierre, geh jetzt auf Deinen Posten. (Pierre hinaus)&lt;br /&gt;Pater Josef (herein) Was wollen Sie von mir, Herr Kardinal Richelieu?&lt;br /&gt;Richelieu Verschonen Sie mich, Pater Josef, lassen Sie mich leben!&lt;br /&gt;Pater Josef Sie wissen es? Von wem? (zeigt auf das Kruzifix) Hat ER es verraten?&lt;br /&gt;Richelieu Ich will heute Nacht noch nicht sterben. Mein Werk ist noch nicht &lt;br /&gt;fertig. Vor mir liegen noch Jahre voller Arbeit, und Jahre voller Machtausübung und … nein, nein, nein. Und ich wage auch noch nicht zu sterben. Wenn ich heute vor Gott Rechenschaft ablegen sollte! Ich war zu mild den Hugenotten gegenüber, habe viel zu wenige verbrannt. Was würde Gott jetzt dazu sagen? Verschonen Sie  mich heute Nacht, Pater Josef. Haben Sie Erbarmen.&lt;br /&gt;Pater Josef Zu spät.&lt;br /&gt;Richelieu Nein, man kann doch Auswege finden. Ich leihe mir Ihre Kutte und&lt;br /&gt;mache mich davon. Oder ich ziehe meinen Kardinalsmantel an, und dann laden wir zur Messe ein. Wer wird es wagen, den Gesalbten Gottes vor dem Altar nahezutreten?&lt;br /&gt;Pater Josef Es ist nichts mehr zu machen.&lt;br /&gt;Richelieu Judas!&lt;br /&gt;Pater Josef Ja, ich bin Ihr Judas. Ihr Judas und zugleich Ihr Jesus bin ich. Ich &lt;br /&gt;liebe Sie ja, mein Herr und mein Freund, und dafür muss ich Sie erlösen – Sie erlösen, indem ich Ihr Leben verrate, bevor Sie Ihre Seele verraten.&lt;br /&gt;Richelieu Mein Leben! Allmächtiger Gott! Jetzt stürme ich die &lt;br /&gt;Himmelspforte, also vergebt mir, alle Heiligen. Erlöse mich, Du, Gott. Ich bin doch nur Richelieu. Nein, nein, erbarme Dich meiner, Herr, ich will Mönch werden, Türklinken putzen, den Boden schrubben, will nur noch ein kleiner Klosterbruder sein, dem man gut gestatten kann, noch ein paar Jahre zu leben. &lt;br /&gt;Pater Josef Ich bin Jesus und Judas, Jesus und Judas. Schlagen Sie mich nicht &lt;br /&gt;länger an's Kreuz, geben Sie mir jetzt den Strick.&lt;br /&gt;Richelieu Hören Sie endlich auf mit dem Schreien. Es macht mich ganz verrückt. &lt;br /&gt;Ist es denn nicht schon genug, wenn ich mich so anstelle? … Pater Josef, wie konnten Sie nur, wie konnten Sie das nur tun?&lt;br /&gt;Pater Josef Ich konnte es nicht. Und ich sollte es doch tun. Ich bin nicht mehr &lt;br /&gt;Josef. Abraham bin ich. Mein Verstand ist zersprungen. Wollen Sie einen Verrückten zur Rechenschaft ziehen? … Herr Kardinal Richelieu, wir stellen uns gleich Rücken an Rücken - jeder mit seinem Säbel - dort hin und fallen gemeinsam unter den Schlägen. Das wird für uns beide dann die Erlösung sein. Erlauben Sie es mir.&lt;br /&gt;Richelieu Nehmen Sie das Buch, Pater Josef, und schlagen Sie es auf's &lt;br /&gt;Geratewohl auf. Heilige Jungfrau Maria, lass mich doch an einem Herzschlag sterben, lass mich nicht abgestochen werden … … Ist ER es, dem ich gleiche? Bin ich IHM nahe gekommen? Nein, das will ich doch nicht. Nein … So schlagen Sie endlich auf. Lassen Sie uns Gottes Wort hören.&lt;br /&gt;Pater Josef "Er sprach aber: Wahrlich, ich sage Euch: Kein Prophet gilt etwas in &lt;br /&gt;seinem Vaterland. Aber ich …" Ich kann die Worte nicht mehr sehen.&lt;br /&gt;Richelieu Fassen Sie sich. Und lesen Sie weiter.&lt;br /&gt;Pater Josef "Und sie standen auf und führten ihn an den Abhang des Berges, auf &lt;br /&gt;dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinab zu stürzen. Aber er ging mitten durch sie hinweg."&lt;br /&gt;Richelieu Hm. Ja, das konnte ER ja machen.&lt;br /&gt;Pierre (herein) Der General, Herr Kardinal. Er kommt.&lt;br /&gt;Richelieu Pater Josef, gehen Sie wieder ins Bett. Und seien Sie still darüber, dass &lt;br /&gt;ich alles weiß. Darf ich mich in diesem einen Punkt auf Sie verlassen?&lt;br /&gt;Pater Josef Mein lieber Herr, erlauben Sie mir, dass ich …&lt;br /&gt;Richelieu Gehen Sie. Gleich kommt ja Ihr neuer … Freund. (der Pater hinaus) &lt;br /&gt;Pierre, geh nun dort hinter die Tür und halte Deinen Säbel bereit, wenn er mich anfallen sollte. Nur Mut, Kerl, Du hast den rechten Herrn gewählt. Du heißt Pierre, aber Du kannst Pair werden. (Pierre hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu (setzt sich mit dem Rücken zur Tür und schreibt. Es klopft, einmal, zweimal, &lt;br /&gt;dreimal.) Herein. Sind Sie es, Herr General?&lt;br /&gt;General Birabeau Ja, Ihre Eminenz.&lt;br /&gt;Richelieu Gut. …. Soeben wurde mir eine sehr unangenehme Neuigkeit &lt;br /&gt;gemeldet. Sie können sich wohl nicht denken, worum es sich handelt?&lt;br /&gt;General Birabeau Nein … nein, das kann ich nicht, Ihre Eminenz.&lt;br /&gt;Richelieu Ein Bote hat mir gemeldet, dass sich Rostand heute Vormittag in Paris &lt;br /&gt;duelliert hat.&lt;br /&gt;General Birabeau Der Marschall?&lt;br /&gt;Richelieu Ja, er hat sich duelliert. Obwohl der König Duelle in jeglicher Form &lt;br /&gt;strengstens verboten hat. Gleichzeitig wird mir gemeldet, dass ein hoher Würdenträge in dem selben Schloss, in dem Seine Majestät sich aufhält, sich eine andere Unbotmäßigkeit erlaubt hat. So führen sich diese Herren in Frankreich auf, vor dem Angesicht des Königs erlauben sie sich Gesetzlosigkeit und Barbarei. Aber wissen Sie, was ich tun werde? Wenn sie es niemals lernen, dann … (Macht eine Bewegung, als wenn er einem Tier den Todesstoß gibt.) Die Hugenotten liegen unter meinem linken Fuß, den rechten habe ich noch frei. Haben Sie verstanden, Herr General Birabeau.&lt;br /&gt;General Birabeau Herr Kardinal …&lt;br /&gt;Richelieu Ja. … Sie legen den Schlüssel zu Ihrem Zimmer hierhin  auf den Tisch. &lt;br /&gt;Nun! Danke. Sie haben dreimal das Leben des Königs gerettet. Deswegen soll diese Sache hier unter uns beiden bleiben. Aber noch eine Unregelmäßigkeit mehr, und Sie sind erledigt. Weggetreten! (der General hinaus)&lt;br /&gt;Pierre (herein) Herr Kardinal!&lt;br /&gt;Richelieu Dort!&lt;br /&gt;Pierre Hurra, jetzt will ich für Sie sterben, Herr, ich will für Sie sterben, ich will &lt;br /&gt;für Sie sterben! (stürmt mit dem Schlüssel hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu (zum Kruzifix) Nur noch Du. Jetzt habe ich nur noch Dich. Zeige mir &lt;br /&gt;…. Lass mich ihnen allen zeigen, dass …. Das ist genug. (Und dabei klappern ihm die Zähne im Mund.) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VI&lt;br /&gt;In den Gemächern des Königs im Schloss von d'Alemcourt. Der König, Monsieur, der junge Herzog von Montmorency, Der Erzbischof von Tours, der General und Mademoiselle de Hautefort sitzen da und spielen Karten. Marbout, der Narr des Königs, reitet auf einem Spiegel oben unter der Decke. Der König erhebt sich und geht hinaus.&lt;br /&gt;Monsieur Die Erfindung soll in China gemacht worden sein. (leise:) Also sind wir &lt;br /&gt;uns darin einig, zuerst gehen wir zu Ludwig und verlangen, dass er  verhaftet wird. Wenn er dann aber Widerstand leistet … Das habe ich so von einem ganz gemeinen Landskecht in Holland gelernt.&lt;br /&gt;Der junge Herzog von Montmorency (leise:) Das wäre der ehrenhaftetste &lt;br /&gt;Weg, um vorzugehen.&lt;br /&gt;Erzbischof Taugt nichts. Der König wird das niemals machen. (laut) Jetzt spiele &lt;br /&gt;ich zum Schluss rot. (leise:) Auf jeden Fall müssen wir ihn dazu in eine bessere Stimmung versetzen.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Die Unruhe des Königs heute Abend hat doch &lt;br /&gt;hoffentlich keine tieferen Ursachen?&lt;br /&gt;Monsieur Sicher nur innere.&lt;br /&gt;Der Narr Marbout (mit gellender Stimme) Seine Majestät hat wieder seinen &lt;br /&gt;königlichen Einlauf bekommen.&lt;br /&gt;Monsieur Sie machen Ludwig mit all ihren Pülverchen kaputt. Wer versetzt aber &lt;br /&gt;den König in eine bessere Stimmung?&lt;br /&gt;Erzbischof Das mache ich.&lt;br /&gt;König (herein) Warum tanzt denn Anne heute Abend nicht? Ist es denn nötig, &lt;br /&gt;dass wir uns alle langweile?&lt;br /&gt;Erzbischof Nun ist der Abt von Viergy tot, Majestät.&lt;br /&gt;König Dann fehlt dem Teufel einer weniger in der Hölle.&lt;br /&gt;Erzbischof Ich war bei ihm, als er starb.&lt;br /&gt;König Waren Sie das? So? Wie sah er nochmal aus? Können Sie mir das &lt;br /&gt;vormachen? Ja ja, richtig, jetzt sehe ich ihn wieder vor mir. Freilich hat er die Augen noch ein bischen mehr auf. Aber da ist doch nichts gegen Birabeaus Herzog von Bouillon. Lassen Sie uns auch den wieder mal sehen. Ja, ja, ist er nicht großartig, der alte Fuchs? Als ob er selbst … nein, das ist wirklich gut.&lt;br /&gt;Erzbischof Ich weiß das selbst auch, Majestät. Ungefähr so, nicht wahr? Und &lt;br /&gt;wenn der Kardinal einmal einschlummert …  so, sehen Sie?&lt;br /&gt;König Nein, so etwas! … Sie sind ein Könner, Herr Erzbischof. Hahaha, ich &lt;br /&gt;werde das Gesicht die ganze Nacht vor mir sehen. Gute Nacht, gute Nacht! (Die Herren verneigen sich und gehen.) Gaston, Du glühst ja vor lauter Gesundheit.&lt;br /&gt;Monsieur Ja, und Du siehst blass aus, mein lieber Ludwig. Du bist ganz &lt;br /&gt;mitgenommen vor lauter Mangel an Ausschweifungen.&lt;br /&gt;König Du bist ein Witzbold. Aber wer kann auch das Lachen sein lassen bei so &lt;br /&gt;einem … einem … einem …  Menschen. (Monsieur hinaus)  Er ist doch drollig, der Flegel.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Jetzt spielen sie wieder auf, Sire.&lt;br /&gt;König Sollen wir uns zu einem kleinen Tanz hinunter begeben?&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Ach, das wäre nett.&lt;br /&gt;König Wir könnten uns aber auch niedersetzen und eine Partie mit diesem neuen &lt;br /&gt;Spiel machen.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Sie wagen nun doch nicht, mich aufzufordern, &lt;br /&gt;da Sie nicht tanzen wollen, weil Mademoiselle de La Fayette nichts vom Tanzen hält.&lt;br /&gt;König Nein nein, dann lassen Sie uns mal gehen.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Ihre Gnaden, verzeihen Sie, dass ich vorlaut &lt;br /&gt;gewesen bin. Ich spiele gerne mit Ihnen, wenn Sie es wünschen.&lt;br /&gt;König Gott sei Dank, ja, dann lassen Sie uns spielen.&lt;br /&gt;Der Narr Marbout Da hattest Du wohl Angst, Gevatter.&lt;br /&gt;König Womit spielen Sie denn da herum? Haben Sie da etwa einen Brief, den ich &lt;br /&gt;mir ansehen soll?&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Ja, wenn Sie mir den abnehmen können. Da ist &lt;br /&gt;er. Da. Da.&lt;br /&gt;König Sie sind flink dabei, mich abzulenken, Kleine. Ha, jetzt habe ich ihn. Da.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Nein, ich halte genau daran so fest, wie Sie am &lt;br /&gt;Kardinal. Und beides ist wirklich gleich dumm.&lt;br /&gt;König Aus dieser Ecke entwischen Sie nicht.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort (steckt den Brief in ihren Ausschnitt) Ha, Sire. Weg &lt;br /&gt;ist er. Wo ist er wohl geblieben?&lt;br /&gt;König Sie haben ihn ja versteckt. Ja aber … nein … Geben Sie ihn mir.&lt;br /&gt;Der Narr Marbout Brauchst Du eine Zange, Gevatter? Soll ich Dir eine Zange &lt;br /&gt;anreichen?&lt;br /&gt;König Freches, naseweises, buckliges Stück, wird er wohl seinen vorlauten Mund &lt;br /&gt;halten? Gute Nacht, Mademoiselle, Sie haben mich heute Abend ermüdet.&lt;br /&gt;Mademoiselle de Hautefort Ja aber, Sire ...&lt;br /&gt;König Ich wünsche keine Anspielungen auf meine Ratgeber von meinen …. Von &lt;br /&gt;den Hofdamen der Königin. Marbout, geh' hinüber und frag' nach, ob Mademoiselle de La Fayette nicht bald damit fertig ist, der Königin vorzulesen. (beide hinaus) Warum fiel das Wildschwein nicht um? Ich kam doch so gut zum Schuss. Zittern mir schon die Hände? … Hm. Armes Tier. (Die Königin kommt herein.) Anne? Du? Ich dachte, Du seist längst im Bett. So lange auf zu bleiben ist nicht gut für Deinen armen Taint.&lt;br /&gt;Königin Wenn ich schlaflos im Bett liege, ist das dann besser für meinen armen &lt;br /&gt;Taint?&lt;br /&gt;König Na, war das denn jetzt so verrückt von mir? Ich wollte Dir doch nur etwas &lt;br /&gt;Freundliches sagen und dann … Liebe Anne, was willst Du denn von mir? Ich habe einen anstrengenden und unerquicklichen Tag hinter mir. Ich hätte jetzt schon längst wieder in Versailles sitzen können, wenn ich nicht den Adler heute früh … aber das tue ich nicht, beim Teufel, ich tue es nicht, ein angeschossenes Tier zurücklassen … Hast Du irgendein Anliegen an mich?&lt;br /&gt;Königin Dann hätte  ich sicher einen Lakei geschickt. ... Nein, ich muss jetzt &lt;br /&gt;unbedingt ein wenig mit Dir sprechen, Ludwig. Ich kann schlechterdings nichts mehr von dem allen verstehen. Dass der Herbst den Sommer zur Lüge macht! Dass alle Blumen so schnell und grausam abgerissen und nierdergetrampelt werden, und alles wieder so sein soll, als wäre nichts geschehen.&lt;br /&gt;König Anne, wie Du mich langweilst. Wie Du mich langweilst.&lt;br /&gt;Königin Ich habe doch wirklich nichts getan. Ach, hätte ich nur. Dann wäre es &lt;br /&gt;vielleicht auszuhalten. Aber so .... Bei der Heiligen Anna, deren Name ich trage, es spielte sich nichts zwischen Buckingham und mir ab. Ludwig, schlage mich nicht, ja, ja, oder mach es nur, aber es ist die Wahrheit, es spielte sich nichts ab zwischen ihm und mir.&lt;br /&gt;König Spielte sich ab?&lt;br /&gt;Königin "War", also "war" da – da war nichts zwischen uns. &lt;br /&gt;König Wie weit, rechnet man im reichen Spanien, kann es bei "nichts" gehen?&lt;br /&gt;Königin Und außerdem ist es auch zehn oder fünfzehn Jahre her, dass es &lt;br /&gt;geschah.&lt;br /&gt;König Dieses Nichts, das nicht geschah. &lt;br /&gt;Königin Ja, dieses Nichts .... Du machst mich ganz verrückt.... Lächelte ich ihn &lt;br /&gt;ein- oder zweimal an, röteten sich meine Wangen, wenn dieser schöne, ritterliche Mann vorbeiging .... bei allen Heiligen! ... Ich war doch so jung damals, ich war noch ein Kind. ... Und Du kamst ja nicht nach meinem ... Unfall zu mir.&lt;br /&gt;König Unfall … na.&lt;br /&gt;Königin Ja, wie ich auf den Teppich fiel. Ist es nun auch schon ein Verbrechen, &lt;br /&gt;wenn man strauchelt. Ach, was habe ich doch nur verbrochen, dass ich mein Leben vergeuden soll in der Wüstenei einer solchen Ehe? ... Und was Deinen Vater betrifft, der sich beschmutzte, mir ... &lt;br /&gt;König Wenn Du Vaters Namen in den Mund nimmst, vergesse ich, dass Du eine &lt;br /&gt;Frau bist.&lt;br /&gt;Königin Ludwig, warum darf ich Dir nichts vorwerfen? Dann würde es leichter &lt;br /&gt;sein für mich. Und Du könntest mich auch besser verstehen. Du bist krank, gehst umher und brütest etwas aus, was niemand außer Dir versteht. Könnte ich Dich doch wieder gesund machen. Um meinetwillen, Ludwig, um unserer Ehe willen, versuche es doch einmal, nimm Dir eine Geliebte, Mademoiselle de Hautefort ist mehr als willig. Oder überrede meine kleine de La Fayette. &lt;br /&gt;König Und alle Verse der Poeten rattern das Lob der Keuschheit der Frauen &lt;br /&gt;herunter.&lt;br /&gt;Königin Ach nein, es ist hoffnungslos! Du verstehst das Leben nicht. Du &lt;br /&gt;verstehst zu schlecht und erinnerst Dich zu gut. Das liegt wohl teils an Deiner Schwachheit und Deiner ganzen Natur, und das gestehe ich Dir dann auch zu. Aber teils auch ... und das ... nein.&lt;br /&gt;König Ich weiß nicht, was Du meinst.&lt;br /&gt;Königin Du weißt es nicht? So weißt Du nicht, was das für ein Eisberg ist, der &lt;br /&gt;seinen höhnischen, ewigen Schatten zwischen uns wirft. Ach, ich glaube, dass jedes Mal, wenn er sich in seiner Blasenkolik windet, sind es meine Gebete zum Himmel, die erhört wurden, sind es meine Schreie seinetwegen, der nach jedem zarten Keim von Liebe zu mir in Deinem Herzen lauert, um ihn sogleich, wenn er sich zeigte, als Unkraut auszureißen.&lt;br /&gt;König Hm.&lt;br /&gt;Königin Wenn er nicht da wäre, glaube ich, wäre das Glück für uns da. Was &lt;br /&gt;würde es da für ein Glück für mich sein, Dir leise zuzuflüstern, was mir mir schon so lange auf meiner Zun ... das, was ich Dir jetzt sagen möchte: ich werde ein Kind haben.&lt;br /&gt;König Ein Kind? Welches Kind?&lt;br /&gt;Königin Deins selbstverständlich? Verstehst Du mich denn nicht?&lt;br /&gt;König Meines? Ja aber ich habe doch nicht … ja aber, liebe ... ein Kind ... ... Du &lt;br /&gt;meinst: ge-gebären? ... Anne, einen Thr-Thr-Thronfolger? Liebe, liebe Anne! Wo ist Mademoiselle de La Fayette? (Der König eilt hinaus, die Königin sinkt schluchzend zusammen.)&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette (herein mit dem König) Aber meine gute Königin &lt;br /&gt;Anne!&lt;br /&gt;König Aber Anne, meine liebe Anne, vergib mir, sollte Dich das jetzt auch &lt;br /&gt;betrüben? Ich bin ja so froh geworden, verstehst Du, und da wollte ich …&lt;br /&gt;Königin Es ist schon gut, Ludwig. Ich gehe jetzt zur Ruhe.&lt;br /&gt;König Darf ich Dir einen … ja, also … einen Kuss geben?&lt;br /&gt;Königin Danke.&lt;br /&gt;König Bist Du nicht froh darüber, dass ich so froh bin? Anne, kann ich Dir nicht &lt;br /&gt;meinen … Nicht Dich mit etwas Anderem erfreuen? &lt;br /&gt;Königin Doch!&lt;br /&gt;König Sage es nur.&lt;br /&gt;Königin Du kannst den Kardinal töten lassen. Gute Nacht. (hinaus)&lt;br /&gt;König Das schreien sie alle, der Adel und die Bauern, Priester und Ketzer, wo ich &lt;br /&gt;auch hinkomme. Und wenn er mich begleitet, so schreit es mir die &lt;br /&gt;Todesstille um uns herum zu: Selbst Sie, kleines, frommes Mädchen, selbst in dem sanften Klostergarten Ihres Gemüts, sitzt eine kleine Natter, die im Grase zischt: Töte den Kardinal, töte den Kardinal. &lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Nein, Sire, töten ist so fürchterlich. Aber &lt;br /&gt;schicken Sie ihn fort, weit, weit fort. Er macht Sie so unglücklich und trennt Sie von Ihrer Mutter, Ihrer Gemahlin, Ihrem Volk und von Gott.&lt;br /&gt;König Wenn man das nur könnte! Sich befreien von dem Blick in sein &lt;br /&gt;hochmütiges Gesicht, von dem hässlichen, säuerlichen Geruch seines Körpers! Ein Wort nur von mir: Schafott, Bastille, Schweden … Ich könnte keinen Befehl erteilen, der williger ausgeführt würde. Aber heute Abend habe ich eine andere Stimme gehört, einen so feinen und zarten kleinen Ruf, dass nur ich ihn hören konnte. Die Stimme kam von dem werdenden winzigen Kind im Leib der Königin. Sie sagte, und ich hörte sie mit dem Ohr des Königs und dem Ohr des Vaters: "Halte an ihm fest!" Und diese Stimme wiegt die Schreie von ganz Frankreich auf.&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Haben Sie wirklich so etwas gehört, Sire? Das &lt;br /&gt;ist am Ende eine Offenbarung Gottes.&lt;br /&gt;König Wer kommt da unangemeldet herein?&lt;br /&gt;Monsieur (herein mit dem jungen Herzog von Montmorency, dem Erzbischof, dem &lt;br /&gt;General, dem Großsiegelbewahrer Chateauneuf, dem Bankier und dem Grafen d'Alemcourt) Wir grüßen Ihre Majestät, Im Namen der französischen Stände mit den Worten, die Odysseus …&lt;br /&gt;König Sei still, Gaston. Ich habe noch nie ein ernsthaftes Wort aus Deinem &lt;br /&gt;Mund gehört. Montmorency, was wollen alle diese bewaffneten Herren zur Nachtzeit bei mir?&lt;br /&gt;Erzbischof Ich glaube, Monsenieur hat sich darauf vorbereitet, das Wort für uns &lt;br /&gt;zu führen.&lt;br /&gt;König Montmorency, reden Sie.&lt;br /&gt;Der junge Herzog Wir kommen, um … um … Ehrlich und gerade heraus &lt;br /&gt;gesagt, Herr Ludwig, wir alle, die wir hier stehen, haben uns verschworen.&lt;br /&gt;Erzbischof Hm.&lt;br /&gt;König Ja so!&lt;br /&gt;Der junge Herzog Und wir kommen nun …&lt;br /&gt;König Was hast Du da, Gaston?&lt;br /&gt;Monsenieur Zunächst möchte ich sagen …&lt;br /&gt;König Lass' mich sehen. Ja so. Verhaftung. Weswegen klagen Sie ihn an? Wegen &lt;br /&gt;seines Regimes oder wegen seiner Person?&lt;br /&gt;Monsenieur Wegen seines Regimes, Ludwig.&lt;br /&gt;König Für sein Regime trage ich die Verantwortung. Wessen klagen Sie mich an? &lt;br /&gt;Erzbischof Wissen Sie, wie Frankreich heutigen Tages aussieht?&lt;br /&gt;König Zufälliger Weise ja: gesammelt, gehorsam und ruhig.&lt;br /&gt;Erzbischof Das ist Ruhe einer Eisfläche über den Wellen. Doch der Sturm ist &lt;br /&gt;nahe.&lt;br /&gt;Der junge Herzog So viele Gifttropfen der Demütigung sind in unsern Becher &lt;br /&gt;getropft, das er nun bis zum Rande gefüllt ist.&lt;br /&gt;Bankier Und die Steuern, Majestät. Die vor allem sind es ja, unter denen wir uns &lt;br /&gt;winden.&lt;br /&gt;Erzbischof Als wir nun das letzte Unglaubliche hörten, dass er, ein Kardinal, sein &lt;br /&gt;Volk im Bündnis mit den Ketzern zum Krieg gegen Gott selbst zwingen will –  nur ein höllischer Geist kann ihm eine solche Wahnsinns-Lästerung ins Hirn geschossen haben – da sahen wir ein, das dieses Land zu Recht dem Untergang geweiht wäre, wenn es nicht Männer hätte, die, auch wenn sie ihr Leben auf's Spiel setzen, in einer solchen Stunde zum König gingen, um seine Augen zu öffnen für drohenden Aufruhr, Krieg und Bann.&lt;br /&gt;König Den Aufruhr schlagen wir nieder. Den Krieg gewinnen wir. Denn Bann &lt;br /&gt;kriegen wir wohl auch wieder aufgehoben.&lt;br /&gt;Chateauneuf Majestät, das klingt gut - "niederschlagen und gewinnen". Aber &lt;br /&gt;womit wollen wir niederschlaggen und gewinnen?  Sie wissen selbst, das &lt;br /&gt;Land ist durch die Steuern total ausgelaugt. Und … &lt;br /&gt;Erzbischof Den Aufruhr schlagen Sie nieder. Ja, vielleicht. Wollen Sie das denn &lt;br /&gt;wirklich? &lt;br /&gt;König Ob ich Aufruhr niederschlagen will?&lt;br /&gt;Erzbischof König Heinrich machte das nicht. Nein, denn unter König Heinrich &lt;br /&gt;gab es keinen Aufruhr. Warum halten Sie an ihm fest, Sire? Weil er tüchtig ist? Ja  gewiss, weil er tüchtig ist. Wohl niemals zuvor hat unser Land jemanden wie ihn besessen, noch wird es so jemanden in Zukunft haben. Aber was nützen alle Fähigkeiten, wenn das Ziel, das man anstrebt, falsch ist. Im Gegenteil: Je größer die Fähigkeiten, desto gefährlicher ist der Mann. … Sire, es gibt Frischlinge, die die Rute nicht entbehren können. Und da sind andere. Rührt man die an, so erstirbt entweder die Seele in ihnen, oder sie springen auf und schlagen den Idioten von Schulmeister tot. Das sind Jungens mit hochgemutem Sinn. Sire, was wollte König Heinrich? Ein freies und stolzes Volk, das in Freundschaft mit seinem König das Gesetz der Selbstachtung hochhält. Ich erinnere mich, dass er einmal Ihren kleinen bloßen Hintern auf die Fläche seiner rechten Hand setzte  und Sie sodann vor uns allen mit einer Hand hochhob. "Franzosen der Zukunft" lachte er, "seht hier Euren König!" Sie lachten mit, und ich dachte: Sieh an, der Kleine hat das Lachen seines Vaters. Am wenigsten wäre mir da eingefallen, dass das Verhalten des Sohnes einstmals das des toten Königs schmähen würde.&lt;br /&gt;König Hro! Hro! Ich fange an zu glauben, Herr Erzbischof, dass es diese Nacht &lt;br /&gt;um das Leben geht. Zeigen Sie mir den Zettel noch einmal. … Hm. Fünf Buchstaben darunter … so … und so. Ja, und so! …Was sagen denn Sie dazu,  mein lieber General?&lt;br /&gt;General Sire, das wissen Sie doch: Für den König gegen des Königs Feinde!&lt;br /&gt;König Und wenn ich mich nun nicht von ihm trennen will?&lt;br /&gt;General Für den König gegen den König selbst!&lt;br /&gt;König Hm. All dieses will ich sehr genau durchdenken. Vor Tagesanbruch &lt;br /&gt;erhalten Sie meine Antwort.&lt;br /&gt;Monsieur Ja, aber …&lt;br /&gt;König Das wäre dann alles für heute Abend. (Die Herren fangen an,  sich zu &lt;br /&gt;verbeugen.) Und wenn wir ihn nun festnehmen, bevor der Hahn kräht, so schenken wir Ihnen ja gleichsam ein welthistorisches Schloss.&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt  (glücklich über den königlichen Schulterschlag und darüber, dass &lt;br /&gt;es doch noch ganz gut gegangen ist) Deswegen waren wir ja auch so bange, dass Sie schon heute Mittag abreisen würden, Sire.&lt;br /&gt;König So, waren Sie das? (lacht) Ach so, das waren Sie? (lacht nicht mehr weiter) Ja, &lt;br /&gt;das verstehe ich. Jetzt fange ich an, das zu verstehen. ... Besonders begabt bin ich ja wohl nicht. Aber ich habe bisher nicht gedacht, dass man mich schlichtweg für dumm hält.&lt;br /&gt;Erzbischof Ich kenne niemanden, der glaubt, König Ludwig sei dumm.&lt;br /&gt;König Ich kenne doch einen. Das bin ich.Ich glaube, dass ich dumm bin. &lt;br /&gt;Mindestens zehntausendmal habe ich ein Gewehr abgefeuert. Und doch kann ich am Knall noch immer nicht heraushören, wenn es mit Platzpatronen geladen ist. Jetzt verstehe ich erst besser, warum es am heutigen Tag dem Wild so gut ging. &lt;br /&gt;Monsieur Das geschah ja doch nur ...&lt;br /&gt;König Unerhört! Die lassen mich hier einen ganzen Tag herumrennen und &lt;br /&gt;herumballern mit ...  Ha, in diesem Land hält man den König für einen Hofnarren. Und Sie wagen danach dann auch noch, hier anzutanzen und ... Unerhört! Ich bin doch des Landes König, geboren und erkoren und gesalbt und Gott weiß, was ich noch alles bin, Sohn meines Va-Vaters, König Heinrich des Großen!&lt;br /&gt;Monsieur Mündel eines gewissen Herrn Richelieu.&lt;br /&gt;König Meine Herren, Sie ... Sie können gehen.&lt;br /&gt;Monsieur Und wenn es jetzt so wäre, lieber Bruder, dass wir nicht ohne diese &lt;br /&gt;Order gingen?&lt;br /&gt;König Was soll das heißen. Droht Ihr mir?&lt;br /&gt;Monsieur Sie können uns nicht von hier direkt auf's Schafott schicken. &lt;br /&gt;Bankier So dumm sind wir nun auch nicht.&lt;br /&gt;Monsieur Er hat finstere Schatten auf die Macht der Krone geworfen. Gib uns &lt;br /&gt;das Leben des Verräters.&lt;br /&gt;Der junge Herzog Er hat niemanden geschont. Nun schonen wir ihn auch &lt;br /&gt;nicht.&lt;br /&gt;Monsieur Nimm Dich in Acht, Ludwig, wenn Du Dich querstellst. Auch ich bin &lt;br /&gt;ein Königssohn.&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Herr König, lassen Sie ihn fallen, retten Sie sich &lt;br /&gt;selbst.&lt;br /&gt;König Du! Ha, ab nach Brüssel mit Euch, zu Marie von Medici. Fangt doch &lt;br /&gt;Flöhe im Schlüpfer der Königin. Dazu taugt Ihr gerade noch. Ich halte meine Hand über den Kardinal, bis Ihr mir den Arm abhackt.&lt;br /&gt;Erzbischof Genau wie ich es vorhergesagt habe.&lt;br /&gt;Bankier Los jetzt. Wir folgen unserem ersten Plan.&lt;br /&gt;Monsieur Du hast uns nur aufgehalten. Aber das Spiel gewinnen wir. Kommt &lt;br /&gt;jetzt, los!  (alle hinaus)&lt;br /&gt;König Ab mit Euch nach Brüssel. Gott gnade einem jeden von Euch, wenn er &lt;br /&gt;sich hier noch mal sehen lässt.&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Sire, nein, das war aber gefährlich. Ich werde &lt;br /&gt;ins Kloster gehen. Nicht mehr am Hof bleiben.&lt;br /&gt;König Kleine verschreckte Taube, und was soll ich machen? Glauben Sie nicht, &lt;br /&gt;dass ich mich auch am liebsten in der Stille und im Frieden eines Klosters verstecken möchte.&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Dann tun Sie es, Sire, tun Sie es.&lt;br /&gt;König Und mein Volk draußen … soll ich es diesen Halunken ausliefern? Nein, &lt;br /&gt;liebe Mademoiselle, zwei Lasten habe ich zu tragen auferlegt bekommen: Frankreich und Richelieu. Ich will darunter weder zusammenbrechen noch davon weglaufen, sondern sie tragen, bis ich umfalle, um meiner Ehre willen und wegen der Zukunft, die die Königin in ihrem Schoß trägt. ... Aber jetzt muss ich zum Kardinal und ihn warnen. (Öffnet die Tür, zwei Säbel senken sich vor ihm.) Was hat das zubedeuten? Tut das Spielzeug weg. Wo ist mein Degen?&lt;br /&gt;Der Narr Marbout (kommt hervorgekrochen) Der ist zerbrochen, Bruder, der &lt;br /&gt;Degen ist zerbrochen.&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Sie sind zu ihm gegangen. Sie bringen ihn um.&lt;br /&gt;König Wollt Ihr wohl zurück? Wer wagt es, mich hier einzusperren?&lt;br /&gt;Der Narr Marbout Sei doch froh, Väterchen, solange sie nicht Schlimmeres &lt;br /&gt;mit uns vorhaben.&lt;br /&gt;König Hol' den Kardinal, Marbout.&lt;br /&gt;Der Narr Marbout Verwandle mich in eine Ratte, lieber Herr. Oder in einen &lt;br /&gt;Wasserstrahl. Am liebsten in einen Wasserstrahl.&lt;br /&gt;König Wozu kann ich jetzt noch greifen?&lt;br /&gt;Mademoiselle de La Fayette Lassen Sie uns alle Heiligen bitten, heute Nacht &lt;br /&gt;über Frankreich zu wachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VII&lt;br /&gt;Der Billard-Saal im Schloss von d'Alemcourt. Anwesend sind Graf und Gräfin d'Alemcourt, der junge Herzog von Montmorency, der Erzbischof, der Großsiegelbewahrer Chateauneuf, der General und der Bankier. &lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Ist alles bereit?&lt;br /&gt;Erzbischof Wir sind alle bereit.&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt In ein paar Minuten kommt er dort durch die Türe. &lt;br /&gt;Christus hat einen Engel geschickt, um seine Schritte zu lenken. So nah, so nah ist mir mein Sohn heute, dass ich meine, auch Sie könnten ihn sehen: seine armen hohlen Wangen, die Wunde an den Armen, wo er zuletzt versuchte, etwas von seinem eigenen Fleisch zu essen.&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Die Uhr schlägt gleich vier, meine Liebe.&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Geh' nun nur hin zu seiner Tür, mein Sohn, und rufe leise &lt;br /&gt;nach ihm, so dass er glaubt, es sei Marie de Chevreuse, die voller Sehnsucht seinen Namen flüstert. Führe ihn dann die Treppe hinunter, durch die Gänge, hier zur Tür herein … und komme dann zu mir und sprich: Endlich, Mutter, ist es geschehen. &lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Nun solltest Du besser gehen, meine Liebe.&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Christus sei mit Euch, ER, den er verfolgt hat. (hinaus)&lt;br /&gt;Chateauneuf Ist es sicher, dass der Kardinal noch immer nichts ahnt?&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Niemand ist nach dem General bei ihm gewesen.&lt;br /&gt;General Und da wusste er von nichts. Dafür stehe ich gerade. …. Niemals habe &lt;br /&gt;ich Furcht gekannt, außer …. hahaha … vor einem kleinen Hund mit kurzen Beinen bei meiner ersten Geliebten … sie wohnte bei einer Tante … und vor der Stimme des Kardinals.  &lt;br /&gt;Bankier Ich habe einmal einen kleinen Hund gekannt in der Rue Fouchaise. &lt;br /&gt;Wenn man bei Nacht dorthin kam … es war ganz gewiss eine Hündin, aber was für eine laute Schnauze! &lt;br /&gt;Erzbischof Na, General Birabeau, wer von uns beiden soll diese Nacht den &lt;br /&gt;Leuchter bei der Chevreuse ausblasen.&lt;br /&gt;General (und seine Hand zittert) Ich … ich pflege ihn immer brennen zu lassen.&lt;br /&gt;Chateauneuf Wo ist Monsieur?&lt;br /&gt;Der jungeHerzog Monsieur?&lt;br /&gt;General Ja, und wo steckt sie? Wo stecken sie beide? Sitzen sie etwa dort oben &lt;br /&gt;und verkaufen sowohl uns als auch den König an den Kardinal, damit er ihnen die Stufen zum Thron hinaufhilft?&lt;br /&gt;Erzbischof  Schenken Sie mir doch endlich reinen Wein ein und sagen Sie frei &lt;br /&gt;heraus, was Sie meinen, General. (Wörtlich lautet die Replik: Reichen Sie mir doch den Pokal, den sie verbergen, General. PGSch) &lt;br /&gt;General Kenne ich Madame etwa nicht? Sie hat immer nur Langeweile. Deshalb &lt;br /&gt;tut sie auch stets, was ihr gerade einfällt; es ist immer lebensgefährlich. Sie läuft über von Gift und Galle. Sie kann nur leben im aufrührerischen, brodelnden Umfeld von Intrigen.&lt;br /&gt;Monsieur (herein) Wir müssen uns bereit machen! Nehmen Sie jetzt Ihre Plätze &lt;br /&gt;Ein! Und passen Sie auf das Zeichen auf: wenn ich die Hand hebe und sie zur Faust gegen ihn balle … dann … springen Sie vor … und tun Ihre Pflicht.&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Da! Die Uhr schlägt.&lt;br /&gt;Der junge Herzog Es ist nur der Wind. Er frischt auf.&lt;br /&gt;Bankier Auf den Magen zu zielen ist immer das Solideste.&lt;br /&gt;Der junge Herzog Zum Teufel, in was haben Sie mich hineingezogen?&lt;br /&gt;Erzbischof Ihr edler Oheim konnte es doch. Und vergessen Sie nicht, lieber &lt;br /&gt;junger Herzog, mitten hier im Raum leuchtet ein Stern, der NOTWENDIGKEIT heisst. Um den drehen sich alle Sonnen. Werden Wölfe in einem armen, waffenlosen Dorf zu gefährlich, ist es notwendig, Köder mit Gift auszulegen.&lt;br /&gt;Monsieur Ruhe!&lt;br /&gt;Erzbischof Denken Sie daran: achten Sie nicht auf die Türe, nur  auf das &lt;br /&gt;Zeichen. Schauen Sie auf Monsieur. &lt;br /&gt;Die Tür öffnet sich. Die Hände Monsieurs gehen halbwegs hoch. Alle stürzen voran.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Heilige Mutter Gottes. Soll das so vor sich gehen?&lt;br /&gt;General Madame, was wollen Sie denn hier?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Sein Gesicht in den Sekunden sehen, bevor er umfällt. &lt;br /&gt;Gönnen Sie mir das etwa nicht?&lt;br /&gt;General Sie haben uns also verraten. Seine Leute stehen bereits hinter der Türe. &lt;br /&gt;Sie sind vorher 'reingekommen, um zuzuschauen, wie wir gleich niedergemacht werden.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Glauben Sie im Ernst wirklich selbst, dass Sie so &lt;br /&gt;viel wert sind?&lt;br /&gt;General Nein, denn Sie haben mich, einen Soldaten, geschaffen für Dienst &lt;br /&gt;und kecken Mut, zu einem Salonlöwen gemachr, zu einer wandelnden Verzweiflung, zu … zu ….  Weshalb stehe ich hier mitten in einer Mörderbande, ich, der ich den Kardinal hoch achte, der das Heer wieder auf die Füße gebracht hat und … &lt;br /&gt;Erzbischof ….  Sie einmal in die Bastille.&lt;br /&gt;General Eine zwanzig Jahre alte Geschichte. Glauben Sie, ich wäre eine so kranke &lt;br /&gt;Seele, dass ich hinginge, um das zu verbergen.&lt;br /&gt;Monsieur Sie sollten gehen, Madame, Sie verderben uns sonst alles. &lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Dann schonen Sie den Freund, den Sie hoch achten, &lt;br /&gt;in dieser Nacht. Und ich schwöre Ihnen, auch ich bleibe seine Freundin … bis ich sterbe. (hinaus)&lt;br /&gt;General (sieht seinen Säbel an) Unsere Waffen sind stumpf gegenüber ihren.&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Die Turmuhr schlägt. (Sie hören zu und warten.)&lt;br /&gt;Erzbischof Ist, ehrlich gesagt, unter Ihnen noch einer, der glaubt, er käme her?&lt;br /&gt;Monsieur Ruhe!&lt;br /&gt;Erzbischof Dass er so einfach in eine Falle hineintappt, die unsere Fummelfinger &lt;br /&gt;ihm gestellt haben?… Es würde mich, unter uns gesagt, regelrecht enttäuschen, wenn er käme. &lt;br /&gt;Chateauneuf Und wenn er wirklich nicht kommt, was dann?&lt;br /&gt;Monsieur Dann sind wir glücklich, dass wir noch den geheimen Gang hier &lt;br /&gt;haben.&lt;br /&gt;Bankier Wir wissen doch, dass alle Ausgänge bewacht sind, und dass der Heilige &lt;br /&gt;Vater seine Kardinäle bis jetzt noch nicht mit Flügeln ausgerüstet hat. Und deshalb werden wir …&lt;br /&gt;Chateauneuf Sie kennen den Kardinal nicht, Herr Poulard.&lt;br /&gt;Monsieur Nein, er kommt nicht.&lt;br /&gt;Bankier Zum Teufel, dann 'rauf zu ihm! &lt;br /&gt;Monsieur Sie bleiben hier, zum Teufel,!&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Ruhe!&lt;br /&gt;Erzbischof Bei Kain und Judas und allen Heiligen! Schritte! Schritte! Es sind &lt;br /&gt;seine!&lt;br /&gt;Richelieu (Bleibt vor der Tür stehen. Man hört von draußen seine zornige Stimme.) &lt;br /&gt;Untersucht die Sache. Sollte der Marschall sich wieder duelliert haben, dann kein Pardon. Die Bastille! Später das Schafott!&lt;br /&gt;(kommt herein) Aha, so spät noch beim Billard? Machen Sie nur weiter. Ich &lt;br /&gt;möchte Sie nicht stören. (Geht quer durch den Saal und wieder hinaus.)&lt;br /&gt;Erzbischof Ja und?&lt;br /&gt;Bankier Wo blieb denn das Signal?&lt;br /&gt;Chateauneuf Worauf haben Sie noch gewartet, Monsieur?&lt;br /&gt;Monsieur Er hat mich doch angesehen. Er hat alles gewusst.&lt;br /&gt;Bankier So, meinen Sie? Warum, glauben Sie, ist er gekommen, wenn er doch &lt;br /&gt;alles wusste?&lt;br /&gt;Monsieur Das war er nicht, das war er nicht, das war der Teufel, der an mir &lt;br /&gt;vorbeiging.&lt;br /&gt;Erzbischof Monsieur hat Recht. Es war leicht zu sehen: Er hat alles gewusst.&lt;br /&gt;Chateauneuf Man hat uns verraten. Das Schloss ist umringt.&lt;br /&gt;General Dann war sie das. Wieder sie.&lt;br /&gt;Monsieur Er bringt uns um. Der Geheimgang ist unsere einzige Rettung.&lt;br /&gt;Bankier Nein, hinter ihm her!&lt;br /&gt;Chateauneuf Nichts wie weg!&lt;br /&gt;Bankier Warten Sie!&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Da!&lt;br /&gt;Richelieu (steht in der Tür) Meine Herren! Frankreich ist ein sehr schönes Land! &lt;br /&gt;Es erstreckt sch von unwirtlichen Küsten, Dünen und Heide über Ebenen mit lieblichen Dörfern, breit sich dahinwälzenden Flüssen und lieblichen Seen hin zu zu Stränden, die wie junge Arme, und Berge, die wie schwangere Schöße wirken. &lt;br /&gt;So wurde Frankreich Heimstatt für genügsames Ausharren und leichtsinnige Verschwendung, für Höflichkeit, die von Herzen kommt, und für einen Stolz, der seiner selbst gewiss ist, für Witz, dem nur die Wahrheit heilig ist, für Frömmigkeit, die aus Weichlingen Helden machte, für Tapferkeit, die bereit ist, selbst für eine bloße Geste das Leben auf's Spiel zu setzen. "Mit Frankreich gegen die ganze Welt" ist unser Wahlspruch. Wir haben keinen Papst in unserem Land, wir sind selbst der Papst. Denn würdevoll inmitten großer Ländern liegend, freundschaftlich auch inmitten kleiner, die Stirn in der Klarheit des Nordens und die Brust in der Sonne des Südens, wurde Frankreich dazu berufen, Hirn und Herz in diesem Teil der Welt zu sein, der die Welt in sich birgt.&lt;br /&gt;Meine Herren, rufen Sie mit mir ein "Hurra", dass König Ludwig XIII mit &lt;br /&gt;Glück und Stärke und ohne auf etwas Rücksicht zu nehmen,  Frankreich zu dieser Berufungsgewissheit emporführen möge, dass es darin sein Leben führen kann. &lt;br /&gt;Hoch lebe dieses Frankreich! &lt;br /&gt;Monsieur Gnade! Ich bin unschuldig!&lt;br /&gt;Chateauneuf Nichts wie weg!&lt;br /&gt;Bankier Ja, in Dreiteufels Namen sofort weg!&lt;br /&gt;Richelieu (klatscht in die Hände) Halt! &lt;br /&gt;Auf dieses eine Wort stoppen die Herren und wälzen sich vor der Tapententür übereinander. Nur der alte Erzbischof verliert den Kopf und läuft weg. Der kleine Graf versucht mitzukommen, stürzt hin und dreht sich zweimal um sich selbst, erhebt sich dann und fängt an, sich den Staub abzuklopfen.&lt;br /&gt;Der junge Herzog (ist unbeweglich stehen geblieben) Ich kann das &lt;br /&gt;nicht … wir Montmorencys haben es niemals gekommt … hinterrücks zuzuschlagen … oder zu fliehen.&lt;br /&gt;Richelieu Im Namen des Königs. Herr Herzog, Sie sind verhaftet. Bitte Ihren &lt;br /&gt;Degen.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse (ist eingetreten) Töten Sie ihn doch, Herzog, töten Sie &lt;br /&gt;ihn. (läuft wieder hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu (wie ein Tier, das getroffen ist) Du! Du!&lt;br /&gt;Der junge Herzog Hier ist mein Degen. Verteidigen Sie sich, Eminez! (hebt &lt;br /&gt;einen Säbel vom Boden auf)&lt;br /&gt;Richelieu richtet sich mit einem Ruck auf; sein eigener kleinen Säbel springt unter dem Mantel hervor; er schlägt auf den Herzog ein, sodass dessen Hand mit dem Säbel buchstäblich auf den Boden fliegt.&lt;br /&gt;Der junge Herzog Meine Hand, meine rechte Hand!&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt (kommt herein) Was ist passiert?&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Wir sind verloren, Virginie.&lt;br /&gt;Richelieu Herr Graf, sorgen Sie dafür, dass der Kleine verbunden wird, ehe er &lt;br /&gt;verblutet. Ich habe ihm einen anderen Tod zugedacht. Frau Gräfin, führen Sie mich zum König. (Der junge Herzog von Montmorency hinaus.)&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt Ist Christus denn abgesetzt? Oder … Mein Sohn hat &lt;br /&gt;verloren!&lt;br /&gt;Graf d'Alemcourt Virginie!&lt;br /&gt;Gräfin d'Alemcourt (beim Hinausgehen) Weh über den Lügner aus Wittenberg!&lt;br /&gt;Richelieu Folgen Sie mir, Herr Graf. &lt;br /&gt;Beide hinaus. Madame de Chevreuse kommt in Männerkleidung herein, ist noch nicht ganz fertig angezogen, späht umher, läuft zur Tapetentür, macht sich daran zu schaffen.&lt;br /&gt;Pierre (steht in der Tapetentür.) Nein, nein, meine Hübsche. Hier ist jetzt gesperrt. &lt;br /&gt;Was für ein nettes, kleines Schreiberkerlchen ist aus Ihrer Gnaden geworden.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Ja, aber das ist doch Jean. Der flotte Jean.&lt;br /&gt;Pierre Nein, ich heiße Pierre, Frau Gräfin.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Ja sicher, Pierre, genau. Der flotte Pierre gestern von &lt;br /&gt;der Jagd.. Ach nein, guck' nicht an mir herunter. Ich bin nicht ganz fertig geworden. … Pierre, ich bin in Schwulitäten.&lt;br /&gt;Pierre Das sind Sie sicher. Sicher deswegen, weil ich gestern auf der Jagd so flott &lt;br /&gt;war?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Ja gewiss bist Du flott, Pierre. Die Schultern, die &lt;br /&gt;Waden … ein richtiger Mann. Pierre, man will Fesseln um meine schmalen &lt;br /&gt;Handgelenke legen. Und stell Dir vor, eine Axt an einen so weißen Hals.&lt;br /&gt;Pierre Ja, das ist ja eine Sünde und eine Schande für den Hals, aber …&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Pierre, wir flüchten zusammen. Du findest eine &lt;br /&gt;Scheune für uns und passt auf mich auf, während ich mich ausruhe … mich ein wenig ausstrecke. Nicht? Heilige Jungfrau, da kommt jemand. Lass uns schnell die Lichter auspusten. Beschütze mich, ah, lieber Pierre.&lt;br /&gt;König (herein mit dem Kardinal) Wenn König Gustaf Adolf gekonnt hätte … Wer &lt;br /&gt;ist da?&lt;br /&gt;Richelieu Der mir treu ergebene Pierre. Und … Wen versteckst Du da?&lt;br /&gt;Pierre Das ist nur ein … ein guter Kamerad, einer von den Schreibern auf dem &lt;br /&gt;Schloss, Herr Kardinal.&lt;br /&gt;Richelieu Gut. … Weißt Du, wo der Geheimgang ausmündet?&lt;br /&gt;Pierre Ja.&lt;br /&gt;König Dann trommele Leute zusammen! Berittene! Fangt von den Verrätern &lt;br /&gt;ein, wen Ihr nur kriegen könnt. Leisten sie Widerstand, dann haut sie in Stücke.&lt;br /&gt;Richelieu Mit Ausnahme von Monsieur. Den lasst Ihr laufen.&lt;br /&gt;König Nehmt auch ihn gefangen. Macht ihn nieder.&lt;br /&gt;Richelieu Mit Ausnahme von Monsieur, dem Bruder des Königs, Majestät. Den &lt;br /&gt;lassen wir laufen&lt;br /&gt;König Den … lasst Ihr laufen. Weggetreten!&lt;br /&gt;Richelieu Der Schreiber bleibt hier. Wir können ihn jetzt gebrauchen. (Pierre &lt;br /&gt;hinaus) Hier ist Tinte. Setze Dich dort hin. Kannst Du sehen?&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse (versucht ihre Stimme zu verstellen) Danke. Hier ist Licht &lt;br /&gt;genug.&lt;br /&gt;Richelieu Dann schreibe:&lt;br /&gt;Im Namen des Königs:&lt;br /&gt;Herzog von Montmorency – Bastille,&lt;br /&gt;General Birabeau – wird vor versammelter Mannschaft erschossen,&lt;br /&gt;Erzbischof von Tours – wird gebannt und des Landes verwiesen,&lt;br /&gt;Bankier Poulard – wird ohne Verhör hingerichtet,&lt;br /&gt;Pater Josef – wird in ein Irrenhaus verbracht,&lt;br /&gt;Gräfin Marie de Chevreuse - ….&lt;br /&gt;König Warum zögern Sie? Schafott.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, ja. Schafott. Schafott.&lt;br /&gt;König Her mit derFeder. Ich kann vor Schmerzen kaum etwas sehen. Ach, was &lt;br /&gt;für eine Nacht voller Pein. (hinaus)&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Erlauben Sie, dass ich jetzt gehe?&lt;br /&gt;Richelieu Nein, nicht jetzt … Marie, warum hast Du mich diese zwanzig Jahre &lt;br /&gt;hindurch gehasst.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse (schreit) Töte mich nicht! Töte mich nicht! (Sie läuft zur &lt;br /&gt;Tapetentür. Der Kardinal bleibt unbeweglich sitzen. Plötzlich bleibt sie stehen, und läuft dann wieder zu ihm. ) Und danach fragst Du noch? Ich könnte Dir ins Gesicht schlagen. (tut es) Meine ganze junge Liebe habe ich Dir angeboten. Tag und Nacht kamst Du zu mir und hast mich geküsst und gedrückt, aber jedesmal, wenn der heilige Wille einer Frau in mir Dich zum Lager hinzog, hast Du innegehalten und bist ausgewichen. Wie, glaubst Du, war mir zumute, wenn Du gegangen warst, ich junge, heißblütige Frau, wenn mein Blut im Leib kochte und meine Glieder zitterten?&lt;br /&gt;Richelieu Ich war ein Priester. Ich nehme keine Anklage entgegen, dass ich das &lt;br /&gt;Brausen meines eigenen Blutes beherrschte und meinem Gelübde treu blieb.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Dann hast Du mich an den größten Narren verkauft, &lt;br /&gt;der je mit Frankreichs Kronprinz gespielt hat. Glaubst Du, dass ich je in seinen Armen lag, ohne ihn mit meinen Nägeln blutig zu kratzen, weil er nicht Du war? … Warum hast Du Dich damals von mir fern gehalten? Beantworte mir das jetzt. Dein Gelübde. Ja gewiss. Und wo war Dein Gelübde heute Nacht?&lt;br /&gt;Richelieu Marie! Marie! Heilige Mutter Gottes! Vergib mir meine Sünde!&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Das tut sie reichlich. Wenn man nur wüsste, was man &lt;br /&gt;davon hat.&lt;br /&gt;Pierre (hinein) Die Leute sind jetzt bereit, Herr Kardinal.&lt;br /&gt;Richelieu Hier ist die Vollmacht des Königs. Weggetreten! &lt;br /&gt;(Pierre geht) &lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Auf Wiedersehen, Herr Richelieu. Heute nacht schlafe &lt;br /&gt;ich mit dem Lakei der Gräfin. (hinaus)&lt;br /&gt;Der Narr Marbout (herein mit dem König) Armer Junge! Konnte die ganze Nacht &lt;br /&gt;nicht aus dem Bau heraus.&lt;br /&gt;König Haben Sie auch Schmerzen, Herr Kardinal?&lt;br /&gt;Richelieu Nicht mehr, als man aushalten kann.&lt;br /&gt;König Es beginnt zu tagen. Und die Hähne krähen.&lt;br /&gt;Richelieu Dann schicke ich jetzt eine Botschaft an den Adel heraus, wieviele&lt;br /&gt;Männer jeder zu stellen hat. &lt;br /&gt;König Tun Sie das noch heute.&lt;br /&gt;Richelieu Und ich erkläre Spanien den Krieg.&lt;br /&gt;König Und Sie senden Rom eine Erklärung. … Eine Freude hat mir diese Nacht &lt;br /&gt;denn doch gebracht. (beugt sich vor) Die Königin war an dem allen nicht beteiligt.&lt;br /&gt;Richelieu Nein, das war Ihre Gnade nicht.&lt;br /&gt;König Dagegen … Ich könnte Ihnen erzählen … na ja, ein anderes Mal. Ich stehe &lt;br /&gt;nun hier und sehe hinaus über dieses Land, das mir und meinem Geschlecht gehört. Die Hähne krähen immer lauter. Die Sonne steigt auf in den klaren Himmel. Ich will jetzt zur Königin hinüber gehen.&lt;br /&gt;Richelieu Und ich an meine tägliche Arbeit – wie sonst auch.&lt;br /&gt;Der Narr Marbout So schießt Frankreich drei Ellen in die Höhe, und ganz &lt;br /&gt;Europa zittert …&lt;br /&gt;König Noch einen guten Tag, Herr Minister.&lt;br /&gt;Richelieu Einen guten Tag, Sire.&lt;br /&gt;Der Narr Marbout … an dem der Kardinal warme Umschläge und der König &lt;br /&gt;ein Pülverchen bekommt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VIII&lt;br /&gt;Der sterbende Minister liegt da, umringt von einer Schar der Herren des Reiches.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richelieu Herr Marquis, haben  Sie die Güte, noch heute dem Parlament meine &lt;br /&gt;Entscheidung in der Angelegenheit mitzuteilen.&lt;br /&gt;Marquis Es ist mir eine große Ehre.&lt;br /&gt;Richelieu Sie, Herr Garf, tun Sie mir bitte den Gefallen und bringen dieses &lt;br /&gt;Medaillon zu Madame de Chalne mit einem Dank für Ihre Verse und schönen Blumen.&lt;br /&gt;Graf Es ist mir eine große Freude.&lt;br /&gt;Richelieu Mazarin! Ist Mazarin nicht da? Ach ja, danke. Exzellenz, rufen Sie ihn &lt;br /&gt;bitte.&lt;br /&gt;Exzellenz Mit dem allergrößten Vergnügen. (hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu Und zu Ihnen, guter Beautemps, Ihr Antrag leuchtet mir sehr ein. Ich &lt;br /&gt;werde Order erteilen, dass die Staatskasse Ihnen einen größeren Betrag zur Verfügung stellt zur Bekämpfung der Krankheiten der Maulbeerbäume.&lt;br /&gt;Beautemps Ich danke Ihnen außerordentlich. Die Erzeugung von Seide kann …&lt;br /&gt;Richelieu … eine schöne Einnahmequelle für das Land werden. Das glaube ich &lt;br /&gt;auch. Gut! Meine Herren, ich danke Ihnen für Ihren liebenswürdigen Besuch heute.  (Sie verbeugen sich und gehen) &lt;br /&gt;Richelieu Ah, Mazarin, wo bleibt … der Nuntius?&lt;br /&gt;Mazarin Der Nuntius wird in wenigen Minuten hier sein.&lt;br /&gt;Richelieu Freut mich. Bin müde. … Sagen Sie mir, Mazarin, haben Sie das Letzte &lt;br /&gt;von diesem Corneille gelesen?&lt;br /&gt;Mazarin Gerade gestern Abend.&lt;br /&gt;Richelieu Ihre Meinung darüber? &lt;br /&gt;Mazarin Schön und groß.&lt;br /&gt;Richelieu Er hat zum Schluß mit der Sprache herumgeschludert. Richten Sie der &lt;br /&gt;Akademie einen Gruß von mir aus. Ich wünsche, dass er einen Tadel erhält. Wir müssen die Dichter dazu anhalten, dass sie sich der Sprache gegenüber demütig verhalten, statt damit nur herumzupfuschen. … Wird an unseren Schiffen gebaut?&lt;br /&gt;Mazarin Mit vollem Einsatz. Im Laufe eines Monats …&lt;br /&gt;Richelieu Es geht zu langsam. Teilen Sie ihnen von mir mit …&lt;br /&gt;Mazarin Ja aber Sie wissen doch nicht …&lt;br /&gt;Richelieu Es geht mir zu langsam, so schnell es auch gehen mag. Wir haben &lt;br /&gt;Bedarf für viele Schiffe, jetzt, wo wir auch Kolonien auf den Inseln haben. … Mazarin, holen Sie mir die Papiere. (Mazarin hinaus) &lt;br /&gt;Alphonse (herein) Ich bin Jesus Christus. &lt;br /&gt;Richelieu Nein, das bist Du nicht, Alphonse, Du bist ein ganz gewöhnlicher &lt;br /&gt;Karthäusermönch.&lt;br /&gt;Alphonse Hör' mich an, hör' mich an, noch ist es Zeit dazu. Bekenne Deine &lt;br /&gt;Sünden vor Gott, meinem Vater und Deinem Vater, dem Richter, dem Erlöser oder Zerstörer. Bekenne auf der Stelle in und vor Gott Deine Sünden, Dein verfehltes Leben in und vor der Welt. Bekenne deine blutigen Taten, Deine Lügen und Machtsprüche, den krankhaften Drang Deines Herzens nach Ehre und Macht. Bereue das alles und bitte um Gottes  Gnade. Sorge für einen Beutel, der nicht alt und löcherig wird. Sorge für einen Schatz im Himmel, der sich nicht in Nichts auflöst, an den Diebe nicht herankommen, den Motten nicht auffressen. Denn dort, wo Dein Schatz ist, soll auch Dein Herz sein.&lt;br /&gt;Kardinal Richelieu Reiß' Dich zusammen, Brüderchen, es ist ja noch &lt;br /&gt;hellichter Tag ohne Mond. Du brauchst also das alles hier nicht zu &lt;br /&gt;inszenieren.&lt;br /&gt;Alphonse Dann will ich beten, beten. (hinaus)&lt;br /&gt;Der Kardinal legt sich still hin und versucht, die rechte Hand zu heben, er schafft es aber nicht. Der ältere Herzog von Montmorency nähert sich dem Bett. Als Richelieu sich umdreht, nimmt er seinen Kopf ab und bleibt damit in den Händen stehen.&lt;br /&gt;Richelieu Sie sind allzu höflich, Herr Herzog. Setzen Sie nur wieder Ihren Kopf &lt;br /&gt;auf.&lt;br /&gt;Der Herzog schüttelt seinen Kopf mit den Händen und tritt ein wenig zur Seite. Die Herzogin kommt, gekleidet wie eine Nonne, entstellt von Tränen und Entbehrungen vieler Jahre. Sie stellt sich an die Seite des Herzogs und blickt ohne jede Bewegung auf Richelieu.&lt;br /&gt;Richelieu (nickt ihr freundlich zu) Liebe Frau Herzogin, liebe Schwester Jeanne, Du &lt;br /&gt;warst gegenüber der Liebe Deines Herzens treu, so wie ich es gegenüber der zu meinem Land war. Das hat uns beide Opfer und Schmerz gekostet. Aber dafür wird uns Gott belohnen&lt;br /&gt;Marschall d'Ancre stolziert heran, noch immer mit dem Blick auf die Pistolen in seinen Augen&lt;br /&gt;Richelieu Ach, das sind Sie, Herr d'Ancre? Ich konnte Sie nicht mehr warnen, es &lt;br /&gt;war zu spät. Und im Übrigen, Herr Marschall, Sie hatten auch keinen besseren Tod verdient. … Ist das der Nuntius?&lt;br /&gt;König (mit Mazarin herein) Nein, ich bin es.&lt;br /&gt;Richelieu Ich glaube, meine Augen fangen an, ein wenig schwächer zu werden.&lt;br /&gt;König Wie geht es denn unserem lieben Minister?&lt;br /&gt;Richelieu Ich liege hier mit vielen Andenken meines Lebens um mich herum.&lt;br /&gt;Mazarin Spanien ist bereit zum Frieden, Herr Kardinal.&lt;br /&gt;König Und wir brauchen ja auch selber dringend Frieden. &lt;br /&gt;Richelieu Noch dringender brauchen wir den Sieg. Spanien kann mit uns &lt;br /&gt;Frieden schließen, wenn es unseren Sieg anerkennt.&lt;br /&gt;König Ich habe mit Mazarin gesprochen. Uns beiden scheint …&lt;br /&gt;Richelieu Dann ersuche ich Sie um meinen Abschied.&lt;br /&gt;König Ich verspreche Ihnen, ich werde aushalten, bis ich gesiegt habe.&lt;br /&gt;Richelieu Danke, Herr König. Danke, dass Sie tun, was Sie tun müssen. Denn &lt;br /&gt;wenn die Franzosen in den Kampf ziehen, haben sie … haben sie … die Pflicht, zu siegen.&lt;br /&gt;Der Kardinal schließt die Augen. Der König und Mazarin gehen leise weg. Als er wieder aufsieht, sind die Gestalten, die verblasst waren, als die Lebenden eintraten, wieder deutlicher zu sehen. Er nickt ihnen freundlich zu. Da fällt sein Auge auf die Gräfin d'Alemcourt. Sie stützt ihren Sohn, der verhungert ist und in dessen Arm noch die Wunde blutet. &lt;br /&gt;Richelieu Sie haben Unrecht, Frau Gräfin. Ich habe es getan um Frankreichs &lt;br /&gt;willen. Man hat nicht das Recht, andere für sich selbst zu opfern. Aber man hat die Pflicht, alle und alles dem zu opfern, dem man dient. Und doch ist dieser Anblick scheußlich. &lt;br /&gt;Er will sich davon abwenden. Da steht auf der anderen Seite Pater Josef mit Augen voller Verzweiflung und geisselt lautlos seinen Rücken.) &lt;br /&gt;Richelieu Pater Josef, habe ich Dir Dein Leben im Kloster gestohlen? Aber Du &lt;br /&gt;hattest ja Fähigkeiten, die ich für das Werk gebrauchen konnte, das getan werden musste. Nur war es mein großer Fehler, dass ich, als ich Dich wieder entbehren konnte, nicht sofort wieder ins Kloster einsperrte. Männer von Deinem Schlag sind für ein Reich die Allergefährlichsten. Ich hätte das wissen müssen, mein Freund. Deine Augen, sie tun mir so weh.&lt;br /&gt;Auf seiner Stirn sammeln sich Schweißtropfen. Da kommt Marie de Rohan, fast so, als ob sie wirklich lebendig wäre, und setzt sich zu ihm. &lt;br /&gt;Richelieu Wer bist Du?&lt;br /&gt;Marie de Rohan (beugt sich über ihn und wischt den Schweiß zart von seiner Stirn) &lt;br /&gt;Wer hier sein muss, hat hier seinen Platz, ganz nah bei Deinen Gedanken und Deinem Herzen.&lt;br /&gt;Richelieu Ich weiß nicht, wer Du bist. Aber die Heilige Jungfrau Maria segne &lt;br /&gt;Dich, dass Du da bist.&lt;br /&gt;Er liegt ein wenig still, will eine Hand heben, um ihre Wange zu streicheln, da entschwindet sie, und die Gräfin de Chevreuse kommt tanzend herein. Der Kardinal streckt den Arm, den er jetzt heben kann, nach ihr aus.&lt;br /&gt;Richelieu Marie, Marie, komm doch zu mir her!&lt;br /&gt;Aber sie sieht ihn nicht, sondern tanzt nur hinaus und wieder herein, mitten zwischen die Gestalten, die immer mehr werden. Da ist General Birabeau, der erbebt, als er sie sieht, der Erzbischof von Tours, der lüstern hinter ihr herlacht, der Bankier mit gierigen Augen und Fingern, die sich zusammenkrümmen. Plötzlich ist es so, als ob sie den Kardinal entdeckt. Sie bricht ihren Tanz ab und zeigt auf ihn. Hass erfüllt aller Mienen. &lt;br /&gt;Richelieu Räuberpack! Was wollt Ihr von mir? Verschwindet! Macht &lt;br /&gt;das Ihr wegkommt! Ich befehle Euch das. Im Namen Frankreichs. (Sie scheinen zu weichen.)&lt;br /&gt;Alphonse (herein. Sofort sammeln sich die Schatten wieder.) Ich bin Christus, der &lt;br /&gt;Sohn des lebendigen Gottes. Und Du bist mein Bruder im Fleische. Ich sage Dir das Erbarmen meines Vaters zu, wenn Du  jetzt in Deiner letzten Stunde in Dich gehst und um Vergebung für Dein Leben bittest, das Sünde, nichts als Sünde war.&lt;br /&gt;Richelieu Ah, da ist der Numtius. Willkommen, Emmienz? Wie geht es in Rom? &lt;br /&gt;Ist der Heilige Vater gesund?&lt;br /&gt;Nuntius Alles in bester Ordnung. Und Sie, Herr Kardinal?&lt;br /&gt;Richelieu Bin gesund wie immer. Also krank wie immer. Sagen Sie mir, &lt;br /&gt;Emminenz – ich frage Sie dringend und äußerst vertraulich; gleich werden Sie auch erfahren, warum – sagen Sie mir, in welcher Weise meinen Sie, habe ich mein Leben geführt?&lt;br /&gt;Nuntius Wie ein treuer Sohn Ihres Vaterlandes.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, und meiner Mutter Kirche gegenüber?&lt;br /&gt;Nuntius Wie ein treuer Sohn Ihres Vaterlandes.&lt;br /&gt;Richelieu Hm ja, ich verstehe, was Sie andeuten. Es wäre eine Art besseres &lt;br /&gt;Leben als Christ, mitten in der Nacht Latein zu plappern und bei Tag Zwiebeln im Klostergarten zu stecken. ….  Aber sehen Sie, Emminenz, auch ich bin Kardinal und kenne mich etwas aus. Sollen sie plappern und pflanzen, denen Gott dafür die Fähigkeiten gegeben hat. Wenn die etwas anderes wollen, so wäre es Sünde. Aber wem Gott Fähigkeiten gegeben hat, Pferde zu beschlagen und Schwerter und Pflugscharen zu schmieden – wenn der plappern und pflanzen will, so ist es Sünde.&lt;br /&gt;Nuntius Emminenz haben einen der neueren Kirchenväter gelesen, höre ich da &lt;br /&gt;heraus.&lt;br /&gt;Richelieu Welchen denn?&lt;br /&gt;Nuntius Martinus Lutherus.&lt;br /&gt;Richelieu Ich habe eines der Bücher gelesen, die auch er gelesen hat.&lt;br /&gt;Nuntius Welches?&lt;br /&gt;Richelieu Eins, das Bibel genannt wird, Emminenz. Während ich darin las und &lt;br /&gt;mich zugleich selbst erforschte, gewann ich Einsicht darin, welches Pferd zu beschlagen ich ausersehen war. Und das eine weiß ich: Ich habe alle Fähigkeiten, die ER mir gegeben hat, aufs Äußerste eingesetzt, um den Platz auszufüllen, den ER mir bot,  dass ich ihn einnehmen sollte. Ich habe die Behinderungen um mich und in mir, die unüberwindlich schienen, überwunden. Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe, weil ich weiß, dass ich mich hätte verweigern, hätte versagen, hätte schludern und faulenzen und aufgeben können. … Ich weiß, dss es nicht hätte besser getan werden können, als es von mir getan wurde. Was wird ER  nun zu mir sagen, wenn ich in Kürze vor seinen Richterstuhl treten werde?&lt;br /&gt;Nuntius Ich sitze nicht darauf und kann nicht an seiner Stelle antworten.&lt;br /&gt;Richelieu So wahr ER Gott, mein Gott ist, und sein Sohn nicht über ihn gelogen&lt;br /&gt;hat, ER wird sagen, kann nur sagen: " Du frommer und getreuer Knecht, Du bist treu gewesen über viel, ich will Dich über mehr setzen. Geh ein zu Deines Herrn Freude." … Deswegen dachte ich mir …  deswegen bat ich Sie zu kommen … deswegen wollte ich heute mit Ihnen zusammentreffen: könnten Sie nicht auf den Heiligen Vater einwirken lassen, dass ich sogleich heiliggesprochen werde, wenn ich tot bin?&lt;br /&gt;Nuntius Mir ist kein Heiliggesprochener bekannt, der das selbst beantragt hat.&lt;br /&gt;Richelieu Was Ihnen bekannt ist oder nicht, ist mir gleichgültig. Sie bringen &lt;br /&gt;meinen Wunsch beim Heiligen Vater vor. Ich habe vielleicht nur noch ein Jahr zu leben. Deswegen bringen wir die Sache mit aller Dringlichkeit und Eile vor. Nicht wahr?&lt;br /&gt;Nuntius Ganz wie Sie wünschen, Herr Minister.&lt;br /&gt;Richelieu Ja, erinnern Sie bitte Seine Heiligkeit auf jeden Fall daran, dass ich &lt;br /&gt;zukünftig der Gesandte der Erde im Himmel sein werde. Es läge in seinem eigenen Interesse, dass er sich gut mit mir gestanden hat, wenn ich vor den himmlischen König trete. (Der Nuntius verbeugt sich und geht.) Emminenz! Haben Sie mich verstanden?&lt;br /&gt;Nuntius (ist stehen geblieben) Ich glaube schon.&lt;br /&gt;Richelieu Ich will ein Heiliger werden. Ich, Richelieu, will es. Ich will der &lt;br /&gt;Fürsprecher meines Frankreichs beim Allmächtigen sein, solange die Erde &lt;br /&gt;steht. &lt;br /&gt;Der Nuntius geht hinaus. Der Kardinal ist sehr erschöpft. Die Gestalten um ihn herum treten wieder deutlicher hervor. Mairie de Rohan steht wieder an seinem Kopfende, trocknet seine Stirnund haucht einen Kuss darauf. Madame de Chevreuse ist verschwunden.&lt;br /&gt;Richelieu Wer bist Du, Du Feine, Du Liebe?&lt;br /&gt;Marie Deine Liebe bin ich.&lt;br /&gt;Richelieu Verstehe das nicht … verstehe kein Wort. Ach ja, Du bist &lt;br /&gt;Frankreich selbst.&lt;br /&gt;Marie Deine Liebe bin ich, Armand. &lt;br /&gt;Richelieu Armand? Dann bist Du ja nicht Frankreich. Sag', wer bist Du denn &lt;br /&gt;dann?&lt;br /&gt;Er will zu ihr aufschauen. Da verschwindet sie wieder. An ihrer Stelle sitzt Madame de Chevreuse und sieht mit einem schadenfrohen Lächeln auf ihn nieder.&lt;br /&gt;Richelieu Du verdammte Marie, kein Mensch hat mir so viel Böses angetan wie &lt;br /&gt;Du. Ich weiß, dass Du selbst in diesem Augenblick in Spanien sitzt und es aufstachelst, den Krieg fortzusetzen, damit Frankreich am Ende doch noch verlieren soll. Du weißt, wie ich dadurch bis ins Mark getroffen bin, Du ziehlst klug und schnell. Nun gut, so gebe ich dieses Jahr meines Lebens dran, wenn ich dieses zerfallende Haus noch dazu zwingen kann, meinen Geist zu beherbergen,  damit ich meine ganze Kraft explodieren lassen kann, Dich zu erwürgen, wenn Du mir zu nahe trittst.&lt;br /&gt;Er richtet sich halb auf und greift nach ihr, aber Marie de Rohan wirft sich dazwischen, während Madame de Chevreuse ihren Tanz fortsetzt.&lt;br /&gt;Marie Ach, töte sie nicht. Sie ist ja ich.&lt;br /&gt;Richelieu Du? Sie ist Du? Weshalb ist sie dann so, wie sie ist?&lt;br /&gt;Marie Du hast sie dazu gemacht.&lt;br /&gt;Richelieu Ich? Da irrst Du Dich. Ich habe niemanden je geopfert, es sei denn, &lt;br /&gt;wenn es für Frankreich war. Was hätte das Reich davon gehabt, dass sie so geworden ist? Nein, Du irrst Dich.&lt;br /&gt;Marie Du hast uns geopfert … in Deinem Interesse.&lt;br /&gt;Richelieu  Warst Du es oder sie, die zu mir nach Luçon gekommen ist?&lt;br /&gt;Marie Das war  vor allem ich, aber auch schon sie. Aber die, die von Medicis &lt;br /&gt;Minister geliebte Marie, das war ich, nur ich.&lt;br /&gt;Richelieu Ich musste Dich damals loslassen. … Luynes verlangte das. … Ich &lt;br /&gt;wäre niemals zu Richelieu geworden, wenn ich Dich damals festgehalten hätte. …. Ich ließ Dich los um Frankreichs willen. … Ich bin hierin ohne Schuld.&lt;br /&gt;Marie Ja, damals. Aber davor? Warum schenktest Du mir Deine Umarmung nicht &lt;br /&gt;viele hundert Mal ganz und gar, als Du sie mir anbotest und ich Dich so heiß, so flehendlich darum bat? Warum hast Du mich an Dich gedrückt, warum hast Du mich geküsst, wenn Du doch nicht wolltest? Warum wurde jede Umarmung von uns zu einer Geburtswehe, in der entstand, die dort tanzt?&lt;br /&gt;Richelieu Mein Gelübde als Priester! Ich will keine Anschuldigungen hören, weil &lt;br /&gt;ich mein Gelübde gehalten habe. Wer wagt es, einen Kardinal anzuklagen, weil er sich niemals eine Mitresse gehalten hat?&lt;br /&gt;Marie Warum hast Du Dich dann nicht ganz von mir ferngehalten? Warum hast &lt;br /&gt;Du mich in eine ekelhafte zweideutige Unentschiedenheit hineingezogen?  Warum bekam ich einen zehnmal schlechteren Liebhaber, als es Birabeau gewesen wäre? Antworte mir, warum hast Du Dich nicht von mir ferngehalten? War das auch um Frankreichs willen?&lt;br /&gt;Richelieu Ich bin ein Mensch, war doch auch nur ein Mensch, Marie, und Du&lt;br /&gt;warst so jung und lliebreizend und voller Leben.&lt;br /&gt;Marie Warum hast Du es dann nicht aufgenommen mit meiner reichen, starken, &lt;br /&gt;stürmischen Liebe, Armand? Warum hast Du mir nicht gestattet, nichts als eine Frau und Dein zu sein? Warum machtest Du mich dadurch zu einer Dirne für jedermann?&lt;br /&gt;Richelieu Marie, Marie, Du lebst aber doch, Du bist hier, Du existierst.&lt;br /&gt;Marie Ja, als Erinnerung und Traum. Die, die lebt, ist sie dort.&lt;br /&gt;Richelieu Was soll ich denn tun, sag mir, was ich tun soll, damit Du wieder leben &lt;br /&gt;kannst, und sie sterben kann?&lt;br /&gt;Marie Nichts mehr, es ist unmöglich. Das kannst Du nicht.&lt;br /&gt;Richelieu Dann bin ich verloren. Es gibt keinen Himmel für mich, wenn sie &lt;br /&gt;nicht leben soll, keinen Himmel außer, wenn Du auch darinnen bist. Marie, sag', kann das nicht wirklich werden?&lt;br /&gt;Marie Es könnte vielleicht wirklich werden. Aber es ist unmöglich.&lt;br /&gt;Richelieu Wesssen bedarf es denn?&lt;br /&gt;Marie Wenn Du sie dazu bringen kannst, dass sie darüber weint, dass sie nicht &lt;br /&gt;mehr ich bin, dann kann es wirklich werden. (löst sich auf)&lt;br /&gt;Richelieu Alphonse, Alphonse, antworte mir, es geht um der Seelen Seligkeit.&lt;br /&gt;Mazarin (herein mit dem Gesandten des Kaisers) Der Gesandte des Kaisers, Herr &lt;br /&gt;Kardinal.&lt;br /&gt;Gesandter Der Kaiser bietet Frankreich das halbe Elsass an, um auf dieser &lt;br /&gt;Grundlage Frieden zu schließen.&lt;br /&gt;Richelieu Gut, sehr gut. Grüßen Sie den Kaiser und richten Sie ihm aus, wenn er &lt;br /&gt;das ganze Elsass bietet, kann er den Frieden haben.&lt;br /&gt;Mazarin Ja aber …&lt;br /&gt;Gesandter Seine Majestät hat selbst …&lt;br /&gt;Richelieu Mazarin, finden Sie mir das Dokument. Nicht das da, auch das nicht. &lt;br /&gt;… Ja, das da. Jede Provinz sendet nun zweitausend Mann zum Heer. Jede Grafschaft mindestens fünfzig Pferde. De la Porte wird Oberbefehlshaber und rückt zusammen mit den Schweden vor … und vor … und vor. … Nein, ich kann mit der linken Hand nicht schreiben. Helfen Sie mir, Mazarin, führen Sie meine rechte Hand …  vorsichtig, vorsichtig …  au, au: so jetzt Ric … Rich … Riche … lieu … Richelieu. … Das ganze Elsass, dann kann er seinen Frieden bekommen. (beide hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu Alphonse, Alsphonse, sage mir eins: sind für Gott alle Dinge möglich? &lt;br /&gt;Alphonse (herein) Alle Dinge sind für Gott möglich.&lt;br /&gt;Richelieu Ein Ast, der krumm gewachsen ist und dahinwelkt, kann ER den &lt;br /&gt;wieder gerade und frisch machen?&lt;br /&gt;Alphonse Leichter, als das Feuer, dass alles Krumme verzehrt, und als der &lt;br /&gt;Frühling, der wieder frische Triebe hervorsprossen lässt.&lt;br /&gt;Richelieu Einen Leib, der sich auflöst und in andere Verbindungen übergeht, &lt;br /&gt;kann ER den wieder zusammenflicken?&lt;br /&gt;Alphonse So leicht, wie die Zeit hinströmt zur Ewigkeit, während keiner die &lt;br /&gt;einzelnen Bestandteile zählt.&lt;br /&gt;Richelieu Aber eine Seele … eine Seele, die andere geknickt hat, die andere mit &lt;br /&gt;ihrem Schmutz befleckt hat … kann ER die wieder hell und heil machen?&lt;br /&gt;Alphonse (zögert)&lt;br /&gt;Richelieu Antworte mir: Kann ER das? Kann ER das?&lt;br /&gt;Alphonse Tränen der Reue waschen viel ab.&lt;br /&gt;Richelieu Der eigenen Reue oder der Reue eines anderen?&lt;br /&gt;Alphonse Der eigenen und der anderen zusammen, denke ich.&lt;br /&gt;Richelieu Bete für mich, bete für mich zu der Heiligen Jungfrau, dass Gott, der &lt;br /&gt;Allmächtige sich erbarme.&lt;br /&gt;Alphonse Armand, mein Bruder! Du kommst voran.&lt;br /&gt;Richelieu Bete, bete, bete, und wenn Du dabei alle Deine Rosenkränze &lt;br /&gt;aufbrauchst. (Alphonse hinaus)&lt;br /&gt;Richelieu Macht, dass Ihr fortkommt, Ihr anderen! Was habe ich mit Euch zu &lt;br /&gt;schaffen? Ihr steht hier nur da wie Triumpf- Trophäen an meinem Weg. Aber Du, Marie, sprich Du zu mir! Ich gebe meinen letzten Tropfen Blut her, um ein Wort aus Deinem Mund zu hören&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Warum nenen Sie mich Marie, Herr Kardinal? Ich &lt;br /&gt;heiße Madame de Chevreuse, und davor hieß ich Madame de Luynes.&lt;br /&gt;Richelieu Aber wiederum davor hießest Du Marie de Rohan.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Das ist so lange her, dass ich mich kaum daran &lt;br /&gt;Erinnern kann. Damals war ich ein dummes, junges Ding, dem jeder nachrennen konnte, und das sich auf dieser Welt mit nichts von der Welt auskannte.&lt;br /&gt;Richelieu Damals hast Du mich geliebt.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Habe ich das? Ich habe so viele Männer geliebt.&lt;br /&gt;Richelieu Ich war Deine erste Liebe.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Nein, das stimmt nicht. Denn an den kann ich mich &lt;br /&gt;erinnern, das war der da.&lt;br /&gt;Richelieu Und ich habe Dich geliebt.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Haben Sie das? Ist das wirklich wahr? Einem &lt;br /&gt;sterbenden Mann kann man wohl glauben. Sieh mal an, darauf bin ich aber stolz. Selbst der Kardinal hat mich geliebt.&lt;br /&gt;Richelieu Sie glichen damals der Heiligen Jungfrau.&lt;br /&gt;Madame de Chevreuse Die wusste ja auch von keinem Mann. Ich möchte &lt;br /&gt;noch bemerken: das Heilige ist mir dann später abhanden gekommen.&lt;br /&gt;Richelieu Hilf mir doch, Gott im Himmel, hilf mir doch. Dass eine Seele in einer &lt;br /&gt;so peinvollen Not stecken kann! Ist das schon das Fegefeuer? Es reinigt ja nicht, es hilft ja nicht. Höre mich doch, Gott. Du antwortest mir nicht. … Dann höre Du mich: Satan, Satan, um des Blutes Christi willen, komme zu mir her.&lt;br /&gt;Satan Was willst Du von mir?&lt;br /&gt;Richelieu Dir eine Seele abkaufen, wenn es möglich ist.&lt;br /&gt;Satan Was gibst Du mir dafür?&lt;br /&gt;Richelieu Ich gebe Dir … was habe ich denn? Was willst Du haben? Meine &lt;br /&gt;eigene … gebe ich Dir, … wenn Du willst.&lt;br /&gt;Satan Nehmen wir mal an, dass ich die bereits habe. Das wäre also ein schlechtes &lt;br /&gt;Geschäft für mich. Ich bin nicht ganz so dumm, wie Eure Schauspieldichter glauben. … Aber ich könnte ja etwas anderes verlangen.&lt;br /&gt;Richelieu Dann sage es, sage es doch.&lt;br /&gt;Satan Ich gebe Dir die Seele frei, an die Du denkst, und Deine eigene mit dazu, &lt;br /&gt;wenn Du mir Macht über den König und den Dauphin gibst.&lt;br /&gt;Richelieu Was willst Du denn mit ihnen machen?&lt;br /&gt;Satan Sie nur anhauchen.&lt;br /&gt;Richelieu Und dann?&lt;br /&gt;Satan Welken sie dahin.&lt;br /&gt;Richelieu Und Gaston?&lt;br /&gt;Satan Wird König.&lt;br /&gt;Richelieu Und dann blüht wieder Marie von Medicis Weizen in Frankreich.&lt;br /&gt;Satan Gehst Du auf mein Angebot ein?&lt;br /&gt;Richelieu Geliebte, vergib mir … ich weiß mir keinen Rat. … Ist es möglich, &lt;br /&gt;dass einer den anderen in die Tiefe hinunter zieht, aus der einen keiner wieder herausführen kann?&lt;br /&gt;Satan Du könntest das doch. Gehst Du auf mein Angebot ein?&lt;br /&gt;Richelieu Ist es denn möglich? Gott im Himmel, antworte mir doch!&lt;br /&gt;Satan Ich bin es jedoch gewesen, den Du herbeigerufen hast.&lt;br /&gt;Richelieu Vergib mir, Marie. Weiche von mir, Satan, weiche von mir! … &lt;br /&gt;Mazarin! Mazarin!&lt;br /&gt;Mazarin (tritt hastig ein) Herr Kardinal?&lt;br /&gt;Richelieu Ich wollte … (Der König ist gleichfalls eingetreten, gefolgt von Herren des &lt;br /&gt;Adels und von geistlichen und bürgerlichen Hofbeamten.)  Franzosen im Leben und Sterben, uns wurde ein so schönes land anvertraut. Es verdient, geliebt zu werden mit der Zärtlichkeit eines Sohnes und dem Stolz eines Liebhabers, mag es auch zu Armut, Verstümmelung und Tod führen, ihm bis zur Selbstaufgabe zu dienen&lt;br /&gt;König Ludwig, ich gebiete Ihnen zu herrschen und zu siegen. &lt;br /&gt;Franzosen, ich gebiete Euch zu gehorchen und zu siegen. &lt;br /&gt;Zu siegen heisst herrschen. Zu gehorchen heisst herrschen. &lt;br /&gt;Ich, der Kardinal sterbe nun.&lt;br /&gt;Mit Gott, mit Marie von … der einen oder der anderen …  wegen der Frau … im Herzen … der Verlust von Gottes Gnade … Aber Gottes Gnade vermag alles … vermag alles … vermag alles.&lt;br /&gt;Mit dem König für Frankreich bis zum Tod und Frankreich auch über den Tod hinaus!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stand: 21. März 2009&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2653169122922592033-8587385473681874286?l=kajmunk-deutsch.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/feeds/8587385473681874286/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/11/der-kardinal-und-der-konig-zu.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/8587385473681874286'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/8587385473681874286'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/11/der-kardinal-und-der-konig-zu.html' title='Der Kardinal und der König'/><author><name>TinyZorro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/04141202525068564783</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2653169122922592033.post-6886827114997209469</id><published>2010-11-21T08:58:00.001-08:00</published><updated>2010-11-21T11:56:31.488-08:00</updated><title type='text'>Ewalds Tod</title><content type='html'>&lt;div class="Section1"&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 36pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Kaj Munk&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 36pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 36pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 36pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Ewalds Tod&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 26pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;1943&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;deutsch von Paul Gerhard Schoenborn ©&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;2010 &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="color: black; font-family: Garamond; font-size: 14pt; mso-ansi-language: DE; mso-bidi-font-family: Garamond; mso-bidi-language: AR-SA; mso-fareast-font-family: Arial; mso-fareast-language: AR-SA;"&gt;&lt;br clear="all" style="mso-break-type: section-break; page-break-before: always;" /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; page-break-before: always; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;-o-O-o-&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 36pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Viribus unitis&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;(Mit vereinten Kräften)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; page-break-before: always;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Einleitung&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Am 18. November 1943 fand zu Ehren des dänischen Dichters Johannes Ewald, der auf den Tag genau vor 200 Jahren geboren war, im Königlichen Theater in Kopenhagen eine Gedenkveranstaltung statt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="border-bottom: black 1pt solid; border-left: black 1pt solid; border-right: black 1pt solid; border-top: black 1pt solid; mso-border-alt: solid black .5pt; mso-element: para-border-div; padding-bottom: 1pt; padding-left: 4pt; padding-right: 4pt; padding-top: 1pt;"&gt;&lt;div class="Default" style="border-bottom: medium none; border-left: medium none; border-right: medium none; border-top: medium none; margin: 0cm 0cm 0pt; mso-border-alt: solid black .5pt; mso-padding-alt: 1.0pt 4.0pt 1.0pt 4.0pt; padding-bottom: 0cm; padding-left: 0cm; padding-right: 0cm; padding-top: 0cm;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 11pt;"&gt;Mit Johannes Ewald (* 18. November 1743 in Kopenhagen; † 17. März 1781 in Kopenhagen) begann die neuere Periode der dänischen Literatur. Er wurde als der Sohn eines streng pietistischen Pfarrers geboren, kam früh verwaist in die Domschule zu Schleswig, entlief eines Tags aus Liebe zur Freiheit dem pedantischen Schulzwang und begann 1758 in Kopenhagen Theologie zu studieren. Aus Abenteuerlust trat er aber bald hernach zu Magdeburg in ein Infanterieregiment ein, desertierte hier, wurde österreichischer Tambour, dann Unteroffizier und nahm an mehreren Gefechten 1759-60 teil, entwich aber wiederum und kehrte nach Kopenhagen zurück, wo er seine theologischen Studien fortsetzte. &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="border-bottom: medium none; border-left: medium none; border-right: medium none; border-top: medium none; margin: 0cm 0cm 0pt; mso-border-alt: solid black .5pt; mso-padding-alt: 1.0pt 4.0pt 1.0pt 4.0pt; padding-bottom: 0cm; padding-left: 0cm; padding-right: 0cm; padding-top: 0cm;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 11pt;"&gt;Eine unglückliche Liebe zerrüttete sein inneres Leben und prägte seinen Dichtungen den Charakter der Schwermut auf. Die allegorische Erzählung „&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 11pt; mso-bidi-font-weight: bold;"&gt;Lykkens&lt;b&gt; Tempel“ („Der Tempel des Glücks“), welche die Gesellschaft für die Förderung der schönen und nützlichen Wissenschaften 1764 veröffentlichte, fand großen Beifall; mehr noch sein Trauergedicht auf den Tod Friedrichs V (1766), worin er eine große lyrische Kraft entfaltete. Unter den Dichtern, die er studierte, sprachen ihn an meisten Molière und Klopstock an; namentlich der letztere übte eine gewaltige Einwirkung auf die Entfaltung seines Dichtertalents, wie insbesondere das biblische Drama „Adam og Eva“ (1769) beweist. &lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="border-bottom: medium none; border-left: medium none; border-right: medium none; border-top: medium none; margin: 0cm 0cm 0pt; mso-border-alt: solid black .5pt; mso-padding-alt: 1.0pt 4.0pt 1.0pt 4.0pt; padding-bottom: 0cm; padding-left: 0cm; padding-right: 0cm; padding-top: 0cm;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 11pt;"&gt;In der Dichtung „Fiskerne“ („Die Fischer“), einem dramatisierten Bild vom Leben der Küstenbewohner, kommt das Lied „Kong Kristian stod ved højen mast“ („König Christian stand am hohen Mast“) vor, das nachher zum beliebtesten Nationallied der Dänen wurde und heute die dänische Königshymne ist. Sein letztes Lied war „Udrust dig, Helt fra Golgatha“ („Rüst dich, du Held von Golgatha“). Nach langen und schweren Leiden starb er kaum 38 Jahre alt. Dass er der neueren dänischen Poesie, welche sich mit Öhlenschläger entfaltete, die Bahn brach, hat dieser in mehreren seiner schönsten Gedichte („Ewalds Grab“) dankbar anerkannt. Seine Sprache ist rein und klar. &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="border-bottom: medium none; border-left: medium none; border-right: medium none; border-top: medium none; margin: 0cm 0cm 0pt; mso-border-alt: solid black .5pt; mso-padding-alt: 1.0pt 4.0pt 1.0pt 4.0pt; padding-bottom: 0cm; padding-left: 0cm; padding-right: 0cm; padding-top: 0cm;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 11pt;"&gt;Nach Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890 und dem darauf basierenden Wikipedia-Artikel &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE"&gt;&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Ewald"&gt;&lt;span style="font-family: Arial; mso-bidi-font-family: Garamond;"&gt;http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Ewald&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 11pt;"&gt;. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Man gab Johannes Ewalds Singspiel „Fiskerne“ („Die Fischer“) mit so prominenten Schauspielern wie Poul Reumert und Preben Lerdorf. Als Epilog spielte man einen modernen Einakter mit dem Titel „Ewalds Død“ („Ewalds Tod“). Als dessen Verfasser las man auf dem Theaterzettel den Namen des Mannes, der auch als Regisseur fungierte: Holger Gabrielsen. Die Rollen dieses Stücks und ihre Darsteller waren: &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Ewald – John Price &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="EN-GB" style="font-size: 14pt; mso-ansi-language: EN-GB;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Madam Schou – Clara Pontoppidan &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="EN-GB" style="font-size: 14pt; mso-ansi-language: EN-GB;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Doktor Esmarch – Johannes Meyer &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="EN-GB" style="font-size: 14pt; mso-ansi-language: EN-GB;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Pastor Schönheyder – Thorkild Roose &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="EN-GB" style="font-size: 14pt; mso-ansi-language: EN-GB;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Arendse – Bodil Kjer. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; page-break-before: always;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Der Westermann-Verlag in Kopenhagen verschickte wenige Wochen später den Text in einer bibliophilen Kleinauflage (250 nummerierte Exemplare – noch heute eine gesuchte Rarität!) als Weihnachtsgabe an seine Freunde - wieder mit dem Verfassernamen Holger Gabrielsen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Eingeweihte wussten aber, dass der wahre Verfasser von „Ewalds Død“ Kaj Munk hieß, über den die dänische und deutsche Zensur ein Veröffentlichungsverbot verhängt hatten und dessen Schauspiele nirgendwo, erst recht nicht im Königlichen Theater gespielt werden durften. Aber man umging in jenen Tagen die Verbote elegant und subversiv, eben „viribus unitis“, „mit vereinten Kräften“, wie es das Motto sagt, das dem gedruckten Text vorangestellte wurde. Allen Beteiligten - den miteinander befreundeten Kaj Munk und Holger Gabrielsen an der Spitze – war es eine patriotische Ehrensache, auf diese Weise den großen Johannes Ewald zu ehren. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Im Subtext des Einakters liest der Kundige vieles über das, was den Christen und den Dichter Kaj Munk beseelte, vor allem seine Liebe zum Leben und zu Gottes wunderbarer Schöpfung. Man erkennt auch die Glaubensparadoxien, zu denen er stand: sogar für Versuchung und Sünde, ja für den Teufel darf man Gott dankbar preisen. Und man vernimmt sein Bekenntnis zu Jesus von Nazareth, dem „Helden von Golgatha“, welches ihn mit Johannes Ewald verbindet. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Vor allem aber, und das werden die damals Anwesenden genau verstanden haben, erging durch den Höhepunkt des Schauspiels eine authentische Kaj-Munk-Botschaft an das besetzte Dänemark und die verzagten Dänen: Ermannt euch, schart euch um euren König, haltet aus, seid nicht nur nett zu den Besatzern, sondern widersteht, denn unser Land wird wieder frei. Lise und Kaj Munk saßen übrigens unter den Zuschauern. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Meiner Übersetzung liegt der dänische Text der Kaj Munk Mindeudgave, Band: „Egelykke og andre Skuespil“, Seite 303 - 312, Nyt Nordisk Forlag Arnold Busck, Kopenhagen 1949, zugrunde. Arne Munk und Søren Daugbjerg danke ich herzlich für kritische und hilfreiche Durchsicht. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Die deutsche Nachdichtung des berühmten Liedes von Johannes Ewald „Udrust dig, Helt fra Golgatha“ habe ich – leicht modifiziert - übernommen aus der Munk-Biographie von Alfred Otto Schwede „Verankert im Unsichtbaren – Das Leben des Kaj Munk“, Berlin 1970, Seite 282. Dieses Lied erklang auch bei der Beisetzung des Märtyrers Kaj Munk am 8. Januar 1944 in Vedersø. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; page-break-before: always; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Personen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Johannes Ewald&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Madam Schou, Haushälerin&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Doktor Esmach&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Pastor Schönheyder&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: center;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; page-break-before: always;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;In Johannes Ewalds Stube&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;So, jetzt kriegt Herr Ewald sein Kissen in den Rücken. So. Soll&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;es noch ein bisschen höher sein?. Gut so? Und jetzt trinkt er seinen Saleptee, nur ein, zwei drei schnelle Schlucke, dann schmeckt Herr Ewald kaum etwas davon, ja genau so, ja so. Nun ist Herr Ewald wieder ganz gut dabei. Dann richten wir jetzt mal Herrn Ewalds Bett, und Herr Ewald sitzt derweil schön ruhig. Nun haben wir auch die Kissen wieder richtig aufgeschüttelt, und nun stimmt alles wieder. Meint Herr Ewald nicht auch, dass es ihm jetzt besser geht? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Besser? Was meint sie mit „besser“? Mir fehlt nichts. Das weiß sie doch&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;gut. Ich habe nur ein wenig Schnupfen. Das ist alles. Das ist morgen vorbei. Was sagt nicht mein Dichterbruder Wessel: &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Darf ich die Abendpost belästigen &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;mit einem Anti- Keuchhusten-Rezept? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Stoß tüchtig Nelken am Morgen klein, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;tu alles in’s Bier und trink es aus. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Wenn du dich dann nicht bis zum Abend &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;wieder so fühlst, als ob nie was gewesen wär, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;dann kannst du allenfalls sagen: &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Herr Doktor, es war nichts mit ihrem Trank. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Hör’ sie doch auf, dazustehen und mich anzuglotzen, als ob ich eine Kuh wäre, die geschlachtet werden soll. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich habe jetzt nicht geglotzt, Herr Ewald. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Sie hat aber doch geglotzt. Ha, diese mitleidigen Blicke - und dahinter&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;denkt sie: „Wie gut, dass ich es nicht bin, der dabei ist, einen Platz in dem Kahn zu bekommen. Ich sage ihr, mir fehlt nichts. Ich bin in Ordnung. Ich bin vollkommen in Ordnung. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Wenn Herr Ewald es so will, dann sagen wir auch: Der Herr&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Ewald ist vollkommen in Ordnung &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Kommt er denn nicht? Glauben Sie, der Pastor Schönheyder kommt&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;nicht? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Wenn Pastor Schönheyder versprochen hat, am Nachmittag zu&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Herrn Ewald zu kommen, dann kommt Pastor Schönheyder am Nachmittag auch zu Herrn Ewald. Pastor Schönheyder ist ein rechtschaffener Diener des Herrn. Auf Pastor Schönheyder kann man so sicher bauen wie auf des Herrn eigenes Wort. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich muss etwas mit ihm besprechen. Mein nächstes Schauspiel soll über&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;den Herrn und seine Apostel gehen. Aber mein Griechisch … ich habe zuviel von meinem Griechisch vergessen. Da gibt es Stellen im Novum Testamentum, bei denen soll mir Pastor Schönheyder helfen … Ach, Gott sei gepriesen, da haben wir ihn … … Aber, aber was wollen Sie denn hier? Ich habe nicht nach einem Arzt rufen lassen. Ist das schon wieder sie, der ich diesen Karnevalsscherz zu verdanken habe? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Der Dichter sollte alles ganz ruhig betrachten. Es gibt niemanden, der &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;mich hat rufen lassen. Ich kam zufällig hier vorbei. Und da fiel mir ein, mal bei Ihnen hereinzuschauen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Haben Sie in Ihrem Arzneischrank die eine oder andere Pille, die den&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Gestank von Lügen beseitigt? Weshalb lügen Sie so? Wozu sind Sie gekommen? Niemand braucht einen Arzt weniger als ich. Ich habe vormittags an dem Tisch dahinten gesessen und an einem Gedicht gearbeitet. Ich werde es Ihnen vorlesen. … … Nein, nein, bleiben Sie weg von meinen Papieren, ich finde es schon selbst&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;Er versucht, sich zu erheben. Beim zweiten Versuch gelingt es ihm. Von Gicht gekrümmt schleicht er über die Dielen, gelangt tatsächlich zum Tisch, vergisst dann aber das Gedicht, geht zurück und an seinem Lehnstuhl vorbei, stolpert durch das Zimmer, wirft sich dann wieder in seinen Lehnstuhl, wobei er ein Stöhnen unterdrückt. &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Lass sie mich mit dem Doktor allein. Ich will … was war es noch, was&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;ich wollte … ich will ihm mein Gedicht vorlesen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Herr Ewald braucht nur mit dem Stock auf die Dielen zu&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;stoßen, wenn Herr Ewald mich braucht. Dann bin ich im Handumdrehen wieder hier. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(hinaus) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ja, ja, das ist gut so, ist gut. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Soll ich nicht Ihre Brust abhorchen, wo ich nun schon einmal hier bin? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Sie können mir die Brust und meinetwegen auch den Steiß abhorchen,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Doktor Esmach. Sie können mit mir machen, was Sie wollen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Holen Sie bitte tief Luft … noch einmal … und noch einmal. Ja, so. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Danke. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Da ist nichts, oder? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Keine Spur. Soweit ich hören kann. Das ist das, was ich immer sage: Es&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;ist nur die Verpackung, die uns etwas Probleme macht. Der Inhalt aber ist in gutem Zustand. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Glauben Sie, dass ich noch vor Abend sterben werde? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Aber wie kommt der Dichter denn auf so etwas? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Nein, wie kommt der Dichter denn auf so etwas? Das ist ja ganz&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;unmöglich. Er ist ja doch erst siebenunddreißig Jahre jung. In dem Alter stirbt man doch nicht. Hahaha, Sie glauben, ich hätte Angst vor dem Tod. Ich war fünfzehn, als ich von Zuhause ausriss und in fremde Kriegsdienste eintrat. Ich hatte niemals Bange vor etwas. Aber hier drinnen, nicht wahr, hier ist doch etwas, nicht wahr. Sie verstehen, was ich meine? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Natürlich tu ich das. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Natürlich tun Sie das nicht. Sie stellen mich nur mit Ihren Medikamenten&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;ruhig. Sie glauben, der Tod bestünde aus Fleisch, das steif wird, und Blut, das gerinnt. Mensch, Mensch, wenn es nur das wäre! Aber hier drinnen … hier wimmelt es von Rhythmen, von Reimen und Klängen, von Bildern, Menschen, Schicksalen … Welten, die zusammen mit mir sterben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Der Dichter sollte nicht so viel sprechen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ja, der Dichter soll still schweigen, er soll ganz still und ruhig werden … es&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;gibt keine Grenze dafür, wie still er in Kürze sein wird. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Es gibt gar keinen Zweifel darüber, dass der Dichter sich wieder erholen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;wird. Große Werke wird der Dichter seinem erwartungsvollen Volk noch schenken. Nur jetzt erst einmal vollständige Ruhe, und jede Stunde eine Tablette von denen, die ich hier auf den Tisch stelle. Und der Dichter lässt ja auch den Alkohol völlig weg. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Aber gewiss doch, den rühr ich nie mehr an. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Esmach &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Dann wird der Dichter schon sehen. Nur das Herz schonen. Und keine&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;künstlichen Stimulantien. Dann wird es schon so gehen, wie es gehen soll. Ich schaue auf dem Rückweg noch mal herein. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(hinaus) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(setzt sich schwankend auf ) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Ja, ja, ja. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;Er horcht, steht unter Schmerzen auf, kriecht mehr, als dass er geht, zum Bett hin, lauscht wieder, sucht hastig darin, findet endlich eine Flasche, genehmigt sich einen hastigen Schluck. Schritte von draußen, er will die Flasche verstecken, aber er verliert sie, während er fällt. &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Aber, aber Herr Ewald … Haben Herr Ewald mir nicht&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;versprochen … Wo kriegt Herr Ewald nur immer noch dieses Zeug her? Herr Ewald weiß doch, dass er das nicht mehr vertragen kann. Kommen Sie nun mal, Herrgott noch einmal, lieber Herr Ewald, nun kommen Sie mal. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(bugsiert ihn wieder auf die Bettkante) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich bin so müde, so todmüde, und die Schmerzen wüten in meinen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Gliedern wie eine Säge. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Will Herr Ewald jetzt nicht lieber doch ins Bett? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich möchte so gerne … wieder dort hinten auf den Lehnstuhl… den&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Sonnenuntergang sehen … wenigstens noch einmal. Was glaubt sie, wie viel Schritte es bis zu dem Stuhl sind? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich schätze sieben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Sieben! Das sind viele. Sollen wir aufbrechen … aufbrechen zu dieser&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;gewaltigen Reise … über den Bach springen … der ist nicht breiter, als dass man es mit zwei Sätzen schafft. War ich … war ich eben hässlich zu ihr? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Schnickschnack, Herr Ewald. Das haben wir doch schon lange&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;vergessen. Was sagt ein armer Mensch nicht alles, wenn er gefoltert wird? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Besäße ich nur ein paar Liegenschaften, dann sollte sie die alle erben, ganz&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;bestimmt. Aber ein Gedicht kann ich ihr zu ihrem Geburtstag schreiben, ein richtiges Dichtergedicht. Einen ganzen Monat werde ich daran arbeiten. Es soll so ein Gedicht werden, dass der König bitten wird, es lesen zu dürfen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Danke, danke. Ich weiß ja, Herr Ewald ist so gut. Und ich bin&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;auch sehr dankbar für solch eine große Ehre. Aber ich möchte ja lieber, dass Herr Ewald in der Zeit, die ihm noch verbleibt, mit der Pichelei aufhört. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Pichelei nennt sie das. Eine Närrin ist sie, sie hat von nichts eine Ahnung.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;sie weiß nicht, dass Gott in der Flasche wohnt. Geb sie mir die Flasche! Hör sie! Na los! &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(Madam Schou ringt die Hände, aber sie traut sich nichts anderes und reicht ihm die Flasche mit dem kleinen Rest, der noch nicht ausgelaufen ist.) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Wenn ich die zum Munde führe, ist es Gott selbst, der meine Zunge küsst. Ihre Hitze ist die Flamme des Heiligen Geistes in mir. Der feuert mich an, die ewigen Werke zu schaffen, die mich zum Größten unter meinen dänischen Zeitgenossen machen. Wenn ich voll war, während ich lebte, will ich auch voll in meinen … &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;Er hält inne, sein Mund bleibt offen, seine Hände sinken herab. Pastor Schönheyder tritt ein. &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ach Herr Jemine! &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Du hast nach mir schicken lassen, Johannes Ewald. Ich &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;höre und sehe, Du bist dabei, Dich auf den Empfang des Sakraments vorzubereiten. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Pastor Schönheyder, Ihr versteht ja überhaupt nichts. Aber ich hoffe, dass&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Gott mich versteht. Deshalb habe ich nach dem Abendmahl schicken lassen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Aber Du wirst es nicht bekommen. Ich verweigere es Dir. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Verweigert … verweigert Ihr … Pastor Schönheyder, ich bin krank, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;ich bin auf den Tod krank. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Das weiß ich. Um so entsetzlicher ist, dass Du Dich auch&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;in der elften Sunde Deines Lebens der Sünde hingibst, die Dein Leben verdorben hat. Du gibst an mit hochmütigen Worten über den Größten aller Dänen, anstatt Dich unter die gewaltige Hand Gottes zu demütigen. Wenn Du die Wahrheit über Dich noch immer nicht kennst, so will ich sie Dir jetzt sagen. Mit zerbrochenen Gliedern und kraftlos liegst Du hier und wirst in der Blüte deiner Jahre sterben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Und warum muss ich das? Was hat sich Gott dabei gedacht, mich erst zu&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;dem höchsten Ziel zu berufen und mir dann die Kräfte zu versagen, mit denen ich es erreichen kann, und mich gerade jetzt von dem Werk wegzureißen, wo ich die Reife erlangt habe, damit zu beginnen? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Du wagst es, Gott die Schuld dafür zu geben, dass Du&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;selbst Deine Gesundheit in Ausschweifungen und Verrücktheiten ruiniert hast und damit Deinen frühzeitigen Tod herbei rufst? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Pastor Schönheyder sollte Herrn Ewald nicht das Sakrament&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;verweigern. Herr Ewald ist doch kein schlechter Mensch. Er ist doch hoch begabt und … &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ja freilich. Er war geschaffen zu einem Gefäß der Ehre.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Aber er hat sich selbst zu einem Gefäß der Unehre gemacht. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ihr seid nicht der Richter über mich und mein Werk. Alle sagen, dass ich&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;der größte Dichter meines Volkes bin. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Das behaupten Schmeichler von der blendenden&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Scheinwelt des Theaters. Was gilt deren Lobhudelei gegenüber dem Gericht der Wirklichkeit. Ja, Du hast von Mut und großen Taten gesungen, aber selbst bist Du ein Stümper ohne Mumm in den Knochen. Was helfen die hohen Worte, wenn das lebende Beispiel alles wieder niederreißt? Einige schöne Gedichte sind Dir tatsächlich gelungen, ich weiß das, denn ich schreibe selbst auch Gedichte. Aber hinter den Versen steht kein richtiger Mann. Und darum wird auch nicht eine einzige Zeile von Dir bis zur nächsten Generation überleben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Madam Schou &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Aber Herr Ewald hat immer ein gutes Herz gehabt, so ein gutes&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Herz, meine ich. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Sie muss verstehen: Nicht ich bin es, der ihm das&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Sakrament verweigert. Es ist das Wort des Herrn. Ein Sünder, der nicht Reue zeigt, ist unwürdig, Christi Fleisch und Blut zu empfangen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich habe keine Kräfte, Euch zu widersprechen. Es kann sein, dass Ihr&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;recht habt. Ein vergeudetes Leben, ein unnützer Tod, schreibt das auf meinen Grabstein. Aber das weißt Du ja, Gott, ich habe Dich geliebt … Dich geliebt in Deinem schönen Schöpferwerk … in diesem reichen Leben, so reich, dass man nie genug davon kriegen kann, selbst wenn es erbärmlich ausfällt. Ich habe Dich geliebt in der Väter Geist, in der Sprache Wohlklang, in der Erscheinungen Flug. Ich war so stolz, auf ein altes Volk hören zu können, das groß war in Sieg und in Gram. Und dann der Buchenwald, wo die kleinen Sänger nisten und zwitschernd ihr Nest verraten … &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt; text-indent: 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Großer Gott, Du weißt, ich habe Dich geliebt in der gewaltigen See und in&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt; text-indent: 0.15pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;der kleinen Blume, in den Tausenden von Wundern Deiner Schöpfung. Ich habe Dich geliebt in Deiner Kirche Mysterien, in Taufe und Nachtmahl und Gebet, und in Deiner Welt Mysterien, im Kriegsgetümmel und in der Liebe. Selbst in der Sünde habe ich Dich geliebt, Herr mein Gott, denn auch die hast Du erschaffen in Deiner unermessenen Allmacht und Weisheit, selbst im Satan habe ich Dich geliebt, denn er gab mir die Sinne, mit denen ich Dich verherrlicht habe. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(weiß im Gesicht) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Hör auf! Das sind gotteslästerliche&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Worte. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Aber am meisten habe ich Dich geliebt in Deinem stolzen Sohn, dem &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Streiter von Golgatha, der waffenlos auszog gegen Sünde und Tod und siegte … für uns alle. Wir anderen mögen mit Hilfe des Bösen siegen, er vermochte es mit Gutem allein. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(wirft sich voller Verzweiflung und Seelennot auf die Knie) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Und wenn Du mich jetzt verwirfst, Herr und Gott in der Höhe, dann&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;werde ich Dich dennoch für alles lieben, was Du mir geschenkt hast, und Deine Hand küssen, auch wenn sie mich fort stößt. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(steht hinter seinem Stuhl) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Wer soll das denn sein, der Dich verwerfen will,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;span style="mso-tab-count: 1;"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Johannes? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Arendse! Arendse? … Arendse aus meiner Jugendzeit! Du, die einzige&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Frau, die meine Seele geliebt hat. Wie kann das sein, dass Du hierher kommst … so jung, so strahlend jung? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich komme, weil ich Dich liebe. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Du liebst mich nicht! Sag’, dass Du das nicht tust, sondern mich hassest, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;weil ich damals von Dir weggelaufen bin und zugelassen habe, dass Du Dich jemandem an den Hals geworfen hast, von dem Du jetzt sagst, dass Du nie etwas für ihn übrig hattest. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich liebe Dich, Johannes. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Diese Sünde kann ich doch nicht mitschleppen in das Reich des Todes.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Anmutig, schön warst Du, so schön wie jetzt. Kalt wie die Sterne waren Deine Lippen, doch Deine Küsse waren so brennend heiß wie die Mittagssonne. Ich hätte Pfarrer werden sollen mit Dir als meiner Gattin. Aber ich warf mich weg in Trunksucht und Hurerei, und dann hat man Dich einem anderen gegeben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Und doch habe ich Dich bekommen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Wieso hättest Du mich bekommen? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ich bin nicht Arendse … ja, das bin ich auch … aber ich bin zugleich &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;eine andere. … Schau mich doch an, erkennst Du mich nicht, mein Geliebter und mein Sohn? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Du bist so jugendfrisch. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ja, denn ich bin doch Dänemark. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Ist Dänemark nicht ein altes Mütterchen? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(lacht) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Nein, Ewald, denn ich bin es ja. Nun, wo das Gefäß Deines&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;irdischen Leibes dabei ist, zerbrochen zu werden, komme ich, um Dir dafür zu danken, dass Du Deinen Geist Dänemark geschenkt hast als ein Siegesopfer. Die Gefahr unseres Volkes heißt: nett sein, freundlich sein. Aber das Donnergrollen und der Wellengang Deiner Wortes wird weiterleben und uns an den hohen Ruf unserer wahren Bestimmung mahnen. Jedes Mal, wenn wir zurückweichen und nachgeben wollen, sollst Du in unserem Volk mutige Mannhaftigkeit hervorrufen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Wer sind die reitenden Gestalten dort? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Arendse &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Kannst Du sie sehen? Hörst Du auch ihren Gesang? Das sind &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Könige, die Könige der Zukunft, und das ist das Volk, das sich stets in seinen Schicksalsstunden um seine Könige scharen wird mit Deinem Wort. Steh auf, Ewald, an meiner Hand kannst Du Dich erheben vor Deinem Wort. Dieses Wort wird leben, wie auch Dänemark leben wird. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;Als der Gesang zu Ende ist, sinkt er zurück in seinen Lehnstuhl. Sie küsst seine Stirn, lächelt ihm zu und entschwindet. Madam Schou steht bei ihm und streichelt seine Hand. &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(steht auf von seinem Gebet) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Der Herr hat mir überirdische&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Erscheinungen zuteil werden lassen. Ich stand vor dem brennenden Dornbusch. Johannes Ewald, kriegst Du noch alles mit? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Wer ruft nach mir? &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Pastor Schönheyder &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Dein Erlöser selbst, Dein Anführer im Streit. Sieh, hier ist&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.25pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;er bei Dir mit der Vergebung aller Deiner Sünden &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"&gt;(reicht ihm das Sakrament) &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;in seinem Leib, der für Dich in den Tod gegeben wurde, und in seinem siegreichen Blut. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 16pt;"&gt;Ewald &lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;Angst umgibt mich, Dunkelheit steht vor mir … &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Doch rasch führ mich durch Lärm und Spiel, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;durch Kampf und Sieg zu meinem Grab … &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Nein, nicht zum Grab, nicht nur bis zum Grab, sondern darüber hinaus. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Rüst Dich, du Held von Golgatha, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;heb deinen roten Schild, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;denn Sünd und Schreck, du siehst es ja, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;bedrängen mich so wild. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Streck aus den Speer in deinem Harm &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Nach den’, die drohen mir, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;und feg sie mit gewaltgem Arm &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;vom Licht und auch von mir. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Dein’ Hand ergreif ich wohlgemut &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Und fürcht nicht mehr den Tod. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="Default" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-size: 14pt;"&gt;&lt;span style="font-family: Garamond;"&gt;Mein’ Geist geb ich in deine Hut &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt 35.4pt; text-indent: 35.4pt;"&gt;&lt;i&gt;&lt;span lang="DE" style="font-family: Garamond; font-size: 14pt;"&gt;Und alle Leibesnot.&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2653169122922592033-6886827114997209469?l=kajmunk-deutsch.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/feeds/6886827114997209469/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/11/ewalds-tod-zu-schauspiele.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/6886827114997209469'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/6886827114997209469'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/11/ewalds-tod-zu-schauspiele.html' title='Ewalds Tod'/><author><name>TinyZorro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/04141202525068564783</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2653169122922592033.post-7636716718405377427</id><published>2010-08-23T09:27:00.000-07:00</published><updated>2010-08-31T01:36:22.431-07:00</updated><title type='text'>Kaj Munk und die Rettung der dänischen Juden 1943</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style="mso-bidi-font-weight:normal"&gt;&lt;span style="font-family:Tahoma;font-size:14.0pt;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt; &lt;p&gt;&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Zum Gedenken daran, daß Kaj Munk vor 100 Jahren, am 13. Januar 1898, in Maribo auf Lolland geboren wurde:&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;“&lt;b&gt;&lt;span style="font-size: 16pt;font-size:130%;"&gt;Mit Gottes Hilfe das Volk zum Aufruhr bringen ... ” &lt;/span&gt;&lt;/b&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;b&gt;Die Rettung der dänischen Juden 1943 und die prophetische Botschaft des Märtyrers Kaj Munk&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Dieser auffällige Satz “Mit Gottes Hilfe das Volk zum Aufruhr bringen ... ” stammt aus einer Predigt des dänischen Landpfarrers und Dichters Kaj Munk am 5. Dezember 1943 in einem Gottesdienst im Kopenhagener Dom. Es war die erste kirchliche Veranstaltung, die die Deutschen seit dem Tag der Besetzung, dem 9. April 1940, verboten hatten; Kaj Munk war zu dieser Zeit in der dänischen Hauptstadt persona non grata. Der Kontext des Satzes lautet: &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Nur eins will ich sagen: Wenn man hier im Lande mit der Verfolgung einer gewissen Gruppe unserer Landsleute anfängt, nur um ihrer Abstammung willen, dann ist es christliche Pflicht der Kirche zu rufen: Das ist gegen das Grundgesetz im Reiche Christi, die Barmherzigkeit, und das ist verabscheuungswürdig für jedes freie nordische Denken. Und die Kirche muß weitergehen, ohne sich beirren zu lassen. Geschieht das noch einmal, dann wollen wir mit Gottes Hilfe versuchen, das Volk zum Aufruhr zu bringen. Denn ein christliches Volk, das tatenlos zusieht, wenn seine Ideale mit Füßen getreten werden, gibt dem tödlichen Keim der Verwesung Einlaß in seinen Sinn, und Gottes Zorn wird es treffen.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"&gt;&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;  &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ein dänischer lutherischer Pfarrer drohte wegen der Judenverfolgung durch die Deutschen mit Aufruhr. Genau einen Monat später, am 5. Januar 1944, fand man bei Hørbylunde Bakke, kurz vor Silkeborg, die Leiche Munks.. Am Abend zuvor hatte ihn ein SS-Kommando in seinem Pfarrhaus in Vedersø an der Nordsee verhaftet und abtransportiert. Als er seine Frau, die mit fünf kleinen Kindern zurückblieb, zum Abschied umarmte, sprach er ihr Mut zu: “Vertraue auf Gott!” Das Auto der SS fuhr lange durch die Nacht des 4. Januar 1944, hielt schließlich unterwegs, und Kaj Munk wurde kaltblütig erschossen. Es war ein von Hitler und Himmler angeordneter Terrorschlag gegen die dänischen “Freiheitsskämpfer”. Pastor Munk war eine Symbolfigur des Widerstands gegen die deutschen Besatzer.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote2anc" href="#sdfootnote2sym"&gt;&lt;sup&gt;2&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Der Plan der Deutschen, im Oktober 1943 auch Dänemark endlich “judenrein” zu machen und die dänischen Juden der “Endlösung” zuzuführen, hatte den dänischen Widerstand kleinerer Gruppen, der seit Mitte 1943 bereits eskalierte, zu einer Sache weiter Kreise der dänischen Bevölkerung gemacht.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote3anc" href="#sdfootnote3sym"&gt;&lt;sup&gt;3&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Munks Predigt in Kopenhagen drückte aus, was viele im Lande empfanden: Was man mit unseren jüdischen Mitbürgern machen will, ist erstens unchristlich und zweitens ein Schlag gegen unser freies nordisches Denken. Das werden wir Dänen nicht hinnehmen; wir werden mit allen Mitteln etwas dagegen unternehmen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Dänemarks Bevölkerung zur Zeit des 2. Weltkriegs betrug gegen 4,5 Millionen Menschen. Vor dem Krieg lebten ungefähr 6.000 Juden in Dänemark. Zu Beginn des Jahrhunderts waren genau 3.476 Juden registriert. Der größte Teil von ihnen wohnte im Großraum Kopenhagen. Während der russischen Revolution kamen 3.146 jüdische Flüchtlinge ins Land. Sie belebten die jüdische Gemeinde und arbeiteten meist als strebsame kleine Handwerker, Kleinkaufleute oder Angestellte. Die Juden waren seit 1814 voll anerkannte, in die Gesellschaft integrierte dänische Staatsbürger.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Seit 1933 kamen etwa 4.500 jüdische Flüchtlinge ins Land, vor allem aus Deutschland, von denen rund 1.500 im Land blieben. Der größte Teil derer, die weiterzogen, waren junge Leute, die ein Jahr lang in der Landwirtschaft ausgebildet wurden, dort wegen ihres Eifers und ihrer bescheidenen Höflichkeit hoch angesehen waren und dann nach Palästina gingen, um sich in den dortigen jüdischen Siedlungsprojekten zu engagieren. Die dänische evangelische Kirche leistete für manche jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland humanitäre Hilfe, half ihnen während ihres Aufenthaltes in Dänemark und bei der Weiterreise. Im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf befindet sich als Gabe von Frau Lili Kopecky eine umfangreiche Akte über diese Maßnahmen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Zahl der Angehörigen der politisch unbedeutenden dänischen nationalsozialistischen Partei - sie spielte fast nur in Nordschleswig eine Rolle - war kleiner als die Zahl der dänischen Juden. Vereinzelt, nur als Ausnahme, gab es auch antisemitische Äußerungen im Dänemark der dreißiger Jahre. Hingegen: Als Reflex auf die “Reichskristallnacht” im großen deutschen Nachbarvolk und ohne die übliche außenpolitische Rücksichtnahme verabschiedete das dänische Parlament im Jahre 1939 eine Ergänzung zum dänischen Strafgesetzbuch. Darin heißt es, daß jeder mit Gefängnis bestraft wird, der gegen irgendeinen Teil der dänischen Bevölkerung wegen dessen Religion, Abstammung oder Herkunft durch übles Nachreden oder falsche Behauptungen Hetze betreibt.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote4anc" href="#sdfootnote4sym"&gt;&lt;sup&gt;4&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Am 9. April 1940 überfielen deutsche Truppen das Land unter Bruch eines im Jahr zuvor geschlossenen Nichtangriffspaktes. Die dänische Regierung befahl nach kurzem militärischen Widerstand die Einstellung von Kampfhandlungen und arrangierte sich mit dem Aggressor. Dänemark erhielt daher unter den von Deutschen besetzten Ländern zunächst einen Sonderstatus: König und Regierung blieben im Amt, alle Behörden arbeiteten weiter wie bisher, die dänische Armee und die dänische Polizei taten weiterhin Dienst. Es gab sogar noch am 23. März 1943 Wahlen zum Folketing.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote5anc" href="#sdfootnote5sym"&gt;&lt;sup&gt;5&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Das Land blieb - unter Oberaufsicht des Auswärtigen Amtes in Berlin - formal ein autonomer Staat und galt bei den Deutschen als “Musterprotektorat”, das sich selbst verwaltete. Ein befriedetes Dänemark war für die deutsche Kriegswirtschaft sehr wichtig. Das Agrarland wurde zu einem der wichtigsten Nahrungsmittellieferanten für Deutschland im Kriege, die dänischen Werften wurden als Repararturstätten für die deutsche Flotte notwendig gebraucht, der Weg der schwedischen Erzlieferungen für die deutsche Rüstungsindustrie blieb offen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Bis zum August 1943 dauerte diese Periode an, aus der beide Seiten Nutzen zogen. Die Dänen sprechen heute von dieser Phase als der “Verhandlungszeit”, kritische Dänen freilich von Kollaboration. Schikanierung oder Verfolgungen der dänischen Juden durch die Deutschen während dieser Zeit hätten zum Rücktritt der Regierung, zu Unruhen im Lande und zur Gefährdung der Lieferungen nach Deutschland geführt. Sie unterblieben daher völlig. So unterblieb 1941 auch die Durchführung der Judensternverordnung.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote6anc" href="#sdfootnote6sym"&gt;&lt;sup&gt;6&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Selbst der Führer der dänischen NS, Frits Clausen, äußerte, daß Zehntausende arischer Dänen protestieren würden, wenn dänische Juden den Judenstern tragen müßten, und riet davon ab.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote7anc" href="#sdfootnote7sym"&gt;&lt;sup&gt;7&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Die dänischen Juden verhielten sich im übrigen unauffällig und fühlten sich relativ sicher.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Nach einer Welle von Sabotageakten der Freiheitskämpfer und um den Generalstreik in mehreren Großstädten gewaltsam zu beenden, wurde am 29. August 1943 der militärische Ausnahmezustand über Dänemark verhängt; die dänische Armee und die Polizei entwaffnet und interniert. Daraufhin trat die dänische Regierung zurück. Die dänische Flotte entzog sich der Übergabe an die Deutschen durch Selbstversenkung. Kaj Munk bezeichnete in einer Predigt am 29. August 1943 diesen Tag als einen stolzen Tag für Dänemark.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote8anc" href="#sdfootnote8sym"&gt;&lt;sup&gt;8&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Für ihn wie für viele Dänen waren die Fronten endlich klar: Es herrschte offen Krieg zwischen Dänemark und Deutschland, die Phase der Kollaboration war vorbei. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die deutsche Staatsführung, Hitler, Himmler und Ribbentrop und der zeitweilig entmachtete Bevollmächtigte des deutschen Reiches in Dänemark, Dr. Werner Best,&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote9anc" href="#sdfootnote9sym"&gt;&lt;sup&gt;9&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; wollten diese Situation für die bislang aufgeschobene Eliminierung der dänischen Judenschaft nutzen. Dänemark sollte endlich mit Gewalt “judenfrei” gemacht werden, solange der Ausnahmezustand andauerte. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Best machte dazu detaillierte Vorschläge in Berlin, erbat zusätzliche Polizeikräfte und ein großes Schiff zum Abtransport der dänischen Juden über die Ostsee in die Vernichtungslager des Ostens, wies aber auch auf die Schwierigkeiten der Aktion, den zu erwartenden Protest der Bevölkerung, die schwachen eigenen Sicherheitskräfte, die Gefährdung der Lebensmittellieferungen nach Deutschland hin. Als Termin der Aktion wurde die Nacht vom 1. zum 2. Oktober 1943 festgesetzt. Die Führung der deutschen Besatzungsarmee in Dänemark riet wegen der zu erwartenden Unruhen grundsätzlich ab und verweigerte im Vorfeld jegliche Hilfe zu diesem Unternehmen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Mit Wissen Best’s verriet der Marinesachverständige der deutschen Botschaft in Kopenhagen, Georg Ferdinand Duckwitz,&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote10anc" href="#sdfootnote10sym"&gt;&lt;sup&gt;10&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; den Termin der Aktion an dänische Politiker und Repräsentanten der Freiheitsbewegung. Diese verständigten die jüdische Gemeinde und die dänischen lutherischen Bischöfe. Dänemark war alarmiert! Sogleich tauchten fast alle dänischen Juden unter. Sie wurden in Krankenhäusern, Kirchen, Gemeindehäusern usw. im Lande versteckt und größtenteils bei Nacht und Nebel, unter abenteuerlichen Verhältnissen mit allen möglichen kleinen Seefahrzeugen über die Ostsee nach Schweden gebracht. Zigtausende von Dänen beteiligten sich an diesen Untergrundaktionen, die längere Zeit anhielten. Die dänischen Freiheitskämpfer sprachen - voll Spott gegenüber dem Lebensmittelexport der Kollaborateure - von “Judenexport” Es gibt zahllose Einzelberichte über schwierige und am Ende doch erfolgreiche Rettungen, doch auch von Tragödien wie der Verhaftung von 80 Juden am 6. Oktober, die auf dem Boden des Dachs der Kirche von Gilleleije auf Seeland versteckt worden waren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die schwedische Regierung erklärte sich über Radio - damit war die Sache öffentlich - zur Aufnahme sämtlicher ins Land strömenden jüdischen Flüchtlinge bereit. Das war ein Erfolg der Bemühungen des weltberühmten Atomphysikers Niels Bohr, der aus dänisch-jüdischem Milieu stammte und sich zu der Zeit in Schweden aufhielt. Es ging aber wohl auch auf Verhandlungen zurück, die Duckwitz - mit Wissen Best’s - mit schwedischen Behörden führte. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Fraglos haben sich sowohl Best als auch Duckwitz über persönliche Direktiven Hitlers hinweggesetzt. Das hätte ihren Kopf kosten können. Best hat sich nach 1945 vor Gericht in Kopenhagen damit in ein gutes Licht gesetzt, daß er erklärte, er habe das Leben der dänischen Juden retten wollen. Tatsächlich hat er 1943, als die Verhaftung der Juden in der Beurteilung der deutschen Führung in Berlin als großer Fehlschlag gewertet wurde, einem Beamten des Auswärtigen Amtes erklärt, die Aktion sei im Endeffekt sehr erfolgreich gewesen, denn Dänemark sei jetzt völlig “entjudet”.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote11anc" href="#sdfootnote11sym"&gt;&lt;sup&gt;11&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Empörung über die Durchführung der “Judenaktion” markierte im besetzten Dänemark den Übergang von passivem zu aktivem Widerstand eines größeren Teils der Bevölkerung. Am 29. September 1943 ließen die Bischöfe der dänischen lutherischen Staatskirche durch die dänische Regierung den Vertretern der Besatzungsmacht folgende Erklärung übergeben:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Haltung der dänischen Kirche zur Judenfrage&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Wenn eine Verfolgung von Juden aus rassischen oder religiösen Gründen erfolgt, ist es die Pflicht der christlichen Kirche, dagegen zu protestieren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Erstens: Weil wir niemals vergessen dürfen, daß der Herr der Kirche, Jesus Christus, in Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren wurde gemäß der Verheißungen Gottes an sein auserwähltes Volk Israel. Die Geschichte des jüdischen Volkes bis zur Geburt Christi enthält die Vorbereitung auf das Heil in sich, das Gott für die ganze Menschheit in Christus bereitet hat. Das wird durch die Tatsache verdeutlicht, daß das Alte Testament Teil unserer Bibel ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Zweitens: Weil eine Verfolgung von Juden in krassem Gegensatz zu den Werten der Humanität und der Nächstenliebe steht, die sich aus der Botschaft herleiten, die die Kirche Jesu Christi zu verkündigen hat. Es gilt kein Ansehen der Person vor Christus, und Er hat uns zu sehen gelehrt, daß jedes einzelne menschliche Leben vor Gottes Angesicht wertvoll ist (Galater 3, 28).&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Drittens: Weil es gegen das Rechtsbewußtsein verstößt, das im dänischen Volk gilt und das fest eingewurzelt wurde in den Jahrhunderten dänisch-christlicher Kultur. Auf Grund dessen wird in der Verfassung festgestellt, daß alle dänischen Bürger die gleichen Rechte und Pflichten vor dem Gesetz haben sowie eine garantierte Religionsfreiheit als das Recht, Gott zu verehren entsprechend ihrer Berufung und ihres Gewissens. Diese  (Religions-) Freiheit garantiert, daß Rasse und Religion als solche niemals der Grund sein dürfen für die Beraubung der Bürgerrechte, der Freiheit oder des Eigentums. Trotz divergierender religiöser Anschauungen werden wir für unsere jüdischen Brüder und Schwestern kämpfen, daß sie dieselbe Freiheit behalten, die wir höher schätzen als das Leben.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Wir Leiter der dänischen Kirche besitzen ein klares Verständnis unserer Verpflichtung, gesetzestreue Bürger zu sein, die sich nicht unbedacht gegen die erheben, die die Macht über uns ausüben. Aber zur selben Zeit sind wir in unserm Gewissen gebunden, Gerechtigkeit zu verlangen und zu protestieren gegen jegliche Verletzung der bürgerlichen Rechte. Deswegen, sollte der Augenblick der Entscheidung kommen, werden wir unzweideutig das Wort befolgen, daß wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Im Namen der Bischöfe: H. Fuglsang-Damgaard&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote12anc" href="#sdfootnote12sym"&gt;&lt;sup&gt;12&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Diese Protesterklärung war weitsichtig eine ganze Zeit zuvor von einer Gruppierung politisch bewußter, kritischer Pfarrer - “Præsternes uofficielle Forening” (PUF) - zusammen mit Bischof Fuglsang-Damgaard erarbeitet worden. Sie wurde von den sieben Bischöfen der lutherischen Staatskirche auch an alle Pfarrer gesandt und am 3. Oktober von allen 1200 Kanzeln als Hirtenbrief verlesen &lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote13anc" href="#sdfootnote13sym"&gt;&lt;sup&gt;13&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; - auch in der Kirche von Vedersø durch Kaj Munk. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Am 4. Oktober 1943 verbreitete der dänische Freiheitsrat, der sich am 16. September 1943 konstituiert hatte, folgende öffentliche Erklärung aus dem Untergrund:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Der dänische Freiheitsrat verurteilt scharf die Pogrome, die die Deutschen gegen die Juden in unserem Land in Gang gesetzt haben. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Juden bilden innerhalb unserer dänischen Bevölkerung nicht eine abgesonderte, spezielle Kaste, sondern sie sind genau so dänische Bürger wie alle anderen. Mit den antijüdischen Pogromen beginnen die Deutschen somit, den dänischen Rechtsstaat und die dänische Rechtsordnung systematisch zu zerstören. Deswegen muß ab jetzt jeder Kontakt zwischen dänischen und deutschen Aktivitäten abgebrochen werden. Daher fordern wir hiermit jedes Mitglied der dänischen Verwaltung oder Polizei auf, alle Kooperation mit den Deutschen abzulehnen, und alle dänischen Arbeiter, jegliche Arbeiten für die Besatzungsmacht einzustellen oder zu verweigern.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Der Freiheitsrat stellt fest, daß die Deutschen wie üblich die Juden beschuldigen, hinter den Sabotageanschlägen und dem Aufruhr in Dänemark zu stehen, aber noch nicht einmal versucht haben, auch nur den geringsten Beweis für diese Behauptung zu erbringen. Wir Dänen wissen, daß die ganze Bevölkerung hinter dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer steht. Der Freiheitsrat ruft die dänische Bevölkerung auf, auf jede nur möglichen Weise den jüdischen Mitbürgern zu helfen, die noch nicht ins Ausland flüchten konnten. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Jeder Däne, der es unternimmt, den Deutschen bei ihrer Menschenjagd zu helfen, ist ein Vaterlandsverräter und wird als solcher bestraft, wenn Deutschland niedergerungen ist.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote14anc" href="#sdfootnote14sym"&gt;&lt;sup&gt;14&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Das deutsche Militär begünstigte größtenteils die dänischen Rettungsaktionen, obwohl auch von Brutalitäten der deutschen Einsatzkommandos berichtet wird. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;In Kopenhagen verhaftet&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Am 1. Oktober um 22 Uhr wurde plötzlich heftig an meine Wohnungstür geklopft. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zu öffnen. Vor mir standen zwei riesige deutsche Soldaten mit Gewehren in den Händen, außerdem drei in Zivil gekleidete Personen, die drohend mit ihren Revolvern fuchtelten. Sie befahlen mir, mich sofort anzuziehen, und wühlten in der Zwischenzeit alle meine Schränke durch. Es waren nicht einmal fünf Minuten vergangen, als sie mir befahlen, ihnen zu folgen. Dabei raunten sie mir fast vertraulich zu, daß es erlaubt sei, Bargeld und Wertsachen mitzunehmen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Soldaten ließen mich ein Stück vorausgehen, und ich erwog in Gedanken, ob sich vielleicht eine Fluchtmöglichkeit bot. Ich traute mich jedoch nicht, ein so großes Risiko einzugehen. Endlich hielten wir vor der Tür des “Forums” an, wo deutsche Offiziere standen. Einer von ihnen war besonders aggressiv und versetzte mir einige harte Schläge auf den Kopf, so daß ich umfiel, und ein anderer befahl, kaum daß ich wieder auf den Beinen war, mich an die Mauer zu stellen. Der Platz, auf dem ich stand, war von Scheinwerfern erleuchtet, es war mir jedoch nicht möglich, die Person zu erkennen, die den Soldaten befahl: “Anlegen!” Ich wartete ruhig und gefaßt darauf, welche Körperteile zuerst von den Kugeln getroffen würden, und wünschte mir, mein Leben schnell und ohne lange Qualen beenden zu können. In diesen wenigen Sekunden dachte ich an meine Familie. Plötzlich hörte ich eine neue Stimme, die mir befahl, auf einen LKW zu steigen, der in der Nähe stand.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ich erreichte den Wagen in der Dunkelheit, mußte hinaufklettern und verblieb einige Zeit in volllkommener Dunkelheit, eingeschlossen. Dann wurde aufgemacht, und einige Leute wurden hereingelassen, danach wurde wieder abgeschlossen. Der LKW wurde so beladen, daß wir uns alle klein machen mußten, um überhaupt Platz zu haben. Endlich wurde abgefahren - aber wohin, das wußte keiner von uns.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote15anc" href="#sdfootnote15sym"&gt;&lt;sup&gt;15&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die deutschen Schnellboote der Küstenbewachung vor Seeland waren zu der Zeit zur Wartung aufgedockt, so daß die Passage nach Schweden wenig kontrolliert werden konnte. Duckwitz hatte den Kommandanten der deutschen Marineeinheiten in Kopenhagen dahingehend beeinflußt. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="CENTER" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;History Footnote&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;To the editor of “The Jerusalem Post”: Sir,  the story of the Britain naval officer who in 1939 let the ship “Arthemisia” unload its refugees on the beach of Herzliya before going in action to capture the empty ship (letter from George Taussing on January 15, 1979) has a parallel in colder waters.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;In Oktober 1943, when the Yews of Denmark were being hidden in order to keep them from being sent to concentration camps by the occupying German forces, my neighbour organized and ran a fishing boat service which took groups of Jews across the sea, at night, to safety in neutral Sweden. The German navy patrolled the sea between Denmark and Sweden; some boats were caught, but most were not. The Jews who were caught were sent to Germany and the non Jewish Danish crew were either sent with them or shot.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;On a dark and rough night, my neighbour sailed with lights out and the fish-hold full of Danish Jews. He was caught in the searchlight of a German navy patrol boat which ordered him to stop, and kept him covered.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;The German captain shouted: “What are you carrying?” And Ole shouted back: “Fish.” The captain then jumped onto the deck of the boat, leaving his crew to cover him, and demanded that the hatches to the fish-holds be removed. He stared a long time at several dozen frightened people looking up to him. Finally, he turned and said to Ole, in a loud voice that could be heard by his own crew as well: “Ah, fish!” Then he turned to his boat and sailed into the night.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ulrik Plesner&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;span lang="en-US"&gt;Moshav Amidnadav&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote16anc" href="#sdfootnote16sym"&gt;&lt;sup&gt;16&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Als die Polizeiaktion begann, hatten die deutschen Einsatzgruppen den Befehl, nur einmal an jüdischen Wohnungstüren zu klingeln und gleich wieder abzuziehen und nicht mit Gewalt in die Wohnung einzudringen, wenn niemand aufmachte. So wurden statt der ungefähr 8000 dänischen Juden nur an die 600 verhaftet, meist alte, gebrechliche oder mittellose Leute. Ein Teil von ihnen entkam dann noch aus den Lagerschuppen am Hafen, wo sie gefangen gehalten wurden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Wegen der großen Proteste der Bevölkerung, die in der internationalen Presse ausführlich kommentiert wurden - es handelte sich um deutsche Judenverfolgungen in einem nominell noch immer autonomen Land - wurden die restlichen 481 in deutscher Hand befindlichen dänischen Juden nicht in die Vernichtungslager im Osten, sondern 454 von ihnen zunächst in das “Muster-KZ” Theresieenstadt gebracht. Dort wurden sie mehrfach von Delegationen des Internationalen Kreuzes besucht. Ungefähr 20 dänische Juden wurden nach Ravensbrück und Sachsenhausen abtransportiert; drei jungen Männern gelang unterwegs die Flucht. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Aufgrund massiver dänischer Proteste reiste Adolf Eichmann am 2. November 1943 nach Kopenhagen und sagte Best zu, daß dänische Juden über 60 Jahren nicht mehr festgenommen würden, Halbjuden und Juden in Mischehen nach Dänemark zurückkehren und daß die dänischen Juden in Theresienstadt bleiben könnten und nicht “in den Osten” weiter transportiert würden. Noch 1960 vor Gericht in Jerusalem ärgerte er sich: “Dänemark hat uns mehr Schwierigkeiten bereitet als jedes andere Land.”&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote17anc" href="#sdfootnote17sym"&gt;&lt;sup&gt;17&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Von den verschleppten dänischen Juden überlebten 431. Die im KZ starben, erlagen normalen Krankheiten. Als Fazit bleibt: Fast die gesamte dänische Judenschaft entkam dem Holocaust, weil sich die übrigen Dänen vor ihre jüdischen Volksgenossen stellten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Wie kam es, daß in diesem kleinen skandinavischen Land ein so sensibles öffentliches Klima in bezug auf die Verfolgung der jüdischen Mitbürger herrschte? &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ein in seiner Bedeutung bisher unzureichend herausgestellter Faktor bei der Sensibilisierung der dänischen Öffentlichkeit stellt die prophetische Botschaft des Pfarrers und Dichters Kaj Munk dar. Unermüdlich - und weithin zustimmend beachtet - protestierte er gegen die ideologische Verherrlichung der nordischen Rasse, gegen die Judenverfolgungen im deutschen Machtbereich seit 1933 und dagegen, daß im deutschen Protestantismus die Einsicht weithin fehlte, daß Jesus von Nazaret ein Jude war und die Judenverfolgungen sich also gegen die Geschwister Jesu richteten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Kaj Munk wurde am 13. Januar 1898 in Maribo auf Lolland geboren. Sein Vater war Gerbermeister, Besitzer eines eigenen Betriebes, seine Mutter stammte von einem Bauernhof. Beide Eltern starben kurz hintereinander, als Kaj noch sehr jung war. Er wurde von kinderlosen Verwandten, Kleinbauern in Opager bei Maribo, adoptiert. Diese hielten sich zu erwecklichen Kreisen der “Indre Mission”. Die Freude an Gottes Wort und die standfeste Gläubigkeit seiner neuen Eltern, besonders der durch ein heimtückisches Beinleiden behinderten Mutter Marie, prägten ihn entscheidend.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Sein Lehrer in der Volksschule, Mart Wested, und ein junger Pastor in der Gemeinde, Oscar Geismar, beide Volkspädagogen im Sinne Grundtvigs, erkannten seine Begabung und förderten sein literarisches Talent. Ihnen verdankt er die Ehrfurcht vor den christlichen Werten, die das dänische Volk bestimmten, und sie weckten in ihm die Freude an Menschheitsgeschichte und Literatur. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Schon als junger Mensch verfaßte Kaj Munk beachtliche Texte: Balladen, Gedichtzyklen, Dramen. Er überlegte sogar, das Theologiestudium, das ihm seine Eltern unter großen Opfern ermöglichten, zugunsten ausschließlich schriftstellerischer Tätigkeit aufzugeben. Davon hielt aber seine Mutter überhaupt nichts. So studierte er weiter und bestand das Examen für das Pfarramt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Vom Januar 1924 bis zu seiner Ermordung im Januar 1944 lebte und arbeitete er hingebungsvoll als Pfarrer in Vedersø bei Ulfborg, einer kleinen Landgemeinde direkt an der Nordsee. Bis heute erzählt man sich dort Geschichten, die man mit Pastor Munk - dem treuen Seelsorger, dem leidenschaftlichen Jäger, dem fröhlichen Familenvater, dem entschiedenen Gegner des Alkohols - erlebte. Aber er führte auch in der Abgeschiedenheit der kargen Dünenlandschaft seine literarischen Arbeiten weiter. Im Jahre 1928 spielte das Königliche Theater in Kopenhagen erstmals sein Bühnenstück über Herodes den Großen: “Ein Idealist”. Dadurch wurde er als Dramatiker bekannt. Mitte der dreißiger Jahre spielte man in Kopenhagen zeitweilig vier Stücke von ihm in verschiedenen Theatern gleichzeitig. Die königliche Regierung ehrte ihn mit einem jährlichen Dichtersold, den er seiner Gemeideschwester und der Armenkasse des Dorfes weitergab.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Zwei Schauspiele besonders begründeten seinen Ruhm in ganz Skandinavien: “Das Wort” heißt das eine. Es spielt unter den Bauern eines jütländischen Dorfes und handelt vom unfaßbaren, frühen Sterben, vom Glauben an das Wunder der Auferweckung, von Vernunft und Wahnsinn. “Das Wort” wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den großen dänischen Regisseur Carl Theodor Dreyer verfilmt. Von dem anderen Theaterstück, “Er sitzt am Schmelztiegel”, wird später noch ausführlich die Rede sein.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Kaj Munk war in den dreißiger Jahren ein viel gelesener Kolumnist in den großen dänischen Tageszeitungen: Anfänglich war er ein Kritiker der parlamentarischen Demokratie und machte aus seiner Bewunderung für Mussolini keinen Hehl, was sich nach dem Überfall Italiens auf Abessinien schlagartig in sein Gegenteil verkehrte. Hitler sah er von Anfang an kritisch wegen der Terrorisierung der Juden seit dessen Machtübernahme. Das Rassedenken der Nationalsozialisten erschien ihm absurd. In den theologischen Äußerungen der Glaubensbewegung der “Deutschen Christen” sah er nichts als - zudem törichte . Häresien. Am 29. November 1936 veröffentlichte er in der “Jyllands-Posten” eine scharfe, ironische Auseinandersetzung mit dem Buch des deutschen Erfolgsautors Gustav Frenssen:&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote18anc" href="#sdfootnote18sym"&gt;&lt;sup&gt;18&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; “Der Glaube der Nordmark”, dessen dänische Übersetzung gerade erschienen war. Er überschrieb sie: “Das christenfeindliche Deutschland”&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote19anc" href="#sdfootnote19sym"&gt;&lt;sup&gt;19&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;. Darin heißt es in bezug auf die Verherrlichung der nordischen Rasse:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Für uns Nordländer ist die deutsche Apotheose des Nordischen etwas Unerträgliches. Wir fragen mit spöttischem Lächeln, ob der Ariergeist etwas so Hervorragendes sein kann, da er sich fünfzehn Jahrhunderte lang von einem grünen Jungen wie Jehova tyrannisieren ließ. Wir zweifeln an der Kraft des deutschen Blutes, wenn wir hören, daß es ganz und gar verdorben sein soll bei einem Individuum, bei dessen Großmutter es vermutlich ein wenig nichtarischen Zusatz hatte. ... Und wir sind höchst erstaunt darüber,  daß ein so stolzer und erhabener Stamm wie der germanische einen Bund mit den Italienern und Japanern suchen muß, um sich in der Welt zu behaupten. Schließlich notieren wir, daß ein germanisches Volk die Erde regiert, aber nicht das deutsche, sondern das englische, das es sich immer leisten konnte, auf eine Betonung der eigenen Vortrefflichkeit zu verzichten und es nie nötig hat, sich einen pfarramtlichen Ausweis über die Abstammung der Großmutter zu beschaffen.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote20anc" href="#sdfootnote20sym"&gt;&lt;sup&gt;20&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Und dann rechnet er mit dem Versuch Frenssens ab, die unauflösliche Verbindung zwischen Israel und den Christen, zwischen dem christlichen Gottesglauben und dem Juden Jesus von Nazaret wegzuinterpretieren:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Was ist das Zentrale im Christentum? Nicht Golgata, nicht der Versöhnungstod, nicht die Dreieinigkeit, nicht die Vergebung der Sünden, nicht die Jungfrauengeburt, nicht das Abendmahl. Das Zentrale im Christentum ist Jesus. Nicht weniger, nein, aber wahrhaftig auch nicht mehr ... Aber dieser Jesus war Nicht-Arier! Das müssen wir in der Tat zugeben. Als Gott seinen Sohn geboren werden ließ, konnte er dafür kein Herrenvolk mit der Anlage zum Größenwahn gebrauchen. Es ist groß, Arier zu sein, aber es ist doch noch größer, Mensch zu sein. ... Jesus war ein Jude, und "Sohn Davids" und "Sohn des Menschen" waren die zwei Würdenamen, die er so souverän miteinander vereinen konnte, daß zweitausend Jahre davor gekniet haben.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote21anc" href="#sdfootnote21sym"&gt;&lt;sup&gt;21&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Zu dem Juden Jesus hat Kaj Munk sich auch sonst deutlich bekannt. Gerade dieser Jude war Kern und Stern seines Glaubens,&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote22anc" href="#sdfootnote22sym"&gt;&lt;sup&gt;22&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; seiner Predigten,&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote23anc" href="#sdfootnote23sym"&gt;&lt;sup&gt;23&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; seiner politischen Kommentare und seiner Dichtkunst.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote24anc" href="#sdfootnote24sym"&gt;&lt;sup&gt;24&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Am 17 November 1938 - eine Woche nach dem reichsweiten Pogrom in Deutschland, erschien in der “Jyllands-Posten” Munks offener Brief an Mussolini.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote25anc" href="#sdfootnote25sym"&gt;&lt;sup&gt;25&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Darin bat er ihn, Hitler von den Judenverfolgungen abzubringen, sie seien eines großen Kulturvolkes unwürdig. Ferner ersuchte er ihn, sich an die Spitze einer weltweiten Bewegung zu stellen, den Juden in Palästina zu einem eigenen Staat zu verhelfen. Der eigentliche Adressat des Textes war natürlich die dänische Öffentlichkeit. Munk artikulierte nicht nur den Abscheu der Mehrzahl der Dänen gegenüber der “Reichskristallnacht”, sondern er benannte eine damals oft diskutierte, in der Folge des Holocaust tatsächlich realisierte politische Lösung: Die Juden sollen in Würde und Sicherheit wieder Heimatrecht in Palästina bekommen. Daß Munks offener Brief heftig in der dänischen Presse diskutiert und Gegenstand zahlreicher Karikaturen wurde, beweist, daß seine Botschaft Hirne und Herzen der Dänen erreicht hatte.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;1938 brachte er das Schauspiel  “Han sidder ved Smeltediglen” - “Er sitzt am Schmelztiegel”&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote26anc" href="#sdfootnote26sym"&gt;&lt;sup&gt;26&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; heraus, das die menschenverachtende Verfolgung der deutschen Juden zum Thema hat. Gleichzeitig zeigt er darin den hoffnungslosen Versuch einiger nationalsozialistischer Gelehrter, nachzuweisen, Jesus von Nazaret wäre ein reinrassiger Arier gewesen: Der Konflikt des Theaterstücks besteht darin, daß eine antike jüdische Tonskulptur eindeutig als die früheste Abbildung Jesu, des Juden aus Nazaret, identifiziert wird - und das von einer deutschen jüdischen Archäologin, die unter falscher Identität an der Berliner Universität arbeitet. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Kaj Munk stellte das Stück, noch bevor sich die Dänen mit der Theaterproduktion auseinandersetzen konnte, in zahlreichen öffentlichen Lesungen zur Diskussion, einmal in Kopenhagen vor 5.000 Zuhörern. Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs sahen mehr als 160.000 dänische Zuschauer in fast allen größeren Städten den “Schmelztiegel”. Sie wurden dabei zum Beispiel mit solch absurden Haßtiraden eines deutschen Kulurfunktionärs konfrontiert:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Juden - der Kehricht im Rinnstein der Völker! Vaterlandslose Gesellen, die uns hassen, die wir ein Vaterland haben, diese aus allem Zusammenhang Herausgerissenen, die bar jeden Glaubens, bar aller Ideale sind, sie haben ihren widerlichen Zusammenhalt wie Ratten mit Krebsgeschwüren, denen die Schwänze zusammengewachsen sind. Alles Unglück stammt von ihnen: die Geldgier der Männer, die Liederlichkeit der Frauen, die Auflösung der Familien.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote27anc" href="#sdfootnote27sym"&gt;&lt;sup&gt;27&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Dem entgegnet in dem Stück ein deutscher Bischof ironisch, dann seien wohl auch die Juden daran schuld, wenn es regne und seine Frau die Wäsche nicht trocknen könne. Und dann sagt er ernst:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ein Jude hat meinen deutschen Mund gelehrt, jeden Morgen und jeden Abend zu sprechen: “Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern.” Geben Sie so, in christlichem Sinn, Lebensrecht für dieses Volk in unserem Volk. Denn die Menschenrechte anderen Menschen wegnehmen heißt, sich selbst zum Verbrecher zu machen.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote28anc" href="#sdfootnote28sym"&gt;&lt;sup&gt;28&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die deutsche jüdische Archäologin Sarah Levi, alias Fräulein Schmidt, tröstet ihren verfolgten Bruder, der sich trotz der Verfolgung nur als Deutscher verstehen kann:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Verzweiflung hat Tausenden und Abertausenden unserer Landsleute zugemutet, während dieses Jahrhunderts auszuwandern. So können wir es auch machen, wenn unser Tag kommt. ... Ja, wir sind Deutsche. Aber wenn wir nicht mehr länger das Recht haben, es zu sein, so ist es gut, wenn es eine andere Nation gibt, in der wir Heimatrecht bekommen. Und das ist die jüdische. Und weißt du, was die jüdische Nation ist? Ich habe es von Jeremias gelernt - ja, ich habe angefangen die Propheten zu lesen - daß es die leidende ist. Alle unverschuldet Leidenden dieser Erde und alle selbstverschuldet leidenden Menschen dieser Erde - wir gehören alle gehören zu Jehovas Volk.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote29anc" href="#sdfootnote29sym"&gt;&lt;sup&gt;29&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ihrem Chef, Professor Mensch, hält sie vor: &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Ihr Deutschen redet davon, daß Deutschland gegen eine Welt von Feinden vier Jahre lang ausgehalten habe. Aber ich? Ich habe gegen die ganze Welt vier Jahrtausende ausgehalten. Schleppt mich nach Golgata, so oft ihr wollt. Ich erhebe mich vom Tode und stehe wieder auf zu neuem Leben. Unüberwindlich. Denn Jehova ist der Gott des Lebens.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote30anc" href="#sdfootnote30sym"&gt;&lt;sup&gt;30&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Der Archäologieprofessor Mensch, ein auf seine Studien konzentrierter, unpolitischer Gelehrter, Antisemit, wie damals die Mehrzahl der Deutschen, zerstört am Ende das tönerne Bildnis des Juden Jesus vor den Augen Hitlers. Aber dann - dem Führer und den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 zum Trotz - gibt er bekannt, daß er die Jüdin Sarah Levi heiraten wird. Ein überaus wirkungsvoller, überraschender Schluß. So stellte sich Munk mit seinen Kenntnissen des Jahres 1938 die Lösung vor: Der Jude Jesus lebt und wirkt in den Menschenherzen weiter, auch wenn man sein Bildnis zerstören und die historische Wahrheit über ihn verfälschen will. Er macht schwächliche Personen wie diesen Professor Mensch zu wahren Menschen, wenn sie es wagen, Menschlichkeit zu üben. Die Probe aufs Exempel wäre, den verfolgten Juden in Deutschland endlich die vollen Menschenrechte zu gewähren. Im übrigen haben sie Recht auf ein eigenes Land. Israel soll und wird weiterleben.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Man mache sich klar, was es bedeutet, daß 160.000 von 4,5 Millionen Dänen dieses Theaterstück auf sich wirken ließen, daß sie das Erlebte in ihren Herzen bewegten und miteinander darüber diskutierten, zu einer Zeit, als es noch nicht solche seelische Erregung produzierenden Massenmedien wie heute gab. Dann kann man ermessen, welchen Einfluß die prophetische Botschaft Kaj Munks in der Judenfrage auf die dänische Öffentlichkeit hatte und welches Resistenzpotential sich dadurch in der Bevölkerung aufbaute.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote31anc" href="#sdfootnote31sym"&gt;&lt;sup&gt;31&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Hier liegt der einmalige Fall vor, daß ein Schauspiel - der “Schmelztiegel - mitgeholfen hat, daß Hunderte von Menschenleben gerettet wurden! (Arnim Juhre, Mitglied des Deutschen PEN-Clubs)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Kaj Munks öffentlicher Protest gegen die Besetzung Dänemarks durch die Deutschen war scharf. Die Kollaboration vieler seiner Landleute lehnte er von Anfang an ab. Nach der Verhängung des Ausnahmezustands am 29. August 1943 wurde sein Ton noch schärfer. Er war davon überzeugt, daß auch die Dänen etwas tun müßten, um die tyrannische Herrschaft abzuschütteln - und das ging nur durch Gewalt. So finden sich in seinen Predigten unmißverständliche verschlüsselt-unverschlüsselte Aufrufe zum Sturz Hitlers.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Denn Verbrecher können die Macht über ganze Völker an sich reißen und alle bestehenden Werte umstürzen und so viel Schändlichkeiten und Leiden verursachen, daß der Tempelritter in uns aufgerufen wird. Und da geschieht es, daß wir Christi Wort als einen Befehl vernehmen: Hängt Mühlsteine um den Hals derer, die den Kleineren und Schwächeren ans Leben wollen.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote32anc" href="#sdfootnote32sym"&gt;&lt;sup&gt;32&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Die Dänen sollten sich nach Kaj Munks Willen auf die eigenen Befreiungstraditionen besinnen, einschließlich der früheren gewaltsamen Beseitigung von Tyrannen, die das Land unterjochten. Jedem Dänen war die historische Gestalt des Freiheitshelden aus dem Mittelalter Niels Ebbesen - der jütländische Bauer ist sozusagen der “dänische Wilhelm Tell” - bekannt. Dieser, ein durch und durch friedfertiger Mann, erschlug - trotz seiner Skrupel - am 10. April 1340 den Grafen Geert, einen deutschen Eindringling, der sich ganz Skandinaviens bemächtigen wollte. Kaj Munk schrieb gleich nach dem deutschen Überfall im Frühsommer 1940 ein Bühnenstück darüber, das 1942 sogar in Kopenhagen im Druck erschien. Nur wenige Exemplare der Auflage in Höhe von 16.000 Stück fielen der Polizei in die Hände, die übrigen “verteilte” die dänische Untergrundbewegung. Munk las und interpretierte Teile des Schauspiels vom Herbst 1940 an in zahlreichen dänischen Städten. Als er daran gehindert wurde, fanden sich viele andere, die diese Protestaktion fortsetzten und Lesungen des Freiheitsdramas veranstalteten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;In einer Predigt über den barmherzigen Samariter (Lukas 10,23-37) nannte Kaj Munk Niels Ebbesen’s Tyrannenmord sogar eine Tat der Barmherzigkeit: &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; border: 1px solid #000000; padding: 0.04cm"&gt; &lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Es gibt Mitmenschen, ... denen man am besten einen Dienst erweist, indem man sie totschlägt. Dies meine ich buchstäblich. Niels Ebbesen gegen den Grafen Geert zum Beispiel. Der kahlköpfige Graf hätte sich ein paar Jahre mehr Hölle erworben, wenn seine Verbrechen am 10. April 1340 nicht gestoppt worden wären. Und wenn es nicht aus Rücksicht auf den Grafen geschehen war, so war es doch eine barmherzige Samaritertat gegenüber dem mit Füßen getretenen, leidenden Volk. ... “Du sollst deinen Feind lieben” bedeutet nicht: “Du sollst dich auf ihn einstellen und ihm recht geben.” Ganz im Gegenteil. Du sollst ihn lieben, so daß du eher in sein Gesicht spuckst, als daß du das Verbrechen ihm gegenüber begehst, ihn glauben zu lassen, daß du schweigst und seine Vorhaben und Methoden billigst. Du sollst ihn lieben, weil er dein Mitmensch ist, aber du sollst ihn hassen in dem Maße, wie er das Böse ausübt und er um der Wahrheit  willen, und nicht nur deinetwegen, dein Feind ist. ... Gottes Güte ist sanftmütig und geduldig, aber sie schließt nie mit dem Bösen einen Kompromiß.”&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote33anc" href="#sdfootnote33sym"&gt;&lt;sup&gt;33&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Diese Predigt für den 13. Sonntag nach Trinitatis 1941 wurde im vollen Wortlaut veröffentlicht in der “Nationaltidende” und sodann in dem Predigtband “Ved Babylons Floder” der bis zum Kriegsende in fünf Auflagen mit insgesamt 13.000 Exemplaren verbreitet wurde. Kaj Munks mutige politische Predigten - 1942 erschien ein zweiter Predigtband: “Med Ordets Sværd”, auch mit fünf Auflagen und 14.000 Exemplaren bis 1945&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote34anc" href="#sdfootnote34sym"&gt;&lt;sup&gt;34&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; - waren nicht nur in seinen Gottesdiensten zu hören, sondern einem großen Leserkreis zugänglich. Es ist keine Frage, daß dadurch das Resistenzpotential besonders unter den Christen in Dänemark verstärkt wurde. Zahlreiche Exemplare der beiden Predigtsammlungen gelangten auch nach Norwegen, sogar bis in die Zellen der politischen Gefangenen im  Osloer Gestapogefängnis Grini, und ermutigten die dortigen Christen im Widerstand.&lt;/span&gt;&lt;sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote35anc" href="#sdfootnote35sym"&gt;&lt;sup&gt;35&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/sup&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt; Daß er sich durch seine Predigten in Lebensgefahr brachte, war Kaj Munk wohl bewußt. Als ihn sein Küster bat, doch vorsichtiger zu sein, antwortete er, er sei kein feiger Hund, der sich davon schliche, wenn er von einem Stärkeren bedroht würde. Er wolle eher sterben, als die Wahrheit zu verschweigen. Und - er stehe in der Verantwortung eines dänischen Pfarrers. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Kaj Munk liebte das Leben und suchte nicht den Märtyrertod, aber er konnte und wollte die Wahrheit auch nicht verschweigen. “Die Kirche ist der Ort, wo das Unrecht in den Bann getan, die Lüge entlarvt, die giftige Bosheit angeprangert werden muß - der Ort, wo Barmherzigkeit geübt werden soll als Quelle des Lebens, als Herzschlag der Menschheit.”&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;1948/49 erschien in Kopenhagen eine neunbändige Gedächtnisausgabe der Werke Kaj Munks&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;: &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;über zwanzig Schauspiele, Lyrik, Kirchenlieder, vaterländische Gedichte, Erzählungen, Kommentare und Essays zum Zeitgeschehen, eine Selbstbiographie, Predigten. Einige seiner Dramen - so: “Ein Idealist” -findet man auch heute auf dem Spielplan dänischer Bühnen. “Das Wort” und “Er sitzt am Schmelztiegel” sind bis heute  Schullektüre. Seine Lieder stehen im Liederbuch der dänischen Volkshochschulen. Im dänischen Volk ist er als christlicher Märtyrer des politischen Widerstands unvergessen. &lt;/span&gt; &lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Im deutschsprachigen Raum - mit Ausnahme der Schweiz, hier erschienen Bücher von ihm und über ihn! - blieb Kaj Munk weithin unbekannt. Im Jahre 1998 gedenkt man in Dänemark des 100. Geburtstages Kaj Munks in Gottesdiensten, Vorträgen, Theateraufführungen und Seminaren. Darauf sollten wir in Deutschland aufmerken, um in Kaj Munk einem politisch wachen Christen mit Zivilcourage und einem Dichter mit starkem Engagement für die Bewahrung der Menschlichkeit zu begegnen. Und vor allem, um von ihm zu lernen, was es heißt, sich zur Zeit wie zur Unzeit zu Jesus zu bekennen, der ein Jude war.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%"&gt;&lt;span style="font-size: 11pt;font-size:85%;"&gt;Paul Gerhard Schoenborn, Dellbusch 298, D-42279 Wuppertal                         &lt;u&gt;Stand: 12. 2. 1998&lt;/u&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;div id="sdfootnote1"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc"&gt;1&lt;/a&gt;   Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: “Praedikerner”, Nyt Nordisk Forlag  Arnold Busck, Kjøbenhavn 1948, S. 349ff.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote2"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote2sym" href="#sdfootnote2anc"&gt;2&lt;/a&gt;  Zu Person, Lebenswerk und Märtyrertod Kaj Munks vgl. das Kapitel   “Kaj Munk - Märtyrer um des offenen Wortes willen” in: Paul  Gerhard Schoenborn, Alphabete der Nachfolge - Märtyrer des  politischen Christus, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1996, S. 48-78&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote3"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote3sym" href="#sdfootnote3anc"&gt;3&lt;/a&gt;   Zum Thema “Rettung der dänischen Juden” vgl.: Jørgen  Glenthøj, The Little Dunkerque: The Danish Rescue of the Jews in  Oct. 1943, in Michael D. Ryon (Ed.), Human Responses to the  Holocaust: Perpetrators and Victims, Bystanders and Resisters,  Papers of the 1979 Bernhard E. Olson Scholars’ Conference on the  Church Struggle and the Holocaust, The Edwin Mellem Press, New York  and Toronto 1980, S. 93-119, ferner: Königlich Dänisches  Ministerium des Äußeren und das Museum des dänischen Widerstandes  1940-1945 (Hg.), Oktober 1943: Die dänischen Juden - Rettung vor  der Vernichtung, Kopenhagen 1993, S. 12ff; ferner: Süddeutsche  Zeitung 2./3. Oktober 1993, S. 9 “Stiller Volksaufstand gegen den  Holocaust”&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote4"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote4sym" href="#sdfootnote4anc"&gt;4&lt;/a&gt;   Jørgen Glenthøj, a.a.O. S. 94&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote5"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote5sym" href="#sdfootnote5anc"&gt;5&lt;/a&gt;   dazu: Johan Hvidtfeld, Ib Koch-Olsen, Axel Steenberg, Dänemark im  2. Weltkrieg - Die deutsche Besetzung 1940-1945, Kjøbenhavn  1950/51, S. 45-48 &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;  &lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote6"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote6sym" href="#sdfootnote6anc"&gt;6&lt;/a&gt;  Daß König Christian X androhte, auch er und die Minister seiner  Regierung würden den Judenstern tragen, falls die entsprechende  Verordnung nicht zurückgenommen werde, ist wohl nur eine im Kern  richtige Legende. Das Diktum läßt sich - so Jørgen Glenthøj -  nicht durch einen Zeugen oder ein Dokument belegen; vgl.: Jørgen  Glenthøj, a. a. O. S. 98. Es war im ganzen Land bekannt, daß König  Christian X. sich seit dem Einfall der Deutschen eindeutig vor die  dänischen Juden stellte. Kurz vor der deutschen Judenaktion am  1./2. Oktober 1943 richtete er ein scharfes Schreiben über den  Reichsbevollmächtigten Dr. Best an den deutschen Außenminister  Ribbentrop. Darin heißt es: “Nachdem mir bekannt geworden ist,  wonach man deutscherseits beabsichtigt, Schritte gegen die Juden in  Dänemark zu unternehmen, ist es mir, nicht nur aus menschlicher  Sorge für die Bürger meines Landes, sondern auch aus Furcht vor  den weiteren Konsequenzen in den künftigen Beziehungen zwischen  Dänemark und Deutschland, sehr daran gelegen, Ihnen gegenüber  hervorzuheben, daß Sondermaßnahmen gegen eine Gruppe von Menschen,  die seit mehr als 100 Jahren die vollen bürgerlichen Rechte in  Dänemark genießen, die schwersten Folgen haben könnten.”&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote7"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote7sym" href="#sdfootnote7anc"&gt;7&lt;/a&gt;   Jørgen Glenthøj, a. a. O. S. 98&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote8"&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote8sym" href="#sdfootnote8anc"&gt;8&lt;/a&gt;   Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: “Praedikerner”, S. 345&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote9"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote9sym" href="#sdfootnote9anc"&gt;9&lt;/a&gt;   zur Rolle von Best vgl.: Ulrich Herbert, Best - Biographische  Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft 1903-1989,  Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger, Bonn, 2. Auflage 1996, besonders  S. 323 - 434, ferner Siegfried Matlok (Hg.): Dänemark in Hitlers  Hand. Der Bericht des Reichsbevollmächtigten Werner Best über  seine Besatzungspolitik in Dänemark, Husum-Verlag, Husum 1988&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote10"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote10sym" href="#sdfootnote10anc"&gt;10&lt;/a&gt;   zu Rolle und Bedeutung von Duckwitz vgl.: Johannes Dose, Georg  Ferdinand Duckwitz in Dänemark 1943-1945, 2. erweiterte Auflage,  Reihe: Berichte und Dokumentationen, hg. vom Auswärtigem Amt, Bonn  1992;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote11"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote11sym" href="#sdfootnote11anc"&gt;11&lt;/a&gt;   Ulrich Herbert, Best, Kapitel “Forschung und Legenden”, S.  368-373, besonders S.370 - Aktennotiz von F.-A. Six über ein  Gespräch mit Best vom 25. 10. 1943 - Es sprengt den Rahmen dieser  Arbeit, Bests Rolle im Dritten Reich und im Nachkriegsdeutschland in  einem längeren Exkurs nachzuzeichnen. Hier nur soviel: Best war  einer der willigen juristischen Helfer Hitlers; so hat er 1934 die  Tötungslisten anläßlich der Niederschlagung der sogenannten  Röhmrevolte aufgestellt. Er war später einer der fähigsten  Mitarbeiter Himmlers, unter anderem als Personalchef der  berüchtigten Einsatzgruppen im Osten. Er hat keineswegs aus  humanitären Gründen, sondern aus taktischen und politischen  Erwägungen - vor allem, um die Lebensmittellieferungen nicht zu  gefährden - die dänischen Juden entkommen lassen. Er fühlte sich  Hitler als politischer Gestalter überlegen; Der Führer wies Best  in dieser Zeit einmal wütend aus dem Zimmer - “Raus! Sofort  raus!” - weil dieser ihm in’s Angesicht widersprach. Darum  riskierte Best, Hitlers Anweisung, die dänischen Juden seien zu  eliminieren, nicht auszuführen, sondern er drängte sie durch sein  diplomatisches Doppelspiel aus dem Land, hinüber nach Schweden.  Nach dem Krieg war Best, der zunächst in Kopenhagen zum Tode  verurteilt und später begnadigt wurde, Justitiar des  Stinneskonzerns in Mülheim. Er gehörte zum rechten Flügel der FDP  in Nordrhein-Westfalen und hat als Rechtsberater - dabei stets im  Hintergrund - zahllosen Kameraden aus SS und Polizei bei  Kriegsverbrecherprozessen geholfen. Von ihm stammt die verteidigende  Rechtsfigur des “putativen Befehlsnotstandes”. Die Darstellung  seines Wirkens in Dänemark, die Best im Gefängnis in Kopenhagen  niederschrieb und die von Siegfried Matlok Jahrzehnte später  veröffentlicht wurde, ist in meinen Augen ein Konstrukt zur  Selbstverteidigung und hat sowohl die zeitgeschichtliche Forschung  als auch populäre Darstellungen irregeführt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote12"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote12sym" href="#sdfootnote12anc"&gt;12&lt;/a&gt;   Text in: Jørgen Glenthøj, Kirkelige Dokumenter fra  Besaettelsestiden, Selbstverlag des Herausgebers 1985, S.10f; zur  Vorgeschichte: Henrik Fossing, Die Haltung der dänischen Kirche  gegenüber der Obrigkeit während der deutschen Besetzung  (1940-1945), in: Ulrich Duchrow (Hg.), Zwei Reiche und Regimente:  Ideologie oder evangelische Orientierung? Internationale  Fallbeispiele zur Theorie und Praxis lutherischer Kirchen im 20.  Jahrhundert, Gütersloh 1977  S. 97-118, bes. &lt;span lang="en-US"&gt;S.  108-113&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote13"&gt;  &lt;p lang="en-US" align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote13sym" href="#sdfootnote13anc"&gt;13&lt;/a&gt;  Henrik Fossing a.a.O. S. 108&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote14"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote14sym" href="#sdfootnote14anc"&gt;14&lt;/a&gt;  Jørgen Glenthøj, The Little Dunkerque, S. 109f&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote15"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote15sym" href="#sdfootnote15anc"&gt;15&lt;/a&gt;   Bericht aus dem Yad Vashem, Jerusalem, in: Königlich Dänisches  Ministerium des Äußeren (Hg.), a. a. O. S. 13&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote16"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote16sym" href="#sdfootnote16anc"&gt;16&lt;/a&gt;   Zeitungsausriß aus “The Jerusalem Post” vom 30. Januar 1979,  übermittelt von L. Kopecky&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote17"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote17sym" href="#sdfootnote17anc"&gt;17&lt;/a&gt;   Königlich Dänisches Ministerium des Äußeren (Hg.), a. a. O. S.  18&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote18"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote18sym" href="#sdfootnote18anc"&gt;18&lt;/a&gt;   zu Frenssen: Rainer Lächele, Germanisiertes Christentum - Der  Bestseller-Autor Gustav Frenssen, in: Evangelische Kommentare,   Stuttgart 2/1997, S. 107-109&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote19"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote19sym" href="#sdfootnote19anc"&gt;19&lt;/a&gt;   Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: “En Digters Vej og andere Artikler”,  S. 271-276&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote20"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote20sym" href="#sdfootnote20anc"&gt;20&lt;/a&gt;   ebda S. 274&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote21"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote21sym" href="#sdfootnote21anc"&gt;21&lt;/a&gt;   ebda S. 274f&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote22"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote22sym" href="#sdfootnote22anc"&gt;22&lt;/a&gt;   Alfred Otto Schwede, Verankert im Unsichtbaren. Das Leben Kaj  Munks, Evangelische Verlagsanstalt, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;  &lt;/p&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size: 9pt;font-size:85%;"&gt;Berlin,  zweite Auflage 1971&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote23"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote23sym" href="#sdfootnote23anc"&gt;23&lt;/a&gt;   Christian Eisenberg, Die politische Predigt Kaj Munks, Verlag Peter  D. Lang, Frankfurt am Main, Bern, Cirenchester/UK 1980, besonders S.  65-75&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote24"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote24sym" href="#sdfootnote24anc"&gt;24&lt;/a&gt;  Ebbe Neergaard, Kaj Munk - Ein Dichter zwischen zwei Weltkriegen,  (Übersetzung: Maria Bachmann-Isler), Artemis Verlag, Zürich 1945&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote25"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote25sym" href="#sdfootnote25anc"&gt;25&lt;/a&gt;  Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: “Dagen er inde og andre Artikler”,  S. 67-69&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote26"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote26sym" href="#sdfootnote26anc"&gt;26&lt;/a&gt;  Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: “Egelykke og andere Skuspil”, S.  7-54&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote27"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote27sym" href="#sdfootnote27anc"&gt;27&lt;/a&gt;   ebda, S. 36 &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;  &lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote28"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote28sym" href="#sdfootnote28anc"&gt;28&lt;/a&gt;   ebda, S. .37&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote29"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote29sym" href="#sdfootnote29anc"&gt;29&lt;/a&gt;   ebda, S. 27f&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote30"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote30sym" href="#sdfootnote30anc"&gt;30&lt;/a&gt;   ebda, S. 51&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote31"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote31sym" href="#sdfootnote31anc"&gt;31&lt;/a&gt;   Zur Wirkungsgeschichte des “Schmelztiegel” in den Jahren 1938  und 1939 vgl. Bjarne Nielsen Brovst, Kaj Munk og den stærke Mand,  Centrum, Aarhus 1992, S. 357-416&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote32"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote32sym" href="#sdfootnote32anc"&gt;32&lt;/a&gt;  Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: “Praedikerner”, S. 258&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote33"&gt;  &lt;p align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote33sym" href="#sdfootnote33anc"&gt;33&lt;/a&gt;   ebda, S. 161f&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote34"&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote34sym" href="#sdfootnote34anc"&gt;34&lt;/a&gt;   vgl.: Ove Marcussen Kaj Munks Bøger, N. C. Roms Forlag, Kjøbenhavn  1955, S. 46 und 49&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;div id="sdfootnote35"&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm"&gt;&lt;span style="font-family:Arial, sans-serif;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote35sym" href="#sdfootnote35anc"&gt;35&lt;/a&gt;   Torleiv Austad, Kaj Munk sett i lys av den norske kirkekamp, in:  Kaj Munk - Dansk rebel og international inspirator Kaj Munk,  Akademisk Forlag, Kjøbenhavn 1995, S. 179f&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;/div&gt; &lt;b style="mso-bidi-font-weight:normal"&gt;&lt;span style="font-family:Tahoma;font-size:14.0pt;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2653169122922592033-7636716718405377427?l=kajmunk-deutsch.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/feeds/7636716718405377427/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/08/kaj-munk-und-die-rettung-der-danischen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/7636716718405377427'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/7636716718405377427'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/08/kaj-munk-und-die-rettung-der-danischen.html' title='Kaj Munk und die Rettung der dänischen Juden 1943'/><author><name>pgs</name><uri>http://www.blogger.com/profile/17000724790988696258</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://2.bp.blogspot.com/_Pv-p2nGhiPM/THKYEmGX4yI/AAAAAAAAAHs/bJMpc4V97Mg/S220/PGSch.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2653169122922592033.post-4499264924310326158</id><published>2010-08-23T09:10:00.000-07:00</published><updated>2010-08-23T09:31:00.731-07:00</updated><title type='text'>Kaj Munk - der politische Pfarrer und Dichter, den die SS erschoss</title><content type='html'>TRANSPARENT hat in manchen seiner Ausgaben auf den dänischen Pfarrer, Dichter und Märtyrer Kaj Munk (1898 – 1944) aufmerksam gemacht. Sein Theaterstück „Er sitzt am Schmelztiegel“ ist in vielen Gemeinden und auch im Haus der Begegnung in der Inszenierung von Deiter Schermeier von Isabel Sandig und Ralf Gottesleben aufgeführt worden, zuletzt in diesem Jahr anlässlich des 70. Geburtstags von Klaus Matthes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun bringt TRANSPARENT ein letztes Mal einen Beitrag zu Kaj Munk: Stichworte zum Vortrag von Paul Gerhard Schoenborn vor der Gruppe Bergisches Land des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS). Darin ein Schmankerl: die auch von Dänen, die des Deutschen mächtig sind, gerühmte Nachdichtung des berühmten Liedes von Kaj Munk „Die blaue Anemone“des rheinischen Pfarrers, Dichters und Krimiautors  und Schriftstellers Christian Hartung aus Kirchberg im Hunsrück. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk - der politische Pfarrer und Dichter, den die SS erschoss&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich soll Ihnen berichten über einen Pfarrer und Dichter, der zum Märtyrer wurde, ich soll berichten über Kaj Munk, den Erneuerer des skandinavischen Theaters  in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und Opfer eines SS-Terrorschlages im Januar 1944. Drei Komplexe werde ich Ihnen vortragen, nämlich zur Person, zur politischen Einstellung und zum literarischen Schaffen Kaj Munks. Mehr Informationen finden Sie in der deutschen Ausgabe von Wikipedia. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Person Kaj Munks&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geboren am 13. Januar 1898 in Maribo, einer Kleinstadt auf der Insel Lolland, getauft als Kaj Harald Leininger Petersen. Die Eltern, der Gerbermeister Carl Emanuel Petersen und seine Frau Anne Mathilde, sterben früh, mit fünf Jahren ist der Kleine Vollwaise. Verwandte der Mutter, die Kleinbauern Peter und Marie Munk aus Opager, einem kleinen Dorf sechs Kilometer von Maribo entfernt, nehmen ihn auf und adoptieren ihn. Von ihnen bekommt er den Namen Munk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk stammt also aus dem Milieu von Handwerkern und Kleinbauern – untere Mittelschicht - nicht aus dem Milieu von Großbürgern und Großbauern oder von Menschen mit akademischer Bildung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Verlust beider Eltern, besonders der Mutter, wirkt tief auf seine Seele ein. Es dauert eine Zeit, bis er die Liebe seiner Pflegeeltern akzeptiert, dann aber ist er ihnen wirklich wie ein Kind bis zu ihrem Lebensende zugetan. Besonders Marie Munk, leicht behindert, doch willensstark und eine gläubige Pietistin, überträgt auf ihn Willensstärke, Gradlinigkeit und einen konservativen Wertekosmos. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu Beginn der Schulzeit hat er Riesenglück, er trifft auf einen wirklichen und   herzensguten Lehrer. Martinus Wested ist Grundtvigianer, ein vielseitig gebildeter christlicher Humanist. Er erkennt die sprachliche, dichterische Begabung des kleinen Kaj und fördert sie, ebenso wie auch der grundtvigianische Vikar Oscar Geismar, später Oberhofprediger in Kopenhagen. Beide führen den Jungen ein in dänische Geschichte und Literatur und begleiteten ihn in enger Freundschaft, solange er lebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Starke Gegenpole bestimmten also den Heranwachsenden: Eltern im Himmel und Eltern auf der Erde, pietistische Frömmigkeit und Glaubensentschiedenheit der Kleinbauern und grundtvigianischer, dänischer, patriotischer Kulturprotestantismus der Lehrer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Physisch ist er nicht der Stärkste, gleicht das aber aus durch einen starken Willen. Psychisch ist er  hin- und hergerissen von starken seelischen Spannungen und eruptiven Emotionen. Er vereinigt absolute Gegensätze in sich, kokettiert mit seinem Sprachwitz und seinen dialektischen Fähigkeiten, ist manchmal genialisch rasch, manchmal auf den Tod matt, also wohl ein manisch-depressiver Typus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Schulleistungen sind hervorragend. Trotz der beschränkten finanziellen Mittel einer Kleinbauernfamilie ermöglichen ihm die Munks ein Theologiestudium.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sinnlose Blutvergießen des ersten Weltkriegs löste,  wie wir wissen, allgemein in Europa eine Kulturkrise aus, bei Kaj Munk bewirkt es eine starke religiöse Krise. Durch Berichte über die blutige Realität auf den Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkriegs wird sein kindlich-vertrauensvoller Glaube an Gott radikal in Frage gestellt. Zeitlebens bleibt sinnloser, früher Tod eine existentielle Anfechtung für ihn. Sein Kinderglaube an den lieben und guten Gott zerbricht und muss neu erkämpft werden. Später radikalisiert ihn zusätzlich die Beschäftigung mit Sören Kierkegaard. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleichzeitig trägt ihn aber seine pietistische Unterströmung. Kaj Munk studiert gründlich Theologie, aber er wird kein theologischer Gelehrter. Er bekommt einen festen Glaubensgrund, das ist für ihn der Jude Jesus.  Am 10. November 1923 um 8,48 Uhr morgens notiert er auf einen Zettel, den er danach stets bei sich trägt: „Was ist Christentum – Ehrfurcht vor Christus.“  Trotz erheblicher Glaubenszweifel im Übergang vom heilen und hellen Kinderglauben zum angefochtenen Glauben eines mündigen Erwachsenen hört er nicht auf,  treulich Tag für Tag zu beten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hat sein theologisches Dienstexamen noch nicht ganz abgeschlossen, als er sich auf die Pfarrstelle der kleinen Dreihundert- Seelen-Gemeinde Vedersø direkt an der Nordseeküste Jütlands bewirbt. Von Januar 1924 bis Januar 1944 amtiert er dort als Dorfpfarrer, der in Dänemark seinem Status nach königlicher Beamter ist. Er geht auf die Jagd, wirkt unter Bauern, Fischern und Tagelöhnern durchaus exzentrisch,  ist sozusagen ein seltsamer Vogel, wird gefeierter Bühnenautor, Kolumnist,  gesuchter Redner, verdient sehr gut an seiner schriftstellerischen Nebenarbeit, heiratet eine Großbauerntochter aus seiner Gemeinde, wird Vater von fünf Kindern. Und bleibt bei all seiner Umtriebigkeit ein treuer Seelsorger, auf den die Gemeinde stolz ist, weniger sein Bischof.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 9. April 1940 besetzen deutsche Truppen Dänemark unter Bruch eines Nichtangriffspaktes. Sie lassen den dänischen Staat, den König, seine Regierung, also die komplette Infrastruktur unangetastet, allerdings unter der Bedingung der Kooperation mit Hitlerdeutschland. Kaj Munk ist zutiefst empört, auch über die Anpassungspolitik der dänischen Regierung in den folgenden Jahren. Er wird zum schärfsten Kritiker der dänischen Kollaboration und zur Symbolfigur des Widerstands gegen die deutsche Besatzungsmacht. Seine Waffe ist das öffentliche Wort. Er ist davon überzeugt, dass die Dänen etwas tun müssten, um die Fremdherrschaft abzuschütteln. Er unterstützt mit Wort und Tat die Widerstandsbewegung, die Dänen aus dem gesamten politischen Spektrum von den Kommunisten bis zu den Radikal-Konservativen umfasst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Im Herbst 1943 die Sabotageakte zunehmen, ordnen Hitler und Himmler als Gegenmaßnahme Terrormaßnahmen an. Zum Jahresende wird von Berlin aus ein SS-Spezialkommando in Marsch gesetzt, SS-Männer der Gruppe Skorzeny, die zuvor den  Duce befreit hatte. Sie sollen in der dänischen Bevölkerung Angst und Schrecken auslösen und die Widerstandsbewegung einschüchtern. Sie haben konkret den Auftrag, bei Nacht und Nebel prominente Personen aus dem dänischen Widerstand zu ermorden. Einer der Namen: Kaj Munk. Am Abend des 4. Januar  1944 wird er in seinem Pfarrhaus verhaftet und Stunden danach am Rande der Reichsstraße 15 bei Silkeborg erschossen. Die Stimme des Widerstands sollte zum Schweigen gebracht werden. Aber die Stimme des Ermordeten wird fortan noch deutlicher und lauter als zuvor gehört.  Eine Fülle von illegalen Flugblättern und Texten von dem und über den Märtyrer Kaj Munk kursieren bis zum Kriegsende im Untergrund und spornen den dänischen Widerstand an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freunde setzen später auf der Rabenhöhe bei Holstebro einen Gedenkstein mit der Inschrift „Kaj Munk starb am 4. Januar 1944 für sein Vaterland. Einige müssen sich opfern, damit andere leben können". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Rand der Reichsstraße 15 steht bei Hørbylunde Bakke, 4 Kilometer westlich vor Silkeborg, ein großes archaisches Kreuz aus Granit - ohne Inschrift, ohne Namen oder Jahreszahl. Aber jeder Däne weiß: An dieser Stelle wurde Kaj Munk erschossen. Stets stehen Blumen vor dem Kreuz. Das Volk kennt seine Heiligen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur politischen Ausrichtung Kaj Munks&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Dramatiker und Kolumnist Kaj Munk ist zu Lebzeiten und noch bis zum heutigen Tag umstritten wegen seiner politischen Gesinnung, der er sowohl in seinem schriftstellerischen Werk wie in seinem Journalismus deutlich Ausdruck gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er tritt als wortmächtiger Einzelkämpfer auf und gehört keiner Partei oder politischen Gruppierung an. Er ist Verkündiger und Künstler zugleich und fühlt in sich eine starke Berufung, das dänische Volk aufzurütteln und zu reformieren. Christliche Maßstäbe verbinden sich bei ihm mit einem antimodernen, absolutistischen Wertkonservativismus. Seiner politischen Überzeugung nach gehört er in das dänische radikal-konservative Spektrum, und das ist in jener Zeit  demokratie- und sozialismus-kritisch, um nicht zu sagen: -ablehnend. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk ist als dänischer königstreuer Patriot niemals faschistisch oder gar nationalsozialistisch orientiert, wie ihm gewisse dänische Kreise von 1945 bis heute vorwerfen. Aber er vertritt einen romantischen Heroismus und erhofft sich Heil von der Herrschaft starker Führerpersönlichkeiten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Parlamentarismus in seiner Ausprägung nach dem Ersten Weltkrieg sieht er als für die Entwicklung eines Volkes ungeeignet an. Er gibt dieser Überzeugung in Wort und Schrift deutlich Ausdruck. Dagegen sieht er in der gestaltenden Kraft von Mussolinis Faschismus in Italien einen geschichtlichen Ordnungsfaktor, den er als Modell für die Entwicklung auch Skandinaviens für wünschenswert hält. Auch die sich nach 1933 wirtschaftlich bessernden Verhältnisse in Deutschland unter Hitler scheinen ihm in dieselbe Richtung zu deuten. Kaj Munk ist der – ich muss leider sagen: naiven - Ansicht, dass aufrichtige und aufopferungsbereite Führergestalten mit Idealismus und Überzeugungskraft in ihren Völkern positive Entwicklungen in Gang setzen können. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die weitere Politik Mussolinis und Hitlers lassen ihn auf kritische Distanz zu diesen beiden Diktatoren gehen. Er bleibt radikal-konservativ, sein Wertkonservativismus schlägt Alarm. Mussolinis Abessinienkrieg verurteilt er ganz und gar. Dem gibt er Ausdruck in dem Drama „Sejren“ („Der Sieg“).  Der Duce ist eine der Hauptpersonen in dem Stück. Zu dem Stück existieren zwei Schlüsse: In dem ursprünglichen wird der Duce von seiner christlich-pazifistischen Frau getötet, die sich dann auch selbst tötet. Der Papst, ein frommer Mönch, kein Kirchenfürst, spricht ein ergreifendes Schlusswort. In der anderen Fassung erschießt Mussolini seine Frau und schnappt danach im Größenwahn über: Nun werde ihn, den Beherrscher der Welt, niemand mehr aufhalten, lautet sein triumphierendes Schlusswort. Dieses Schauspiel führt zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Rom und Kopenhagen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk kommentiert in der Folgezeit auch die Entwicklung im Nachbarland Deutschland zunehmend kritisch. Hitlers unmenschliche Behandlung der Juden in Deutschland empört ihn zutiefst. Am 17. November 1938 - eine Woche nach dem reichsweiten Pogrom in Deutschland - erscheint in der Tageszeitung „Jyllands-Posten“ sein offener Brief an Mussolini. Darin beschwört Kaj Munk den Duce, Hitler von den Judenverfolgungen abzubringen, sie seien eines großen Kulturvolkes wie des deutschen unwürdig. Mussolini wird wahrscheinlich niemals von diesem offenen Brief erfahren haben. Der eigentliche Adressat des Briefes ist die dänische Öffentlichkeit. Munk artikuliert in ihm Abscheu und Entsetzen der Mehrzahl der Dänen gegenüber der „Reichskristallnacht“. Er sensibilisiert seine Landsleute auch durch sein politisches Theaterstück „Er sitzt am Schmelztiegel“ gegen Rassenideologie und Antisemitismus des großen Nachbarn im Süden. Im schleswigschen Grenzland erhebt sich daraufhin Protest dänischer Nazis und deutscher Zeitungen. Eine Nachwirkung des vieldiskutierten Stücks ist, dass sich die Dänen im Herbst 1943 dem deutschen Versuch widersetzen, das Land „judenrein“ zu machen. Sie retten ihre jüdischen Mitbürger fast vollständig nach Schweden hinüber. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Nach der Besetzung Dänemarks sollen nach Kaj Munks fester Überzeugung die Dänen jede Art von Kollaboration vermeiden, den Besatzern die kalte Schulter zeigen und sich stattdessen auf die eigenen Befreiungstraditionen besinnen, einschließlich der früheren gewaltsamen Beseitigung von Tyrannen, die das Land unterjochten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedem Dänen ist damals die historische Gestalt des Freiheitshelden aus dem Mittelalter Niels Ebbesen bekannt. Der jütländische Großbauer ist sozusagen der “dänische Wilhelm Tell“. Dieser, ein durch und durch friedfertiger Mann, erschlug - trotz seiner Skrupel - am 10. April 1340 den Grafen Geert, einen holsteinischen Warlord,  der sich ganz Skandinaviens bemächtigen wollte. Kaj Munk schreibt gleich nach dem deutschen Überfall im Frühsommer 1940 ein Bühnenstück darüber. Es wird, solange Dänemark besetzt ist, nicht aufgeführt. Aber 1942 erscheint es im Druck. Die gesamte Auflage soll am Erscheinungstag beschlagnahmt werden. Doch nur wenige Exemplare der Auflage in Höhe von 16.000 Stück fallen der Polizei in die Hände. Die übrigen “verteilt” die dänische Untergrundbewegung. Munk liest und interpretiert Teile des Schauspiels vom Herbst 1940 an in zahlreichen dänischen Städten und zur Verärgerung des deutschen Reichsbevollmächtigten Werner Best sogar vor dem dänischen König. Als er daran gehindert wird, finden sich viele andere, die diese Protestaktion fortsetzen und Lesungen des Freiheitsdramas veranstalten. In Vedersø wird „Niels Ebbesen“  heute noch von Zeit zu Zeit durch die Bevölkerung am See bei dem alten Pastorat aufgeführt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk nimmt eine landesweite, aufreibende Vortragstätigkeit in Kirchengemeinden und Landvolk-Hochschulen auf. Er will durch sein Wort den Widerstandswillen seiner Landsleute stärken. Er wird jedoch darin immer mehr behindert. Der deutsche Geheimdienst überwacht ihn, der Kirchenminister bestellt ihn ein und rät ihm dringend zu unauffälligem Verhalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Kostproben aus seinen gedruckten (!) Predigten der Jahre 1941/42 dokumentieren unmissverständlich seine Aufrufe zum Widerstand: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Verbrecher können die Macht über ganze Völker an sich reißen und alle bestehenden Werte umstürzen und so viel Schändlichkeiten und Leiden verursachen, dass der Tempelritter in uns aufgerufen wird. Und da geschieht es, dass wir Christi Wort als einen Befehl vernehmen: Hängt Mühlsteine um den Hals derer, die den Kleineren und Schwächeren ans Leben wollen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oder: „Es gibt Mitmenschen, ... denen man am besten einen Dienst erweist, indem man sie totschlägt. Dies meine ich buchstäblich. Niels Ebbesen gegen den Grafen Geert zum Beispiel. Der kahlköpfige Graf hätte sich ein paar Jahre mehr Hölle erworben, wenn seine Verbrechen am 10. April 1340 nicht gestoppt worden wären. Und wenn es nicht aus Rücksicht auf den Grafen geschehen war, so war es doch eine barmherzige Samaritertat gegenüber dem mit Füßen getretenen, leidenden Volk. ... ‘Du sollst deinen Feind lieben’ bedeutet nicht: ‘Du sollst dich auf ihn einstellen und ihm recht geben.’ Ganz im Gegenteil. Du sollst ihn lieben, so dass du eher in sein Gesicht spuckst, als dass du das Verbrechen ihm gegenüber begehst, zu schweigen und ihn glauben zu lassen, dass du seine Vorhaben und Methoden billigst. Du sollst ihn lieben, weil er dein Mitmensch ist, aber du sollst ihn hassen in dem Maße, wie er das Böse ausübt und er um der Wahrheit  willen, und nicht nur deinetwegen, dein Feind ist. ... Gottes Güte ist sanftmütig und geduldig, aber sie schließt nie mit dem Bösen einen Kompromiss.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ab 1943 ist es ihm fast nicht mehr möglich, etwas zu publizieren. Aber seine vaterländischen Gedichte und auch eine kleine Predigtsammlung, für deren Druck eigens ein Verlag gegründet und gleich wieder liquidiert worden war, und manch anderer Text laufen als Untergrundliteratur durch Dänemark. Buchhändlern wird verboten, seine Bücher auszustellen. Ein Einakter „Ewalds Tod“ wird als Werk seines Freundes Holger Gabrielsen gedruckt und sogar im Königlichen Theater  aufgeführt. Kaj Munks Waffe ist und bleibt das Wort - am Ende nur noch das verkündigte Wort Gottes, seine Predigten. Er ist mit den Jahren begütert worden und unterstützt den bewaffneten Widerstand mit großen Summen und stellt sein abgelegenes weiträumiges Jagdareal für britische Fallschirmabwürfe von Waffen, Dynamit und Funkgeräten zur Verfügung. Im Herbst 1943 nehmen seine Frau und er einen jüdischen Jungen, den Sohn von Freunden, die in den Untergrund beziehungsweise nach Schweden abgetaucht sind, bei sich auf. Jeder in seiner Kirchengemeinde Vedersø weiß davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum schriftstellerischen Werk Kaj Munks &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der kleine Kaj ist unzweifelhaft sehr begabt, intelligent, wissbegierig und lerneifrig. Früh ist erkennbar, wie gut er mit seiner Muttersprache, mit den Worten, mit dem Klang und dem Rhythmus von Reimen umgehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ganz sachte kommt der Lenz gegangen,&lt;br /&gt;bald wird der Sommer schimmernd prangen.&lt;br /&gt;Der Vogel haust im grünen Hain,&lt;br /&gt;er jubiliert tagaus, tagein.&lt;br /&gt;Für uns nur singt er seine Weise,&lt;br /&gt;und Gras und Blumen recken sich leise.&lt;br /&gt;So können wir die Hoffnung hegen,&lt;br /&gt;dass uns ein fruchtbar Jahr beschert&lt;br /&gt;voll Sonn’ und voller Freud’ und Segen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Gedicht und manche anderen eigenen Texte schreibt der neunjährige Kaj auf Packpapier aus dem örtlichen Konsum auf, als er zu Haus das Bett hüten muss und nicht zur Schule gehen kann.. Als Lehrer Wested seinen kranken Schüler besucht, ist er erstaunt und gerührt über dieses Gedicht, das in Aussage und Klang an Grundtvigs Choräle erinnert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon als Schüler verfasst Kaj Munk beachtliche Texte: Kurzgeschichten, Choräle, Dramen. Zeitweilig überlegt er sogar, sein Theologiestudium in Kopenhagen abzubrechen und ausschließlich Schriftsteller und Dichter zu sein. Davon halten  aber seine Eltern nichts, die ihm das Studium unter großen Opfern ermöglichen. So wird er Dorfpfarrer in Vedersø. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er führt dort seine literarischen Arbeiten weiter. Im Jahre 1928 spielt das Königliche Theater in Kopenhagen erstmals sein grandioses Bühnenstück über Herodes den Großen: „Ein Idealist“. Die Inszenierung des stark und ungeschickt gekürzten Dramas überzeugt nicht. Es gibt nur wenige Aufführungen; danach verschwindet das Schauspiel vom Spielplan. Es gibt indes in diesem Zusammenhang eine kleine, für Kaj Munk bezeichnende Episode zu berichten: Nach der Premiere sollen Kaj Munk, der Regisseur, einige Schauspieler und andere Mitarbeiter des Theaters in einem Restaurant beisammen gesessen haben. Man habe Kaj Munk wegen seines Dramentextes viele lobende Worte gesagt und wollte ihn hochleben lassen. Da sei er erregt aufgesprungen und habe gerufen, aller Ruhm in Hinblick auf dieses Drama gehöre Gott allein. Man möge also gefälligst Gott loben und ihm die Ehre geben, aber nicht ihm, dem Menschen aus Vedersø. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk schafft dann den Durchbruch als anerkannter und gefeierter Dramatiker 1931 durch sein Schauspiel über Heinrich VIII, „Cant“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den folgenden Jahren wird er, der Dorfpfarrer, zum Erneuerer des skandinavischen Theaters. Im Jahre 1938 kann man in Kopenhagen auf verschiedenen Bühnen fünf seiner Schauspiele sehen. Die königliche Regierung ehrt ihn mit einem jährlichen Dichtersold. Er gibt das Geld zu je einem Drittel weiter: seiner Gemeindeschwester und der Armenkasse des Dorfes – und an einen Fond, der sich einsetzt für die Heimholung Südschleswigs in das Königreich Dänemark.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1925 verfasst Kaj Munk – er ist gerade ein Jahr im Pfarramt - auf Anraten des künstlerischen Beraters des Königlichen Theaters in Kopenhagen, Professor Hans Brix, ein Schauspiel, das das Leben der Menschen in den dänischen Dörfern dramatisiert. Bisher waren Bauern kein ernsthaftes Thema in der dänischen Bühnenliteratur, sondern kamen höchstens als tölpelhafte Randfiguren oder nur in Bauernschwänken vor. Munk überschreibt sein Stück zunächst so: „Im Anfang war das Wort – eine Legende aus unseren Tagen“. Auslöser bei ihm ist ein Geschehen, das ihn bis ins Mark erschüttert hatte: Er muss im November 1925 eine Bauersfrau, die im Kindbett verblutet ist, zusammen mit ihrem neugeborenen Kind beerdigen. „Ordet“, - „Das Wort“ thematisiert das absolut sinnlose Sterben, dass die Zurückbleibenden völlig hilflos macht, aber darüber hinaus die sozialen und kirchlichen Spannungen in einem jütländischen Dorf. Es handelt von Liebe und Wahnsinn und problematisiert Vernunft und Wunderglauben. Am Ende weckt ein von der Wahnvorstellung, er sei der wieder zur Erde zurückgekehrte Jesus von Nazareth, geheilter Theologiestudent seine tote Schwägerin wieder auf. Aber der Schauspieltext lässt offen, ob es wirklich eine Totenauferweckung war - oder man die Leichenschau auf dem Lande verbessern müsse. &lt;br /&gt;Die Theaterleitung des „Königlichen“ weigert sich, das Schauspiel anzunehmen. Man könne solch ein mit christlichen Themen dicht gefülltes Theaterstück dem aufgeklärten, säkularen Hauptstadtpublikum nicht zumuten. Erst 1932 hat ein  Kopenhagener Privattheater den Mut, das Stück aufzuführen. Diese Bühne steht kurz vor dem Bankrott. Aber „Das Wort“ wird ein sensationeller Erfolg. Es rettet das Betty-Nansen-Theater vor dem Untergang und löst große Diskussionen in der Öffentlichkeit aus. Ein Kritiker schrieb damals, harte Geschäftsleute in der dänischen Hauptstadt hätten sich danach über Glauben und Wunder ereifert und aufgetakelte Damen der feinen Gesellschaft sich schluchzend über Liebe, Sterben und die Existenz nach dem Tode ausgetauscht. Bereits im ersten Theaterjahr 1932/33 erlebt „Das Wort“ in Skandinavien insgesamt 582 Aufführungen (und immerhin im Winter 1934/35  sechs im Schweriner Staatstheater, übrigens in der Übersetzung von Erwin Magnus, einem deutschen Juden, der wenig später wie so viele andere ins Exil getrieben wurde). Das Textbuch hat bis 1962 neunzehn Auflagen mit 67.000 Exemplaren erreicht – ein höchst erstaunlicher Sachverhalt, weil Textausgaben von Schauspielen eigentlich im Buchhandel schwer gehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer, Lehrmeister Ingmar Bergmanns, hat Munks Schauspiel mit filmischen Mitteln in seinem Film „Ordet“ interpretiert. Ein starker Dramentext fand einen kongenialen Regisseur! Dreyers Film zähle zu den ungefähr zehn wirklichen filmischen Kunstwerken, sagte mir eine Berliner Regisseurin und Theaterwissenschaftlerin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte an dieser Stelle einige grundsätzliche Hinweise zu Kaj Munk als Dramatiker geben: Gewöhnlich wird die Sprache seiner Bühnenwerke als expressionistisch charakterisiert. Mir will das nicht einleuchten, wenn ich Munks Texte mit anerkannt expressionistischen Werken vergleiche. Aber irgendwann stand das so in einem Theaterhandbuch und wird seitdem unbedenklich abgeschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk geht es um pralles, mitreißendes dramatisches Geschehen auf der Bühne. Er will einen Theaterstil des niedlich-gemütlichen Biedermeier oder der blutleeren blassen Gedankenspielereien, der damals auf den skandinavischen Bühnen  gepflegt wird, radikal ablösen. Die Personen, die in seinen Stücken vorkommen, werden von ihm als lebendige, klar gegeneinander abgegrenzte Charaktere mit Stärken, Schwächen und Widersprüchlichkeiten gezeichnet. In meisterhaften Repliken prallen sie aufeinander; reißen die Zuschauer emotional mit und lösen intensive Diskussionen aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Schauspiel „Das Wort“ ist – wie die meisten anderen seiner Theaterstücke - ein starker Beleg dafür, dass Kaj Munk sich nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Dichter dazu berufen wusste, eine zunehmend säkulare Umwelt mit Gott, mit dem lebendigen Christus zu konfrontieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munks schriftstellerische, volkstümliche Produktion neben seinen mehr als zwanzig Bühnenwerken kann ich hier nur streifen: Ein Filmskript, Kinderbücher, seine Lebenserinnerungen bis zu dem Moment, als er erfährt, dass „En Idealist“ vom Königlichen Theater in Kopenhagen angenommen ist (viele Auflagen, auch nach dem Zweiten Weltkrieg, mit allein 600.000 dänischen Exemplaren!), patriotische Gedichte, Nacherzählungen des lukanischen Geschichtswerks (Evangelium und Apostelgeschichte) für eine besondere Ausgabe des Neuen Testaments, wiedergegeben von dänischen Dichtern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht außer Acht lassen kann ich seine Journalistik, seine Kolumnen in den dänischen Tageszeitungen, besonders in „Jyllands Posten“, der Zeitung, die wir von den Mohamedkarikaturen kennen. In elf Jahren veröffentlichte er mehr als 600 Artikel zu allen möglichen Themen aus Kirche, Kultur und Politik.  Den offenen Brief an Mussolini habe ich bereits erwähnt. Die provozierenden, oft bis an die Grenze des guten Geschmacks gehenden Feststellungen Kaj Munks lösten oft lang anhaltende Kontroversen aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Kostproben: Kaj Munk ist entschiedener Gegner der damaligen dänischen Abtreibungsgesetzgebung. In einer adventlichen Betrachtung schreibt er, wenn es damals, als der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die Gottesbotschaft überbrachte, sie werde ein Kind bekommen, im Land Palästina ähnliche Gesetze  gegeben hätte, so wäre sie sogleich zu einem Frauenarzt gelaufen und hätte ihre Leibesfrucht abtreiben lassen. „Und“, so schließt Kaj Munk, „was wäre dann wohl  aus unserer Erlösung geworden?“ Das lesen die Dänen und regen sich auf: So etwas schreibt ein Pastor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein anderes Mal hat er das Werk eines ehemaligen Pfarrers aus Dithmarschen, Gustav Frenssen „Der Glaube der Nordmark“ zu rezensieren, das gerade auf Dänisch erschienen ist. Frenssen erklärt darin, die Behauptung einer Einheit Gottes mit dem Juden Jesus von Nazareth sei für den Glauben des „nordischen Menschen“ unannehmbar. Kaj Munk stellt klar:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Was ist das Zentrale im Christentum? Nicht Golgatha, nicht der Versöhnungstod, nicht die Dreieinigkeit, nicht die Vergebung der Sünden, nicht die Jungfrauengeburt, nicht das Abendmahl. Das Zentrale im Christentum ist Jesus. Nicht weniger, nein, aber wahrhaftig auch nicht mehr ... Aber dieser Jesus war Nicht-Arier! Das müssen wir in der Tat zugeben. Als Gott seinen Sohn geboren werden ließ, konnte er dafür kein Herrenvolk mit der Anlage zum Größenwahn gebrauchen. Es ist groß, Arier zu sein, aber es ist doch noch größer, Mensch zu sein. ... Jesus war ein Jude, und ‘Sohn Davids’ und ‘Sohn des Menschen’ waren die zwei Würdenamen, die er so souverän miteinander vereinen konnte, dass zweitausend Jahre davor gekniet haben. (“Jyllands-Posten” vom 29. November 1936) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kehre zum Schluss noch einmal zu einem Einakter zurück, der im Dezember 1943 in der Literaturzeitschrift „Bogrevy“ erscheinen sollte und als Sonderdruck im Untergrund seine Runde macht. Sein Titel „Vor Cannae“, sein Inhalt: Am Vorabend der berühmten Schlacht zwischen den Puniern und den Römern im Jahre 216 vor Christus, taucht der römische Feldherr Quintus Fabius Maximus vor dem Zelt Hannibals auf. Er versucht, dem Punier die Sinnlosigkeit der Vernichtung von Leben vor Augen zu führen und ihm Frieden anzubieten. Hannibal lehnt das Friedensangebot ab, weil er seines Sieges sicher ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Vor Cannae“ ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es das letzte Bühnenstück Munks mit einem offenkundigen politischen Hintergrund. Zum andern ist es einer der stärksten Dialoge aus seiner Feder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;HANNIBAL Dieses Mal wollt ihr mich also schlagen. Und deshalb kommst du, um mir den&lt;br /&gt;Freundesrat zu geben ohne Kampf zu flüchten?&lt;br /&gt;FABIUS Du hältst mich für einen alten Idioten. Du hast Recht; das bin ich ohne Zweifel.&lt;br /&gt;Dasselbe glauben sie von mir zu Hause in Rom. Und das ist das Vertrauenerweckende an mir. Du, Hannibal, du bist ein Genie, das wird von uns allen anerkannt, und wir danken Jupiter dafür, dass du nicht bei uns geboren wurdest. Das schlimmste Schicksal, das ein Volk treffen kann, ist von einem Genie heimgesucht zu werden. Das Genie ist von der fixen Idee besessen, dass es mit uns Idioten fertig werden kann. Das kann es niemals. Deshalb ist es verloren.&lt;br /&gt;HANNIBAL Kommst du zu mir, um mich zum Idioten zu machen?&lt;br /&gt;FABIUS Was ist es eigentlich, was du willst? Rom ausrotten? Gut. Und was ist es, was Rom&lt;br /&gt;will? Karthago ausrotten. Gut. Aber schau, ich ... was will ich? Ja, wer bin ich? Ich bin ein alter Mann, so alt, dass ich ein Mensch geworden bin. Ich bin so, dass ich, wenn ich auch in Rom wohne, doch meine, es sei ungefähr gleich wenig gewonnen, wenn die eine oder die andere der beiden Städte abgeschafft würde. Ich habe fünf Kinder und dreizehn Enkel. Ich liebe es, diese Kinder spielen zu sehen. Und ich bilde mir ein, dass Kinder in Karthago ungefähr in derselben Weise spielen wie Kinder in Rom. Das ist die eine Sache. Die andere ist, dass Rom Handel treiben soll, und Karthago soll auch Handel treiben. Ich will lieber mit einer Stadt handeln als mit einem Steinhaufen, wie bitte?&lt;br /&gt;HANNIBAL Deine Argumente machen keinen Eindruck auf mich. Ich bin nicht verheiratet, ich&lt;br /&gt;habe weder Kinder noch Enkel. …&lt;br /&gt;FABIUS Hast du keine Kinder, kannst du welche bekommen. Und du bist wohl auch selbst&lt;br /&gt;einmal Kind gewesen  und hast gespielt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bereits in jungen Jahren hatte die Person des punischen Feldherrn Hannibal den Dichter fasziniert - so sehr, dass er vorhatte, ein Drama mit Hannibal als Hauptperson zu schreiben, in dem dieser als Held gegen das welterobernde und unterdrückende römische Imperium kämpft. In „Vor Cannae“ hat sich diese Charakteristik des Karthagers unter dem Eindruck der politischen Entwicklung in Europa und des Zweiten Weltkrieges doch ins Gegenteil verkehrt. Nunmehr ist Hannibal der Tod und Zerstörung symbolisierende Diktator und Rom der Hort von Humanität und Lebenswillen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man geht nicht fehl, in den beiden Heerführern, die hier einen Dialog führen, Winston Churchill und Adolf Hitler zu sehen. Kaj Munks historische und politische Schauspiele sind immer transparent auf das politische Gebot der Stunde. Wer Ohren hat zu hören, vernimmt diese Subtexte. In „Niels Ebbesen“ geht es um Kollaboration, Fraternisierung und gewaltbejahenden Widerstand im besetzten Dänemark. In „Vor Cannae“, verfasst nach der endgültigen Wende von Hitlers Schlachtenglück in Stalingrad, geht es um Beendigung eines sinnlos gewordenen Eroberungskrieges im modernen Europa. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fabius verkörpert die englische Mentalität, die eine ruhige und friedliche Entwicklung anstrebt und trotz vieler Niederlagen eine Zähigkeit und Ausdauer besitzt. Sie sichert  letztlich Sieg und Überleben jener humanen Werte, die das Kernstück christlichen Glaubens darstellen, den Kaj Munk mit seiner ganzen Persönlichkeit in seinem gesamten Schaffen immer wieder so stark und lebendig bezeugt hat. Hannibal hingegen repräsentiert den kalten von einer abstrakten Idee besessenen Eroberer, dessen Herrenvolk-Mentalität sich im Glauben an die eigene Erwähltheit und Einmaligkeit hochmütig über diese Werte hinwegsetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Fabius Hannibal verlässt, ist er sich zwar bewusst, dass sein Heer am kommenden Tag geschlagen wird. Er ist aber auch gewiss, dass Hannibals Sieg den Keim der Vernichtung in sich trägt, weil am Ende die Kräfte der Erhaltung über die der Zerstörung obsiegen werden - weil das Leben immer wieder über den Tod triumphiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;FABIUS  … Hannibal, Phöniziens genialer Feldherr, ein alter Römer bietet dir seine Hand, sollten wir nicht der Welt Antwort geben?&lt;br /&gt;Hannibal Ha!&lt;br /&gt;FABIUS (erhebt sich abrupt; mit gänzlich veränderter Miene, beinahe jung, sagt er hart, knapp und kalt:) Dann kondoliere ich dir zu deinem morgigen Sieg. 	&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und seine Schritte hören sich an  wie ein Heer auf dem Marsch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich schließe mit einem Gedicht Kaj Munks, das die Dänen lieben und oft und gern singen, sogar diejenigen, die sich bis heute an ihm reiben und etwas an ihm auszusetzen haben, weil er an ihr schlechtes Gewissen rührt. Achten Sie auf den Subtext: so wie der Frühling kommt und die grimmige Herrschaft des Winters beendet, so gewiss kommt die Befreiung von der deutschen Besatzung.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die blaue Anemone&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Was war hier nur geschehen? / Mein hart wie Stein gefrornes Herz&lt;br /&gt;schmilzt schon beim bloßen Sehen / am ersten Tag im März.&lt;br /&gt;Was brach da durch das Wintergrau / und schmückt das schwarze Beet so blau,&lt;br /&gt;als ob's im Himmel wohne? / Die kleine Anemone: / Ich pflanzt' sie da genau.&lt;br /&gt;  &lt;br /&gt;2. Ich hab sie mitgenommen / von Lolland, meinem Kindheitsort. &lt;br /&gt;Als ich hierher gekommen, / dacht' ich: Nun bleibt sie fort. &lt;br /&gt;Ihr fehlt die Heimat, Wald und Baum, / die laue Luft, der milde Raum; &lt;br /&gt;in dieser Feindeszone / vergeht die Anemone; / das überlebt sie kaum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Jetzt seh ich sie sich wiegen / im kalten Wind vom nahen Strand. &lt;br /&gt;Sie lässt sich nicht besiegen / von Jütlands Kies und Sand, &lt;br /&gt;als gäbe ihr die Widrigkeit / nur eine größ're Sicherheit: &lt;br /&gt;Wie eine Amazone / steht meine Anemone / und ist zum Kampf bereit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Was ist hier nur geschehen? / Mein kalt und hart gefror'nes Herz – &lt;br /&gt;es schmilzt beim Wiedersehen / am ersten Tag im März. &lt;br /&gt;Ich dachte: "Hier ist ewig Schluss / mit Freude!", da ich wohnen muss &lt;br /&gt;vor Winterkönigs Throne. / Nun schickt die Anemone / mir einen frohen Gruß. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Die blauen Blütenblätter / sind mir des Frühlings Täuflingskleid, &lt;br /&gt;sind mein willkomm'ner Retter / aus Hoffnungslosigkeit. &lt;br /&gt;Ich bücke mich und streichle sacht / die neue zarte Blütenpracht. &lt;br /&gt;Wie hat dich mir zum Lohne, / du kleine Anemone, / der Schöpfer schön gemacht!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaj Munk 1943 - Melodie: Egil Harder 1945 - deutsche Nachdichtung: Christian Hartung 2009&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Paul Gerhard Schoenborn, 12. Juli 2010&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2653169122922592033-4499264924310326158?l=kajmunk-deutsch.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/feeds/4499264924310326158/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/08/kaj-munk-der-politische-pfarrer-und_23.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/4499264924310326158'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/4499264924310326158'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/08/kaj-munk-der-politische-pfarrer-und_23.html' title='Kaj Munk - der politische Pfarrer und Dichter, den die SS erschoss'/><author><name>pgs</name><uri>http://www.blogger.com/profile/17000724790988696258</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://2.bp.blogspot.com/_Pv-p2nGhiPM/THKYEmGX4yI/AAAAAAAAAHs/bJMpc4V97Mg/S220/PGSch.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2653169122922592033.post-2313994535689409593</id><published>2010-08-16T12:59:00.000-07:00</published><updated>2010-08-16T12:59:11.368-07:00</updated><title type='text'>Kaj Munk Online - Deutsch</title><content type='html'>Die alte Seite ging aufgrund fehlender Updates - glauben wir - und wir haben nicht die Mittel zu geben, die Website die Aufmerksamkeit es sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So, jetzt haben wir die Zeit nutzen, sich zu bewegen und zu vereinfachen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;vh&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;http://www.kajmunk.dk/&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2653169122922592033-2313994535689409593?l=kajmunk-deutsch.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/feeds/2313994535689409593/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/08/kaj-munk-online-deutsch.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/2313994535689409593'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2653169122922592033/posts/default/2313994535689409593'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://kajmunk-deutsch.blogspot.com/2010/08/kaj-munk-online-deutsch.html' title='Kaj Munk Online - Deutsch'/><author><name>TinyZorro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/04141202525068564783</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
